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Mittwoch, 22. März 2017

Rezension zu "Godspeed: Die Suche" von Beth Revis

"Die Suche" nach spannenden Stellen

 

Zum Inhalt:
Godspeed: Die Suche ist der 2. Teil der Godspeed-Reihe von Beth Revis. 
3 Monate ist es jetzt her, seit Amy aus ihrer Kyro-Kammer an Bord der Godspeed aufgetaut wurde und seitdem hat sich einiges geändert. Junior hat nun die Aufgaben des Ältesten nach dessen Tod übernommen und versucht, das Raumschiff ohne die Droge Phydus zu regieren. Doch das will überhaupt nicht funktionieren. Die Leute wünschen sich die Kontrolle von Phydus zurück und hören aufgrund von Entzugserscheinungen auf zu arbeiten. Eine Rebellion ist im Gange, angeführt von Juniors Freund Bartie, die unbedingt verhindert werden muss. Zeitgleich wird das Schiff von einer Mordserie erschüttert. Verschiedene Menschen sterben an einer Überdosis Phydus-Pflaster, die alle dieselben Worte tragen: Folge dem Anführer. Junior muss schleunigst den Mörder finden, bevor noch mehr Menschen in seine Fänge geraten und sich von Junior abwenden. Doch damit nicht genug: Orion, der eigentlich vor Junior hätte Ältester werden sollen, hat Amy verschiedene Hinweise hinterlassen. Hinweise, die die Ankunft der Godspeed auf der Zentauri-Erde betreffen...
 
Meine Meinung:
Es ist nun ein kleines Weilchen her, dass ich den ersten Teil der Godspeed-Reihe gelesen habe und soweit ich mich daran erinnere, war ich von dem Band leider nur mäßig begeistert. Trotzdem wollte ich unbedingt wissen, wie es mit Junior und Amy weitergeht, besonders, nachdem der Älteste nun nicht mehr das Schiff regiert, sondern Junior an die Macht gekommen ist.

Die Sprache ist der ähnlich, die im ersten Band verwendet wird. Die Sätze reihen sich flüssig aneinander und sind nicht zu kurz. Für ein Jugendbuch reicht der Schreibstil also vollkommen aus. Man wird als Leser direkt in die Geschichte hineingeworfen und startet mitten im Geschehen ohne viel Vorgeplänkel. Dennoch werden immer wieder Bruchstücke über die bisherigen Geschehnisse des vorherigen Bandes eingeworfen, so dass man als Leser wieder daran erinnert wird, falls man nicht mehr so vertraut mit der Handlung des Vorgängers sein sollte. Abwechselnd wird aus Juniors und Amys Sicht die Geschichte erzählt, so dass man im Grunde zwei Erzählstränge dargeboten bekommt, die verschiedene Handlungspunkte abdecken. So wird ein wenig Spannung erhalten, da man in beiden Handlungsverläufen wissen möchte, wie es weitergeht. Die Kapitel sind abwechselnd mal etwas länger und mal etwas kürzer gehalten, so dass es gut möglich ist, eine kurze Pause zwischen ihnen einzulegen. Auch wenn man ein längeres Kapitel vor sich hat, ist es möglich, zwischendrin Pausen einzulegen, da es des Öfteren Abschnitte gibt, in denen in der Handlung gesprungen wird. Hier ist auch der Wiedereinstieg in die Handlung besser als irgendwo mittendrin im Kapitel.

