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Samstag, 21. Januar 2017

Rezension zu "Die sieben Schwestern" von Lucinda Riley

Mittelmäßiger Reihenauftakt mit lehrreichem historischen Hintergrund

 

Zum Inhalt:
Die sieben Schwestern ist der 1. Band der gleichnamigen Reihe. Maia d'Aplièse ist die älteste von 6 Töchtern, die ihr Vater aus allen Teilen der Welt adoptiert hat. Als einzige ist sie auf dem Anwesen ihres Vaters geblieben während ihre Schwestern in alle Ecken der Erde verstreut worden sind. Gerade, als Maia einige Tage in Lndon verbringt, verstirbt jedoch ihr geliebter Vater. Ihre komplette Welt bricht zusammen, denn ohne Pa Salt wird das Anwesen "Atlantis" nie wieder dasselbe sein. Als sich die Schwestern beim Notar einfinden, werden ihnen Briefe überrreicht - Briefe, die ihr Vater jeder von ihnen kurz vor seinem Tod gewidmet hat. Sie enthalten Hinweise auf ihren eigentlichen Geburtsort. Gemeinsam mit dem Schriftsteller Floriano begibt sich Maia auf die Suche nach ihrer Vergangenheit - und taucht ein ins Brasilien der 1920er Jahre, das stark von Aufbruchsstimmung geprägt ist...

Meine Meinung:
Da ich lange keine Familienromane mit Geheimnissen gelesen habe, dachte ich mir, dass es mal wieder an der Zeit ist, das zu tun. In der Bibliothek sprang mir daher dieses Buch von Lucinda Riley ins Auge und so lieh ich es mir kurzerhand aus, weil ich noch nie einen solchen Roman gelesen habe, der besonders Brasilien in den Vordergrund rückt.

Die Sprache, die die Autorin verwendet, fand ich nicht in irgendeiner Art und Weise besonders. Sie legt extremen Wert auf die Handlungen der Charaktere, anstatt noch etwas näher ihr Gefühlsleben zu beleuchten. Somit wird klar, dass gravierend der Verlauf der Handlung im Vordergrund des Buches steht, was ich allerdings nicht ganz so tragisch finde. Leider gibt es jedoch zwischenzeitlich solch verschachtelte Sätze, dass man diese mehrmals lesen muss, um wirklich zu verstehen, was hier gemeint ist. Ich weiß leider nicht, ob dies der deutschen Übersetzung geschuldet ist, aber es war dann zwischenzeitlich ein wenig anstrengend, den Erzählungen zu folgen, wenn in einem Satz viel zu viele Informationen enthalten waren. Das Buch selbst ist in zwei Erzählstränge unterteilt; im Gegenwartsstrang wird aus Maias Sicht erzählt während der Vergangenheitsstrang Izabellas Geschichte, Maias Urgroßmutter, darlegt. Bei den Kapiteln, in denen es vornehmlich um Maia geht, wird aus der Ich-Perspektive berichtet, während Izabellas Erzählstrang durch einen personalen Erzähler ausgedrückt wird. Obwohl ich normalerweise ein großer Freund der Ich-Perspektive bin, hat mir bei diesem Buch eher der personale Erzählstil bei Izabella zugesagt. Irgendwie kam ich Maia, trotz der Tatsache, dass man in sie hineinschlüpft, nicht wirklich nah, sondern wurde immer auf Distanz gehalten. So fiel es mir auch schwer, mich mit ihr auseinanderzusetzen, geschweige denn mich wirklich in sie hineinzudenken. Dies hat mir bei der Erzählperspektive von Izabella um einiges besser gefallen, so dass ich mich ihr hinterher näher fühlte als Maia. Das die Autorin noch einmal zwischen den Erzählperspektiven hin- und herwechselt, hat mir auch gut gefallen. Es bietet ein wenig Abwechslung und trennt Maia und Izabella als Charaktere voneinander. Leider hätte ich mir gewünscht, dass die Sprache in Izabellas Erzählstrang noch ein wenig mehr an die Zeit angepasst ist. Einen wirklichen Unterschied zu der Erzählweise der Gegenwartskapitel habe ich da leider nicht feststellen können. Das fand ich ein wenig schade. Was mir zudem noch aufgefallen ist, ist, dass einige Kapitel äußerst lang sind, sie also nicht unbedingt in einem Rutsch machbar für alle Leser erscheinen. Trotzdem sind einige Lesepausen möglich, da immer wieder Zeitsprünge in die Kapitel eingebaut werden, an denen man kurz Halt machen kann.

Wie ich vorhin schon erwähnt habe, hatte ich einige Probleme mich in Maia hineinzudenken, denn trotz Ich-Perspektive gab es so etwas wie eine unsichtbare Wand die zwischen mir und der Protagonistin stand. Ich konnte mich überhaupt nicht mit ihr identifizieren, weshalb der Gegenwartsstrang für mich definitiv mehr Schwächen aufweist als Izabellas Geschichte. Während des Handlungsverlaufs hatte ich das Gefühl, dass Maia selbst nur als Medium zur Vermittlung von Izabellas Biografie dient. Im Gegenwartsstrang gab es nämlich keine großartigen Nebencharaktere, die wichtig werden und Maia selbst blieb für mich nur eine Person auf dem Papier, allerdings kein Charakter, den ich mir ins wirkliche Leben hätte denken können. Dadurch wurde die Geschichte für mich recht unspannend. Izabellas Erzählung erschien mir allerdings weitaus interessanter, besonders, was die Charaktere betrifft. Es gibt viel mehr Charaktere, sowohl Protagonisten als auch Nebenpersonen, und um Längen mehr Interaktion mit ihnen. Einerseits wurden die Charaktere somit viel Tiefer, weil es eben mehr Handlungsspielraum gab. Andererseits wurde das Geschehen in diesem Handlungsstrang viel eher am Leben gehalten als es im Gegenwartsteil des Buches der Fall war. Somit hat es mir mehr Spaß gemacht, Izabellas Geschichte fortzusetzen als die von Maia.

Auch der Handlungsverlauf hat mir im Vergangenheitsteil des Romans um Längen besser gefallen als der im Gegenwartsteil. Letzterer galt eher als Rahmen für die Geschichte im Allgemeinen, war jedoch nicht unbedingt zwingend notwendig für mich. Dadurch, dass es im Gegenwartsteil im Vergleich sehr wenig Interaktion gab, kamen mir viele von Maias Entscheidungen und Handlungen, sowie das Geschehen an sich selbst sehr übereilt vor, was für mich nicht zu der Geschichte gepasst hat. Insgesamt war die Geschichte um Maia sehr langwierig und konnte mich nicht wirklich fesseln. Durch diese Passagen des Romans musste ich mich wirklich durchquälen, während Izabellas Geschichte mir viel interessanter erschien. Diese ist durch den historischen Hintergrund - den Entwurf der Christo-Statue als Rahmenhandlung - unglaublich tiefgehend und interessant, besonders, da sich an der wahren Begebenheit orientiert wurde. Das hat mir sehr gut gefallen und bringt dem Leser zudem geschichtliches Wissen näher, das er nicht in der Schule erwerben kann. Durch die jeweiligen Cliff-Hanger beim Erzählstrangwechsel möchte man unbedingt weiterlesen, besonders was Izabellas Geschichte angeht. Die Hoffnung darauf, ihre Biografie weiterzuverfolgen, ließ mich die Langwierigkeiten des Gegenwartsstranges ertragen.

Das Ende rundet zwar den Vergangenheitsstrang recht gut ab, besonders, da einiges davon noch in der Gegenwartshandlung geklärt wird. Mit dem Ende von Maias Geschichte bin ich allerdings nicht ganz so zufrieden. Irgendwie er schien mir alles so abgehackt und abrupt, so dass es nicht wirklich gut in den restlichen Teil des Romans eingbunden ist. Stattdessen gibt die Autorin in den letzten zwei Kapiteln schon einen Ausblick auf die nächste Schwester, deren Vergangenheit beleuchtet wird. Das hätte ich mir persönlich ein wenig anders gewünscht. Stattdessen hätte man Maias Geschichte ein wenig mehr abrunden können, weil hier nun nicht wirklich Informationen über Ally präsentiert werden, die nicht auch am Anfang des 2. Teils hätten stehen können. Auch, dass viele Dinge trotzdem noch ungeklärt blieben, hat mich ein wenig gestört. Dabei geht es vornehmlich um einige Angelegenheiten Pa Salt und Maia betreffend, die ich hier aber aufgrund von Spoilern nicht weiter ausführen möchte. Da im nächsten Band Ally die Rolle der Protagonistin übernehmen wird, denke ich nicht, dass es dahingehend eine Aufklärung geben wird. Schade.
 
