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Samstag, 21. Januar 2017

Rezension zu "Die sieben Schwestern" von Lucinda Riley

Mittelmäßiger Reihenauftakt mit lehrreichem historischen Hintergrund

 

Zum Inhalt:
Die sieben Schwestern ist der 1. Band der gleichnamigen Reihe. Maia d'Aplièse ist die älteste von 6 Töchtern, die ihr Vater aus allen Teilen der Welt adoptiert hat. Als einzige ist sie auf dem Anwesen ihres Vaters geblieben während ihre Schwestern in alle Ecken der Erde verstreut worden sind. Gerade, als Maia einige Tage in Lndon verbringt, verstirbt jedoch ihr geliebter Vater. Ihre komplette Welt bricht zusammen, denn ohne Pa Salt wird das Anwesen "Atlantis" nie wieder dasselbe sein. Als sich die Schwestern beim Notar einfinden, werden ihnen Briefe überrreicht - Briefe, die ihr Vater jeder von ihnen kurz vor seinem Tod gewidmet hat. Sie enthalten Hinweise auf ihren eigentlichen Geburtsort. Gemeinsam mit dem Schriftsteller Floriano begibt sich Maia auf die Suche nach ihrer Vergangenheit - und taucht ein ins Brasilien der 1920er Jahre, das stark von Aufbruchsstimmung geprägt ist...

Meine Meinung:
Da ich lange keine Familienromane mit Geheimnissen gelesen habe, dachte ich mir, dass es mal wieder an der Zeit ist, das zu tun. In der Bibliothek sprang mir daher dieses Buch von Lucinda Riley ins Auge und so lieh ich es mir kurzerhand aus, weil ich noch nie einen solchen Roman gelesen habe, der besonders Brasilien in den Vordergrund rückt.

Die Sprache, die die Autorin verwendet, fand ich nicht in irgendeiner Art und Weise besonders. Sie legt extremen Wert auf die Handlungen der Charaktere, anstatt noch etwas näher ihr Gefühlsleben zu beleuchten. Somit wird klar, dass gravierend der Verlauf der Handlung im Vordergrund des Buches steht, was ich allerdings nicht ganz so tragisch finde. Leider gibt es jedoch zwischenzeitlich solch verschachtelte Sätze, dass man diese mehrmals lesen muss, um wirklich zu verstehen, was hier gemeint ist. Ich weiß leider nicht, ob dies der deutschen Übersetzung geschuldet ist, aber es war dann zwischenzeitlich ein wenig anstrengend, den Erzählungen zu folgen, wenn in einem Satz viel zu viele Informationen enthalten waren. Das Buch selbst ist in zwei Erzählstränge unterteilt; im Gegenwartsstrang wird aus Maias Sicht erzählt während der Vergangenheitsstrang Izabellas Geschichte, Maias Urgroßmutter, darlegt. Bei den Kapiteln, in denen es vornehmlich um Maia geht, wird aus der Ich-Perspektive berichtet, während Izabellas Erzählstrang durch einen personalen Erzähler ausgedrückt wird. Obwohl ich normalerweise ein großer Freund der Ich-Perspektive bin, hat mir bei diesem Buch eher der personale Erzählstil bei Izabella zugesagt. Irgendwie kam ich Maia, trotz der Tatsache, dass man in sie hineinschlüpft, nicht wirklich nah, sondern wurde immer auf Distanz gehalten. So fiel es mir auch schwer, mich mit ihr auseinanderzusetzen, geschweige denn mich wirklich in sie hineinzudenken. Dies hat mir bei der Erzählperspektive von Izabella um einiges besser gefallen, so dass ich mich ihr hinterher näher fühlte als Maia. Das die Autorin noch einmal zwischen den Erzählperspektiven hin- und herwechselt, hat mir auch gut gefallen. Es bietet ein wenig Abwechslung und trennt Maia und Izabella als Charaktere voneinander. Leider hätte ich mir gewünscht, dass die Sprache in Izabellas Erzählstrang noch ein wenig mehr an die Zeit angepasst ist. Einen wirklichen Unterschied zu der Erzählweise der Gegenwartskapitel habe ich da leider nicht feststellen können. Das fand ich ein wenig schade. Was mir zudem noch aufgefallen ist, ist, dass einige Kapitel äußerst lang sind, sie also nicht unbedingt in einem Rutsch machbar für alle Leser erscheinen. Trotzdem sind einige Lesepausen möglich, da immer wieder Zeitsprünge in die Kapitel eingebaut werden, an denen man kurz Halt machen kann.