Zu den Charakteren kommen bis auf Bartie, Victria und Kit keine großartigen Neuzugänge hinzu, so dass man prinzipiell mit allen auftretenden Personen vertraut ist. Leider hatte ich auch nicht wirklich das Gefühl, dass die vorhandenen Personen sich in irgendeiner Art und Weise weiterentwickelt hätten, so dass alle in ihren gleichen Mustern und Verhaltensweisen feststeckten. Irgendwie erschien es mir als ob die Charaktere nicht wirklich etwas dazugelernt hätten, so dass sie immer recht vorhersehbar in ihren Entscheidungen waren. Dadurch erschienen mir die Charaktere etwas langweilig und einseitig gestaltet. Gerade im zweiten Band hätte ich hier noch einige Facetten mehr gesehen. Bei Amy scheint es sich nur darum zu drehen, was mit ihren Eltern wird und bei Junior ist es nur wichtig, wie er das Schiff ohne Phydus regieren kann. Einen wirklichen Einblick in die weitere Gefühlswelt der Protagonisten erhält man leider nicht, so dass größtenteils eben nur die Entwicklung der Handlung im Vordergrund steht. Leider gibt es auch kaum weitere Interaktion mit den Nebencharakteren. Entweder gibt es Interaktion zwischen Amy und Junior, oder die beiden erforschen im Alleingang ihre eigenen Probleme. Auch die anfängliche Liebesgeschichte, die im ersten Band gesponnen wird, wurde zurückgestellt, so dass es bis auf zwei Mal keine Erwähnung dieses Themas zwischen Amy und Junior gab. Das fand ich ein wenig schade, da diese auf jeden Fall zumindest eine Erwähnung wert gewesen wäre. So wirkte die freundschaftliche Kommunikation zwischen Amy und Junior oft sehr gestellt. Auch die Nebencharaktere erschienen mir recht farblos, da sie kaum einen richtigen Platz in der Handlung erhielten. Stattdessen kamen sie nur vor, wenn sie in irgendeiner Art und Weise als Schlüsselfiguren fungieren sollten. Das fand ich doch etwas schade, da ich mir gerade im zweiten Band eine Ausarbeitung derselben gewünscht hätte.

Hatte ich beim ersten Band die doch etwas zäh gestaltete Handlung bemängelt, wurde ich auch leider mit Die Suche nicht zufriedengestellt. Ich habe mich bei diesem Buch auch auf die Suche begeben muss - leider auf die Suche nach spannenden Stellen. Irgendwie zog sich die Handlung für mich wie Kaugummi und es passiererte kaum etwas, was mich wirklich mitreißen konnte. Ich hörte oft schon nach wenigen Kapiteln zu lesen auf, da ich mich wirklich überhaupt nicht in die Handlung einfinden konnte. Es gab wirklich unzählige Längen, die mich vom Weiterlesen abhielten. Leider halfen da auch die kurzgehaltenen Kapitel nicht, so dass man sich nicht sonderlich stark motivieren konnte, die Handlung selbst voranzutreiben. Was mir dennoch gut gefallen hat, waren die unglaublich überraschenden Wendungen, mit der die Autorin ihre Geschichte ausschmückt. Wie bei einem Thriller stellt man verschiedene Mutmaßungen an, wer nun die Bewohner des Raumschiffes umbringt und wird am Ende doch sehr überrascht von dem Ausgang und dem Motiv des Täters. Dies war jedoch nicht das einzig Überraschende an dem Handlungsverlauf, sondern auch weitere Wendungen die eingebaut wurden, die der Leser so nicht erwartet. Somit konnte ich hier doch sehr begeistert werden, auch wenn es nicht über die restlichen Längen hinwegtäuscht.

Das Ende hingegen hat mir wiederum gut gefallen. Es macht neugierig auf den letzten Band der Reihe und wie es nicht nur mit Amy und Junior weitergeht. Es rundet besonders mit den letzten Worten dieses Jugendbuch gut ab und ist in einem Rutsch schaffbar, da sich nun die Handlung auspegelt. Das Ende empfand ich komischerweise dennoch etwas spannender als den Großteil des restlichen Buches. Ich bin jedenfalls gespannt, wie die Autorin die Geschichte im letzten Band zuende führt.

Fazit:
Für mich hat sich Godspeed: Die Suche als ein eher mittlemäßiger Nachfolger des ersten Bandes entpuppt. Die Handlung ist an den meisten Stellen unglaublich zäh und bis auf die Protagonisten und einige Nebencharaktere geraten keine weiteren Personen in den Fokus des Buches. Dadurch bleiben viele eindimensional, so dass man als Leser nicht wirklich festhalten kann, wen man mag und wen nicht. Auch Amy und Junior schienen nicht so, als hätten sie sich weiterentwickelt, wodurch auch die Interaktion zwischen den beiden recht langweilig war. Der Schreibstil hat mir dennoch gut gefallen. Er war sehr flüssig und durch die beiden Sichten, sowohl auf Amy als auch auf Junior hatte man zwei verschiedene Erzählstränge, die durch aus Potential hätten. Leider wird dieses durch die fehlende Spannung nicht wirklich ausgeschöpft. Das Ende hat mir hingegen wieder sehr gut gefallen, da es einerseits den Roman gut abrundet und andererseits auch die Wendung der Geschichte sehr überraschend kam. Hier wird der Leser gewissermaßen ins Unbekannte geleitet und kann miträtseln und -raten wer auf dem Raumschiff mordet, ohne etwas Vorhersehbares annehmen zu können. Für Godspeed: Die Suche vergebe ich daher 3 von 5 Sternen und hoffe, dass der letzte Band mit etwas mehr Spannung aufwarten kann.
 
