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Mittwoch, 30. Dezember 2015

Rezension zu "Traumsammler" von Khaled Hosseini

Durch ständig neu aufgeworfene Abschnitte ist die Geschichte sehr verwirrend

 

Zum Inhalt:
Abdullah ist 10 Jahre alt und lebt mit seinem Vater, seiner Stiefmutter, seinem Stiefbruder und seiner Schwester Pari in ärmlichen Verhältnissen. Er und Pari sind ein Herz und eine Seele, dabei ist die Kleine gerade einmal 3 Jahre alt. Zumindest sind sie das, bis ihr Vater einsieht, dass er nicht mehr für die beiden, ihren Stiefbruder Iqbal und seine neue Frau sorgen kann. Unter Tränen werden die beiden Geschwister getrennt und Pari kommt in der Wadhati-Familie unter. Doch statt sich an ihren Bruder zu erinnern gerät er für sie immer mehr in Vergessenheit...
Abdullah hingegen will seine Schwester wiedersehen, doch es will ihm nicht gelingen. Erst Jahrzehnte später taucht ein Dokument auf, das Pari beweist, dass sie einen Bruder hat. Ist es zu spät für die Geschwister um noch zusammenzufinden?

Meine Meinung:
Da ich bereits Tausend strahlende Sonnen von Khaled Hosseini gelesen habe, musste ich natürlich auch Traumsammler lesen, besonders, da dieser Roman so hoch gelobt worden ist. Leider konnte dieser mich nicht so überzeugen wie es bei anderen der Fall war.

Zuerst einmal möchte ich wie immer über die Sprache des Romans reden. Wer Khaled Hosseinis Bücher kennt, weiß, dass er sehr schnörkellos, aber dennoch recht poetisch schreibt. Dies ist bei Traumsammler genauso. Man ist sehr nah am Geschehen und fühlt sich dementsprechend auch den Charakteren und der Handlung des Romans sehr nah. Genau wie in seinem Vorgänger benutzt der Autor gewisse Worte aus seiner Muttersprache um den Leser der Situation und vor allem auch seinem Heimatland näherzubringen. Obwohl die Worte in einer fremden Sprache geschrieben sind und der Großteil der Leser nicht Hosseinis Muttersprache mächtig ist, sind diese Worte im Kontext gesehen dennoch verständlich. Oft erklärt Hosseini sie auch in einem kurzen Nebensatz um den Leser nicht in der Luft hängen zu lassen. Somit stellt die Benutzung seiner Muttersprache kein großes Hindernis für den Leser dar. Oft beschreibt Hosseini die Situationen, in denen sich seine Charaktere befinden sehr direkt und häufig recht objektiv. Dadurch erfährt der Leser nur, was passiert, jedoch nicht die Bewertungen des Erzählers. Dieser wechselt im Verlauf der Handlung des Öfteren und gewährt Einblick in den Kopf verschiedener Personen, am häufigsten wird jedoch der personale Erzähler benutzt, der sich nicht direkt im Kopf des jeweiligen Protagonisten befindet. Leider fand ich die Länge der Kapitel etwas unpassend gewählt. Die Kapitel an sich ergeben Sinn, aber oftmals sind sie zu lang um sie in einem Rutsch wirklich durchlesen zu können. Da ich in den letzten Monaten kaum Zeit hatte wegen Unistress und dem ganzen Kram, bin ich oft wieder aus der Geschichte herausgekommen, weil ich nicht mehr wusste um was es überhaupt ging.