Fazit:
Für mich ein recht mittelmäßiger Auftakt dieser Familienserie. Der historische Hintergrund ist unglaublich interessant, ebenso wie die Geschehnisse um Izabella, doch der Gegenwartsstrang war mir leider ein wenig zu lasch. Man kann sich weder in Maia, noch in irgendeine ihrer Handlungen hineinversetzen, da sie praktisch nur als Medium dazu dient, Izabellas Geschichte zu erzählen. Diese ist um einiges tiefer, mit interessanten Charakteren und Cliff-Hangern, so dass man unbedingt weiterlesen möchte. Auch der Rahmen, den die Autorin mit dem Bau der Christo-Staute setzt, hat mir sehr gut gefallen und bringt dem Leser auch historisches Hintergrundwissen näher. Auch hier hat mir das Ende des Vergangenheitsstrangs gut gefallen, während der Gegenwartsstrang mit einigem Holpern schließlich zum Stillstand kam. Wirklich gepasst hat das Ende hier nicht. Das fand ich etwas schade. Ich hoffe, dass der nächste Band Die Sturmschwester mit einer etwas interessanteren Geschichte und tiefergehenden Charakteren in der Gegenwartshandlung aufwarten kann. Für Die sieben Schwestern vergebe ich 3 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 09.03.2015
Aktuelle Ausgabe : 19.09.2016
Verlag : Goldmann
ISBN: 9783442479719
Flexibler Einband 550 Seiten
Sprache: Deutsch

Donnerstag, 18. Februar 2016

Rezension zu "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" von Haruki Murakami

Ein philosophisches Buch über Freundschaft, Liebe und die eigene Vergangenheit

 

Zum Inhalt
Tsukuru Tazaki ist niemand besonderes. Er sieht nicht besonders aus, hat keine besonderen Noten und auch sonst keine herausstechenden Merkmale. Er ist einfach farblos. Das Einzige, was ihn besonders macht, sind seine vier besten Freunde, die alle eine Farbe im Namen tragen: Rot, Blau, Weiß und Schwarz. Alles unternehmen sie gemeinsam, führen Projekte durch, lernen zusammen und werden eine richtige Gemeinschaft. Bis sie Tsukuru im ersten Universitätsjahr die Freundschaft kündigen und er sich nicht mehr bei ihnen melden soll.

Mittlerweile ist Tsukuru 36, baut und verbessert erfolgreich Bahnhöfe und trifft auf Sarah, eine Frau mit der er sein Leben verbringen könnte. Allerdings merkt Sarah, dass etwas mit Tsukuru nicht stimmt. Irgendetwas scheint seit damals in ihm zerbrochen zu sein. Wenn ihre Liebe Bestand haben soll, sagt Sarah, muss Tsukuru sich seiner Vergangenheit stellen. Und so macht sich Tsukuru auf die Reise in seiner Vergangenheit und was damals wirklich geschehen ist.

Meine Meinung
Schon des öfteren habe ich viel gutes über die Bücher von Haruki Murakami gehört, mich jedoch nicht getraut eines von ihnen in die Hand zu nehmen und wirklich zu lesen. Dieser Roman ist also der erste den ich von dem Autor lese.

Die Sprache, die Murakami in seinem Buch benutzt, ist sehr simpel gehalten, so dass jeder dem Handlungsverlauf gut folgen kann. Dennoch ist sie wenn man ein wenig tiefergehend blickt, sehr tiefgründig und philosophisch und verbreitet eine sehr wichtige Nachricht: dass niemand farblos ist, dass jeder eine eigene Persönlichkeit hat und sich nicht über andere definieren sollte. Sehr schön wird dies in Tsukurus Gesprächen mit seinen Freunden und Sarah deutlich. Während die Handlung sich eher auf das tatsächliche Agieren der Charaktere konzentriert, spielen sich die Gespräche auf einer höheren Ebene ab als auf einer handlungsbezogenen. Stattdessen geht es um wichtige Themen wie Freundschaft, Liebe und Verlust. Themen, die zwar in vielen Büchern behandelt werden, allerdings nicht so tiefgründig bearbeitet und überdacht worden sind. Zwischenzeitlich hatte ich beim Lesen das Gefühl, mir gegenüber säße ein alter Japaner, der Lebensweisheiten erteilt, was jedoch in keiner Weise nervig war. Eher vermittelte es dem Leser ein Gefühl von Nähe und Wärme, so dass man sich während des Lesens gut aufgehoben fühlte. Zwar wird aus der personalen Erzählperspektive berichtet, aber dennoch kann man sich sehr gut in Tsukuru einfühlen und erlebt die Handlungen und Gespräche hautnah mit ihm mit. Die Kapitel selbst zogen sich überhaupt nicht und obwohl sie etwas länger gehalten waren, konnte man sie schnell beenden.

Tsukuru ist im Grunde der einzige Charakter, den man wirklich kennenlernt. Schließlich begleitet man ihn durch den ganzen Roman. Bisher hat sich mir jedoch kein Buchcharakter so deutlich eingeprägt wie Tsukuru. Er hat eine einzigartige Persönlichkeit, baut Bahnhöfe, was mir bisher auch noch nicht untergekommen ist und bezeichnet sich selbst als farblos. Aber das ist Tsukuru ganz sicher nicht. Er ist einer der interessantesten und vielschichtigsten Charaktere, über die ich je etwas gelesen habe und allein durch seine Einzigartigkeit ganz sicher nicht farblos. Leider empfand ich nicht bei allen Personen so. Tsukurus Freunde, die im Romanverlauf aufgesucht werden, kamen mir im Vergleich zu Tsukuru sehr lasch und unpersönlich vor. Ich hatte das Gefühl, dass sie diejenigen waren, die farblos sind, obwohl alle eine Farbe in ihrem Namen tragen. Natürlich erfährt man auch etwas über ihr bisheriges Leben, aber bei keinem war man so nah am Geschehen wie bei Tsukuru. Und das obwohl auch seine Freunde viel erlebt haben. Trotzdem merkte man durch die Distanz zum Leser auch die Distanz zwischen Tsukuru und seinen Freunden. Es war einfach zu lange her, als Tsukuru den ersten Schritt in ihre Richtung wagte und obwohl sie sich freundlich begegnen, spürt man besonders bei seinen männlichen Freunden die Kluft der Trennung. Bei Eri merkte man schon wieder etwas mehr von der Vertrautheit, die bei den anderen gefehlt hat. Dennoch war auch hier die Distanz zwischen den beiden Personen unübersehbar. Trotzdem passt diese wirklich gut in die Geschichte hinein wie ich finde. Es wäre irgendwie merkwürdiger, wenn sich plötzlich alle wieder in die Arme fallen würden.

Der Besuch bei seinen Schulfreunden deckt viele Sachen auf, von denen Tsukuru nichts wusste und die daher auch erstaunend und schockierend für ihn und den Leser sind. Dies hält den Handlungsverlauf äußerst interessant und man möchte das Buch nicht aus der Hand legen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und vor allem ob sich noch mehr Ungereimtheiten bezüglich dem plötzlichen Kontaktabbruch ergaben oder auflösten. Auch wenn das, was für die Trennung gesorgt hat, im ersten Moment fantastisch klingt ohne großartig spoilern zu wollen, gewöhnt man sich doch recht schnell an die Vorwürfe und Tatsachen die gegen Tsukuru sprechen. Dennoch hat man ein sehr großes Vertrauen in ihnm, so dass man die Wahrheit der Anschuldigungen schnell anzweifelt. Was ich allerdings ein kleines bisschen schade fand war, dass obwohl vieles aufgedeckt wird, immer noch einiges im Verborgenen bleibt und der Fantasie des Lesers überlassen ist. Ich hätte mir lieber eine gesamte Aufklärung der Geschichte gewünscht, auch wenn dies durch einige Umstände eh nicht möglich gewesen wäre. Trotzdem hätte mich das zufriedener zurückgelassen.

Das Ende des Buches war ein sehr schöner und runder philosophischer Abschluss, der wie die Faust aufs Auge zum gesamten Buch gepasst hat. Alle Handlungen finden zu einem einzigen Strang und es werden noch ein paar Unklarheiten aufgedeckt auch wenn es nicht alle waren. Besonders gut gefallen hat mir das Schlussgespräch zwischen Tsukuru und Eri, welches mein Philosophenherz ungemein höher schlagen ließ. Insgesamt war das Buch sehr philosophisch und hat mich sehr berühren können. Ich denke nicht, dass dies das einzige Buch des Autors sein wird, was ich lesen werde.