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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 27.07.2012
Aktuelle Ausgabe : 01.08.2014
Verlag : Oetinger Taschenbuch
ISBN: 9783841502520
Flexibler Einband 464 Seiten
Sprache: Deutsch

Freitag, 17. Februar 2017

Rezension zu "Opal: Schattenglanz" von Jennifer L. Armentrout

Gelungener 3. Teil, der nicht nur Handlung selbst weiterbringt...

 

Zum Inhalt:
Opal: Schattenglanz ist der 3. Band der Lux-Reihe. Endlich ist es geschafft: Dawson konnte aus den Fängen des VM befreit werden und darf jetzt wieder bei seinem Bruder und seiner Schwester sein. Daemon und Dee sind überglücklich, ihren Bruder wiederzuhaben, doch längst ist nicht mehr alles so wie vorher. Dee steckt in tiefer Trauer und Dawson kann das Zusammensein mit seinen Geschwistern auch nicht wirklich genießen. Denn das VM hat immer noch seine Freundin Beth und wie sie gerettet werden kann, ist fraglich. Dass Dawson sie aufgibt, kommt daher gar nicht erst in Frage, denn ein Leben ohne Beth kann er sich nicht vorstellen. Niemand kann ihn von seinem waghalsigen Plan abhalten. Doch für die Rettungsaktion benötigen Katy, Dawson und die anderen Lux Hilfe. Und der Einzige, der ihnen beistehen kann, ist Blake... 

Meine Meinung:
Ich habe bisher die vorherigen beiden Bände der Lux-Reihe gelesen (leider gibt es dazu keine Rezension aufgrund von Zeitmangel) und mit dem 2. Band konnte mich die Geschichte um Daemon, Katy und ihre Freunde packen. der erste Band war ganz ok, während ich den 2. Teil fast schon eingeatmet habe. Dasselbe ist jetzt wieder beim 3. Band passiert. 

Die Sprache des Romans ist unglaublich flüssig und leicht zu verfolgen. Schnell hat man sich aufgrund der Ich-Perspektive in Katy hineinversetzt und verfolgt die Handlung mit ihren Augen. Dabei wird man wie in einen Sog gezogen, der es einem schwermacht, das Buch aus der Seite zu legen. Die Kapitel passen perfekt aneinander und schaffen einen guten Übergang zueinander aufgrund des flüssigen Schreibstils, den die Autorin an den Tag legt. Man muss sich nicht übermäßig konzentrieren um das Geschehen zu verfolgen, sondern kann sich gut von der Handlung und dem Erzählstil treiben lassen. Die Kapitel selbst sind abwechselnd mal etwas kürzer und mal etwas länger gehalten, was eine gute Abwechslung bietet. So kann man ganz gut mindestens ein Kapitel schaffen, bevor man eine Lesepause einlegt. Was mir allerdings bei der deutschen Übersetzung aufgefallen ist, waren viele Rechtschreibfehler, die manchmal gehäuft im Text, manchmal gestreut vorkamen. Diese haben mich sehr oft aus dem Lesefluss gerissen und das fand ich ein bisschen schade. So musste man nämlich immer überprüfen, ob man sich nur verlesen hatte, oder ob es an dem Text selbst lag. Da ich die gebundene Ausgabe gelesen habe, kann ich nichts genaues zu der Taschenbuchausgabe diesbezüglich sagen. Dies ist jedoch der einzige Makel, den ich am Geschriebenen finden konnte. 

