Posts mit dem Label Thriller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Thriller werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 28. Februar 2016

Rezension zu "Der Augenjäger" von Sebastian Fitzek

Um Längen besser als der Vorgänger

 

Zum Inhalt:
Der Augenjäger ist der Nachfolger von Der Augensammler. Alexander Zorbach ist verzweifelt. Immer noch sucht er nach seinem geliebten Sohn Julian, der vom Augensammler verschleppt wurde. Es mangelt an Hinweisen und allem Möglichen und so langsam weiß er keinen Ausweg mehr. Doch nicht nur bei ihm läuft es nicht so wie es sollte. Seine Freundin Alina, die er seit dem Fall des Augensammlers nicht mehr gesehen hat, wird von der Polizei um Hilfe gebeten. Deren Anliegen: Dr. Suker, einer der besten Augenärzte der Welt. Und zudem noch Psychopath. In einem geheimen Labor soll er bereits mehreren Frauen die Augenlieder entfernt und sie danach vergewaltigt haben. Da bisher alle seine Opfer Selbstmord begangen haben, soll Alina nun mithilfe ihrer hellseherischen Fähigkeiten aufdecken, was wirklich geschehen ist - und gerät dabei selbst in Dr. Sukers Hände...

Meine Meinung:
Vielleicht kann sich der ein oder andere noch erinnern, was ich über Der Augensammler zu sagen hatte. Dieses Buch hat mir eigentlich so gar nicht zugesagt, da es starke Ähnlichkeiten mit dem Playstation-Spiel Heavy Rain hatte. Trotzdem habe ich mich jetzt dennoch an die Fortsetzung gewagt, weil ich einfach ein zu neugieriger Mensch bin - und war äußerst positiv überrascht.

Dass Fitzek schreiben kann, habe ich ja bereits schon mehrfach erwähnt. Er hat einen sehr lebendigen Erzählstil, der den Leser stark in die Handlung mit hineinreißt und ihn an das Geschehen fesselt. So ist es auch bei diesem Buch. Man schlüpft wieder in die Rollen von Alexander und Alina und erlebt zwei unterschiedliche Handlungsstränge, die die gleiche Menge an Spannung enthalten. Dass Fitzek bei seinen beiden Protagonisten dazu noch die Ich-Perspektive nutzt, hilft dem Leser noch zusätzlich, sich richtig in die Handlung einzufinden. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich zusammen mit Alina und Alexander die Geschichte erlebe. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen und half mir, mir auch die einzelnen Szenerien besser vorzustellen. Besonders gut fand ich auch am Anfang die kleine Rekapitulation der Geschehnisse aus "Der Augensammler". So hat der Leser nochmals vor Augen geführt bekommen, was genau alles passiert ist, wenn es schon länger her ist, dass er den Vorgänger gelesen hat. Auch die Länge der Kapitel fand ich übersichtlich und man konnte gut wieder in die Handlung einsteigen. Dies war auch möglich, wenn man mitten im Kapitel eine kleine Pause eingelegt hatte. Im Großen und Ganzen war aber ein Kapitel zu schaffen, so dass man nicht unbedingt mittendrin aufhören musste.

Das letzte Mal habe ich ja ordentlich an den Charakteren herumgemeckert, dass sie sehr große Ähnlichkeiten mit Heavy Rain aufwiesen. Dieses Buch aber zeigt die Weiterentwicklung der Charaktere, die mir sehr gut gefallen hat. Sie lösen sich von der Gestaltung im ersten Teil ab, bleiben sich selbst aber trotzdem treu. Sie entwickeln also nur neue Charakterzüge, der den Vergleich mit dem Playstation-Spiel unmöglich macht. Dies sage ich in einem äußerst positiven Sinn. Wirkte Alina im ersten Band nur wie der nette Sidekick von Alexander, entwickelt sich hier eine eigenständige Geschichte, die sie durchlebt. Ich kann mich eh kaum daran erinnern, dass die beiden sich einmal richtig begegnet sind, sondern praktisch nur ihre eigenen Probleme und Aufgaben im Kopf hatten. So konnte man vor allem Alina als eigenständiges Individuum betrachten. Ein wenig haben mir dann aber trotzdem die Zusammenkünfte von den beiden gefehlt, da ich sie als Team wirklich klasse gefunden habe. Nichtsdestotrotz habe ich mich sehr gefreut, dass auch Alina ihren eigenen Handlungsstrang bekommt. Auch Alexander fand ich noch um einiges detaillierter gestaltet als im ersten Band. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich könnte mich noch besser in ihn hineinversetzen und seine Handlungen nachvollziehen. Im Grunde ist er ja immer noch auf der Suche nach seinem Sohn, aber irgendwie war auch diese nochmals besser gestaltet worden als zuvor. Neben den Hauptcharakteren geraten die Nebenpersonen ein wenig in den Hintergrund. Viele hatten nur relativ wenige Auftritte, was ich ein wenig schade fand. So wird sich größtenteils nur auf Alina und Alexander konzentriert, ebenso wie auf Dr. Suker und Julian, da diese beiden diejenigen sind, die von Alexander und Alina gesucht werden. Hier hätte ich mir vielleicht ein wenig mehr Nebenhandlung neben dem Hauptgeschehen gewünscht.

Trotzdem fand ich den Handlungsverlauf wirklich wirklich gut gestaltet, so dass der Leser sich wie in einem Sog befindet und einfach weiterlesen muss. Ständig passiert irgendetwas Neues, das den Leser neugierig macht. Daher will er unbedingt wissen, was als Nächstes passieren wird. Insgesamt scheint ein Knaller auf den anderen zu folgen. Hier löst sich Der Augenjäger wirklich sehr stark von seinem Vorgänger ab und entwickelt eine eigenständige Handlung, die zwar immer noch mit dem ersten Teil zusammenhängt, aber trotzdem nicht komplett abhängig von ihm ist. Allein, dass Fitzek Alina einen eigenen Handlungsstrang gegeben und somit eine komplett neue Geschichte entwickelt hat, ist einfach großartig. Auch hier wird der Leser durch verschiedene Cliffhanger an den Kapitelenden neugierig auf das weitere Geschehen gemacht. Dass dann noch die Perspektive wieder umschwenkt, erhöht die Spannung noch zusätzlich. Mir ist es sehr schwergefallen, das Buch aus der Hand zu legen, da mir keine Stelle in Erinnerung geblieben ist, die ich wirklich langweilig fand. Alles ist sehr interessant beschrieben und aufgezogen, sowohl bei Alina als auch bei Alexander. Auch die Suche nach Julian ist sehr detailliert durchdacht und präzise gestaltet worden. Der Leser bewegt sich immer in einem Rahmen, so dass er nur weiß, was auch Alexander weiß. Das hat mir auch äußerst gut gefallen und machte neugierig auf mehr.

Das Ende hat mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen, da es förmlich nach einem dritten Teil schreit, der bisher aber noch nicht erschienen ist. Für mich sind noch zu viele Fragen unaufgeklärt geblieben, als dass die Kurzreihe jetzt für mich enden könnte. Zwar fügt sich das Ende mit seinem Zynismus wirklich gut an den Rest des Thrillers an, dennoch hatte ich die Erwartung, dass vielleicht noch etwas mehr kommen könnte. Mir haben einfach die Begegnungen zwischen Alina und Alexander gefehlt und das Ende lässt darauf schließen, dass die Suche nach dem Täter immer noch nicht vorbei ist. Hoffentlich hat Herr Fitzek ein Erbarmen und veröffentlicht noch einen dritten Teil der Reihe. Vier Jahre des Wartens sind eindeutig genug.