Fazit:
Insgesamt ein wundervoller philosophischer Roman mit einer bedeutenden Nachricht an die Leser. Jeder ist etwas besonderes, auch wenn er meint, dem ist nicht so und er erfährt speziell durch Liebe, Verlust und Freundschaft seinen Schliff. Man fühlt sich richtig in die Geschichte ein, rätselt mit Tsukuru und besucht seine Freunde um zu erfahren was damals geschah. Für mich gab es keine Längen, die wirklich nennenswert wären, da immer wieder etwas neues passierte und Murakami eine sehr schöne Art hat, dieses Neue zu erzählen. Ich habe das Buch bereits im Januar beendet, konnte aber aufgrund meiner Klausurphase keine Rezension schreiben. Dennoch hat mich dieses Buch immer noch nicht losgelassen und ich denke manchmal an Tsukurus Geschichte zurück. Für diesen wundervollen Roman vergebe ich daher 5 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch 
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 09.01.2014
Aktuelle Ausgabe : 13.07.2015
Verlag : btb Verlag (TB)
ISBN: 9783442749003
Flexibler Einband 352 Seiten
Sprache: Deutsch

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Rezension zu "Traumsammler" von Khaled Hosseini

Durch ständig neu aufgeworfene Abschnitte ist die Geschichte sehr verwirrend

 

Zum Inhalt:
Abdullah ist 10 Jahre alt und lebt mit seinem Vater, seiner Stiefmutter, seinem Stiefbruder und seiner Schwester Pari in ärmlichen Verhältnissen. Er und Pari sind ein Herz und eine Seele, dabei ist die Kleine gerade einmal 3 Jahre alt. Zumindest sind sie das, bis ihr Vater einsieht, dass er nicht mehr für die beiden, ihren Stiefbruder Iqbal und seine neue Frau sorgen kann. Unter Tränen werden die beiden Geschwister getrennt und Pari kommt in der Wadhati-Familie unter. Doch statt sich an ihren Bruder zu erinnern gerät er für sie immer mehr in Vergessenheit...
Abdullah hingegen will seine Schwester wiedersehen, doch es will ihm nicht gelingen. Erst Jahrzehnte später taucht ein Dokument auf, das Pari beweist, dass sie einen Bruder hat. Ist es zu spät für die Geschwister um noch zusammenzufinden?

Meine Meinung:
Da ich bereits Tausend strahlende Sonnen von Khaled Hosseini gelesen habe, musste ich natürlich auch Traumsammler lesen, besonders, da dieser Roman so hoch gelobt worden ist. Leider konnte dieser mich nicht so überzeugen wie es bei anderen der Fall war.

Zuerst einmal möchte ich wie immer über die Sprache des Romans reden. Wer Khaled Hosseinis Bücher kennt, weiß, dass er sehr schnörkellos, aber dennoch recht poetisch schreibt. Dies ist bei Traumsammler genauso. Man ist sehr nah am Geschehen und fühlt sich dementsprechend auch den Charakteren und der Handlung des Romans sehr nah. Genau wie in seinem Vorgänger benutzt der Autor gewisse Worte aus seiner Muttersprache um den Leser der Situation und vor allem auch seinem Heimatland näherzubringen. Obwohl die Worte in einer fremden Sprache geschrieben sind und der Großteil der Leser nicht Hosseinis Muttersprache mächtig ist, sind diese Worte im Kontext gesehen dennoch verständlich. Oft erklärt Hosseini sie auch in einem kurzen Nebensatz um den Leser nicht in der Luft hängen zu lassen. Somit stellt die Benutzung seiner Muttersprache kein großes Hindernis für den Leser dar. Oft beschreibt Hosseini die Situationen, in denen sich seine Charaktere befinden sehr direkt und häufig recht objektiv. Dadurch erfährt der Leser nur, was passiert, jedoch nicht die Bewertungen des Erzählers. Dieser wechselt im Verlauf der Handlung des Öfteren und gewährt Einblick in den Kopf verschiedener Personen, am häufigsten wird jedoch der personale Erzähler benutzt, der sich nicht direkt im Kopf des jeweiligen Protagonisten befindet. Leider fand ich die Länge der Kapitel etwas unpassend gewählt. Die Kapitel an sich ergeben Sinn, aber oftmals sind sie zu lang um sie in einem Rutsch wirklich durchlesen zu können. Da ich in den letzten Monaten kaum Zeit hatte wegen Unistress und dem ganzen Kram, bin ich oft wieder aus der Geschichte herausgekommen, weil ich nicht mehr wusste um was es überhaupt ging.

Leider ist es nicht das Einzige, was mir an dem Roman nicht so gut gefallen hat. Auch die Charaktere waren für mich schwierig zu erfassen, so dass ich kaum etwas über sie sagen kann. Jedes Kapitel stellt einen anderen Charakter in den Vordergrund und macht ihn somit (für einen kurzen Moment zumindest) zum Protagonisten. Denkt man anfangs, dass dies doch eigentlich Pari und Abdullah sein müssten, wird man enttäuscht. Zwar finde ich es gut, dass Hosseini verschiedene Charaktere sprechen lässt, da viele auch zum Wiedersehen der beiden Geschwister beitragen, aber einige Passagen fand ich unnötig, da diese einfach geschrieben worden waren ohne mit der Handlung zusammenzuhängen. Zumindest erschien mir das so. Dadurch, dass auch ständig ein Protagonistenwechsel stattfand, konnten die Charaktereigenschaften der einzelnen Personen kaum oder nur unzureichend herausgestellt werden. Sie wirkten nicht real auf den Leser, sondern schienen nur Mittel zum Zweck zu sein, die Geschichte voranzutreiben. Somit liegt der Fokus des Romans klar auf der Handlung während die Personen zurückfallen und in den Hintergrund treten müssen. Die Balance zwischen Handlung und Charakterzügen der Personen bleibt aus; stattdessen wird mehr Gewicht darauf gelegt, ihren Nutzen für die Geschichte hervorzuheben während ihre Persönlichkeiten mit jedem Kapitel unwichtiger werden.

Den Handlungsverlauf empfand ich als unglaublich verwirrend. Dies lag nicht nur an den langen Kapiteln, sondern auch an den vielen Personen und ihrem Handeln und Gesagtem. Irgendwie konnte ich den Zusammenhang zwischen den einzelnen Geschichten, die sich zu einer zusammenfügen sollten, nicht ganz erkennen. Man muss sich als Leser sehr stark konzentrieren um mitzukommen und die Zusammenhänge zu verstehen. Tut man das nicht, muss man oft mehrere Seiten oder Kapitel zurückblättern um sich in Erinnerung zu rufen, was bisher passiert ist. Ich hatte das Gefühl, dass man sich als Leser die gesamte Geschichte vollkommen selbstständig erarbeiten musste. Man bekam von dem Autor die Kapitel, sozusagen als Puzzleteile, während der Leser sie zu einem Gesamtbild zusammensetzen sollte. Man erhält nur Fetzen von der Gesamthandlung, das in irgendeiner Weise eine Geschichte ergeben soll, dennoch habe ich nach Beendigung des Buches, was jetzt auch schon über 2 Monate zurückliegt, immer noch nicht alle Puzzleteile zusammensetzen können. Die Kapitel selbst gehen nicht fließend ineinander über. Das ständige Herausreißen und Hineinwerfen in die nächste Situation ist irgendwie abrupt und gehört manchmal gar nicht wirklich zusammen. Auch muss man sich sehr häufig fragen, wo ich mich gerade befinde. Bin ich gerade in der Gegenwart, der Vergangenheit? Welcher Charakter bin ich jetzt? - Das sind wohl die häufigsten Fragen die ich mir während des Lesens gestellt habe. Auch wenn der Fluss in der Geschichte nicht wirklich vorhanden war hatte ich trotzdem das Gefühl nah am Geschehen zu sein und mich gut in die jeweiligen Situationen hineinversetzen zu können. Somit konnte man zumindest die Handlung miterleben wenn man schon große Probleme hatte, sie zu verstehen.
Das Ende empfand ich als sehr bitter und traurig. Irgendwie habe ich mir etwas Anderes erhofft und auch erwartet, aber das ist nicht eingetreten. Der Abschluss der Geschichte fühlte sich für mich falsch und auch richtig zugleich an - irgendwie hatte ich das Gefühl, dass etwas fehlte aber irgendwie auch nicht. Das Gefühl, hängen gelassen zu sein, habe ich hier am Ende des Romans ganz besonders deutlich gespürt und ob ich mit dem Abschluss an sich zufrieden bin kann ich immer noch nicht wirklich sagen. Dies liegt höchstwahrscheinlich auch an der Distanz zu den einzelnen Charakteren, obwohl man sich nach der traurigen Reise durch die Zeit etwas anderes erhofft hatte.