Wie ich vorhin schon erwähnt habe, hatte ich einige Probleme mich in Maia hineinzudenken, denn trotz Ich-Perspektive gab es so etwas wie eine unsichtbare Wand die zwischen mir und der Protagonistin stand. Ich konnte mich überhaupt nicht mit ihr identifizieren, weshalb der Gegenwartsstrang für mich definitiv mehr Schwächen aufweist als Izabellas Geschichte. Während des Handlungsverlaufs hatte ich das Gefühl, dass Maia selbst nur als Medium zur Vermittlung von Izabellas Biografie dient. Im Gegenwartsstrang gab es nämlich keine großartigen Nebencharaktere, die wichtig werden und Maia selbst blieb für mich nur eine Person auf dem Papier, allerdings kein Charakter, den ich mir ins wirkliche Leben hätte denken können. Dadurch wurde die Geschichte für mich recht unspannend. Izabellas Erzählung erschien mir allerdings weitaus interessanter, besonders, was die Charaktere betrifft. Es gibt viel mehr Charaktere, sowohl Protagonisten als auch Nebenpersonen, und um Längen mehr Interaktion mit ihnen. Einerseits wurden die Charaktere somit viel Tiefer, weil es eben mehr Handlungsspielraum gab. Andererseits wurde das Geschehen in diesem Handlungsstrang viel eher am Leben gehalten als es im Gegenwartsteil des Buches der Fall war. Somit hat es mir mehr Spaß gemacht, Izabellas Geschichte fortzusetzen als die von Maia.

Auch der Handlungsverlauf hat mir im Vergangenheitsteil des Romans um Längen besser gefallen als der im Gegenwartsteil. Letzterer galt eher als Rahmen für die Geschichte im Allgemeinen, war jedoch nicht unbedingt zwingend notwendig für mich. Dadurch, dass es im Gegenwartsteil im Vergleich sehr wenig Interaktion gab, kamen mir viele von Maias Entscheidungen und Handlungen, sowie das Geschehen an sich selbst sehr übereilt vor, was für mich nicht zu der Geschichte gepasst hat. Insgesamt war die Geschichte um Maia sehr langwierig und konnte mich nicht wirklich fesseln. Durch diese Passagen des Romans musste ich mich wirklich durchquälen, während Izabellas Geschichte mir viel interessanter erschien. Diese ist durch den historischen Hintergrund - den Entwurf der Christo-Statue als Rahmenhandlung - unglaublich tiefgehend und interessant, besonders, da sich an der wahren Begebenheit orientiert wurde. Das hat mir sehr gut gefallen und bringt dem Leser zudem geschichtliches Wissen näher, das er nicht in der Schule erwerben kann. Durch die jeweiligen Cliff-Hanger beim Erzählstrangwechsel möchte man unbedingt weiterlesen, besonders was Izabellas Geschichte angeht. Die Hoffnung darauf, ihre Biografie weiterzuverfolgen, ließ mich die Langwierigkeiten des Gegenwartsstranges ertragen.

Das Ende rundet zwar den Vergangenheitsstrang recht gut ab, besonders, da einiges davon noch in der Gegenwartshandlung geklärt wird. Mit dem Ende von Maias Geschichte bin ich allerdings nicht ganz so zufrieden. Irgendwie er schien mir alles so abgehackt und abrupt, so dass es nicht wirklich gut in den restlichen Teil des Romans eingbunden ist. Stattdessen gibt die Autorin in den letzten zwei Kapiteln schon einen Ausblick auf die nächste Schwester, deren Vergangenheit beleuchtet wird. Das hätte ich mir persönlich ein wenig anders gewünscht. Stattdessen hätte man Maias Geschichte ein wenig mehr abrunden können, weil hier nun nicht wirklich Informationen über Ally präsentiert werden, die nicht auch am Anfang des 2. Teils hätten stehen können. Auch, dass viele Dinge trotzdem noch ungeklärt blieben, hat mich ein wenig gestört. Dabei geht es vornehmlich um einige Angelegenheiten Pa Salt und Maia betreffend, die ich hier aber aufgrund von Spoilern nicht weiter ausführen möchte. Da im nächsten Band Ally die Rolle der Protagonistin übernehmen wird, denke ich nicht, dass es dahingehend eine Aufklärung geben wird. Schade.
 