Fazit:
Ich muss zugeben, dass ich wirklich sehr positiv überrascht war, nachdem ich das Buch beendet habe. Es hat nur von der Grundstruktur noch Ähnlichkeiten zu seinem Vorgänger, präsentiert dem Leser aber zwei unterschiedliche Handlungsstränge, die beide gleich spannend sind. Ein Vergleich zu Heavy Rain ist somit nicht mehr möglich - und das ist auch gut so. Die gesamte Handlung hat sich weiterentwickelt, ebenso wie die Charaktere, obwohl ich mich eigentlich auf eine Zusammenführung von Alina und Alexander gefreut habe. Auch die Nebencharaktere sind mir ein wenig zu kurz gekommen. Trotzdem kam in keinem Moment des Buches Langeweile auf, so dass man als Leser förmlich durch die Handlung fliegt. Das Ende hat mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen, da immer noch einige Fragen ungeklärt bleiben, die eigentlich gelöst werden müssen. Ich hoffe, der Autor veröffentlicht noch einen dritten Teil, sonst wäre das Ende wirklich absolut undankbar dem Leser gegenüber. Der Augenjäger bekommt daher von mir 5 von 5 Sternen.

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier

Allgmeine Infos zum Buch
Aktuelle Ausgabe : 02.11.2012
Verlag : Knaur Taschenbuch
ISBN: 9783426503737
Flexibler Einband 432 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 27. Februar 2016

Rezension zu "Der Bund der Zwölf" von Miriam Pharo

Ein richtiger Geheimtipp für alle Musikliebhaber

 

Zum Inhalt:
Paris, 1926: Die Stadt floriert und besonders Theater, Lichtspielhäuser und Konzertsääle sind vollgepackt mit Menschen, die gerne der klassischen Musik lauschen möchten. Besonders beliebt ist momentan die "Philharmonie der zwei Welten", die die Zuhörer verzaubert. Doch etwas stimmt ganz und gar nicht. Innerhalb von kurzer Zeit sterben zwölf Menschen, plötzlich gealtert, obwohl sie noch vor Lebensfreude sprühten, unter Höllenqualen. Kein Arzt kennt den Grund für die sogenannte "Methusalem-Seuche" und auch die Polizei ist ratlos. Zwei Menschen wollen diesen aber unbedingt aufdecken: Der Klubbesitzer Vincent und seine beste Freundin Magali. Handelt es sich wirklich um eine Krankheit? Oder ist es eine Mordserie?

Ein paar Jahre zuvor wird das stumme aber begabte Mädchen Anna Mitglied in dem Orchester "Philharmonie der zwei Welten". Mit Spaß und Freude nimmt sie an den Orchesterproben teil, aber doch vermisst sie schmerzlich ihren Tata. Vor allem, dass sie langsam aber sicher sein Gesicht vergisst tut ihr weh. Doch im Jahr 1926 ist ihr Vater plötzlich nur noch ihre kleinste Sorge...

Meine Meinung:
Der Bund der Zwölf habe ich in einer Leserunde gewonnen und allein schon die Leseprobe hat es mir angetan. Ich spiele selbst ein Instrument und daher fand ich die Idee, musikalische Elemente in die Geschichte einzubauen richtig gut. Bisher hatte ich nur mit Virtuosity ein Buch in dieser Richtung gefunden, das mir richtig gut gefallen hat.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und sehr leicht zu lesen. Man kommt gut in die Geschichte hinein, obwohl man ein wenig unvermittelt in die Handlung hineingeworfen wird. Zwar muss man sich einen Moment orientieren, dennoch hat man nach etwa zwei bis drei Seiten einen vagen Überblick über das Geschehen. Am Anfang weiß der Leser eh noch nicht sonderlich viel über das mysteriöse Altern der Menschen. Er befindet sich vom Wissensstand her also etwa auf dem gleichen Level wie die Polizei. Diese eingeschränkte Sicht auf die Handlung macht ihn jedoch auch sehr neugierig, so dass er gerne weiterlesen will. Auch die Darstellung der 20er Jahre hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte mich richtig gut in die Szenerie hineinversetzen und auch die Handlungen der Charaktere sehr gut nachvollziehen. Ein paar Probleme ergaben sich dennoch am Anfang mit den einzelnen Zeitsprüngen zu Beginn der Kapitel. Manchmal war ich ein wenig verwirrt, in welcher Zeit wir uns befanden, so dass ich zwischenzeitlich ein wenig zurückblättern musste um mich neu zu orientieren. Das legte sich aber dann nach einiger Zeit, besonders, da der Leser auch immer mehr in die Handlung hineinwächst. Am besten haben mir aber wohl die Beschreibungen der gespielten Symphonien gefallen. Ich höre nicht sonderlich viel klassische Musik, aber während ich das Buch gelesen habe und ein weiteres Stück auftauchte, habe ich dieses nebenher abgespielt. Die Beschreibungen der Autorin passen wirklich haargenau auf jedes einzelne Stück und ließen mein Musikerherz wirklich höherschlagen. Zudem wirkt es sehr atmosphärisch, wenn nebenher die beschriebenen Stücke laufen, so dass man sich noch ein wenig mehr im Buch verlieren kann. Die Länge der Kapitel fand ich vollkommen in Ordnung. Die Länge war abwechslungsreich gestaltet, aber keines war allzu lang, dass man zwischendurch eine Pause hätte machen müssen.

Kommen wir nun zu den Charakteren, die uns im Verlauf des Buches vorgestellt werden. Vincent und Magali sind neben Anna die ersten Hauptcharaktere. Leider konnte ich mich zu Anfang nicht sonderlich stark in den Klubbesitzer und seine Freundin einfühlen. Irgendwie waren beide Charaktere etwas distanziert, so dass man sie zwar kennenlernte und ihre Handlungen nachvollziehen konnte, aber es sich nicht so anfühlte, als erlebte man mit ihnen die Handlung. Dies besserte sich im Verlauf der Handlung deutlich und spätestens ab der Mitte fühlte man sich den Hauptpersonen des ersten Erzählstranges sehr stark verbunden und drückte ihnen die Daumen, dass sie die Sache mit der mysteriösen Seuche aufklären. Anna war mir im Gegensatz dazu von Anfang an sehr nah und deswegen zog ich besonders im ersten Viertel des Buches ihre Geschichte ein wenig vor, auch wenn diese zumeist nur aus kurzen Abschnitten bestand. Vielleicht lag es daran, dass es hier ein wenig mehr um die Musik ging, genau sagen kann ich es aber nicht. Irgendwie fesselte mich ihr Erzählstrang ein wenig mehr als der andere. Dies relativierte sich jedoch im Verlauf des Buches. Die Nebencharaktere fand ich genauso wie die Hauptcharaktere sehr liebevoll gestaltet. Jeder hatte eine andere Persönlichkeit: Der lustige und geheimnisvolle Béberé, der leicht tollpatschige Polizist Fournier, die angsteinflößende Näherin, sowie der nette Meister Menotti. Alle konnten sowohl bei Vincent, Magali und Anna als auch bei mir starke Verbundenheit oder tiefe Abneigung hervorrufen. Zu jedem Charakter hegte man zumindest ein Gefühl, wenn man diesem begegnete. Dies kann dem Leser auch wiederrum helfen, sich in die Geschichte einzufinden. Zudem haben alle Charaktere Ecken und Kanten und wirken nicht zu utopisch auf den Leser, so dass man sie sich als reale Personen in die heutige Welt denken kann.

Auch der Handlungsverlauf hat mir sehr gut gefallen. Braucht die Geschichte am Anfang ein wenig Zeit um anzulaufen, kann man das Buch spätestens ab der ersten Hälfte nicht mehr aus der Hand legen. Zudem passiert in den Erzählsträngen noch so viel nebenher, dass gar keine Langeweile aufkommt. Vincent muss zusehen wie er die Näherin bezahlt beispielsweise oder Annas Rückblick auf ihre Zeit beim Orchester bevor ihre Gegenwart dem Leser offenbart wird. Dennoch wirkt die ganze Abhandlung des Geschehens nicht übereilt oder allzu hektisch als hätte die Autorin das Buch unbedingt abschließen müssen. Die Aneinanderreihung der Handlungen ergibt sehr viel Sinn und ist in sich schlüssig. Bei der Leserunde ist mir aufgefallen, dass jeder zu den Abschnitten andere Situationen aus dem jeweiligen Leseabschnitt herausgegriffen hat, wo ich auch dachte, ach ja, das ist ja auch noch passiert. Hier fand ich es sehr interessant wie andere Leser das Buch aufnehmen und welche Handlungen ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind. Zudem kann ich mich an keine Stelle erinnern, die sonderlich langweilig war. Immer wieder passierte etwas neues und der Leser wurde lange hingehalten, bis er hinter das Geheimnis der Methusalem-Seuche kommt. Dies steigerte nochmal die Neugier und zudem noch das Vergnügen beim Lesen des Buches.