Fazit:
Leider konnte Traumsammler meine Erwartungen überhaupt nicht erfüllen. Für mich war die Geschichte viel zu verworren um überhaupt einen Fluss in der Handlung herzustellen und man brauchte auch sehr lange um wieder in die Geschichte hineinzufinden nachdem man eine Lesepause gemacht hat. Auch die Charaktere konnten mich nicht wirklich überzeugen. Sie dienen praktisch nur als Mittel zum Zweck, die Handlung voranzutreiben und existieren nur auf dem Papier. Man lernt nur ihre Geschichte kennen, während ihre Gedanken und Gefühle oft außen vor bleiben. Einzig und allein die Sprache konnte durch ihre Poesie ein wenig bei mir punkten. Sie ist das Instrument was den Leser an das Geschehen fesselt, so dass man trotz all der Verwirrung weiterlesen möchte. Ansonsten war Traumsammler für mich leider nur eine emotionale und mitfühlende Geschichte, der aufgrund der oberflächlichen Charaktere und ihrer Verworrenheit das Herz gefehlt hat. Somit kann ich für diesen Roman leider nur 2 Sterne vergeben.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 31.07.2013
Aktuelle Ausgabe : 25.09.2014
Verlag : FISCHER Taschenbuch
ISBN: 9783596198207
Flexibler Einband 448 Seiten
Sprache: Deutsch

Dienstag, 29. September 2015

Rezension zu "Du und ich und all die Jahre" von Amy Silver

Silvester als Tag der Abschlüsse und Neubeginne

 

Zum Inhalt:
Nicole ist Regisseurin und lebt mit ihrem Mann Dom und ihren beiden Hunden in einem schönen großen Haus in London. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Julian feiert sie seit Jugendtagen Silvester und tauscht sich mit ihm über ihre Neujahrsvorsätze aus. Doch seit ein paar Jahren ist nichts mehr so wie vorher. Nicholes Leben scheint in Trümmern zu liegen: Sie muss sich mit mittelmäßigen Jobs über Wasser halten, ihre Ehe kriselt seit Jahren und mit ihrer besten Freundin Alex versteht sie sich überhaupt nicht mehr. Wäre doch nur Julian hier um ihr durch ihre schwere Zeit zu helfen. Als sie eine Einladung zu einer Neujahrsparty in New York erhält, sieht sie sich mit einer noch schwierigeren Aufgabe konfrontiert. Denn wahrscheinlich wird dort auch ihr Ex Aidan anwesend sein, den sie einfach nicht vergessen kann... Wie wird Nicole also all diesen Sachen gegenüberstehen?

Meine Meinung:
Du und ich und all die Jahre war wochenlang in den Spiegel-Bestsellerlisten und ich fand die Idee dahinter sehr interessant. Es gibt einen Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt, besonders auf vergangene Silvester bezogen, und einen der in der Gegenwart stattfindet. Obwohl sich die gesamte Handlung nur über wenige Tage erstreckt, sind diese auf den mehr als 300 Seiten sehr detailliert beschrieben und werden vor allem durch Nicoles Erinnerung an die verschiedenen Silvesternächte noch verlängert.

Obwohl die Sprache nicht besonders poetisch ist, sondern sich mehr auf die dargestellte Handlung konzentriert, kann man ihr gut folgen und sich auch besonders gut in die Situationen hineinversetzen. Der Leser hat somit das Gefühl, dass er die Szenerien zusammen mit Nicole durchlebt und auch mitten im Geschehen ist. Dies liegt besonders an der Ich-Perspektive, die Amy Silver in ihrem Buch verwendet. Der gesamte Roman ist nämlich aus Nicoles Sicht geschrieben. Dadurch lernt man sie als Charakter auch besonders gut kennen, allerdings nicht unbedingt auf ihre Gefühle bezogen, da die Handlung sich tatsächlich mehr auf die Interaktion der Charaktere zu konzentrieren scheint. Zudem hilft auch das verwendete Präsens, sich noch besser in die Situationen hineinzuversetzen, so dass man als Leser das Gefühl hat, alles würde vor dem inneren Auge ablaufen. Allerdings waren die Kapitel mitunter sehr lang, so dass es manchmal sehr schwer war, diese in einem Rutsch zu beenden. Damit beziehe ich mich besonders auf die Kapitel, die in der Vergangenheit spielen. Diese sind besonders detailliert herausgearbeitet worden, nicht nur, um den Leser ein wenig aufzuklären, sondern auch um die Charaktere selbst ein wenig mehr zu formen. Leider fiel es bei einer Lesepause nicht immer ganz so leicht wieder in die Geschichte hineinzufinden. Manchmal musste ich ein wenig zurückblättern um mich wieder daran zu erinnern was passiert war. Dies kam zwar nicht allzu häufig vor, dennoch war es etwas nervig. 

Kommen wir jedoch nun zu den Charakteren. Insgesamt sind Nicole und Julian die Charaktere, die am detailliertesten herausgearbeitet worden sind, Julian ist dabei auch die sympathischste Person. Die anderen Charaktere, die eher als Nebencharaktere fungierten, kamen leider ein wenig flach rüber. Dies lag vor allem daran, dass sie sehr stark in den Hintergrund rückten, da Nicoles Beziehung mit Aidan und Julian immer wichtiger zu werden schien. Zum Schluß konnte ich nicht wirklich sagen, ob ich Dom oder Alex oder allgemein einen der anderen Nebencharaktere sonderlich sympathisch oder unsympathisch fand. Alle wirkten sehr unausgereift als hätten sie keinen richtigen Charakter. Leider war ich mit Nicole als Charakter auch nicht sonderlich zufrieden. Nicole wirkt während des gesamten Buches sehr unentschlossen, da sie scheinbar nie weiß, was sie tun oder wie sie sich entscheiden soll. Dadurch, dass sie sehr sprunghaft ist und sich praktisch auf jeder Seite des Romans umentscheidet nervte sie mich nach einiger Zeit nur noch, so dass ich das Buch so schnell wie möglich beenden wollte. 

Dies war allerdings nicht der einzige Grund, warum ich das Buch verschlang. Durch die Inhaltsangabe, die meiner hier sehr ähnlich ist, erfährt man praktisch nichts über Nicole und ihre Freunde und Bekannte. Warum kriselt ihre Ehe? Was ist zwischen ihrer besten Freundin und ihr passiert, dass die beiden nicht mehr miteinander reden? Diese Fragen möchte der Leser unbedingt aufklären, was aber nicht Knall auf Fall passiert. Zwar werden dem Leser manchmal kleine Bröckchen hingeworfen, so dass er mutmaßen kann was passiert ist. Die Vergangenheitsrückblicke klären jedoch alle Ereignisse Stück für Stück auf. Dabei ist der Großteil der Wendungen sehr überraschend, was den Effekt der Neugierde noch etwas mehr verstärkt. Durch die fehlenden Informationen bleibt die Handlung durchgehend spannend und durch die neuen Fakten, die der Leser Seite für Seite aufdeckt, lernt man Julian und Nicole sehr gut kennen und versteht, warum sie als Charaktere so geworden sind, wie sie im Buch dargestellt werden. Die lässt sich allerdings nicht nur über die beiden Hauptcharaktere sagen, sondern auch über die Nebencharaktere, die über die Rückblicke definiert werden sollen.

Das Ende wurde relativ offen gelassen, trotzdem wird man als Leser zu sehr in eine bestimmte Richtung gelenkt, wie die Geschichte weitergehen würde. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin dem Leser tatsächlich etwas mehr Spielraum lässt als sie es in Wirklichkeit tut. Allgemein wirkte das Ende auf mich sehr abrupt geschrieben, so, als hätte die Autorin das Buch unbedingt beenden müssen. Dadurch wirkte das Ende recht gezwungen. Schade eigentlich, da ich mir einen runderen Abschluß für das Buch gewünscht hätte.

Fazit:
Leider eher ein mittelmäßiger Roman, der zwar mit einem interessanten Handlungsverlauf aufwarten kann, dessen Charaktere jedoch flach und nervig für mich waren. Wirklich anfreunden konnte ich mich während des gesamten Buches nur mit Julian, während Nicole für mich in ihren Entscheidungen einfach viel zu unentschlossen war. Besonders dies war für mich nach einiger Zeit sehr anstrengend. Die Idee der Geschichte ist mal etwas anderes, besonders die Art, wie diese erzählt wird, aber die Charaktere machen hier leider vieles zunichte. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass die Sprache ein bisschen mehr auf Nicoles Gefühlswelt einging. Dies war meiner Meinung nach kaum merkbar. Dabei wäre das vielleicht auch hilfreich gewesen den Charakter etwas besser zu verstehen. Somit kann ich für Du und ich und all die Jahre leider nur 3 Sterne vergeben.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 02.01.2013
Aktuelle Ausgabe : 02.01.2013
Verlag : Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 9783499259890
Flexibler Einband 352 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 26. September 2015

Rezension zu "Tausend strahlende Sonnen" von Khaled Hosseini

Gewalt und Grausamkeit gepaart mit Hoffnung

 

Zum Inhalt:
Mariam ist das uneheliche Kind des reichen Kinobesitzers Jalils und wird von ihrer Familie verspottet. Selbst ihre Mutter schimpft sie einen harami obwohl sie auf Mariam angewiesen ist. Von allen verstoßen bewohnt Mariam mit ihrer Mutter eine kleine Hütte im Wald, fernab der Stadt. Ihr einziger Lichtblick sind die wöchentlichen Besuche ihres Vaters, die sie immer mit Freude erwartet. Doch das ändert sich schlagartig als Mariam 15 wird. Sie soll den 20 Jahre älteren Schumacher Raschid heiraten und mit ihm nach Kabul gehen. Doch den liebevollen, fürsorglichen Ehemann bekommt Mariam mit Raschid nicht. Seine Brutalität und die ständigen Gewaltausbrüche machen ihr schwer zu schaffen. Und es wird von Tag zu Tag schlimmer...