Leider ist es nicht das Einzige, was mir an dem Roman nicht so gut gefallen hat. Auch die Charaktere waren für mich schwierig zu erfassen, so dass ich kaum etwas über sie sagen kann. Jedes Kapitel stellt einen anderen Charakter in den Vordergrund und macht ihn somit (für einen kurzen Moment zumindest) zum Protagonisten. Denkt man anfangs, dass dies doch eigentlich Pari und Abdullah sein müssten, wird man enttäuscht. Zwar finde ich es gut, dass Hosseini verschiedene Charaktere sprechen lässt, da viele auch zum Wiedersehen der beiden Geschwister beitragen, aber einige Passagen fand ich unnötig, da diese einfach geschrieben worden waren ohne mit der Handlung zusammenzuhängen. Zumindest erschien mir das so. Dadurch, dass auch ständig ein Protagonistenwechsel stattfand, konnten die Charaktereigenschaften der einzelnen Personen kaum oder nur unzureichend herausgestellt werden. Sie wirkten nicht real auf den Leser, sondern schienen nur Mittel zum Zweck zu sein, die Geschichte voranzutreiben. Somit liegt der Fokus des Romans klar auf der Handlung während die Personen zurückfallen und in den Hintergrund treten müssen. Die Balance zwischen Handlung und Charakterzügen der Personen bleibt aus; stattdessen wird mehr Gewicht darauf gelegt, ihren Nutzen für die Geschichte hervorzuheben während ihre Persönlichkeiten mit jedem Kapitel unwichtiger werden.

Den Handlungsverlauf empfand ich als unglaublich verwirrend. Dies lag nicht nur an den langen Kapiteln, sondern auch an den vielen Personen und ihrem Handeln und Gesagtem. Irgendwie konnte ich den Zusammenhang zwischen den einzelnen Geschichten, die sich zu einer zusammenfügen sollten, nicht ganz erkennen. Man muss sich als Leser sehr stark konzentrieren um mitzukommen und die Zusammenhänge zu verstehen. Tut man das nicht, muss man oft mehrere Seiten oder Kapitel zurückblättern um sich in Erinnerung zu rufen, was bisher passiert ist. Ich hatte das Gefühl, dass man sich als Leser die gesamte Geschichte vollkommen selbstständig erarbeiten musste. Man bekam von dem Autor die Kapitel, sozusagen als Puzzleteile, während der Leser sie zu einem Gesamtbild zusammensetzen sollte. Man erhält nur Fetzen von der Gesamthandlung, das in irgendeiner Weise eine Geschichte ergeben soll, dennoch habe ich nach Beendigung des Buches, was jetzt auch schon über 2 Monate zurückliegt, immer noch nicht alle Puzzleteile zusammensetzen können. Die Kapitel selbst gehen nicht fließend ineinander über. Das ständige Herausreißen und Hineinwerfen in die nächste Situation ist irgendwie abrupt und gehört manchmal gar nicht wirklich zusammen. Auch muss man sich sehr häufig fragen, wo ich mich gerade befinde. Bin ich gerade in der Gegenwart, der Vergangenheit? Welcher Charakter bin ich jetzt? - Das sind wohl die häufigsten Fragen die ich mir während des Lesens gestellt habe. Auch wenn der Fluss in der Geschichte nicht wirklich vorhanden war hatte ich trotzdem das Gefühl nah am Geschehen zu sein und mich gut in die jeweiligen Situationen hineinversetzen zu können. Somit konnte man zumindest die Handlung miterleben wenn man schon große Probleme hatte, sie zu verstehen.
Das Ende empfand ich als sehr bitter und traurig. Irgendwie habe ich mir etwas Anderes erhofft und auch erwartet, aber das ist nicht eingetreten. Der Abschluss der Geschichte fühlte sich für mich falsch und auch richtig zugleich an - irgendwie hatte ich das Gefühl, dass etwas fehlte aber irgendwie auch nicht. Das Gefühl, hängen gelassen zu sein, habe ich hier am Ende des Romans ganz besonders deutlich gespürt und ob ich mit dem Abschluss an sich zufrieden bin kann ich immer noch nicht wirklich sagen. Dies liegt höchstwahrscheinlich auch an der Distanz zu den einzelnen Charakteren, obwohl man sich nach der traurigen Reise durch die Zeit etwas anderes erhofft hatte.