Das Ende wartet nochmals mit einer überraschenden Wendung auf, die ich überhaupt nicht erwartet hätte. Sie ließ mich ein wenig zwiegespalten zurück, aber dennoch bin ich recht zufrieden mit dieser. Insgesamt bietet das Ende des Buches einen runden Abschluss zum Gesamtgeschehen. Die Spannung wird langsam herausgenommen und man kommt ganz ruhig am Ende des letzten Kapitels an, obwohl so viel geschehen ist. Hoffentlich veröffentlicht die Autorin weitere Bücher in dieser Richtung.

Fazit:
Ein richtig schönes Buch mit Mystery-, Thriller- und romantischen Elementen, die besonders die Musik in den Fokus stellen. Der Schreibstil ist flüssig und man kann der Handlung gut folgen, während die Beschreibungen der klassischen Stücke sehr bombastisch ausfallen, aber dennoch sehr gut passen. Mir hat es nebenbei noch geholfen, die beschriebenen Stücke aufzulegen um noch ein wenig mehr Atmosphäre zu kreieren. Auch die Charaktere sind gut gelungen. Hier hat die Autorin wirklich viel Arbeit geleistet, denn jeder hat eine eigene Persönlichkeit und wirkt auch immer wieder anders auf den Leser. Zudem konnte ich mich sehr gut in das Paris der 20er Jahre zurückversetzen, da die Beschreibungen der Stadt sehr lebhaft ausgefallen sind. Obwohl die Handlung erst ein wenig anlaufen muss, um interessant zu werden, gerät der Leser irgendwann in solch einen Sog, dass er sich diesem nicht entziehen kann. Ohne, dass die Handlungen hektisch aneinandergereiht zu sein scheinen, spitzt sich die Situation immer weiter zu, was die Spannung nochmals erhöht. Das Ende ist wieder ein ruhiger Abschluss und fügt sich wirklich gut in die restliche Geschichte ein. Für mich ist Der Bund der Zwölf ein richtiger Geheimtipp für Musik- und Thriller-Liebhaber, die gerne noch eine Prise Romantik dabeihaben. Für dieses tolle Buch vergebe ich daher 5 von 5 Sternen.

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier 

Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 10.01.2016
Aktuelle Ausgabe : 10.01.2016 
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
ISBN: B01AG9HXH2
E-Buch Text 290 Seiten
Sprache: Deutsch

Mittwoch, 6. Januar 2016

Rezension zu "Gated: Die letzten 12 Tage" von Amy Christine Parker

Beklemmendes Jugendbuch

 

Zum Inhalt:
Gated: Die letzten 12 Tage ist der erste Teil der Gated-Reihe. Die 17-jährige Lyla lebt mit ihrer Familie in Mandrodage Meadows, einer kleinen Kommune mitten in Amerika, die sich vom Leben der Außenwelt abschottet. Das besondere an der kleinen Gemeinschaft, die aus mehreren Familien besteht: Alle glauben an den Weltuntergang. Pioneer, der Anführer und Gründer der kleinen Kommune schirmt die Menschen ab und erzählt ihnen, sie seien "auserwählt" worden, den Weltuntergang zu überleben. Auch Lyla zweifelt an der Wahrheit seiner Worte nicht, ebenso wenig wie die anderen. Sie erhalten keinen Zugang zu den Medien, denn Pioneer informiert sie so oder so über das Geschehen in der Welt. Erst als der Sohn des Polizeichefs Cody auftaucht, gerät die heile Welt in Mandrodage Meadows für Lyla ins Wanken. Allerdings bleibt ihr nicht viel Zeit, die anderen zu warnen. Nur 12 Tage haben sie, bevor alle in den Schutzbunker flüchten und alle Hoffnung vergebens ist. Denn Lyla erkennt, dass das Böse nicht in der Außenwelt liegt, sondern mitten unter ihnen ist...

Meine Meinung:
Dieses Buch stand schon lange Zeit auf meiner Liste und jetzt komme ich auch endlich dazu, eine Rezension dazu zu schreiben. Bei Gated: Die letzten 12 Tage handelt es sich um einen Jugendroman, der dystopische Züge aufweist: alles wird über eine einzelne Person kontrolliert, die Mitglieder der Gemeinde müssen bestimmte Regeln befolgen, die ihre Freiheit einschränken, aber das scheint sie nicht zu stören und sie hinterfragen nichts.

Dadurch wirkt der Schreibstil, den die Autorin in ihrem Erstling nutzt, äußerst beklemmend, so dass sich auch der Leser äußerst unwohl fühlt, wenn er die Situationen durchlebt, in denen Lyla sich befindet. Insgesamt wird eine leicht verständliche Sprache im Roman verwendet, so dass man der Handlung leicht folgen und sich zudem die Handlungen der Charaktere sehr gut vorstellen kann. Während der Geschichte schlüpft der Leser in die Haut von Lyla, um die es ja auch hauptsächlich geht, so dass er einen besonderen Einblick auf ihre Gedanken und Gefühle hat. Auch hier kreiert die Autorin eine durchgehend beklemmende und unangenehme Atmosphäre, denn Lylas Gedanken sind manchmal so sehr von Pioneer oder den Regeln der Gemeinde allgemein geprägt, dass man sie einfach anschreien müsste, warum sie denn nicht die Augen aufmachen und selbst denken würde. Dass die Ideologien, die Lyla in den Kopf gepflanzt wurden, funktionieren, lässt sich an der Tatsache festhalten, dass viele Handlungen, die auf den Leser beängstigend wirken für Lyla ganz normaler Alltag sind. Insgesamt erhält man einen guten Blick auf die Welt, in der Lyla ihr Leben verbringt. Vieles ist sehr detailliert hervorgehoben, nicht nur, wie sie dazu kamen, in die Kommune aufgenommen zu werden, sondern auch, wie die Gemeinschaft im Allgemeinen funktioniert. Dies geschieht nicht in einem Zug, sondern immer in kleinen portionierten Häppchen, die an die Situationen angepasst sind. Dadurch kann man sich das Leben in der Gemeinschaft sehr gut vorstellen, da alles sehr durchdacht wirkt. Die Kapitel selbst sind mal kurz und mal lang gehalten. Abwechselnd geht es um die Gegenwart und die Vergangenheit. Während Lyla in den Gegenwartssequenzen erzählt, was gerade in diesem Moment geschieht, berichtet sie im Vergangenheitsstrang der Geschichte wie ihre Eltern dazu kamen nach Mandrodage Meadows zu ziehen. Alle Kapitel sind gut in einem Rutsch schaffbar, auch wenn sie manchmal etwas länger gehalten sind. Trotzdem findet man nach einer Lesepause wieder gut in die Geschichte hinein.

Kommen wir nun zu den Charakteren, die uns im Verlauf der Handlung vorgestellt werden. Durch die Ich-Perspektive, die die Autorin durch das gesamte Buch hindurch nutzt, lernt man alle Charaktere und ihre Beziehungen zueinander durch Lyla kennen. Über letztere erfahren wir auch am meisten, da der Leser ständigen Zugriff auf ihre Gedanken und Gefühle hat. Obwohl die Charaktere am Anfang der Geschichte sehr oberflächlich erscheinen, entwickeln sie im Laufe der Handlung eigenständige Charaktereigenschaften, die auch später noch eine größere Relevanz für die Geschichte haben. Insbesondere die Hauptcharaktere, zu denen nicht nur Lyla, sondern auch Cody und Marie gehören, sind besonders detailliert herausgearbeitet worden und haben von allen auftretenden Charakteren die größte Persönlichkeit. Auch in diese kann man sich ab spätestens der Buchmitte gut hineinfinden. Zudem erleben während der Gesamthandlung des Romans eine richtige Wandlung, was äußerst überraschend für den Leser sein kann. Dadurch möchte er außerdem erfahren, wie es mit der Geschichte weitergeht. Was mir außerdem noch gut gefallen hat, war, dass auch die Nebencharaktere viele Auftritte hatten. Dadurch lernte man auch diese einigermaßen gut kennen. Dennoch drängen diese sich nicht komplett in den Vordergrund, so dass man sie als Hauptpersonen hätte betrachten können.