Jahre später gerät auch Laila mit Raschid in Kontakt. Bei einem Bombenangriff werden ihre Eltern getötet, weswegen die 14-jährige Zuflucht bei Mariam und ihrem Ehemann sucht. Die einzige Bedingung, damit Laila bei ihnen bleiben kann, ist, dass sie Raschid heiratet. Als Raschids Zweitfrau erfährt Laila viel Misstrauen durch Mariam, doch bald legt sich dieses und die beiden werden enge Freundinnen. Gemeinsam wehren sie sich gegen Raschids Brutalität und planen die Flucht...

Meine Meinung:
Ich hatte einmal Traumsammler von Khaled Hosseini begonnen, doch leider konnte ich das Buch aufgrund einer Klausurphase nicht beenden. Als es eine Aktion bei meinem Buchhandel auf ausgewählte Bücher gab, habe ich deswegen als erstes Tausend strahlende Sonnen gepackt und mit nach Hause genommen.

Die Sprache des Buches ist sehr fesselnd, weswegen es dem Leser schwerfällt, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen. Und das nicht weil Hosseini sehr poetisch schreibt. Das tut er nämlich ganz und gar nicht. Seine schnörkellosen Beschreibungen zielen mehr auf das Geschehen ab als darauf, die Gefühle der verschiedenen Personen zu erklären und trotzdem ergreift die Geschichte den Leser ganz und gar. Dies liegt vor allem an die wechselnde Sichtweise zwischen Mariam und Laila, was besonders gegen Mitte des Buches auftritt, da die beiden Frauen hier zusammentreffen. Der personale Erzähler, der die ganze Zeit verwendet wird expliziert die Frauen auf eine sehr detaillierte Weise und macht besonders viel aus ihrer Vergangenheit deutlich. Dadurch hatte ich als Leserin das Gefühl, Mariam und Laila schon von Kind auf zu kennen. Zudem werden durch die recht gefühlsintensiven Beschreibungen des Geschehens klar, dass man beide Frauen sehr sympathisch findet. Man möchte in manchen Situationen in denen Raschids Brutalität durchbricht am liebsten selbst eingreifen. Auch wenn man weiß, dass die beiden Frauen keine Chance gegen den Älteren haben, wünschte man sich doch, dass sie etwas gegen ihn unternehmen würden. Was mir zudem noch sehr gut gefallen hat, war der recht objektive Bericht über die Historie Afghanistans. Ich, die nach einer Weile einfach den Überblick über die Geschehnisse im Nahen Osten verloren hatte, konnte durch das Buch meine Gedanken darüber ordnen und weiß im Nachhinein wirklich, wie sich die politische und soziale Situation in dem Land veränderte. Im Großen und Ganzen erhält man also nicht nur eine sehr emotionale Geschichte sondern auch einen Schnelldurchlauf durch die politische Geschichte des Landes in den letzten 30 Jahren.

Auch über die Charaktere erhält man einen sehr guten Überblick, da alle sehr detailliert herausgearbeitet wurden. Dies betrifft nicht nur die Hauptcharaktere, sondern auch die Nebenpersonen. Der Leser kann mit allen Charakteren mitfühlen, besonders natürlich mit Laila und Mariam; trotzdem haben mir auch die Nebencharaktere sehr gut gefallen. Sie stehen nicht zu sehr im Vordergrund, was sie mehr zu Hauptpersonen machen würde, und bleiben auch nicht allzu unerwähnt, was eine richtige Mischung für einen guten Nebencharakter darstellt. Zudem ist auch die Charakterentwicklung der beiden Frauen sehr gut ausgearbeitet worden. Sie wird nicht zu schnell vollzogen sondern ist durchaus logisch und auf die Handlung und die Persönlichkeit beider Frauen abgestimmt. Sie wirkt nicht übertrieben sondern sehr gut nachvollziehbar. Deswegen macht es sehr viel Spaß, zu sehen wie die beiden Frauen sich nach und nach entwickeln.

Auch wenn die Handlung scheinbar ruhig startet, bleibt sie dennoch spannend, denn immer wieder passieren neue Handlungen, die immer wieder Auswirkungen auf das Hauptgeschehen zu haben scheinen. Der Leser wird direkt in die durchgehend spannend bleibende Handlung hineingezogen und entdeckt gemeinsam mit den beiden Frauen das Leid aber auch sehr viel Hoffnung. Immer wieder werden neue Aspekte erläutert, besonders die Stellung der Frau im afghanischen Eheleben und die kriegsähnliche Situation in Kabul. Obwohl die Geschichte im Grunde genommen schon spannend genug ist, bringt der Wechsel von Mariam auf Lailas Handlungsstrang noch ein wenig mehr Schwung in das Erzählte. Die liebevolle Gestaltung der Vergangenheit der beiden Frauen zeigt, dass der Autor sich sehr intensiv mit seinen Charakteren auseinandergesetzt hat. Dies gilt ebenso für die Auseinandersetzung mit der politischen Geschichte seines Heimatlandes. Durch diese werden in "Tausend strahlende Sonnen" verschiedene Ereignisse genauer erklärt und dem Leser verständlicher gemacht. Zudem sind die Eindrücke, die man durch Khaled Hosseinis Ausdrucksweise bezüglich der politischen Geschichte Afghanistans erhält, weitaus objektiver geschildert als man sie in den Medien präsentiert bekam.

Das Ende fand ich persönlich gut gelöst, auch wenn ich das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge abgeschlossen habe. Meiner Meinung nach war das, was am Ende passiert sehr realitätsnah und nicht zu übertrieben. Damit fügte es sich perfekt in die restliche Geschichte hinein. Ich werde jedenfalls auch die anderen Bücher von Khaled Hosseini lesen, da mir Tausend strahlende Sonnen sehr gut gefallen hat.

Fazit:
Mit Tausend strahlende Sonnen präsentiert Khaled Hosseini einen Roman, der nicht nur einen tollen Bericht über die afghanische Politik bietet sondern zudem das grausame Schicksal zweier Frauen aufzeigt, die von ihrem Ehemann terrorisiert werden. Der schmale Grad der Hoffnung lässt sich dennoch nicht komplett ausmerzen und wirkt wie ein roter Faden, der sich trotzdem immer noch durch das Buch zieht, egal wie grau die Wolken über den Köpfen von Laila und Mariam auch sein mögen. Durch die durchgehend spannende Geschichte und den objektiven aber auch emotionalen Sprachstil hat Khaled Hosseini einen der bewegendsten Romane geschrieben, die ich je gelesen habe. Auch die längeren Kapitel machen sehr viel Spaß, ebenso wie die liebevoll gestalteten Haupt- und Nebencharaktere, so dass der Leser die im Buch dargestellten Gefühle selbst fühlen kann. Auch das Ende hat mir durch diesen realitätsnahen Aspekt sehr gut gefallen, auch wenn es relativ offen bleibt, wie die Geschichte weitergehen würde. Für diesen abgerundeten Roman, der Trauer, Freude, Erstaunen und Empörung bei dem Leser hervorruft, gibt es von mir verdiente 5 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 27.08.2007
Aktuelle Ausgabe : 21.04.2009
Verlag : bloomsbury taschenbuch
ISBN: 9783833305894
Flexibler Einband 381 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 15. August 2015

Rezension zu "Hope Forever" von Colleen Hoover

Für mich viel zu kitschig und realitätsfern

 

Zum Inhalt:
Linden Sky Davis, genannt Sky, ist 17, adoptiert und wohnt mit ihrer besten Freundin Six Fenster an Fenster. Da Six sich ständig neu verliebt, hat sie abends oft ihre neueste Errungenschaft bei sich daheim - und die Freunde ebendieser Errungenschaft sind mit Sky zusammen. Blöd nur, dass Sky noch nie etwas für einen Jungen empfunden hat. Ein Kuss erweckt in ihr höchstens ein Taubheitsgefühl und sie kann sich nicht dagegen wehren. Bis sie Dean Holder kennenlernt - den Badboy der Schule. Eigentlich würde sich Sky nicht mit ihm abgeben, schließlich soll er einen schwulen Jungen verprügelt haben, doch dann lernt sie seine verletzliche Seite kennen. Als sie hinter ein dunkles Geheimnis in ihrer Vergangenheit kommt, steht Holder ihr mit aller Macht zur Seite während sie immer mehr in ihre Erinnerungen eintaucht...

