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Montag, 5. Oktober 2015

Rezension zu "Wasser für die Elefanten" von Sara Gruen

Spannende Liebesgeschichte in der Welt des Zirkus der 30er Jahre

 

Zum Inhalt:
1931: Die Eltern des Studenten Jacob Jankowski kommen bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben. Seitdem empfindet dieser keine Freude mehr. Er bricht sein Veterinärmedizinstudium ab und gerät zufälligerweise an einen Zirkus als er an Bahngleisen entlangspaziert. Dieser benötigt dringend einen Tierarzt, denn das Pferd der Kunstreiterin Marlena lahmt schwer. Besonders in August Rosenbluth, Marlenas Mann, findet er einen großen Unterstützer. Doch August ist nicht der Mann, der er vorgibt zu sein. Als die Elefantendame Rosie Teil des Zirkusprogramms werden soll offenbart August seine gewalttätige Seite. Nur Jacob kennt Rosies Geheimnis und vertraut sich Marlena an. Diese verzaubert ihn und er will sie ganz für sich. Doch da ist auch noch August und er ist gefährlicher als es bisher den Anschein hatte...

Meine Meinung:
Den Trailer zum Film habe ich schon vor mehreren Jahren gesehen (wo der Twilight-Hype noch im Gange war und Robert Pattinson ziemlich heiß gehandelt wurde), dennoch kam ich nie dazu, den Film zu schauen. Seit ungefähr genauso vielen Jahren steht Wasser für die Elefanten jetzt bei mir im Bücherregal und jetzt MUSSTE ich es endlich lesen. 

Mittlerweile habe ich es schon bereut, dass ich das nicht früher getan habe, denn die Sprache des Romans ist unglaublich fesselnd. Dadurch fällt es dem Leser leicht, durch das Buch zu kommen da man es einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Immer wieder taucht ein neuer Konflikt auf, den der Leser gelöst wissen möchte. Dass die gesamte Geschichte aus Jacobs Sicht und damit aus der Ich-Perspektive geschrieben ist hilft dem Leser zudem, sich in die Szenerie hineinzuversetzen. Obwohl die Sprache, die in dem Roman verwendet wird, nicht besonders poetisch ist, weckt sie durch die Nähe zum Erzähler und der Nähe zur Handlung an sich das Interesse des Lesers. Was die Geschichte auch interessant hält, ist der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Denn der etwa 90-jährige Jacob erzählt von den Ereignissen von damals. Zwar spielt der Großteil der Geschichte in der Vergangenheit, aber immer wieder sind Sequenzen aus der Gegenwart eingebaut worden. Leider wurde in diesen nicht das Potenzial ausgeschöpft, dass sie besaßen. Für mich wurde der Leser dadurch nur gequält, da er unbedingt wissen will, wie Jacobs Leben im Zirkus weitergeht. Die Gegenwartsbezüge fand ich in diesem Sinne eher etwas störend. Die Geschichte hätte meiner Meinung nach auch gut ohne die Sprünge in die heutige Zeit funktioniert. Insgesamt waren die Kapitel in einem Rutsch gut schaffbar, da sie nicht allzu lang war. Die Cliff-Hanger am Ende der Kapitel halten die Geschichte besonders spannend, da der Leser unbedingt wissen möchte wie es weitergeht.

Auch die Charaktere haben mir ausnehmlich gut gefallen, allen voran Jacob, schließlich ist er der Protagonist des Romans. Diesen lernt man auch von allen Charakteren am besten kennen, besonders durch die verwendete Ich-Perspektive. Damit erlebt der Leser die Geschichte aus Jacobs Sicht und wird mit seinen Gefühlen und Gedanken vertraut. Auch die Nebencharaktere waren sehr gut ausgearbeitet, denn nicht nur August und Marlena, sondern auch die restlichen Zirkusleute, die die Autorin auftreten lässt, können vom Leser bewertet werden durch die Beziehung in der Jacob zu ihnen steht. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sich sehr gut mit der Zeit und damit auch mit dem Zirkus der 30er Jahre auseinandergesetzt hat. Ich konnte mich gut in die Handlung hineinversetzen und mir auch die aufgezeigten Szenerien sehr gut vor Augen führen. Doch nicht nur das. Auch die Charaktere waren für die Zeit sehr realistisch und liebevoll gestaltet worden und greifen die schauspielerische Atmosphäre und die Welt der Kunst, die durch den Zirkus präsentiert wird, perfekt auf. Dadurch wirken alle Personen des Buches echt und nicht nur auf Papier gebannt.