Auch der Handlungsverlauf hat es in sich, denn das Buch ist durchweg spannend geschrieben, so dass man den Roman nicht aus der Hand legen möchte. Mit jedem Kapitel wird die Handlung weitergesponnen oder auch bestimmte Verhaltensweisen der Charaktere erklärt. Dadurch wirkt das Buch insgesamt sehr gut durchdacht, detailliert und die Charaktere sehr real auf den Leser. Zudem erfährt der Leser, wie Lyla und die anderen nach Mandrodage Meadows gekommen sind. Dies wird durch die Vergangenheitskapitel deutlich, wodurch auch die Vergangenheit der Charaktere selbst deutlich wird. Auch die Wendungen, die die Autorin im Handlungsverlauf eingebaut hat, wirken zwischenzeitlich sehr überraschend auf den Leser. Sie werden nicht von ihm erwartet, so dass er sehr erstaunt und fassungslos darüber ist, was passiert. Dies bewirkt, dass er das Buch kaum noch aus der Hand legen kann. Insgesamt empfand ich den Handlungsverlauf als gut durchdacht mit einer logischen Abfolge der Ereignisse. Ich hatte nicht das Gefühl, dass irgendetwas im Ablauf nicht gepasst hätte oder komisch klang. Dadurch ergibt der Handlungsverlauf sowie die Handlung der Charaktere einen Sinn.

Auch das Ende fügt sich gut und logisch in die restliche Geschichte ein. Es wirkt nicht allzu übertrieben, macht aber, obwohl es einen Epilog gab, Lust auf mehr. Dies liegt besonders an den Fragen, die immer noch unbeantwortet bleiben. Wenn Gated als Einzelband geplant wäre, wäre ich in diesem Punkt recht unzufrieden mit dem Ende gewesen. Da es jedoch eine Fortsetzung geben soll, hoffe ich, dass die Autorin dort die letzten Lücken schließt. 

Fazit:
Gated: Die letzten 12 Tage ist ein tolles Jugendbuch, das sich mit ideologiebasierten Kommunen auseinandersetzt, besonders bezogen auf ein recht aktuelles Thema wie den Weltuntergang von 2012 (denn zu dem Zeitpunkt spielt die Geschichte). Die Sprache wirkt durchweg beklemmend, was eine gute Atmosphäre kreiert, in die sich der Leser perfekt einfühlen kann. Man fühlt sich dadurch praktisch als Teil der Kommune obwohl man mit ihren Ideologien und Regeln nicht übereinstimmt. Deswegen möchte man auch manchmal Lyla für ihr Verhalten anschreien obwohl man weiß, dass sie es nie anders gelernt hat. Auch die restlichen Charaktere, Lyla ausgeschlossen, wirken extrem real auf den Leser, was ihm hilft, sich in sie einzufühlen. Zudem entwickeln sie sich während der Handlung weiter, so dass man eine richtige Wandlung in ihrem Verhalten beobachten kann. Die Handlung selbst war durchgehend spannend. Ich kann mich an keine Längen erinnern, die den Leser aus dem Konzet bringen könnten und die überraschenden Wendungen machen auf jeden Fall Lust auf mehr. Trotzdem bleiben einige Fragen ungeklärt, die im Romanverlauf auftauchen. Ich hoffe, diese werden im Folgeband aufgeklärt. Gated: Die letzten 12 Tage bekommt aufgrund dieser Rezension 5 Sterne von mir.

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier

Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.09.2014
Aktuelle Ausgabe : 01.09.2014
Verlag : dtv
ISBN: 9783423760980
Fester Einband 336 Seiten
Sprache: Deutsch

Dienstag, 2. September 2014

Rezension zu "Fear Street: Prüfungsangst" von R. L. Stine

Eine kurze Horrorgeschichte, die mit der Handlung überzeugt

 

Zum Inhalt:
Oh nein, das darf alles nicht wahr sein. Terry hat in der Mathearbeit nicht so gut abgeschnitten. Was wird nur ihr Vater, ein angesehener Richter, dazu sagen? Er will doch unbedingt, dass sie auf das Princeton-College geht, nur reicht dafür ihre Mathenote nicht aus. Da kommt ihr Adam Messner gerade recht, denn er bietet ihr an, den Test für sie zu wiederholen. Der Preis: Sie soll einmal mit ihm ausgehen. Nichts Großartiges, denkt Terry, doch Adam will rasch mehr und erpresst sie mit allen möglichen Mitteln. Terry weiß nicht mehr, was sie noch tun soll. Bis plötzlich die Polizei an ihrer Haustür klingelt. Und ihr von Adams Tod berichtet...

Meine Meinung:
Die zweite Fear Street-Geschichte, die ich innerhalb in kurzer Zeit lese und doch hat sie mich sehr begeistert. Da die Thriller dieser Reihe nicht sonderlich lang sind (nur etwa 150 Seiten pro Band), wird meine Rezension höchstwahrscheinlich nicht so lang ausfallen, sondern eher in einer Kurzrezension enden.

Wer die Reihe kennt, weiß, dass man am Anfang direkt in die Handlug hineingeworfen wird. So ähnlich war das auch bei dem Band Schulschluss. Dadurch versetzt sich der Leser in Terrys Lage, wird mit unserer Protagonistin bekannt gemacht und erfährt von dem Konflikt, der für die weitere Handlung ausschlaggebend ist: von der Mathearbeit, in der Terry nicht wie gewünscht 700 sondern nur 520 Punkte erreicht hat. Klar, dass sie damit ihren Vater nicht beeindrucken kann.

Insgesamt erinnerte mich der Aufbau des Anfangs sehr an den vorher gelesenen Band, was mich jedoch nicht sonderlich störte. Das liegt vielleicht auch daran, dass es erst mein zweites Buch aus der Serie war. Ich kann mir aber vorstellen, dass es nach mehreren Büchern der Reihe etwas eintönig wirkt.

Jedenfalls unterschied sich Prüfungsangst deutlich von Schulschluss, insbesondere was die Handlung betraf. Zwar finden beide Geschichten in der Szenerie Schule statt, jedoch passiert mit beiden Hauptfiguren etwas vollkommen anderes.

Auch die Sprache gefällt mir in Prüfungsangst genauso gut wie in dem vorherigen. Die Sprache ist klar und deutlich ohne irgendwelche verschachtelten Sätze, so dass man der Handlung locker folgen kann. Auch wird nicht groß mit Emotionen oder Gefühlen der Hauptfiguren gearbeitet, so dass ein gewisser Eindruck von Objektivität entsteht. Trotzdem kann der Leser sich in Terrys Situation richtig gut einfühlen, was auch daran liegt, dass die Szenen, in denen Adam sie erpresst, sehr ausführlich und detailreich beschrieben werden.

Schon von Anfang an merkt man, dass Adam nicht ganz ohne ist und der Leser empfindet eine gewisse Abneigung gegen ihn. Je weiter man liest, desto mehr verstärkt diese sich und man wünscht sich einfach nur noch, dass er Terry in Ruhe lässt. Sein Verhalten Terry gegenüber ist einfach so entsetzlich, dass ich wirklich manchmal nur noch mit dem Kopf geschüttelt habe und dachte "Wie kann man nur so sein?" Doch das ist durchaus positiv aufzufassen, da man sich Gedanken über das Verhalten der Charaktere macht.

Terry tat mir einfach nur noch leid. Man hat richtig gemerkt, wie sie unter Adam leidet, so dass es fast körperlich zu spüren war und ich habe mir wirklich für sie gewünscht, dass er mit seinen Erpressungen aufhört.