Meine Meinung:
Hope Forever ist das zweite Buch der Autorin nach ihrem großen Erfolg Weil ich Layken liebe. Letzteres habe ich schon gelesen und da es mir sehr gut gefallen hat, beschloss ich, auch ihren Zweitling zu lesen, dessen Rezensionen überwiegend positiv waren.

Der Schreibstil in Hope Forever ist ganz in Ordnung. Er ist sehr schnörkellos, ohne viele Metaphern oder ähnliche Stilmittel und beschränkt sich tatsächlich eher auf die Handlungsbeschreibung als auf die Gefühle von Sky. Dadurch, dass aber eben eher die Handlung im Vordergrund steht, rücken Skys Emotionen und Gedanken, sowie ihre Persönlichkeit selbst recht stark in den Hintergrund. Zwar ist die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt, dennoch fiel es mir besonders am Anfang schwer, mich in sie hineinzuversetzen. Was mir allerdings sehr gut an Colleen Hoovers Schreibstil gefallen hat, ist, wie er einen mitreißt. Man hat wirklich das Gefühl, das Geschehen vor Augen zu haben. Das ist ganz besonders am Anfang der Fall, wo die Grundzüge der Handlung vorgestellt werden. Leider hatte ich das Gefühl, dass dieser Schreibstil im Laufe der Geschichte immer mehr abflachte, so dass ich mich wirklich quälen musste, das Buch weiterzulesen. Dies lag vor allem an den kitschigen Gesprächen, die Sky und Holder führten, wo ich mir zwischenzeitlich echt dachte Im Ernst??? Das fand ich wirklich sehr nervig und ließ mich des Öfteren die Augen verdrehen. Auf diesen Aspekt komme ich allerdings nochmal in der Charakterbewertung zu sprechen. Die Kapitel sind insgesamt recht kurz gehalten. Manche sind länger als andere, besonders gegen Ende des Buches, aber es fällt sehr leicht, wieder in die Geschichte hineinzukommen, auch wenn man mitten im Kapitel eine Lesepause einlegte.

Nun komme ich aber zu den Charakteren. Sky lernt man natürlich am besten kennen, da sie auch die Erzählerin der Geschichte ist und aus der Ich-Perspektive berichtet, was passiert. Leider hatte ich nicht das Gefühl, dass ihre Emotionen im Vordergrund standen, sondern eher die Handlungen an sich. Somit sieht man als Leser nur ihre "äußere" Seite. Erst gegen Ende des Buches hatte ich das Gefühl, dass sich der Fokus ein wenig mehr von der Handlung abwandte und auf ihre Gedanken und Gefühlswelt konzentrierte. Erst hier lernt man Sky erst richtig gut kennen, was schon viel früher hätte geschehen können. Im Gegensatz zu Sky stehen bei Holder tatsächlich seine Gefühle im Vordergrund. Er wirkt im Laufe des Buches ein wenig wie ein Anhängsel von Sky, das ihr folgt wie ein treues Hündchen. Dies fand ich allerdings ein wenig übertrieben, da Holder, wenn er nicht gerade mit Sky zusammen ist, kaum erwähnt wird. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass die Nebencharaktere stark außen vor gelassen werden. So lernt man weder Skys beste Freundin Six, noch ihren neuen allerbestesten Freund auf der ganzen Welt Breckin genauer kennen. Auch Skys Adoptivmutter Karen hat nur wenige Auftritte im Buch; erst gegen Ende scheint sie nochmals wichtig zu werden. Der Fokus liegt also ganz klar auf Skys und Holders Liebesgeschichte - und da wäre das Wort kitschig noch viel zu nett. Die Gespräche der beiden strotzen vor Koseworten wie Baby oder Süße (Kosenamen, die ich niemals meinem Freund geben würde) und generell erschien es mir so, als wären Gesprächsteile aus schlechten Liebesromanen entnommen. Hier einmal ein kleines Beispiel:

"Er legt seine Hand auf mein Herz und greift nach meiner Linken, um sie auf seines zu legen. Dann sieht er mich an, als wolle er sich vergewissern, dass ich in diesem Moment ganz bei ihm bin. >>Scheiß auf all die ersten Male, Sky. Das Einzige, was bei dir für mich zählt, ist das Für-Immer.<<
 Ich küsse ihn. Und
wie ich ihn küsse. Und ich hoffe, dass er in meinem Kuss spürt, wie sehr jeder Faser meines Seins ihn mit der Liebe für ihn erfüllt ist. Holder schlingt die Arme um meine Taille, hebt mich sanft von sich herunter und legt mich aufs Bett. Er kniet über mir und sieht auf mich herab. >> Ich liebe dich<<, sagt er ernst. >>Ich liebe dich schon von der ersten Sekunde an. Aber ich konnte es dir nicht sagen, weil es sich nicht richtig angefühlt hätte, solange es noch so viel gab, was ich vor dir geheim halten musste<<." (S. 403)

Der Großteil ihrer Gespräche lief so ab und gab mir das Gefühl, als wäre nichts wichtiger als einen Freund zu haben. Allgemein waren ihre Gesprächsthemen auch in Teilen wirklich realtiätsfern, was mindestens genauso nervig war. Deswegen konnte ich auch ihren Interaktionen und Handlungen im Laufe des Geschehens nicht wirklich etwas abgewinnen.

Zum Handlungsverlauf kann ich nur sagen, dass ich das Gefühl hatte, dass er, je weiter ich las, immer flacher und schlechter wurde. Schien am Anfang noch alles ganz glaubwürdig und logisch, entfernte sich der Handlungsverlauf immer mehr von diesen Kriterien. In Teilen schien er sehr abstrus und unglaublich, ebenso wie realitätsfern, was vor allem an den Gesprächen von Sky und Holder liegt. Auch viele Themen, die zu Anfang der Handlung angesprochen werden, rücken immer mehr in den Hintergrund. Das war mindestens genauso schade, denn Sky kündigt diese - implizit natürlich - groß an, aber in Wirklichkeit gibt es nur ein oder zwei Kapitel, die davon handeln. Was auch ein wenig gestört hat, war, dass es einen riesigen Sprung in der Handlung gab von über einem Monat. Sky fasst nur kurz zusammen was in diesem Monat passiert ist, aber mehr auch nicht. So abrupt in eine neue Handlung hineingeworfen zu werden, war nicht schön für mich, vor allem, da noch weniger Charakterzüge der Nebenpersonen aufgelistet oder enthüllt werden. Das einzig Gute am Handlungsverlauf waren die zum Teil wirklich überraschenden Wendungen. Vieles war zwar auch wieder sehr vorhersehbar - bsw. Skys Vergangenheit - aber anderes wiederum kam wirklich sehr überraschend. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet
.
Das Ende war für mich recht gut gelöst. Wieder gibt es eine Erinnerung an Skys Vergangenheit. Hier gefällt mir die Idee, nochmals zurück in die Vergangenheit zu tauchen anstatt dem Leser eine super rosige Zukunft zu präsentieren in der alle ihr Happy End erleben. Das hat mir gut gefallen.

Ich glaube allerdings nicht, dass ich noch den Nachfolger Looking for Hope lesen werde (überhaupt: Die Titel sind sowieso schon englisch. Warum muss man dann noch eine englischere Übersetzung finden??). Die Leseprobe ließ anmuten, dass die gleiche Geschichte erzählt wird - nur aus Holders Sicht mit den gleichen Gesprächen und der gleichen Handlung, nur eben mit ein bisschen mehr Nebeninformationen zu Holder und seiner Familie selbst. Das muss ich wirklich nicht noch einmal lesen, zumal mir Hope Forever nicht wirklich gefallen hat.

Fazit:
Kann meiner Meinung nach mit dem Hype, der um dieses Buch entstanden ist, nicht mithalten. Im Gegensatz zu Weil ich Layken liebe ist die Handlung im Laufe der Geschichte sehr schwach, kitschig und realitätsfern. Auch wenn sie eine gute Idee und sehr ernste Themen innehat, hatte ich nicht das Gefühl, dass diese besonders gut aufgegriffen worden sind, sondern eher unter der Weiterführung der Liebesgeschichte unter den Tisch fallen. Dies war ganz genauso mit den Nebencharakteren. Die meisten hatten nur ein oder zwei Auftritte, bevor sie wieder unwichtig wurden. War der Schreibstil am Anfang noch ganz gut, verliert er sich im Laufe der Handlung immer mehr und hängt sich an kitschigen Gesprächen zwischen Sky und Holder auf. Das einzige, was mir wirklich gut gefallen hat, waren einige Wendungen, die sehr überraschend kamen, auch wenn einige wiederum sehr vorhersehbar waren. Daher bekommt Hope Forever nur 2 von 5 Sternen von mir.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 10.09.2014
Aktuelle Ausgabe : 01.10.2014
Verlag : DTV
ISBN: 9783423716062
Flexibler Einband 512 Seiten
Sprache: Deutsch

Donnerstag, 13. August 2015

Rezension zu "Über uns der Himmel" von Kristin Harmel

Konnte mich leider überhaupt nicht fesseln

 

Zum Inhalt:
2001: Das Leben könnnte für Kate und Patrick nicht schöner sein. Frisch verheiratet sind sie in ihre neue Wohnung in Manhattan gezogen, die nicht weit von Patricks Arbeitsplatz entfernt ist. Eines Morgens geht Kate am Hudson River joggen, als plötzlich ein Flugzeug ins das World Trade Center kracht - genau in die Etage, auf der Patrick arbeitet. Der Anschlag hinterlässt viel Zerstörung, sowie tiefe Trauer bei Kate.