Der Handlungsverlauf bleibt durchgehend spannend und es fällt dem Leser schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Sicht auf die Zirkuswelt, die Sara Gruen dem Leser hier präsentiert. So wird diese nicht nur als fulminant sondern auch als gestellt charakterisiert. Der Blick hinter die Kulissen, der dadurch erfolgt, interessiert den Leser, so dass er unbedingt mehr über die Zirkuswelt der 30er Jahre erfahren will. Doch nicht nur das lässt den Leser nicht mehr los, sondern auch die Konflikte und Spannungsmomente zwischen Jacob und August oder Jacob und Onkel Al, dem Zirkusdirektor. Da diese besonders spannungsgeladen sind, hat man als Leser das Gefühl, die Situation würde gleich eskallieren, jedoch möchte man alles genau mitverfolgen damit man nicht eine Sekunde davon verpasst. Der Leser ist einfach an der Weiterentwicklung von Jacobs Beziehungen mit den Zirkusmitarbeitern interessiert. Allgemein gesehen kann man also sagen, dass es sehr viele Aspekte gibt, die die Spannung im Roman aufrechterhalten und den Leser trotzdem immer wieder fesseln können.

Das Ende des Romans findet jedoch wieder in der Gegenwart statt. Damit fällt das Ende von Jacobs Zirkusgeschichte leider ein wenig unter den Tisch, denn zum Schluss erzählt er nur in weniger als einer Seite von seiner Zukunft. Dadurch wirkt das Ende ein wenig gezwungen und auch abgefertigt als hätte die Autorin das Buch unbedingt beenden wollen. Trotzdem empfand ich das Ende des Romans als einen runden Abschluss zur restlichen Geschichte.

Fazit:
Mit Wasser für die Elefanten präsentiert Sara Gruen den Lesern einen schönen Roman, der sie in die Welt des Zirkus der 30er Jahre entführt. Intrigen, Liebe und Gewalt halten die SpannWasser für die Elefanten bekommt daher 5 von 5 möglichen Sternen.
ung durchgehend aufrecht und durch die Ich-Perspektive ist es einfach, sich in die Handlung und Jacob hineinzuversetze. Ich hatte das Gefühl, dass alle Charaktere gut durchdacht waren und sowohl die Haupt- als auch die Nebenpersonen sehr detailliert dargestellt worden sind. Somit machte es sehr viel Spaß von der Autorin durch das Buch und seine Geschichte geführt zu werden.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 21.02.2008
Aktuelle Ausgabe : 01.08.2009
Verlag : Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 9783499248450
Flexibler Einband 416 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 26. September 2015

Rezension zu "Tausend strahlende Sonnen" von Khaled Hosseini

Gewalt und Grausamkeit gepaart mit Hoffnung

 

Zum Inhalt:
Mariam ist das uneheliche Kind des reichen Kinobesitzers Jalils und wird von ihrer Familie verspottet. Selbst ihre Mutter schimpft sie einen harami obwohl sie auf Mariam angewiesen ist. Von allen verstoßen bewohnt Mariam mit ihrer Mutter eine kleine Hütte im Wald, fernab der Stadt. Ihr einziger Lichtblick sind die wöchentlichen Besuche ihres Vaters, die sie immer mit Freude erwartet. Doch das ändert sich schlagartig als Mariam 15 wird. Sie soll den 20 Jahre älteren Schumacher Raschid heiraten und mit ihm nach Kabul gehen. Doch den liebevollen, fürsorglichen Ehemann bekommt Mariam mit Raschid nicht. Seine Brutalität und die ständigen Gewaltausbrüche machen ihr schwer zu schaffen. Und es wird von Tag zu Tag schlimmer...

Jahre später gerät auch Laila mit Raschid in Kontakt. Bei einem Bombenangriff werden ihre Eltern getötet, weswegen die 14-jährige Zuflucht bei Mariam und ihrem Ehemann sucht. Die einzige Bedingung, damit Laila bei ihnen bleiben kann, ist, dass sie Raschid heiratet. Als Raschids Zweitfrau erfährt Laila viel Misstrauen durch Mariam, doch bald legt sich dieses und die beiden werden enge Freundinnen. Gemeinsam wehren sie sich gegen Raschids Brutalität und planen die Flucht...