Das Einzige, was mich ein wenig gestört hat, war die Aufklärung von Adams Mord. Irgendwie klang es so, als wollte der Autor die 150 Seiten ganz genau einhalten. Von daher kam die Lösung für mich persönlich etwas zu plötzlich und zu abrupt. Wenn er daran noch ein wenig gefeilt hätte, hätte auch der Schluss stimmig mit dem Rest der Handlung geklungen.

Fazit:
Ein schöner Krimi oder auch Horror-Thriller für zwischendurch. Es gelingt sogar noch besser als bei Schulschluss, sich in die Charaktere einzufinden und man blättert Seite für Seite um, weil es in jedem Kapitel einen solch gemeinen Cliffhanger gibt, den man nicht auf sich sitzen lassen kann. Allein der Schluss war für mich etwas unglaubwürdig und zu abrupt geschrieben, so dass die Aufklärung für mich recht erzwungen rüberkam. Hier hätte der Autor noch ein wenig weiterschreiben können, damit dieser den Band schön abrundet. Prüfungsangst bekommt von mir daher 4 von 5 Sternen.

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier

Allgemeine Infos zum Buch
Verlag: Loewe Verlag
Originaltitel: The Cheater
Erschienen: 1998
ISBN: 9783785532218
Fester Einband: 153 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 16. August 2014

Rezension zu "Cop Town" von Karin Slaughter

Nicht nur ein einfacher Thriller

 

Zum Inhalt:
Atlanta 1974: Seit mehreren Monaten wird die Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaates Georgia von einer fürchterlichen Mordserie heimgesucht. Doch für das Atlanta Police Department sind diese Morde besonders schwer zu verkraften. Opfer sind nämlich bisher nur Polizisten gewesen - und die Angst, dass man selbst der nächste sein könnte, wächst täglich. Der einzige Verdächtige, den man bisher festgenommen hat, kommt aus Mangel an Beweisen frei und schafft es unterzutauchen während die restlichen Polizisten weiterhin nach dem "Copkiller" fahnden.
Als Frau hat es Maggie Lawson, die auch beim Department arbeitet, nicht leicht - ständig muss sie sich gegen die sexistischen Bemerkungen der Kollegen behaupten und erträgt die Sticheleien ihres Bruders Jimmy und ihres Onkels Terry kommentarlos. Als jedoch Jimmys Partner Don auf genau die gleiche Weise ermordet wird, wie die anderen Cops zuvor, beschließt Maggie, richtig an dem Fall zu arbeiten. Unerwartete Hilfe bekommt sie dabei von Kate Murphy, die gerade ihren ersten Arbeitstag als Polizistin hinter sich hat. Und Maggie beginnt langsam an die Auflösung der Mordserie zu glauben...

Meine Meinung:
Erst einmal vorab: Das ist mein allererster Karin Slaughter-Thriller, daher habe ich bisher keinen Vergleich zu ihren anderen Büchern, die auch hier in Deutschland unglaublich erfolgreich sind. Da ich sehr selten Thriller oder Krimis lese, ab und zu aber doch Lust auf einen bekomme und dazu noch Englisch mag, erschien mir Cop Town als passender Einstieg in die literarische Welt der Spiegel-Bestsellerautorin.

Wer hier allerdings nur einen einfachen Thriller erwartet, der wird unglaublich überrascht, denn Coptown ist nicht einfach nur ein Thriller, sondern ein waschechter Gesellschaftsroman, der die sozialen Schichten in den 70er Jahren und die Frauenfeindlichkeit  widerspiegelt. Auf jeder Seite spürt man die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber dem Geschehen und kann sich richtig gut in die Situation hineinversetzen. Da zudem noch zwei Frauen unsere Protagonistinnen sind, bekommt der Leser auch noch die volle Ladung Sexismus ab, denn sowohl Maggie als auch Kate werden von den anderen Cops stark schikaniert und nicht ernst genommen. Diese Szenen wirken allerdings keineswegs überladen sondern kommen einem während des Lesers auch visuell in den Kopf gesprungen. Karin Slaughter schafft es, durch die äußerliche Atmosphäre einen richtigen Film im Kopf des Lesers ablaufen zu lassen und auch ohne Mimik oder Gestik hat der Leser ein ungefähres Bild im Kopf wie die Personen reagieren.

Auch die Sprache, die Karin Slaughter benutzt ist leicht verständlich. In kurzen Sätzen schildert sie die Handlung, so dass auch ungeübte Englischleser dem Geschehen ohne große Schwierigkeiten folgen können. Selbst wenn man einmal die Bedeutung eines Wortes nicht kennt, erschließt dieses sich doch immer irgendwie aufgrund des Sachzusammenhangs. Je weiter man liest, desto mehr begreift man den Schreibstil der Autorin und versteht, was sie dem Leser mit ihren Worten ausdrücken will. Auch wenn man eine kurze Pause macht, kommt man leicht wieder in den Schreibstil und somit auch in die Handlung hinein. Mitunter sind die Kapitel sehr lang gehalten, was für Leser, die momentan kein großes Maß an Freizeit haben, sicherlich ermüdend erscheinen mag, jedoch kommt man, wie gerade schon gesagt, schnell wieder in das Geschehen, so dass eine Leseunterbrechung mitten im Kapitel nicht allzu tragisch ist.

Kommen wir aber nun zur allgemeinen Handlung, eher gesagt wie der Thriller insgesamt aufgebaut ist. Natürlich ist klar, dass es eine Mordserie gibt, wobei der Täter bisher jedes Mal entwischt ist und ein großer Mangel an Beweisen herrscht.  Und natürlich müssen unser Protagonistinnen diesen Täter schnappen. Ist ja auch bei jedem Krimi und jedem anderem Thriller genauso. "Cop Town" jedoch hat etwas, was den Leser an das Buch fesselt und es nicht mehr loslässt, denn die ganze Geschichte hinter der Mordserie ist unglaublich verzwickt und so vielschichtig, dass man sich schon mal in dem einen oder anderem Detail verlieren kann. Die Autorin berichtet auch aus der Sicht des Mörders und erzählt auch einen kleinen Teil seiner Geschichte, jedoch bleibt es dem Leser vollkommen schleierhaft, wer genau jetzt hinter "Fox", wie sich der Mörder selbst nennt, steckt. Man stellt zwar einige Vermutungen auf, kann diese jedoch nicht belegen und wenn man wirklich einen Verdacht hegt, wird dieser praktisch schon im nächsten Moment wieder zerschlagen. Daher war ich bei der Auflösung auch heftigst überrascht und kam aus dem Staunen nicht heraus.

Wie ich schon sagte, kann man sich bei Cop Town in dem ein oder anderen Detail verlieren und es mag an einigen Stellen recht langweilig erscheinen. Doch Karin Slaughter baut immer wieder neue Schocker ein um den Leser wachzurütteln. Dies geschieht beispielsweise durch besonders detailreiche Beschreibungen eines Todes oder einer sehr brutalen Kampfszene. Wessen Nerven ein wenig schwach sind, sollte diese Stellen besser überlesen, denn auch mich hat manchmal das kalte Grausen gepackt.

Die Charaktere waren für mich das Highlight des Buches, besonders Kate Murphy, die "Neue" hat mir besonders gut gefallen. Man lernt sie besonders genau kennen, ihre Famile, ihre Beweggründe zur Polizei zu gehen und ihre Denkweise. Das machte sie für mich zum sympathischsten Charakter des gesamten Buches.
Maggie, die ja zusammen mit Kate ermittelt, wird dem Leser auch nähergebracht, allerdings fiel es mir sehr schwer, genauso viel Sympathie für sie zu hegen wie für Kate. Trotzdem konnte Maggie dem Leser ein wenig leidtun, was ihren Onkel Terry betrifft.

Dieser Mann ist einer der unsympathischsten Nebencharaktere, über den ich je gelesen habe - und ich habe schon eine Menge Bücher verschlungen, aber Terry Lawson setzt der Bezeichnung "frauenfeindlicher Bastard" echt die Krone auf. Wie er sich Maggie gegenüber benimmt, ist schrecklich und auch sein Verhalten seinem Neffen Jimmy gegenüber ändert sich während der Handlung stark ins Negative. So einem Mann möchte man definitiv nicht im Dunkeln begegnen.
Schade war nur, dass der Leser die anderen Nebencharaktere nicht so sonderlich gut kennengelernt hat. Bei einigen von ihnen wäre es etwas wichtiger für die Aufklärung des Falles gewesen, weswegen die Enthüllung des Täters meiner Meinung nach ein wenig weit hergeholt war.