13 Jahre später scheint Kate doch endlich nochmals ihr Glück gefunden zu haben. Sie hat ihren großen Traum verwirklicht und ist Musiktherapeutin geworden mit einer gut laufenden Praxis und vor kurzem hat sie sich mit ihrem Freund Dan verlobt. Doch langsam kommen ihr Zweifel ob das die richtige Entscheidung war. Denn plötzlich trifft sie in ihren Träumen auf Patrick, der ihr sagt, dass er sie liebt. Durch die Realität dieser Träume wird Kate richtig mitgenommen. Will ihr toter Ehemann ihr damit etwas sagen? Aber was? Festhaltend an ihrer großen Liebe beginnt Kate an ihr Glück zu glauben - allerdings auf eine andere Weise als sie gedacht hätte...

Meine Meinung:
Über uns der Himmel ist mal wieder ein Bahnhofskioskeinkauf von mir gewesen und ich wurde durch den sehr ansprechenden Klapentext gefesselt. Da die Idee hinter der Geschichte sehr interessant klang, musste ich das Buch unbedingt haben, besonders weil Musik ein sehr großer Themenkomplex des Buches ist.

Durch die ersten 100 Seiten des Buches rutscht man nur so durch. Kristin Harmels Schreibstil ist locker und leicht und man kann ihren Erzählungen recht gut folgen. Auch hier hatte ich wieder das Gefühl, dass ich die Handlung selbst erlebe. Die ganze Geschichte ist aus Kates Perspektive geschrieben worden, was dem Leser hilft, sich in sie hineinzuversetzen. Das verwendete Präsens lässt den Leser dabei noch etwas näher in die Geschichte hineintauchen. Jedoch fiel nach diesen 100 Seiten die Spannung stark ab und ich konnte mich kaum bewegen weiterzulesen. Woran es genau lag kann ich nicht sagen, aber ich hatte einfach nicht mehr das Bedürfnis, fortzufahren. Ständig schien immer das Gleiche zu passieren: Kate hat die Träume, sie streitet sich mit Dan und sagt sich immer wieder selbst sie müsse aufhören, weiter so an Patrick zu hängen. Das war nach einiger Zeit wirklich sehr nervig und man konnte sich denken, was passieren würde, wenn sie wieder aus einem dieser Träume aufwachte. Auch der Wortlaut klang immer wieder gleich, egal ob Kate sagte, sie müsse sich von Patrick lösen oder eine ihrer Bezugspersonen. Der Schreibstil schien für mich im Laufe der Geschichte immer mehr abzuflachen.  Die Kapitel selbst sind zudem noch relativ lang. Ich hatte große Probleme, wieder in die Geschichte hineinzufinden und wusste oft nicht, was vorher passiert war, oder in welcher Beziehung Kate mit dieser oder jener Person steht.

Das fand ich auch ein wenig schade. Die Nebencharaktere fallen in der Geschichte wirklich unter den Tisch. Wenn Gina, Kates beste Freundin auftaucht, weiß man oft gar nicht mehr wer sie ist, weil sie gerade einmal zwei oder drei Auftritte im Buch hatte. Diese Verwirrung schmälerte meine Motivation noch mehr, was wirklich sehr schade ist, da sensible Themen wie Trauerbewältigung, Schwerhörigkeit und Musiktherapie immer wieder aufgegriffen werden und man auch als Leser viel über diese Sachen erfährt. Doch leider bleiben die Charaktere sehr stark auf dem Papier hängen. Man erfährt nicht genug über sie um sich selbst ein Bild zu machen, da sie nur äußerst wenige Auftritte haben. Aber nicht nur die Menschen, die Kate privat kennt fallen sehr unter den Tisch, sondern auch die Personen, mit denen sie in der Musiktherapie zusammenarbeitet. Irgendwie war mir das zu grob gestaltet. Es klang immer so, als würde sie sagen, dass sie mit der Person arbeitet, aber was genau sie machte, klang nie wirklich heraus. Das war wirklich sehr schade, da sie im Buch selbst sagt, dass es ihr Traumjob ist. Allerdings hatte ich mit Kate genau das gleiche Problem wie mit allen anderen Charakteren: es fiel mir unglaublich schwer mich in sie hineinzuversetzen, was wahrscheinlich auch an den ganzen nervigen Wiederholungen lag. Aber irgendwie wurde ich mit ihr als Charakter nicht warm. Ich konnte zwar die Handlung gut mitverfolgen, aber ich war nicht Kate, der das passierte, sondern irgendein Außenstehender, der nur beobachtet. Auch ihre Gefühle und ihr Schicksal, Patrick verloren zu haben, konnten mich nicht wirklich erreichen. Warum genau weiß ich nicht, aber es gelang mir einfach nicht. Natürlich konnte ich mit ihr mitfühlen, aber die Trauer, die sie im Buch auch näher beschreibt, kam nicht so nah an mich heran. Auch die Ich-Perspektive half mir nicht wirklich, Kate besser zu verstehen und kennenzulernen. Das einzige, was mir wohl an ihr gefallen hat, ist tatsächlich ihre Charakterentwicklung, die sie durchmacht, da ihre Trauerbewältigung nicht innerhalb von 50 Seiten abgeschlossen ist.

Zum Handlungsverlauf kann ich eigentlich nur sagen, dass die ersten 100 Seiten wirklich gut waren, aber danach immer wieder nur das Gleiche zu passieren scheint. Was passierte war äußerst vorhersehbar und konnte mich einfach nicht fesseln - sehr zu meinem Bedauern muss ich sagen, da der Klappentext so vielversprechend klang. Die ständigen Handlungs- und Wortwiederholungen machten es nicht besser, sondern ließen mich das Buch immer seltener in die Hand nehmen.

Allein das Ende hat mir gut gefallen, eben weil es im Gegensatz zum Rest der Geschichte nicht allzu vorhersehbar ist. Es wirkte nicht übertrieben, sondern genau richtig eingesetzt und passte auch gut zu Kates Charakterentwicklung. Auch ist es nicht zu abrupt sondern fügt sich recht gut in die letzten Seiten der Geschichte ein. Das hat mir ganz gut gefallen und ist eigentlich mein Highlight des Buches gewesen.

Fazit:
Leider war das Buch, trotz guter Idee und ansprechendem Klappentext überhaupt nicht ansprechend für mich und hat mich eher enttäuscht als begeistert. Zwar werden sensible Themen aufgegriffen, aber im Laufe des Buches scheinen diese immer mehr unter den Tisch zu fallen, um Platz für Kates Gefühlschaos zu machen. Das fand ich sehr schade, zumal ich hier das Gefühl hatte, dass vieles aus Handlungs- und Wortwiederholungen bestand. Dies ist ein Grund warum die Geschichte für mich nach etwa 100 Seiten recht langweilig wurde. Ich konnte mich einfach nicht mehr dazu bewegen, weiterzulesen, obwohl der Schreibstil der Autorin sehr gut und ansprechend ist. Auch mit den Charakteren wurde ich nicht wirklich warm. Ich konnte mit Kate überhaupt nichts anfangen und die anderen Nebencharaktere schienen während des Handlungsverlaufs immer unwichtiger zu werden. Das Ende hingegen hat mir wiederum ganz gut gefallen, weil es echt wirkte und nicht abgehackt und übertrieben. Zudem passte es ganz gut zu Kates Charakterentwicklung. Über uns der Himmel bekommt mit Hängen und Würden 3 Sterne von mir, weil die Idee der Geschichte großes Potenzial hat. Vielleicht gibt es jemanden, dem das Buch besser gefällt als mir.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 16.03.2015
Aktuelle Ausgabe : 16.03.2015
Verlag : Blanvalet Taschenbuchverl
ISBN: 9783442383337
Flexibler Einband 480 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 8. August 2015

Rezension zu "Margos Spuren" von John Green

Ein spannender Jugendroman, den man nicht mehr aus der Hand legen kann – jedoch mit laschem Ende

 

Zum Inhalt:
Quentin lebt ein ganz normales Leben in einer Kleinstadt – bis Margo Roth Spiegelman und ihre Familie im Nachbarhaus einzieht. Ab da beginnt Quentins Bewunderung für das Mädchen, mit der er nie mehr als 2 Worte gewechselt hat und verliebt sich schon als Kind in sie. Und eben dieses Mädchen steht eines Nachts mitten in seinem Zimmer und bittet ihn, ihr zu helfen. Sie will Rache an ihrem Exfreund nehmen. Diese Nacht wird für Quentin die aufregendste Nacht seines Lebens – doch der Morgen danach wird umso schrecklicher als er erfährt, dass Margo verschwunden ist. Mit seinen Freunden Ben und Radar begibt er sich auf die Suche nach Margos Spuren, denn immer wieder findet er kleine Hinweise die auf ihren Rückzugsort hinweisen…  

Meine Meinung:
Da ich schon Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green gelesen habe (und mich sowohl in die Charaktere als auch den Schreibstil verliebt habe), konnte ich nicht anders als auch Margos Spuren zu lesen. Eigentlich wollte ich zuerst die englische Originalfassung lesen, doch da diese zum Zeitpunkt des Bucherwerbs in meiner Buchhandlung restlos ausverkauft war, entschied ich mich doch für die deutsche Ausgabe von Paper Towns. Auch Margos Spuren habe ich vor einer ganzen Weile gelesen, bin jedoch aufgrund von Klausurstress nicht dazu gekommen, meine Rezension zu schreiben. Jetzt hole ich dies jedoch nach.