Fazit:
Leider konnte Traumsammler meine Erwartungen überhaupt nicht erfüllen. Für mich war die Geschichte viel zu verworren um überhaupt einen Fluss in der Handlung herzustellen und man brauchte auch sehr lange um wieder in die Geschichte hineinzufinden nachdem man eine Lesepause gemacht hat. Auch die Charaktere konnten mich nicht wirklich überzeugen. Sie dienen praktisch nur als Mittel zum Zweck, die Handlung voranzutreiben und existieren nur auf dem Papier. Man lernt nur ihre Geschichte kennen, während ihre Gedanken und Gefühle oft außen vor bleiben. Einzig und allein die Sprache konnte durch ihre Poesie ein wenig bei mir punkten. Sie ist das Instrument was den Leser an das Geschehen fesselt, so dass man trotz all der Verwirrung weiterlesen möchte. Ansonsten war Traumsammler für mich leider nur eine emotionale und mitfühlende Geschichte, der aufgrund der oberflächlichen Charaktere und ihrer Verworrenheit das Herz gefehlt hat. Somit kann ich für diesen Roman leider nur 2 Sterne vergeben.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 31.07.2013
Aktuelle Ausgabe : 25.09.2014
Verlag : FISCHER Taschenbuch
ISBN: 9783596198207
Flexibler Einband 448 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 18. April 2015

Rezension zu "Atlantia" von Ally Condie

Schöne Unterwasserwelt, in der nichts so ist wie es scheint

Zum Inhalt:
Rio lebt mit ihrer Zwillingsschwester Bay in Atlantia, einer Unterwasserstadt, irgendwo im Ozean, geschützt nur durch Luftkuppeln. Sie sind von den Menschen, die "Oben" an Land leben, komplett abgeschnitten. Das Oben dürfen die Menschen in Atlantia aber sehr wohl sehen - zumindest wenn sie sich als Jugendliche am sogenannten "Tag der Trennung" entscheiden; zurückkehren dürfen sie dann aber nicht mehr. Rio muss Bay an eben diesem Feiertag versprechen, nicht an die Oberfläche zu gehen, obwohl dies ihr größter und sehnlichster Wunsch ist. Rio fügt sich in ihr Schicksal - und muss dann fassungslos beobachten, wie Bay das Oben wählt...

Rio wird depressiv. Fragen quälen sie. Warum hat ihre Schwester an die Oberfläche gewollt, wo sie Atlantia doch so liebte? Welchen Grund hatte sie? Um das herauszufinden, kennt Rio nur einen einzigen Weg: Sie muss selbst an die Oberfläche gelangen...

Meine Meinung:
Von Ally Condie habe ich schon die Cassia & Ky-Reihe gelesen, die mir bis auf den letzten Band sehr gut gefallen hat, da die Sprache so poetisch und ruhig war.
Eine ähnliche Sprache erwartet uns auch hier in ihrem Einzelband Atlantia, den sie auch mit Ruhe und Poesie beginnt. Man findet schnell in die Geschichte hinein, springt man doch direkt an dem Punkt in die Handlung, wo die Zeremonie des "Tags der Trennung" stattfindet. Das Einfinden wird insbesondere auch dadurch unterstützt, dass die Handlung aus Rios Sicht erzählt wird. So lernt man die Protagonistin schon im ersten Abschnitt gut kennen und kann sich in sie hineinversetzen. 
Obwohl mir die Sprache das ganze Buch hindurch sehr gut gefallen hat, störten mich doch einige Wortwiederholungen, die besonders im Mittelteil des Buches auftraten. Des öfteren spricht Rio von "Blasphemie" und an einigen Stellen so gehäuft, dass es für den Leser wirklich enervierend ist. Auch wenn mir die Sprache, die Ally Condie in Atlantia an den Tag legt, sehr gut gefallen hat, hatte ich doch einige Probleme, mir bestimmte Orte und deswegen auch Szenarien genau vorzustellen. Dahingehend war mir die Beschreibung einfach zu ungenau, besonders wenn es um die Stadt Atlantia an sich ging. Ally Condie beschreibt Atlantia in ihrem Buch so:

"Atlantia wurde also als eine Vielzahl riesiger, eingekapselter Blasen entworfen, einige höher, andere niedriger, untereinander verbunden durch Kanäle und Wege. Die Ingenieure stellten fest, dass es günstiger war, kleinere Wohneinheiten anzulegen und diese miteinander zu verbinden, als eine große Blase für alles zu konstruieren. Die Halbkugel in der Mitte ist der angenehmste Ort von Atlantia. Sie enthält den Tempel, die Ratsgeböude, den Obermarkt und mehrere Wohnviertel. Andere, kleinere Kuppeln umfassen unbedeutendere Kirchen, Märkte und Wohngegenden. In einigen der tiefsten Blasen Atlantias, die Schleusen, durch die die Drohnen für die Reparatur und die Lagerung hereinkommen, sowie der Tiefmarkt." (S.20/21)