Fazit:
Ein schöner Thriller, der nicht nur ein einfacher Thriller sondern auch ein Gesellschaftsroman ist. Die leicht verständliche Sprache bringt die frauenfeindliche und rassistische Atmosphäre richtig gut rüber. Diese wirkt auch nicht zu überladen.
An den Stellen, wo es vielleicht etwas ruhiger wurde, haut die Autorin einen Schocker nach dem anderen raus, so dass man praktisch gezwungen wird, die Handlung weiterzuverfolgen. Möglich gemacht wurde das auch durch die recht vielschichtigen Charaktere, nur leider kamen hier die Nebenpersonen ein wenig zu kurz. Hier hätte ich mir tatsächlich ein bisschen mehr Detailarbeit gewünscht. Deswegen bekommt Cop Town 4 von 5 Sternen von mir.

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier 

Allgemeine Infos zum Buch
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Delacorte Press (24. Juni 2014)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0345547497
ISBN-13: 978-0345547491

Donnerstag, 24. April 2014

Rezension zu "Der Seelenbrecher" von Sebastian Fitzek

Der erste Fitzek, der mich begeistert

 

Zum Inhalt:
Drei Frauen zwischen 20 und 40 Jahren verschwinden spurlos. Sie alle sind jung und lieben das Leben. Als sie jedoch eine Woche später von der Polizei gefunden werden scheinen sie innerlich gebrochen. Sie wurden nicht vergewaltigt, gefoltert oder getötet. Sie sind Gefangene ihres eigenen Körpers. Kurz vor der Weihnachtszeit wird der Täter, der bei allen nur noch als "Der Seelenbrecher" bekannt ist wieder aktiv - und dringt in die psychatrische Luxusklinik am Berliner Teufelsberg ein. Draußen tobt ein schrecklicher Schneesturm und sowohl Ärzte und Patienten bangen um ihr Leben, denn der Seelenbrecher ist mitten unter ihnen. Gemeinsam mit dem jungen Mann Caspar, der unter einer vollständigen Amnesie leidet, kommt man dem wahren Täter auf die Schliche und durchlebt eine Nacht des Grauens.

Meine Meinung:
Der Seelenbrecher ist mein zweiter Fitzek und ich war recht skeptisch, ob ich überhaupt noch einen lesen sollte. Grund dafür war Der Augensammler, dessen Charaktere wie kopiert und eingefügt wirkten. Dieses Buch von Sebastian Fitzek hat mich jedoch vollkommen überrascht und das ist durchaus positiv gemeint.

Der Thriller liest sich wie ein "Buch im Buch". Den Hauptteil der Geschichte bildet die Erzählung um den Seelenbrecher in der Teufelsklinik, zu Anfang und in immer kleineren Teilabschnitten wird jedoch deutlich, dass der Großteil ein Part einer Patientenakte ist, die von zwei Studenten wegen eines Experiments gelesen wird. Der Leser wird der dritte, unsichtbare Student, der mit den anderen beiden und dem anwesenden Professor das Experiment mitmacht und die Akte liest.

Wie schon zuvor angedeutet schlüpft man in die Rolle von "Caspar". Zumindest wird dieser so von der gesamten Belegschaft in der Anstalt genannt, denn keiner kennt seinen richtigen Namen. Caspar leidet unter Amnesie und so weiß weder der Protagonist noch der Leser selbst, wer genau er ist und wie man ihn einzuschätzen hat. Er könnte alles sein - ein Psychopath, ein unschuldiger Mitbürger oder der Seelenbrecher selbst. Hier wird jedoch das Gedankengut des Lesers gefördert und er kann seine ersten Einschätzungen abgeben. Caspar ist eigentlich auch der einzige Mensch, der dem Leser die ganze Zeit nahe ist, was unter anderem daran liegt, dass die Geschichte von seinem Standpunkt aus berichtet wird. Obwohl der Leser Caspar nicht kennt, lässt er sich trotzdem auf ihn ein und erfährt, je weiter er liest, immer mehr über sein Leben, wer er wirklich ist und wie er überhaupt in die Klinik kam. Der Leser vertraut ihm blind, im Gegensatz zu den anderen Personen, die immer wieder Zweifel in Caspar wecken, wie beispielsweise der Sanitäter Schadek oder auch der Hausmeister Bachmann.

Wie schon in Der Augensammler ist Fitzeks Schreibstil sehr fesselnd, so dass es mir sehr schwer gefallen ist, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Die Kapitel sind recht kurz gehalten, was für manchen vielbeschäftigten Leser vielleicht von Vorteil ist. Manches Mal gibt es jedoch solch gemeine Cliff-Hanger, dass man gar nicht anders kann als weiterzulesen. Das hat mir sehr gut gefallen und ließ mich die Geschichte auch wirklich weiterverfolgen. Dies lag vielleicht auch daran, dass mich hier die Charaktere wesentlich mehr überzeugt haben als in Der Augensammler.

Was mir auch sehr gut gefallen hat waren die eingebauten Rätsel. Als alter Rätselfreund musste ich natürlich gleich mitraten was die Botschaften denn bedeuten, die der Seelenbrecher seinen Opfern in die Hände legt. Dennoch kam die Lösung mancher Rätsel sehr überraschend, hatte man nicht damit gerechnet, aber im Nachhinein scheint sie logisch, vor allem im Zusammenhang mit dem Geschehen.
Was mich wohl am meisten überzeugt hat, waren die überraschenden Wendungen, die immer wieder auftraten. Natürlich kann der Leser sich bei einigen Dingen schon seinen Teil denken, das Entsetzen wird jedoch erst geschürt wenn herauskommt, dass alles ganz anders ist als es scheint. Man möchte Caspar warnen, man wünscht sich, es wäre nicht so und trotzdem ist es so. Ein Thriller mit Schockeffekt, wie ich ihn noch nie gelesen habe.

Fazit:
Ein Thriller, bei dem sich bei mir innerlich alles zusammengezogen hat. Der Schreibstil ist top, die Kapitel sind nicht zu lang und haben oft Cliff-Hanger, die den Leser praktisch nötigen weiterzulesen.
Auch Caspar als Charakter ist sehr authentisch. Ich fand es nur ein wenig schade, dass die Nebencharaktere ein wenig zu oberflächlich bleiben. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Nähe gewünscht. Trotzdem ein wirklich gutes Werk von Fitzek, das mir nach Der Augensammler wohl eher positiv in Erinnerung bleiben wird. Von daher vergebe ich 4 von 5 möglichen Sternen.

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier

Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.09.2008
Aktuelle Ausgabe : 01.01.2009
 Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Knaur TB (September 2008)
ISBN: 978-3426637920
Sprache: Deutsch

Montag, 10. März 2014

Rezension zu "Der Schattengänger" von Monika Feth

Hat mich dieses Mal nicht wirklich überzeugt

 

Zum Inhalt:
Mit Der Schattengänger veröffentlicht Monika Feth den 4. Thriller um Jette und ihre Freunde aus dem fiktiven Städtchen Bröhl. Diesmal rückt vor allem Jettes Mutter, die erfolgreiche Krimiautorin Imke Thalheim in den Vordergrund. Ein Stalker hat es auf sie abgesehen und versteckt sich in dem Areal um die Mühle herum. Er nennt sich selbst "Der Schattengänger" und tut alles um Imke nahe zu sein. Als sie schließlich von der Polizei den Rat bekommt, unterzutauchen, und ins Sauerland reist, um Nachforschungen zu ihrem neuen Roman anzustellen, ändert der Schattengänger seine Pläne...