Fazit:
Für mich ein recht mittelmäßiger Auftakt dieser Familienserie. Der historische Hintergrund ist unglaublich interessant, ebenso wie die Geschehnisse um Izabella, doch der Gegenwartsstrang war mir leider ein wenig zu lasch. Man kann sich weder in Maia, noch in irgendeine ihrer Handlungen hineinversetzen, da sie praktisch nur als Medium dazu dient, Izabellas Geschichte zu erzählen. Diese ist um einiges tiefer, mit interessanten Charakteren und Cliff-Hangern, so dass man unbedingt weiterlesen möchte. Auch der Rahmen, den die Autorin mit dem Bau der Christo-Staute setzt, hat mir sehr gut gefallen und bringt dem Leser auch historisches Hintergrundwissen näher. Auch hier hat mir das Ende des Vergangenheitsstrangs gut gefallen, während der Gegenwartsstrang mit einigem Holpern schließlich zum Stillstand kam. Wirklich gepasst hat das Ende hier nicht. Das fand ich etwas schade. Ich hoffe, dass der nächste Band Die Sturmschwester mit einer etwas interessanteren Geschichte und tiefergehenden Charakteren in der Gegenwartshandlung aufwarten kann. Für Die sieben Schwestern vergebe ich 3 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 09.03.2015
Aktuelle Ausgabe : 19.09.2016
Verlag : Goldmann
ISBN: 9783442479719
Flexibler Einband 550 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 18. April 2015

Rezension zu "Atlantia" von Ally Condie

Schöne Unterwasserwelt, in der nichts so ist wie es scheint

Zum Inhalt:
Rio lebt mit ihrer Zwillingsschwester Bay in Atlantia, einer Unterwasserstadt, irgendwo im Ozean, geschützt nur durch Luftkuppeln. Sie sind von den Menschen, die "Oben" an Land leben, komplett abgeschnitten. Das Oben dürfen die Menschen in Atlantia aber sehr wohl sehen - zumindest wenn sie sich als Jugendliche am sogenannten "Tag der Trennung" entscheiden; zurückkehren dürfen sie dann aber nicht mehr. Rio muss Bay an eben diesem Feiertag versprechen, nicht an die Oberfläche zu gehen, obwohl dies ihr größter und sehnlichster Wunsch ist. Rio fügt sich in ihr Schicksal - und muss dann fassungslos beobachten, wie Bay das Oben wählt...

Rio wird depressiv. Fragen quälen sie. Warum hat ihre Schwester an die Oberfläche gewollt, wo sie Atlantia doch so liebte? Welchen Grund hatte sie? Um das herauszufinden, kennt Rio nur einen einzigen Weg: Sie muss selbst an die Oberfläche gelangen...

Meine Meinung:
Von Ally Condie habe ich schon die Cassia & Ky-Reihe gelesen, die mir bis auf den letzten Band sehr gut gefallen hat, da die Sprache so poetisch und ruhig war.
Eine ähnliche Sprache erwartet uns auch hier in ihrem Einzelband Atlantia, den sie auch mit Ruhe und Poesie beginnt. Man findet schnell in die Geschichte hinein, springt man doch direkt an dem Punkt in die Handlung, wo die Zeremonie des "Tags der Trennung" stattfindet. Das Einfinden wird insbesondere auch dadurch unterstützt, dass die Handlung aus Rios Sicht erzählt wird. So lernt man die Protagonistin schon im ersten Abschnitt gut kennen und kann sich in sie hineinversetzen. 
Obwohl mir die Sprache das ganze Buch hindurch sehr gut gefallen hat, störten mich doch einige Wortwiederholungen, die besonders im Mittelteil des Buches auftraten. Des öfteren spricht Rio von "Blasphemie" und an einigen Stellen so gehäuft, dass es für den Leser wirklich enervierend ist. Auch wenn mir die Sprache, die Ally Condie in Atlantia an den Tag legt, sehr gut gefallen hat, hatte ich doch einige Probleme, mir bestimmte Orte und deswegen auch Szenarien genau vorzustellen. Dahingehend war mir die Beschreibung einfach zu ungenau, besonders wenn es um die Stadt Atlantia an sich ging. Ally Condie beschreibt Atlantia in ihrem Buch so:

"Atlantia wurde also als eine Vielzahl riesiger, eingekapselter Blasen entworfen, einige höher, andere niedriger, untereinander verbunden durch Kanäle und Wege. Die Ingenieure stellten fest, dass es günstiger war, kleinere Wohneinheiten anzulegen und diese miteinander zu verbinden, als eine große Blase für alles zu konstruieren. Die Halbkugel in der Mitte ist der angenehmste Ort von Atlantia. Sie enthält den Tempel, die Ratsgeböude, den Obermarkt und mehrere Wohnviertel. Andere, kleinere Kuppeln umfassen unbedeutendere Kirchen, Märkte und Wohngegenden. In einigen der tiefsten Blasen Atlantias, die Schleusen, durch die die Drohnen für die Reparatur und die Lagerung hereinkommen, sowie der Tiefmarkt." (S.20/21)