Meine Meinung:
Ich hatte einmal Traumsammler von Khaled Hosseini begonnen, doch leider konnte ich das Buch aufgrund einer Klausurphase nicht beenden. Als es eine Aktion bei meinem Buchhandel auf ausgewählte Bücher gab, habe ich deswegen als erstes Tausend strahlende Sonnen gepackt und mit nach Hause genommen.

Die Sprache des Buches ist sehr fesselnd, weswegen es dem Leser schwerfällt, das Buch überhaupt aus der Hand zu legen. Und das nicht weil Hosseini sehr poetisch schreibt. Das tut er nämlich ganz und gar nicht. Seine schnörkellosen Beschreibungen zielen mehr auf das Geschehen ab als darauf, die Gefühle der verschiedenen Personen zu erklären und trotzdem ergreift die Geschichte den Leser ganz und gar. Dies liegt vor allem an die wechselnde Sichtweise zwischen Mariam und Laila, was besonders gegen Mitte des Buches auftritt, da die beiden Frauen hier zusammentreffen. Der personale Erzähler, der die ganze Zeit verwendet wird expliziert die Frauen auf eine sehr detaillierte Weise und macht besonders viel aus ihrer Vergangenheit deutlich. Dadurch hatte ich als Leserin das Gefühl, Mariam und Laila schon von Kind auf zu kennen. Zudem werden durch die recht gefühlsintensiven Beschreibungen des Geschehens klar, dass man beide Frauen sehr sympathisch findet. Man möchte in manchen Situationen in denen Raschids Brutalität durchbricht am liebsten selbst eingreifen. Auch wenn man weiß, dass die beiden Frauen keine Chance gegen den Älteren haben, wünschte man sich doch, dass sie etwas gegen ihn unternehmen würden. Was mir zudem noch sehr gut gefallen hat, war der recht objektive Bericht über die Historie Afghanistans. Ich, die nach einer Weile einfach den Überblick über die Geschehnisse im Nahen Osten verloren hatte, konnte durch das Buch meine Gedanken darüber ordnen und weiß im Nachhinein wirklich, wie sich die politische und soziale Situation in dem Land veränderte. Im Großen und Ganzen erhält man also nicht nur eine sehr emotionale Geschichte sondern auch einen Schnelldurchlauf durch die politische Geschichte des Landes in den letzten 30 Jahren.

Auch über die Charaktere erhält man einen sehr guten Überblick, da alle sehr detailliert herausgearbeitet wurden. Dies betrifft nicht nur die Hauptcharaktere, sondern auch die Nebenpersonen. Der Leser kann mit allen Charakteren mitfühlen, besonders natürlich mit Laila und Mariam; trotzdem haben mir auch die Nebencharaktere sehr gut gefallen. Sie stehen nicht zu sehr im Vordergrund, was sie mehr zu Hauptpersonen machen würde, und bleiben auch nicht allzu unerwähnt, was eine richtige Mischung für einen guten Nebencharakter darstellt. Zudem ist auch die Charakterentwicklung der beiden Frauen sehr gut ausgearbeitet worden. Sie wird nicht zu schnell vollzogen sondern ist durchaus logisch und auf die Handlung und die Persönlichkeit beider Frauen abgestimmt. Sie wirkt nicht übertrieben sondern sehr gut nachvollziehbar. Deswegen macht es sehr viel Spaß, zu sehen wie die beiden Frauen sich nach und nach entwickeln.

Auch wenn die Handlung scheinbar ruhig startet, bleibt sie dennoch spannend, denn immer wieder passieren neue Handlungen, die immer wieder Auswirkungen auf das Hauptgeschehen zu haben scheinen. Der Leser wird direkt in die durchgehend spannend bleibende Handlung hineingezogen und entdeckt gemeinsam mit den beiden Frauen das Leid aber auch sehr viel Hoffnung. Immer wieder werden neue Aspekte erläutert, besonders die Stellung der Frau im afghanischen Eheleben und die kriegsähnliche Situation in Kabul. Obwohl die Geschichte im Grunde genommen schon spannend genug ist, bringt der Wechsel von Mariam auf Lailas Handlungsstrang noch ein wenig mehr Schwung in das Erzählte. Die liebevolle Gestaltung der Vergangenheit der beiden Frauen zeigt, dass der Autor sich sehr intensiv mit seinen Charakteren auseinandergesetzt hat. Dies gilt ebenso für die Auseinandersetzung mit der politischen Geschichte seines Heimatlandes. Durch diese werden in "Tausend strahlende Sonnen" verschiedene Ereignisse genauer erklärt und dem Leser verständlicher gemacht. Zudem sind die Eindrücke, die man durch Khaled Hosseinis Ausdrucksweise bezüglich der politischen Geschichte Afghanistans erhält, weitaus objektiver geschildert als man sie in den Medien präsentiert bekam.