Ich weiß nicht, ob es nur mir so mit dieser Beschreibung erging, aber irgendwie konnte meine Fantasie nicht ganz die Bedeutung der Worte von Frau Condie erfassen. Es fiel mir verdammt schwer, Atlantia eine Gestalt zu geben; hier wäre vielleicht eine Skizze am Anfang eine gute Idee gewesen, wie sie sie schon in Cassia & Ky: Die Flucht eingebaut hat. Dies macht es einfach schwerer, der Geschichte zu folgen, obwohl die Idee interessant ist und auch neue Aspekte in den fantasyüberfluteten Markt hineinbringt.
Manche Kapitel in Atlantia sind kürzer als andere, aber jedes Kapitel ist nochmals in Absätze unterteilt, die nicht zu weit auseinander liegen. Dies erleichtert das Hineinfinden in die Handlung ein wenig, sodass man wieder einsteigen kann, ohne dass man mehrere Seiten zurückblättern müsste.

Auch die Charaktere sind sehr interessant gestaltet. Was mir hier sehr gut gefällt, ist, dass sie sich im Laufe der Handlung dem Leser hin immer mehr öffnen. Am interessantesten und geheimnisvollsten finde ich Maire, da sie auf der einen Seite sympathisch und dann in der nächsten Sekunde total unsympathisch erscheint. So muss man als Leser, genau wie Rio, abwägen, ob man ihr vertrauen kann oder ob man es doch lieber sein lassen sollte. Rio ist der Charakter, den der Leser am besten kennenlernt, aber das ist ja auch kein Wunder, denn schließlich ist sie die Protagonistin des Buches. Was mich aber trotzdem an Rio stört, obwohl ich sie auch sehr gern habe, ist, dass sie ihre Mutter immer bei ihrem Vornamen nennt, und zwar wirklich immer. Dadurch wirkt es so, als hätte sie keine richtige Bindung zu ihrer Mutter entwickelt, da das Anreden eines Elternteils mit dem Vornamen auf mich wie ein Zeichen von Distanz wirkt. Auch störte mich, dass sie immer wieder sagte, sie wolle nach Oben um ihre Schwester zu finden. Das tut sie in jedem 2. Kapitel, was nach wenigen Malen sehr nervig werden kann, als wäre Rio ein quengelndes Kind.

Was den Handlungsverlauf betrifft, kann man sagen, dass Atlantia eine Geschichte ist, die ein wenig Zeit zum Anlaufen braucht. Nicht, weil sie langweilig ist, sondern weil durch die Sprache sehr viel Ruhe und Poesie hineinkommt. Solch ein Buch, das ruhig und spannend zugleich ist, habe ich erst mit dem ersten Band der Cassia & Ky-Reihe gefunden, und auch in ihrem neuesten Werk gelingt es der Autorin, die Balance zwischen Ruhe und Spannung zu halten. Nur an manchen Stellen kann die Handlung auf den Leser etwas langweilig wirken, beipielsweise bei sich wiederholenden Szenen, die ähnlich aufgemacht sind. Erst gegen Ende nimmt die Geschichte, was richtige Action betrifft Fahrt auf. Allerdings war dies für mich im Vergleich zu den davor gelesenen 300 Seiten doch ein wenig zu viel; man hatte das Gefühl, als wolle die Autorin das Buch unbedingt beenden oder als hätte sie keinen Platz mehr für ihre Ideen. Dadurch wirkte die Geschichte besonders gegen Ende des Buches ein wenig gequält und zusammengepresst. Hier hätte Frau Condie lieber noch einen Gang zurückschalten und ein richtiges Finale in einem zweiten Band verwerten sollen.