Ich weiß nicht, ob es nur mir so mit dieser Beschreibung erging, aber irgendwie konnte meine Fantasie nicht ganz die Bedeutung der Worte von Frau Condie erfassen. Es fiel mir verdammt schwer, Atlantia eine Gestalt zu geben; hier wäre vielleicht eine Skizze am Anfang eine gute Idee gewesen, wie sie sie schon in Cassia & Ky: Die Flucht eingebaut hat. Dies macht es einfach schwerer, der Geschichte zu folgen, obwohl die Idee interessant ist und auch neue Aspekte in den fantasyüberfluteten Markt hineinbringt.
Manche Kapitel in Atlantia sind kürzer als andere, aber jedes Kapitel ist nochmals in Absätze unterteilt, die nicht zu weit auseinander liegen. Dies erleichtert das Hineinfinden in die Handlung ein wenig, sodass man wieder einsteigen kann, ohne dass man mehrere Seiten zurückblättern müsste.

Auch die Charaktere sind sehr interessant gestaltet. Was mir hier sehr gut gefällt, ist, dass sie sich im Laufe der Handlung dem Leser hin immer mehr öffnen. Am interessantesten und geheimnisvollsten finde ich Maire, da sie auf der einen Seite sympathisch und dann in der nächsten Sekunde total unsympathisch erscheint. So muss man als Leser, genau wie Rio, abwägen, ob man ihr vertrauen kann oder ob man es doch lieber sein lassen sollte. Rio ist der Charakter, den der Leser am besten kennenlernt, aber das ist ja auch kein Wunder, denn schließlich ist sie die Protagonistin des Buches. Was mich aber trotzdem an Rio stört, obwohl ich sie auch sehr gern habe, ist, dass sie ihre Mutter immer bei ihrem Vornamen nennt, und zwar wirklich immer. Dadurch wirkt es so, als hätte sie keine richtige Bindung zu ihrer Mutter entwickelt, da das Anreden eines Elternteils mit dem Vornamen auf mich wie ein Zeichen von Distanz wirkt. Auch störte mich, dass sie immer wieder sagte, sie wolle nach Oben um ihre Schwester zu finden. Das tut sie in jedem 2. Kapitel, was nach wenigen Malen sehr nervig werden kann, als wäre Rio ein quengelndes Kind.

Was den Handlungsverlauf betrifft, kann man sagen, dass Atlantia eine Geschichte ist, die ein wenig Zeit zum Anlaufen braucht. Nicht, weil sie langweilig ist, sondern weil durch die Sprache sehr viel Ruhe und Poesie hineinkommt. Solch ein Buch, das ruhig und spannend zugleich ist, habe ich erst mit dem ersten Band der Cassia & Ky-Reihe gefunden, und auch in ihrem neuesten Werk gelingt es der Autorin, die Balance zwischen Ruhe und Spannung zu halten. Nur an manchen Stellen kann die Handlung auf den Leser etwas langweilig wirken, beipielsweise bei sich wiederholenden Szenen, die ähnlich aufgemacht sind. Erst gegen Ende nimmt die Geschichte, was richtige Action betrifft Fahrt auf. Allerdings war dies für mich im Vergleich zu den davor gelesenen 300 Seiten doch ein wenig zu viel; man hatte das Gefühl, als wolle die Autorin das Buch unbedingt beenden oder als hätte sie keinen Platz mehr für ihre Ideen. Dadurch wirkte die Geschichte besonders gegen Ende des Buches ein wenig gequält und zusammengepresst. Hier hätte Frau Condie lieber noch einen Gang zurückschalten und ein richtiges Finale in einem zweiten Band verwerten sollen.

Fazit:
Ein wundervolles Buch, bei dem sich die Handlung auf eine ganz eigene Art und Weise entwickelt und so ganz anders ist, als die actiongeladene Fantasy, die man häufig in der Buchhandlung findet. Die Sprache ist schön und poetisch, wechselt sich an einigen Stellen jedoch ein bisschen zu wenig ab. Auch die Charaktere waren sehr interessant und liebevoll gestaltet, und auch wenn Rio den Leser manchmal ein wenig genervt hat, hat man sie doch ins Herz geschlossen. Das Ende war jedoch für mich ein wenig zu abrupt und plötzlich geschrieben im Vergleich zum restlichen Buch. Dies war einfach zu viel auf einmal für den Leser. Da Ally Condie nicht geplant hat, einen weiteren Teil zu veröffentlichen, müssen wir uns also mit diesem Ende begnügen. Von mir gibt es 4 von 5 Sternen für Atlantia.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 11.02.2015
Aktuelle Ausgabe : 11.02.2015
Verlag : FISCHER FJB
ISBN: 9783841421692
Fester Einband: 400 Seiten
Sprache: Deutsch