Das Ende fand ich persönlich gut gelöst, auch wenn ich das Buch mit einem lachenden und einem weinenden Auge abgeschlossen habe. Meiner Meinung nach war das, was am Ende passiert sehr realitätsnah und nicht zu übertrieben. Damit fügte es sich perfekt in die restliche Geschichte hinein. Ich werde jedenfalls auch die anderen Bücher von Khaled Hosseini lesen, da mir Tausend strahlende Sonnen sehr gut gefallen hat.

Fazit:
Mit Tausend strahlende Sonnen präsentiert Khaled Hosseini einen Roman, der nicht nur einen tollen Bericht über die afghanische Politik bietet sondern zudem das grausame Schicksal zweier Frauen aufzeigt, die von ihrem Ehemann terrorisiert werden. Der schmale Grad der Hoffnung lässt sich dennoch nicht komplett ausmerzen und wirkt wie ein roter Faden, der sich trotzdem immer noch durch das Buch zieht, egal wie grau die Wolken über den Köpfen von Laila und Mariam auch sein mögen. Durch die durchgehend spannende Geschichte und den objektiven aber auch emotionalen Sprachstil hat Khaled Hosseini einen der bewegendsten Romane geschrieben, die ich je gelesen habe. Auch die längeren Kapitel machen sehr viel Spaß, ebenso wie die liebevoll gestalteten Haupt- und Nebencharaktere, so dass der Leser die im Buch dargestellten Gefühle selbst fühlen kann. Auch das Ende hat mir durch diesen realitätsnahen Aspekt sehr gut gefallen, auch wenn es relativ offen bleibt, wie die Geschichte weitergehen würde. Für diesen abgerundeten Roman, der Trauer, Freude, Erstaunen und Empörung bei dem Leser hervorruft, gibt es von mir verdiente 5 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 27.08.2007
Aktuelle Ausgabe : 21.04.2009
Verlag : bloomsbury taschenbuch
ISBN: 9783833305894
Flexibler Einband 381 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 16. August 2014

Rezension zu "Cop Town" von Karin Slaughter

Nicht nur ein einfacher Thriller

 

Zum Inhalt:
Atlanta 1974: Seit mehreren Monaten wird die Hauptstadt des amerikanischen Bundesstaates Georgia von einer fürchterlichen Mordserie heimgesucht. Doch für das Atlanta Police Department sind diese Morde besonders schwer zu verkraften. Opfer sind nämlich bisher nur Polizisten gewesen - und die Angst, dass man selbst der nächste sein könnte, wächst täglich. Der einzige Verdächtige, den man bisher festgenommen hat, kommt aus Mangel an Beweisen frei und schafft es unterzutauchen während die restlichen Polizisten weiterhin nach dem "Copkiller" fahnden.
Als Frau hat es Maggie Lawson, die auch beim Department arbeitet, nicht leicht - ständig muss sie sich gegen die sexistischen Bemerkungen der Kollegen behaupten und erträgt die Sticheleien ihres Bruders Jimmy und ihres Onkels Terry kommentarlos. Als jedoch Jimmys Partner Don auf genau die gleiche Weise ermordet wird, wie die anderen Cops zuvor, beschließt Maggie, richtig an dem Fall zu arbeiten. Unerwartete Hilfe bekommt sie dabei von Kate Murphy, die gerade ihren ersten Arbeitstag als Polizistin hinter sich hat. Und Maggie beginnt langsam an die Auflösung der Mordserie zu glauben...

Meine Meinung:
Erst einmal vorab: Das ist mein allererster Karin Slaughter-Thriller, daher habe ich bisher keinen Vergleich zu ihren anderen Büchern, die auch hier in Deutschland unglaublich erfolgreich sind. Da ich sehr selten Thriller oder Krimis lese, ab und zu aber doch Lust auf einen bekomme und dazu noch Englisch mag, erschien mir Cop Town als passender Einstieg in die literarische Welt der Spiegel-Bestsellerautorin.