Fazit:
Ein wundervolles Buch, bei dem sich die Handlung auf eine ganz eigene Art und Weise entwickelt und so ganz anders ist, als die actiongeladene Fantasy, die man häufig in der Buchhandlung findet. Die Sprache ist schön und poetisch, wechselt sich an einigen Stellen jedoch ein bisschen zu wenig ab. Auch die Charaktere waren sehr interessant und liebevoll gestaltet, und auch wenn Rio den Leser manchmal ein wenig genervt hat, hat man sie doch ins Herz geschlossen. Das Ende war jedoch für mich ein wenig zu abrupt und plötzlich geschrieben im Vergleich zum restlichen Buch. Dies war einfach zu viel auf einmal für den Leser. Da Ally Condie nicht geplant hat, einen weiteren Teil zu veröffentlichen, müssen wir uns also mit diesem Ende begnügen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen für Atlantia.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 11.02.2015
Aktuelle Ausgabe : 11.02.2015
Verlag : FISCHER FJB
ISBN: 9783841421692
Fester Einband: 400 Seiten
Sprache: Deutsch

Sonntag, 30. März 2014

Rezension zu "Bäume reisen nachts" von Aude Le Corff

Eine Geschichte, die einem ein Lächeln auf die Lippen zaubert

 

Zum Inhalt:
Sechs Monate ist es her seit Anais ihren Mann Pierre und ihre achtjährige Tochter Manon verlassen hat und spurlos verschwunden ist. Seitdem ist nichts mehr wie es vorher war. Pierre ist total apathisch und Manon flüchtet in den Garten, wo sie unter einer Birke sitzt, Bücher liest und mit Ameisen und Katzen spricht, darauf hoffend, dass die geliebte Mutte zurückkommt. Ihr Nachbar Anatole ist gerührt von ihrer Einsamkeit und nimmt sich ihrer an. Als Briefe der Mutter überraschend eintreffen, schmieden Manon, Anatole, Manons Tante Sophie und Pierre einen Plan um Anais wiederzufinden.

Meine Meinung:
Das hier ist mein allererster französischer Roman, von daher hatte ich eigentlich keine Ahnung, was mich hier eigentlich erwartet. Vom Klappentext klang es sehr interessant und da der Roman einen sehr poetischen Titel hat, musste ich es einfach haben.

Genauso poetisch wie der Titel ist auch der Schreibstil der Autorin. Die Kapitel sind kurz gehalten, so dass es bei einer Lesepause leicht fällt, wieder in die Geschichte hineinzukommen. Die kurzen Sätze der Autorin sind knackig und direkt. Ohne jeglichen Schnörkel berichtet der Erzähler von der Geschichte um Manon und ihre Mutter und das verwendete Präsens lässt den Leser die Handlung direkt miterleben. Obwohl nicht viele Worte um das Geschehen gemacht werden, ist die Geschichte doch mit einer Fülle an Worten angereichert, deren Bedeutung sehr tiefgründig sind. Dies kommt auch dadurch, dass immer wieder Zitate aus Der kleine Prinz eingeworfen werden. Das wird auch an den Charakteren deutlich.

Immer wieder wechselt der Erzähler zwischen den Charakteren hin und her und obwohl er das Erlebte nicht durch die Ich-Perspektive darlegt, fühlt man sich den Personen so nah, als wären sie direkt greifbar. Der Wechsel zwischen Innen- und Außensicht, sowie Vergangenheit und Gegenwart, lässt den Leser die Figuren kennenlernen. Sie gibt ihm die Gedanken und Gefühle jedes Einzelnen preis.

Obwohl es so aussieht als läge der Fokus des Buches stark auf Manon, stimmt das eigentlich gar nicht. Größtenteils liegt er auf Anatole, den alten Mann, der eine freundschaftliche Beziehung zu Manon aufbaut, sich aber selber zu alt für das Leben findet. Seine Darstellung ist wirklich großartig. Ich habe noch nie einen Charakter gesehen, der für seine charakterliche Stärke, körperlich so schwach ist. Ich fand diesen Gegensatz sehr schön gewählt. Desweiteren ist Anatole für mich die Person, die sich während der gesamten Geschichte am meisten entwickelt.