Meine Meinung:
Zuerst einmal muss ich sagen, dass der Klappentext des Buches schon die halbe Geschichte vorweg nimmt. Das hat mich auch schon bei Der Erdbeerpflücker sehr gestört - was nicht heißt, dass der erste Band total schlecht war - aber mir ist es immer wieder aufgefallen, dass auch bei den Folgebänden oft ein wichtiger Teil der Geschichte vorher erzählt wird. Dies nimmt schon zu Anfang ein wenig Spannung aus dem Buch, was natürlich sehr schade ist und der Leser geht daher nicht gerade unvoreingenommen in die Geschichte rein.

Was ich auch hier wieder sehr schön fand, sind die verschiedenen Abschnitte, die von den jeweiligen Personen handeln. Mit dabei ist unter anderem der Schattengänger selbst, was es dem Leser verständlicher macht, warum er Imke Thalheim so bewundert, ja, schon liebt. Für mich als angehende Pädagogin finde ich es daher sehr interessant, sein Verhalten zu analysieren und somit auch meine Kenntnisse ein wenig zu überprüfen und weiterzubilden.

Insgesamt muss ich sagen, dass Stalking ein ganz besonders wichtiges Thema ist, das bei uns in der Gesellschaft oft totgeschwiegen wird, oder nur auf Belächelung von seiten der anderen stößt. Frau Feth zeigt durch die hier beschriebene Situation genau dieses beklemmende Gefühl auf, dass ein Stalkingopfer empfindet, wenn es genau weiß, dass es beobachtet wird. Trotzdem hat mich persönlich nicht dasselbse Gefühl ergriffen, was mich die ganze Situation wieder nur als eine Außenstehende betrachten ließ. Das fand ich sehr störend und auch sehr enttäuschend, da ich mich bei den vorherigen Thrillern um Jette immer sehr gut in die Personen hineinversetzen konnte. Dadurch, dass dies bei diesem Buch jedoch nicht der Fall war, konnte ich mich dieses Mal auch nicht in die Geschichte einfinden.

Die Personenkonstellation aus den letzten 3 Bänden bleibt zwar grundlegend gleich, was jetzt nicht weiter schlimm ist, jedoch hatte ich beim Lesen das Gefühl, dass keiner der Charaktere sich so wirklich weiterentwickelt hatte.

Bert Melzig, der Komissar, ist immer noch in Imke verliebt und denkt in fast jedem Abschnitt nur an sie und gleichzeitig auch daran, dass er niemals mit ihr zusammen sein kann.

Imke hegt ja auch schon seit dem ersten Band Gefühle für Bert, gibt denen jedoch nie nach, da sie ja mit Tilo zusammen ist. Dennoch zeigen sich besonders in diesem Thriller, dass sie definitiv mehr für den Komissar empfindet und dass auch sie ein wenig darum trauert. Das machte es mir persönlich noch ein wenig schwerer, das Buch fortzusetzen.

Bei der Sprache hat mir, wie auch schon in Der Scherbensammler wieder etwas wichtiges gefehlt, aber genau benennen kann ich das nicht. Irgendwie kam es mir so vor, ich hätte schon 10 Seiten gelesen, dabei waren es noch nicht einmal 5. Erst gegen Ende hin kann bei mir durch die aufgebaute Spannung gepunktet werden.

Fazit:
Kein Vergleich zu den vorherigen Bänden. Das Thema ist zwar echt gut und auch anschaulich beschrieben, ich konnte mich als Leserin trotzdem nicht in die Situation von Imke und ihrer Familie einfinden, sondern stand wie ein unsichtbarer Beobachter daneben. Desweiteren fand ich es sehr schade, dass die Charaktere sich nicht wirklich weiterentwickelt haben, sondern immer noch in ihren alten Verhaltensmustern stecken bleiben. Erst das Ende des Buches konnte mein Interesse stark wecken, so dass ich nicht mehr aufhören konnte weiterzulesen. Bei der Sprache hat mir wieder genau das gefehlt, was ich schon in Der Scherbensammler vermisst habe.Trotzdem fand ich den Vorgänger noch besser als Der Schattengänger, weswegen dieser Thriller von Monika Feth nur 3 von 5 Sternen bekommt.

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier

Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 05.03.2009
Aktuelle Ausgabe : 01.05.2012
Verlag : cbt
ISBN: 9783570308158
Flexibler Einband: 576 Seiten
Sprache: Deutsch 

Samstag, 8. Februar 2014

Rezension zu "Der Augensammler" von Sebastian Fitzek

Abgekupfertes Heavy Rain

 

Zum Inhalt:
Der Augensammler ist bereits der 6. Thriller, den Sebastian Fitzek veröffentlicht hat und steht schon seit einiger Zeit auf meiner Leseliste. 

Unser Protagonist heißt Alexander Zorbach, ehemaliger Polizist, der aufgrund einer Zuwiderhandlung seinen Job an den Nagel hängen musste und jetzt als Journalist bei einer Zeitung arbeitet. Im Moment hängt er an einer ganz großen Story: Er ist auf der Jagd nach dem "Augensammler", der kleine Kinder entführt und ihre Mütter zuvor durch einen Genickbruch tötet. Der Vater hat daraufhin 45 Stunden Zeit, sein Kind wiederzufinden - ansonsten wird es sterben. Bei jeder aufgefundenen Kinderleiche wird bemerkt, dass den Opfern das linke Auge fehlt - der Grund warum Alexanders Zeitung dem "Augensammler" seinen Namen verpasst hat. Doch weder die Polizei noch Alexander selbst haben eine brauchbare Spur in Bezug auf diesen Fall - bis plötzlich Alina Gregoriev auftaucht, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, den Augensammler in ihrer Praxis behandelt zu haben. Doch die Zeit drängt - ein weiterer Junge ist verschwunden und Alexander gerät bald ins Visier der Polizei...

Meine Meinung:
Ich habe das Buch schon mehrere Jahre (!) bei mir im Schrank liegen und es ist mir erst vor Kurzem beim Umräumen einiger Bücher wieder in die Hände gefallen. Daraufhin musste ich sofort anfangen zu lesen.

Was ich eine ganz schöne Idee finde, um das schon mal vorweg zu nehmen, ist, dass die Kapitelüberschriften runterzählen und nicht rauf. So kommt der Zeitdruck, in dem sich Alina und Alexander befinden extrem gut zur Geltung und lässt auch den Leser eine gewisse Hektik und Beklemmung spüren. Auch, dass die Kapitel nicht ganz so lang gehalten waren hat mir persönlich sehr zugesagt, da ich nicht immer so viel Zeit habe, ein ganzes Kapitel in einem Rutsch durchzulesen. So fand ich es recht angenehm, wieder einzusteigen, was durch einige Cliff-Hanger an einigen (nicht an allen) Kapitelenden jedoch wieder etwas schwerer war.

Kommen wir jetzt jedoch zu den negativen Dingen, die mir besonders stark aufgefallen sind. Vor allem bei den Charakteren.
Insgesamt haben mich eigentlich alle Personen in dem Buch an die des Playstation-Spiels Heavy Rain erinnert, ein interaktiver Film, in dem der Spieler in die Rollen von Ethan Hawke, Inspector Scott Shelby, Norman Jayden und Madison Paige schlüpft um den sogenannten "Origami-Killer" zu fassen, der Kinder entführt und ihren Vätern Hinweise schickt, wo sie sie finden können. Tun sie das nicht, ertrinken die Jungen und Mädchen in Regenwasser. Neben ihnen wird meist ein Origami gefunden, weswegen der Täter auch diesen Spitznamen von den Zeitungen erhält. Ich werde jetzt mal ein wenig vergleichen, damit klar wird, warum mich die Charaktere sehr enttäuscht haben.

In Heavy Rain haben wir Ethan Hawke, einen geschiedenen Vater, der es nicht schafft sich um seinen eigenen Sohn richtig zu kümmern und ständig von irgendwelchen Aussetzern und Flashbacks gejagt wird. Klingt stark nach Alexander Zorbach, wie ich finde, vor allem, da auch Ethan als Täter verdächtigt wird und dieser, genau wie Alexander, traumatisiert ist.

Norman Jayden ist FBI-Agent und hat ein kleines Drogenproblem; er ist von dem fiktiven Mittel Triptokain abhängig, was ihm seinen Arbeitsalltag erschwert. Auch hier findet sich einer der Augensammler-Charaktere gespiegelt, dessen Name ich hier jedoch nicht verrate. Ganz spoilern will ich schließlich auch nicht.