Wer hier allerdings nur einen einfachen Thriller erwartet, der wird unglaublich überrascht, denn Coptown ist nicht einfach nur ein Thriller, sondern ein waschechter Gesellschaftsroman, der die sozialen Schichten in den 70er Jahren und die Frauenfeindlichkeit  widerspiegelt. Auf jeder Seite spürt man die Gleichgültigkeit der Menschen gegenüber dem Geschehen und kann sich richtig gut in die Situation hineinversetzen. Da zudem noch zwei Frauen unsere Protagonistinnen sind, bekommt der Leser auch noch die volle Ladung Sexismus ab, denn sowohl Maggie als auch Kate werden von den anderen Cops stark schikaniert und nicht ernst genommen. Diese Szenen wirken allerdings keineswegs überladen sondern kommen einem während des Lesers auch visuell in den Kopf gesprungen. Karin Slaughter schafft es, durch die äußerliche Atmosphäre einen richtigen Film im Kopf des Lesers ablaufen zu lassen und auch ohne Mimik oder Gestik hat der Leser ein ungefähres Bild im Kopf wie die Personen reagieren.

Auch die Sprache, die Karin Slaughter benutzt ist leicht verständlich. In kurzen Sätzen schildert sie die Handlung, so dass auch ungeübte Englischleser dem Geschehen ohne große Schwierigkeiten folgen können. Selbst wenn man einmal die Bedeutung eines Wortes nicht kennt, erschließt dieses sich doch immer irgendwie aufgrund des Sachzusammenhangs. Je weiter man liest, desto mehr begreift man den Schreibstil der Autorin und versteht, was sie dem Leser mit ihren Worten ausdrücken will. Auch wenn man eine kurze Pause macht, kommt man leicht wieder in den Schreibstil und somit auch in die Handlung hinein. Mitunter sind die Kapitel sehr lang gehalten, was für Leser, die momentan kein großes Maß an Freizeit haben, sicherlich ermüdend erscheinen mag, jedoch kommt man, wie gerade schon gesagt, schnell wieder in das Geschehen, so dass eine Leseunterbrechung mitten im Kapitel nicht allzu tragisch ist.

Kommen wir aber nun zur allgemeinen Handlung, eher gesagt wie der Thriller insgesamt aufgebaut ist. Natürlich ist klar, dass es eine Mordserie gibt, wobei der Täter bisher jedes Mal entwischt ist und ein großer Mangel an Beweisen herrscht.  Und natürlich müssen unser Protagonistinnen diesen Täter schnappen. Ist ja auch bei jedem Krimi und jedem anderem Thriller genauso. "Cop Town" jedoch hat etwas, was den Leser an das Buch fesselt und es nicht mehr loslässt, denn die ganze Geschichte hinter der Mordserie ist unglaublich verzwickt und so vielschichtig, dass man sich schon mal in dem einen oder anderem Detail verlieren kann. Die Autorin berichtet auch aus der Sicht des Mörders und erzählt auch einen kleinen Teil seiner Geschichte, jedoch bleibt es dem Leser vollkommen schleierhaft, wer genau jetzt hinter "Fox", wie sich der Mörder selbst nennt, steckt. Man stellt zwar einige Vermutungen auf, kann diese jedoch nicht belegen und wenn man wirklich einen Verdacht hegt, wird dieser praktisch schon im nächsten Moment wieder zerschlagen. Daher war ich bei der Auflösung auch heftigst überrascht und kam aus dem Staunen nicht heraus.

Wie ich schon sagte, kann man sich bei Cop Town in dem ein oder anderen Detail verlieren und es mag an einigen Stellen recht langweilig erscheinen. Doch Karin Slaughter baut immer wieder neue Schocker ein um den Leser wachzurütteln. Dies geschieht beispielsweise durch besonders detailreiche Beschreibungen eines Todes oder einer sehr brutalen Kampfszene. Wessen Nerven ein wenig schwach sind, sollte diese Stellen besser überlesen, denn auch mich hat manchmal das kalte Grausen gepackt.