Manon bringt für mich erst Leben in die ganze Geschichte. Ihr Vater, Pierre, ist komplett stagniert, seit seine Frau ihn verlassen hat und durch Manon kommt in jeden Charakter eine Bewegung, die sich wahrscheinlich weder der Leser noch die Personen selbst hätten träumen lassen.

Sophie ist auch ein sehr spezieller Charakter, jedoch fand ich es sehr schwer ihre Bedeutung zuzuordenen. Sie ist die Schwester von Anais doch eine wirklich tragende Rolle hat sie nicht gespielt. Trotzdem stehen auch bei Sophie das Erlebte und die Gefühle im Vordergrund, was sie zu etwas Besonderem macht.

Was ich jedoch sehr schade fand, war, dass weder Anais noch Pierre eine richtige Persönlichkeit hatten. Bei den anderen 3 Charakteren ist viel Zeit aufgewendet worden, bezüglich ihrer Vergangenheit und ihren Gefühlen. Nachdem ich das Buch nun beendet habe, muss ich allerdings sagen, dass ich nicht das Gefühl habe, Anais oder Pierre richtig kennengelernt zu haben. Sie sind mir beide nicht ans Herz gewachsen sondern nur flache Personen geblieben, die in ihren immer gleichen Mustern feststecken. Schade.

Fazit:
Eine tiefgründige Geschichte, auch wenn der direkte schnörkellose Schreibstil das nicht gleich vermuten lässt. Die Idee ist unglaublich schön herausgearbeitet worden, auch wenn die Charaktere hier und da einmal schwächeln. Durch die Zitate aus Der kleine Prinz und den metaphorischen Worten hat Aude Le Corff es geschafft, mir ein Lächeln auf die Lippen zu zaubern. 4 von 5 möglichen Sternen für Bäume reisen nachts.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 10.03.2014
Aktuelle Ausgabe : 10.03.2014
Verlag : Insel Verlag
ISBN: 9783458360193
Flexibler Einband: 201 Seiten
Sprache: Deutsch

Freitag, 21. Februar 2014

Rezension zu "Unvollständig - Missing You" von Marleen Reichenberg

Leider zu vorhersehbar trotz guter Geschichte

 

Zum Inhalt:
Anja schwärmt schon lange für Felix, den Bruder ihrer besten Freundin Verena und Sohn ihrer "Ersatzeltern" Marion und Max, und ist überglücklich, als auch er ihr gesteht, dass er sie liebt. Anja glaubt sich im siebten Himmel als Felix ihr nach dreijähriger Beziehung einen Heiratsantrag macht und beide gemeinsam anfangen, die Hochzeit zu planen. Doch kurz vor der Heirat löst Felix die Verlobung urplötzlich auf, da er sich in eine andere Frau verliebt habe. Anja ist am Boden zerstört und schwankt zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Ein Leben ohne Felix ist für sie unvorstellbar. Sie wünscht sich nur eines: dass er zu ihr zurückkommt. Doch er scheint andere Pläne zu haben...

Meine Meinung:
Da ich Liebesromane sehr gerne lese und diesen hier im Kindle-Shop für 99 Cent erstehen konnte, musste ich diesen hier gleich haben, weil mich der Titel und auch die Inhaltsangabe sehr angesprochen haben.
Die Autorin wirft den Leser gleich zu Anfang ins kalte Wasser und beginnt mit der Trennung von Anja und Felix, was ich sehr ungewöhnlich finde. Dennoch finde ich es nicht verwerflich und bin durchaus der Meinung, dass man diese Geschichte gut so anfangen kann. Der Leser befindet sich dadurch in praktisch derselben Lage wie Anja, die auch gerade aus heiterem Himmel von ihrem Verlobten verlassen worden ist und reagiert dementsprechend verwirrt, genau wie die Protagonistin im Buch.

Durch die Ich-Perspektive fiel es mir noch leichter, mich in Anjas Lage zu versetzen und habe mit ihr mitgelitten. Felix benimmt sich am Anfang einfach total grottig und ich glaube, ich persönlich hätte ganz anders reagiert als seine Verlobte.