Dann wäre da noch Carter Blake, der, genau wie der Polizist Scholle in Fitzeks Thriller, einen Hang zum Sadismus hat und am liebsten die Informationen aus dem Verdächtigen oder dem Zeugen herausprügeln möchte. Während Norman Jayden Blake in Heavy Rain noch etwas Einhalt gebietet, geschieht das in dem Thriller nicht; der erste Unterschied, der mir so wirklich aufgefallen ist.

Somit war ich wirklich enttäuscht, was die Charaktere anging. Sie kamen mir persönlich wie kopiert und eingefügt vor; nur einige Informationen wurden minimal verändert, in den Grundzügen sind sie jedoch relativ gleich geblieben. Dass die Charaktere authentisch sind, muss ich jedoch bejahen, auch, wenn es mir schwer fällt. Man kann sich gut in ihre Situation hineinversetzen und auch ihre Gefühle wirken echt und authentisch.

Zwischenzeitlich kamen mir auch die Situationen komisch vor, in denen Alina ihre "Flashbacks" hatte. Irgendwie hatte das für mich mehr mit Science-Fiction/Fantasy zu tun als mit Krimi oder Thriller. Auch fand ich einige Reaktionen Alexanders sehr unwahrscheinlich und merkwürdig, was mich ein wenig aus dem Lesefluss gerissen hat. Denn das Fitzek einen guten Schreibstil hat, kann ich nur bestätigen. Einige Schockmomente kamen echt überraschend und ich musste mich manchmal erst ein wenig sammeln, um weiterlesen zu können. Wenn die Charaktere nicht so lieblos abgeguckt gewesen wären, hätte ich mich durchaus mehr für das Buch interessieren können.

Fazit:
Für mich persönlich eine richtige Enttäuschung. Ich hatte so viel gutes über das Buch gehört und hatte es, wie schon einmal gesagt, lange auf meiner Liste stehen. Wenn man Heavy Rain und seine Handlung kennt, werden einem die Parallelen auch ziemlich schnell auffallen, sowohl zu der Handlung als auch zu den Charakteren, die in beiden Geschichten ziemlich identisch sind. Somit war für mich leider die Spannung trotz gutem Schreibstil leider komplett raus, obwohl ich die Idee mit den runterzählenden Kapiteln richtig genial fand. Ich kann deswegen leider nur 2 von 5 Sternen vergeben, was nicht einmal die Erzählweise und die Gänsehautmomente wettgemacht hätten. Schade!

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier

Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 27.05.2010
Aktuelle Ausgabe : 25.05.2011
Verlag : Droemer Knaur
ISBN: 9783426503751
Flexibler Einband: 439 Seiten
Sprache: Deutsch

Donnerstag, 9. Januar 2014

Rezension zu "Der Scherbensammler" von Monika Feth

Ein gelungener 3. Teil

 

Zum Inhalt:
Der Scherbensammler ist der 3. Teil der Jette-Serie von Monika Feth. In diesem Thriller geht es um die 18-jährige Mina, die sich neben der Leiche ihres Vaters wiederfindet. Klar, dass die Polizei davon ausgeht, dass sie ihren Vater, das Oberhaupt eines religiösen Zirkels und sowohl von seinen Anhängern als auch von seiner Familie gefürchtet, umgebracht hat. Mina kann sich nur leider an gar nichts erinnern - auch nicht, wie sie überhaupt neben die Leiche ihres Vaters geraten ist. Jette findet das verängstigte Mädchen im Gebüsch des Hauses ihrer Mutter und ist von Minas Unschuld überzeugt. Gemeinsam mit ihrer Freundin Merle versteckt sie Mina in der eigenen Wohnung vor der Polizei.

Bald fällt den beiden Freundinnen jedoch auf, dass Mina unter starken Gefühlsschwankungen leidet. Mit der Hilfe von Thilo, Imkes Lebensgefährten, der der Psychater des Mädchens ist, finden sie etwas Schreckliches heraus: Mina ist eine Mulitple und beinhaltet verschiedene Persönlichkeiten in sich. Hat vielleicht eine dieser Persönlichkeiten den Vater umgebracht? Jette, Merle und Mina wollen es herausfinden. Doch auf der Suche nach dem wahren Täter begeben sich die 3 Mädchen in tödliche Gefahr.

Meine Meinung:
Wer schon die ersten beiden Jette-Thriller gelesen hat, wird auch dieser hier gefallen. So war dies auch bei mir der Fall. Immer wieder ansprechend finde ich den Wechsel zwischen den verschiedenen Charakteren bsw. zwischen Jette und Mina. Dass zwischenzeitlich ein Wechsel stattfand erhöhte die Spannung sehr, da es meistens ein ziemlich mieser "Cut" im Geschehen war, was auch mich veranlasste, weiterzulesen. Mit dem Roman erschließen sich drei verschiedene Themen: Eine Sekte mit fragwürdigen und grausamen Methoden, dissoziative Identitätsstörung und eine versessene Liebe. Das letzte Thema kam ja größtenteils schon in Der Erdbeerpflücker vor, weswegen ich davon nicht sonderlich beeindruckt war. Mit den ersten beiden Themenfeldern konnte ich mich hingegen sehr gut anfreunden. Für mich war es sehr interessant, etwas über diese Persönlichkeitsstörung zu erfahren, da ich mich selber nicht besonders mit so etwas auskenne. Dieses Thema macht den Thriller allerdings auch nicht gerade zu einem Jugendroman.

Die Sekte, der Minas Familie angehört hat, wird aber größtenteils außer Acht gelassen, was ich sehr schade fand. Man erfährt nur wenig über die Methoden und dann auch nur durch die Rückblicke Minas. Hier hätte ich mir mehr Raum gewünscht.
Wie schon gesagt ist die Spannung auch hier wieder enorm, besonders da man sich mit Jette und ihren Freundinnen auf die Suche nach dem Täter begibt. Leider ahnt man schon sehr früh, wer der Täter ist, was ich persönlich sehr schade fand. Jedoch ist es immer noch interessant Jette bei der Lösung des Falles zu beobachten.

Die Eigenschaften der Charaktere sind wie immer sehr gut gewählt, besonders Mina gefällt mir außerordentlich gut. Man kann sich wirklich vorstellen, wie der Wechsel ihrer Persönlichkeiten vorangeht und sich bildlich in die beschriebenen Situationen hineinversetzen. Sie bleiben also nicht eindimensional sondern erschließen sich vor dem inneren Auge des Lesers.

Was mich ein wenig stört, ist der Lesefluss. Irgendwie kam ich nicht immer in die Geschichte rein, wie es bei Der Erdbeerpflücker oder Der Mädchenmaler der Fall war. Hier fehlte mir schreibtechnisch gesehen etwas. Deswegen würde ich diesen Teil als den bisher schwächsten der Reihe betiteln.

Fazit:
Dieses Buch ist ein typischer Jette-Thriller. Mit den ausgewählten spannenden Themen baut Monika Feth viel Spannung auf und lässt auch ihre Charaktere wie in jedem Buch "zum Leben erwachen". Durch die Themenfelder liegt dieses Buch jedoch auch hart an der Grenze eines Jugendthrillers. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieser Thriller, der für Jugendliche ab 12 ausgelegt ist, diese Altersbeschränkung nicht sogar übertritt. Desweiteren wurde ich dieses Mal nicht in diesen Sog, den die Thriller von Frau Feth gewöhnlicherweise bei mir verursachten, gezogen, was auch ein wenig daran lag, dass man schon früh wusste, wer der Täter war während Jette und Merle immer noch im Dunkeln tappten. Trotz leichter Enttäuschungen und aufgrund der großartigen Spannung bekommt das Buch 4 von 5 möglichen Sternen

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier

Allgemeine Infos zum Buch:
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 02.04.2007
Aktuelle Ausgabe : 01.05.2012
Verlag : cbt
ISBN: 9783570308141
Flexibler Einband: 512 Seiten
Sprache: Deutsch