Die Charaktere waren für mich das Highlight des Buches, besonders Kate Murphy, die "Neue" hat mir besonders gut gefallen. Man lernt sie besonders genau kennen, ihre Famile, ihre Beweggründe zur Polizei zu gehen und ihre Denkweise. Das machte sie für mich zum sympathischsten Charakter des gesamten Buches.
Maggie, die ja zusammen mit Kate ermittelt, wird dem Leser auch nähergebracht, allerdings fiel es mir sehr schwer, genauso viel Sympathie für sie zu hegen wie für Kate. Trotzdem konnte Maggie dem Leser ein wenig leidtun, was ihren Onkel Terry betrifft.

Dieser Mann ist einer der unsympathischsten Nebencharaktere, über den ich je gelesen habe - und ich habe schon eine Menge Bücher verschlungen, aber Terry Lawson setzt der Bezeichnung "frauenfeindlicher Bastard" echt die Krone auf. Wie er sich Maggie gegenüber benimmt, ist schrecklich und auch sein Verhalten seinem Neffen Jimmy gegenüber ändert sich während der Handlung stark ins Negative. So einem Mann möchte man definitiv nicht im Dunkeln begegnen.
Schade war nur, dass der Leser die anderen Nebencharaktere nicht so sonderlich gut kennengelernt hat. Bei einigen von ihnen wäre es etwas wichtiger für die Aufklärung des Falles gewesen, weswegen die Enthüllung des Täters meiner Meinung nach ein wenig weit hergeholt war.

Fazit:
Ein schöner Thriller, der nicht nur ein einfacher Thriller sondern auch ein Gesellschaftsroman ist. Die leicht verständliche Sprache bringt die frauenfeindliche und rassistische Atmosphäre richtig gut rüber. Diese wirkt auch nicht zu überladen.
An den Stellen, wo es vielleicht etwas ruhiger wurde, haut die Autorin einen Schocker nach dem anderen raus, so dass man praktisch gezwungen wird, die Handlung weiterzuverfolgen. Möglich gemacht wurde das auch durch die recht vielschichtigen Charaktere, nur leider kamen hier die Nebenpersonen ein wenig zu kurz. Hier hätte ich mir tatsächlich ein bisschen mehr Detailarbeit gewünscht. Deswegen bekommt Cop Town 4 von 5 Sternen von mir.

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Allgemeine Infos zum Buch
Gebundene Ausgabe: 416 Seiten
Verlag: Delacorte Press (24. Juni 2014)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0345547497
ISBN-13: 978-0345547491

Samstag, 7. Juni 2014

Rezension zu "Das Haus des Windes" von Louise Erdrich

Ein kleiner Junge wird erwachsen

 

Zum Inhalt:
Der 13-jährige Joe Coutt wächst behütet in einem Indianerreservat in den 80er Jahren in einem behüteten Elternhaus auf: Sein Vater ist Stammesrichter und seine Mutter arbeitet im Büro. Doch eines Sommers verändert sich alles. Joes Mutter wird vergewaltigt und sondert sich von ihrer kleinen Familie ab. Da der Ort der Tat an der Grenze zwischen drei Gebieten liegt, sind mehrere Behörden mit der Aufklärung des Falles beschäftigt. Joe und sein Vater wollen der Mutter helfen und sie zurück in die Wirklichkeit holen, doch Joes Vater sind die Hände gebunden. Gemeinsam mit seinen Freunden Cappy, Angus und Zack macht Joe sich schließlich allein auf die Suche nach dem Täter - und findet den Schlüssel in den alten Akten...

Meine Meinung:
Natur, ein mysteriöses Geheimnis und die Aufdeckung dessen - das klingt doch sehr nach Der Duft des Regens. Zumindest vom Prinzip her. Ich bin auf dieses Buch durch eine Leserunde aufmerksam geworden, allerdings war zu diesem Zeitpunkt schon ausgelost worden. Trotzdem habe ich mir viele Rezensionen durchgelesen und nachdem so viele gesagt haben, dass dieses Buch großartig ist, habe ich es mir auch gekauft.
Und ich habe es nicht bereut. Das Buch ist wirklich großartig, vor allem der Schreibstil hat es mir sehr angetan.

Während man am Anfang noch einige kindliche Empfindungen Joes durch die verwendete Sprache heraushören kann, wandelt sich dies im Laufe des Romans. Man erkennt seine Verzweiflung durch kurze Sätze, die zeigen sollen, dass er nicht weiß was er tun soll um seiner Mutter zu helfen und am Schluss betrachtet er die Situation so nüchtern und distanziert wie es nur ein Erwachsener tun könnte. Das hat mich glaube ich am meisten beeindruckt: Dass Luise Erdrich es schafft, ihren Hauptcharakter, der noch ein Kind ist mithilfe der Sprache zum Manne reifen zu lassen und zwar so, dass es dem Leser explizit auffällt.