Der Schreibstil bringt Anjas Gefühle sehr gut zum Ausdruck, jedoch finde ich zwischenzeitlich ihre Trauer-Phase ein wenig zu sehr ausgereizt. Ich habe mir beim Lesen manchmal echt gedacht: Ja, ist ja gut. Wir wissen, dass du ihn vermisst, aber er kommt nicht zu dir zurück wenn du den ganzen Tag im Bett herumliegst und rumheulst. Trotzdem finde ich den Schreibstil an sich sehr anziehend denn er macht Lust auf mehr. Die kurzen Sätze, die verwendet werden, spiegeln Anjas Verzweiflung und Sprachlosigkeit über die Situation sehr gut wieder, wodurch das Einfühlungsvermögen des Lesers geweckt wird.

Obwohl es in dem Roman eher um den Verlust des Partners geht, sind jedoch auch einige witzige Elemente eingebaut worden, die den Leser schmunzeln lassen.

9 von 10 Leuten mögen Schoggi. Der Zehnte lügt.

oder

Nur aus diesem Grund nahm ich den Namen desjenigen, den ich eigentlich, wie den berüchtigten Lord Voldemort, nie mehr hatte erwähnen wollen, in den Mund und wandte mich an die unbarmherzige Pflegekraft.

sind nur einige Beispiele dafür. Das lockert den Roman noch einmal richtig auf und vertreibt die leicht melancholische und traurige Grundstimmung ein wenig, was mir sehr gut gefallen hat.

Was ich persönlich ein wenig schade fand, war, dass die Geschichte trotz der wirklich guten Idee und interessanten Umsetzung sehr vorhersehbar ist, so dass ich schon nach etwa 100 Seiten wusste, was hinterher passieren würde. Gegen Ende wurde ich durch weitere Anzeichen meiner Vermutung bestätigt, was schlußendlich die ganze Spannung aus dem Roman nahm. Hier hätte man definitiv etwas raffinierter arbeiten müssen, damit erstens die Spannung aufrecht erhalten bleibt und zweitens der Leser Spekulationen aufstellen kann, die vielleicht nicht der endgültigen Auflösung der Geschichte entsprechen.

Zu den Charakteren kann ich sagen, dass ich sie zwar interessant fand, sie aber auch ein wenig zu flach auf mich gewirkt haben. Zwar lernt man Anja, ihre beste Freundin Verena und deren Eltern im Laufe der Geschichte ganz gut kennen, aber man erfährt nicht viel über die Charakterzüge der letzten drei genannten Personen, so dass sie ein wenig charakterlos und nebensächlich bleiben. Anja ist eigentlich der einzige Charakter in den man sich einfühlen kann. Die Handlungsweisen der anderen Personen bleiben für mich nur nebensächlich und der Leser kann nicht nachvollziehen, wieso sie gerade so handeln.

Über Felix erfährt man ohnehin nicht viel, da er am Anfang des Buches auftaucht und danach praktisch nur noch als Nebenfigur agiert. Nur ganz am Ende wechselt die Erzählperspektive und stellt heraus, wie Felix sich während der ganzen Zeit gefühlt hat, aber ansonsten berichtet nur Anja in Rückblicken von ihm. Auch hier hätte man den Charakteren mehrere Ecken und Kanten geben können, damit sie nicht nur zweidimensional bleiben.

Das Ende fand ich relativ überzogen. Es war mir persönlich zu viel des Guten, wenn man die vorherige Grundstimmung bedenkt und ich konnte ihr daher nicht sonderlich viel abgewinnen. Ein anderes Ende wäre für mich logischer und schöner gewesen.

Fazit:
Insgesamt eine schöne Geschichte, die jedoch durch die flachen Charaktere und den Spannungsverlust ein wenig gedämpft wird. Obwohl der Schreibstil top ist, ahnt man schon sehr früh, was passieren wird, was der Spannung einen kräftigen Abbruch tut. Durch die teils lustigen Bemerkungen wird die Stimmung jedoch wieder etwas gehoben und sie bringen den Leser des öfteren zum Schmunzeln. Daher kann ich leider nur 3 von 5 Sternen vergeben, da bei mir der Funke nicht wirklich übergesprungen ist.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 20.01.2014
Aktuelle Ausgabe : 20.01.2014
Verlag :
ISBN: B00HYI8CA6
E-Buch Text: 310 Seiten