Der Schreibstil ist wie immer bei Büchern von John Green – einfach großartig. Er erzählt so, dass man sich als Leser die Charaktere und ihre Handlungen bildlich vorstellen kann und baut keine Schachtelsätze um Gefühle oder Handlung herum. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass eine sehr gute Balance zwischen Gefühlsbeschreibung und Handlung herrschte – in den ersten zwei Dritteln des Buches steht zwar die Handlung im Vordergrund, trotzdem lässt der Autor immer wieder erkennen, wie Quentin sich bezüglich der Situation fühlt, in die Margo ihn gebracht hat. Die gesamte Geschichte ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, wobei Quentin hier der Protagonist ist. Ihn lernt man auch während der gesamten Handlung am besten kennen, eben weil man so viel über ihn erfährt. Zudem konnte ich mich viel besser in Quentin hineinversetzen und auch die Handlung besser verfolgen. Die Kapitel sind nicht sonderlich lang, so dass man mindestens eins schaffen kann während eines Lesedurchgangs. Allgemein ist die Geschichte aber auch so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Immer wieder baut der Autor Cliffhanger an die Kapitelenden ein, so dass man unbedingt wissen möchte, wie es jetzt weitergeht. Deswegen konnte man im Buch sehr schnell voranschreiten. Auch die Abwechslung zwischen Ernsthaftigkeit und Humor ist genau richtig. Die Lacher, die John Green hier einbaut, passen perfekt und wirken nicht übertrieben. Sie entspannen die gesamte Situation ein wenig und bringen Ruhe hinein. Die meisten Lacher werden durch Quentins Freund Ben eingebaut, zu dem ich später noch etwas sagen werde.

Was mir außer dem Schreibstil auch sehr gut gefallen hat, waren die Charaktere. Ich hatte wirklich das Gefühl, als wären Quentin, Margo und ihre Freunde aus dem wirklichen Leben gegriffen. Quentin erinnerte mich am Anfang sehr an Charlie aus The Perks of Being a Wallflower, entwickelte sich aber immer mehr vom Jungen, der nichts riskiert zu einem Menschen, der alles auf eine Karte setzt um Margo zu finden. Insgesamt empfand ich Quentins Verhalten relativ normal für einen 17-jährigen High-Schoolschüler und konnte mich wahrscheinlich deswegen so gut mit ihm identifizieren. Seine Bewunderung für Margo überträgt sich auch auf den Leser, so dass auch dieser Margo ähnlich wie Quentin sieht – nämlich wie ein Wunder. Was sie in ihrem bisherigen Leben alles getan haben soll klingt so unglaublich und fantastisch, dass man Quentins Bewunderung für das Mädchen sehr gut nachvollziehen kann. Auch ihre Hinweise, die sie Quentin hinterlässt sind so mystisch und geheimnisvoll wie Margo selbst und der Leser möchte sie mit Quentin gemeinsam unbedingt finden. Auch Ben und Radar waren toll ausgearbeitete Charaktere, die immer mehr aus der Sparte der Nebencharaktere in die Liste der Protagonisten wanderten. Ben und sein schräger Humor und die Art wie er jedes weibliche Wesen in seiner Umgebung „Schnuckelpuppe“ nennt, bringen den Leser sehr zum Lachen und lockern die Ernsthaftigkeit, Margo unbedingt finden zu müssen, etwas auf. Radar ist sein Gegenpol und die Ernsthaftigkeit in Person. Mithilfe seiner Enzyklopädie bringt er die Freunde sehr weit in ihrer Suche und hält Ben davon ab, zu sehr über die Stränge zu schlagen. Auch Radar kann lustig sein wenn er will, ist aber im Vergleich zu Ben der Ernsthaftere der beiden.

Der Handlungsverlauf der Geschichte ist wundervoll gestaltet und alles scheint sich nahtlos aneinanderzufügen. Durch die Cliffhanger wird der Leser neugierig gemacht bezüglich der Handlungsfortsetzung und entscheidet sich eher dafür, noch ein Kapitel zu lesen als das Buch wegzulegen. Immer wieder finden Quentin, Ben und Radar neue Hinweise über Margos Aufenthalt und die Fragen, die sich dem Leser dabei stellen, bleiben unbeantwortet. Wo genau ist Margo? Ist sie tot? Lebt sie noch? Warum hat sie das getan? Schade fand ich, dass einige Aspekte, die John Green in seinem Buch erwähnt, doch sehr unter den Tisch fallen, wie der Schulball. Am Anfang wird groß darüber berichtet, aber ansonsten findet er keinen Platz im Buch. Das fand ich sehr schade, vor allem, wenn dieser von Ben und Radar ganz groß angekündigt wird.

Das Einzige, was mir wohl nicht so gut gefallen hat, ist das Ende. Dabei fällt mir ein Zitat von Margo ein, dass sie am Anfang des Buches anbringt.

„[…] Margo antwortete nicht. Sie kniff die Augen zusammen und starrte in die Ferne. >> Genau so war es auch, als ich in die Universal Studios eingebrochen bin<<, sagte sie dann. >>Irgendwie ist es cool und alles, aber eigentlich gibt es nicht viel zu sehen. Die Attraktionen sind zu. Alles ist abgeschlossen. Die meisten Tiere tun sie nachts in andere Becken.<<Abschätzig ließ sie den Blick über den Freizeitpark gleiten. >>Ich schätze, das Reizvolle ist nicht, drin zu sein<<.
>>Was ist dann das Reizvolle?<<, fragte ich.
>>Das Planen vielleicht. Ich weiß es auch nicht. Aber die Ausführung ist nie so spannend, wie man gehofft hat.<< (S. 86)


Irgendwie konnte ich mich bezüglich des Endes sehr gut mit diesem Zitat identifizieren. Die Planung, wie Quentin, Ben und Radar Margo finden wollen, ist sehr spannend gestaltet, aber genau das schien am Ende zu fehlen. Irgendetwas ganz Essentielles hat mir hier gefehlt, genau benennen kann ich es nicht. Jedenfalls hatte ich auf einmal nicht mehr so dringend das Bedürfnis, das Buch weiterlesen zu müssen. Das fand ich sehr schade, denn die Geschichte um Margo ist wirklich eine sehr schöne Idee und auch spannend gestaltet. Nur das Ende kann mit dem Rest der Handlung nicht wirklich mithalten.

Fazit:
Ein wundervolles Jugendbuch über die erste Liebe und die Jagd danach. Der Schreibstil ist großartig, sowohl humorvoll, als auch ernst und fügt sich wunderbar in die Handlung ein. Generell scheint das Geschehen einfach so vor dem inneren Auge des Lesers abzulaufen ohne irgendwelches Zutun. Auch die Charaktere haben mir gut gefallen: Ben mit seiner schrägen Art, Radar mit seiner Ernsthaftigkeit und Quentin mit seiner Entschlossenheit, Margo endlich zu finden. Der Handlungsverlauf ist genauso spannend gestaltet und die Cliffhanger an den Kapitelenden tun ihr Übriges, um den Leser nicht loszulassen. Er will Antworten auf seine Fragen, doch die bekommt er erst am Ende des Buches. Letzteres fand ich jedoch sehr lasch geschrieben. Ich konnte mich nicht motivieren, weiterzulesen, was sehr schade war. Denn die Geschichte an sich ist unglaublich genial konzipiert und auch schön erzählt. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich es auf einmal mit einem ganz anderen Quentin und einer ganz anderen Margo zu tun hatte. „Margos Spuren“ bekommt daher von mir nur 4 von 5 Sternen. 

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 08.02.2010
Aktuelle Ausgabe : 01.07.2015
Verlag : DTV
ISBN: 9783423086448
Flexibler Einband 336 Seiten
Sprache: Deutsch