Was auch etwas anders war als in anderen Büchern, war, dass keine wörtliche Rede benutzt wurde, zumindest keine, die in Anführungszeichen stand. Hier fand ich es zu Beginn etwas schwer mich zurecht zu finden, da ich manchmal nicht wusste, ob dies jetzt von einer Person gesagt wird. Jedoch habe ich mich im Laufe des Buches daran gewöhnt, so dass es mir hinterher nicht weiter aufgefallen ist. Dass Mrs. Erdrich keine wörtliche Rede benutzt könnte daran liegen, dass dieses Buch praktisch eine Nacherzählung ist. Berichtet wird von Joe aus der Ich-Perspektive, der sich an das Verbrechen, das an seiner Mutter begangen wurde, erinnert. Diese Nacherzählung darzustellen ist Mrs. Erdrich wirklich gut gelungen.

Ich möchte aber nicht nur die Sprache des Romans loben, sondern auch noch etwas genauer auf die Handlung eingehen.
Die Handlung dreht sich - natürlich - größtenteils um die Aufklärung an dem Verbrechen, aber auch das Leben im Reservat und die Unternehmungen mit Joes Freunden rücken immer mehr in den Vordergrund. Zwischenzeitlich waren diese Szenen aber doch etwas zu detailliert beschrieben, so dass ich mir gewünscht hätte, es würde mit dem Verbrechen weitergehen. Das ist jedoch nur ein kleiner Makel, der jetzt keine großartigen Auswirkungen auf meine Bewertung hat.

Joe ist natürlich der Hauptcharakter der Geschichte und man erfährt natürlich am meisten über ihn. Auch greift er immer wieder in die Zukunft vor und erzählt, wie sein heutiges Leben verläuft. Durch den Roman hat man das Gefühl, er würde sich das Geschehen von damals von der Seele reden wollen und der Leser sei sein einziger Zuhörer. Das finde ich sehr nett gemacht.
Aber auch über seine Familie und seine Freunde erfährt man viel, was es unmöglich macht, diese nicht sympathisch zu finden.

Vor allem sein Großvater, Mooshum, hat es mir angetan. So jemanden würde ich wirklich gerne mal im echten Leben treffen, denn er hat seinen schwarzen Humor trotz seines hohen Alters behalten.
Was mich allerdings störte war wieder einmal die Übersetzung des Romantitels. Im Orignal ist es unter dem Titel The Round House erschienen, das Rundhaus also, welches im Roman eine zentrale Rolle einnimmt. Der Titel Das Haus des Windes gibt leider nicht so adäquat wieder, dass vor allem das Rundhaus ein wichtiger Ort ist. Hier hätte ich mir wirklich eine wortwörtliche Übersetzung gewünscht.

Das Ende fand ich wirklich schockierend. Es ist gerade alles aufgeklärt worden und man denkt sich, jetzt sind die Charaktere wieder im Einklang miteinander als Louise Erdrich nochmals einen richtigen Schocker einbaut und das noch auf den letzten Seiten. Wenn man das Buch dann zuklappt, hat man wirklich das Gefühl, ein Blitz sei gerade eingeschlagen und man kann gar nicht fassen, dass das Buch schon geendet hat. Aber das finde ich so faszinierend an diesem Buch: Diese unausweichliche Härte, die immer dann zuschlägt wenn man sie am wenigsten erwartet.

Fazit:
Ein wirklich tolles Buch, das einen durch seinen Schreibstil und durch seine Handlung fesselt. Man durchlebt die Entwicklung Joes hautnah mit und fühlt sich am Ende selbst ein wenig reifer, so, als sei das Geschehene der eigenen Mutter widerfahren. Diese Härte, mit der die Tatsachen geschildert werden, trifft den Leser mitten ins Herz und lässt ihn schon ein ums andere mal schlucken. Die schön ausgearbeiteten Charaktere sind ihm unglaublich nah. Für diesen tollen Roman vergebe ich 5 von 5 Sternen.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 17.02.2014
Aktuelle Ausgabe : 17.02.2014
Verlag : Aufbau Verlag
ISBN: 9783351035792
Fester Einband: 368 Seiten
Sprache: Deutsch