Die Charaktere selbst gefallen mir von Band zu Band besser. Jede Person, die in  dem Roman vorkommt, seien es Katy und Daemon, oder Carissa, entwickelt sich weiter und wird tiefer und vielschichtiger. Somit wird nicht nur die Handlung vorangetrieben, sondern auch an den Charakteren gearbeitet, damit der Leser auch die Handlungen und Verhaltensweisen aller auftretenden Personen nachvollziehen kann. Daemon und Katy sind am besten ausgearbeitet, was daran liegt, dass die beiden die Protagonisten der Serie sind und man sich zusätzlich noch in Katy hineinversetzt während man liest. Was mir besonders gefallen hat, ist, dass nun auch einige neue Charaktere eingeführt werden, die die Geschichte spannend halten. Leider haben diese noch keine große Relevanz gezeigt, aber ich hoffe, dass sich dies im nächsten Band ändern wird. Was ich ein wenig schade fand, war, dass sich mittlerweile alles nur noch um Daemon und Katy dreht. Seit die beiden im letzten Band zusammenkamen, hocken sie nur noch aufeinander und die Beziehung zu Katy und ihren Freunden, sowie ihr Schulalltag rückt ein wenig in den Hintergrund. Für den nächsten Teil fände ich es daher gut, wenn auch die Nebencharaktere wieder ein wenig mehr in den Vordergrund gerückt werden würden. Trotzdem kann man am Ende des Buches über jede Person sagen, ob sie einem sympathisch ist oder nicht. Jede hat eine gewisse Tiefe erhalten, was hoffentlich noch ausgebaut wird. 

Der Handlungsverlauf hat mich bei Opal ähnlich gefesselt, wie beim zweiten Band der Serie. Die Handlung bleibt durchgehend spannend, so dass man einfach weiterlesen muss. An nennenswerte Längen, kann ich mich nicht erinnern. Wenn man einmal angefangen hat zu lesen, wirkt das Buch wie ein Sog, der einen mitreißt. Was auch dafür sorgt, dass man weiterlesen will, sind die vielen Cliff-Hanger an den Kapitelenden. Selten war ich so gespannt darauf, wie es mit der Handlung weiterging wie bei dieser Serie. Deswegen habe ich es auch recht zügig geschafft, dieses Buch zu beenden. Trotzdem hätte ich mir ein wenig mehr Interaktion von Katy in ihrem Schulalltag gewünscht, da sie ansonsten fast nur an Daemon klebt und nichts fernab von ihm unternimmt. 

Am Ende wird klar, dass sich die Lage immer mehr zuspitzt. Ich habe sehr stark mitgefiebert, da man nicht genau weiß, wie das Buch enden wird. Als ich die letzte Seite umgeblättert habe, wollte ich am liebsten sofort weiterlesen, da der Cliff-Hanger am Ende Lust auf mehr macht und nicht sonderlich viel über den weiteren Verlauf der Handlung preisgibt. Dadurch, dass immer noch viele Sachen ungeklärt bleiben, möchte man Antworten auf seine Fragen erhalten. Ich bin sehr gespannt, wie es im Folgeband weitergehen wird und was aufgedeckt wird und was nicht.  

Fazit:
Bei Opal: Schattenglanz handelt es sich um einen gelungenen 3. Band, bei dem man sofort mit dem 4. Teil weitermachen möchte. Die Geschichte lässt sich flüssig und leicht lesen, während die Ich-Perspektive dem Leser hilft, sich in Katy hineinzuversetzen. Dadurch ist man mitten im Geschehen. Leider sind mir die Nebencharaktere ein wenig zu kurz gekommen, was hoffentlich im nächsten Band berücksichtigt wird. Trotzdem waren alle Charaktere sehr tiefgründig und gut gestaltet, da jeder seine Ecken und Kanten hatte. Dadurch, dass es durchgängig spannend blieb, wird die Vorfreude auf den 4. Band nur geschürt. Die vielen Cliff-Hanger, besonders das Ende, lassen den Leser mitfiebern und weiterlesen. Dadurch ist es gar nicht möglich, dass Langweile entsteht. Daher vergebe ich für Opal: Schattenglanz 5 von 5 möglichen Sternen. Hoffentlich wird der 4. Band genauso spannend. 

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 24.04.2015
Aktuelle Ausgabe : 24.04.2015
Verlag : Carlsen
ISBN: 9783551583338
Fester Einband 464 Seiten
Sprache: Deutsch

Montag, 16. Januar 2017

Rezension zu "Die 100" von Kass Morgan

Beklemmende Dystopie mit viel Potential

 

Zum Inhalt:
Die Menschheit, 300 Jahre in der Zukunft: Der Planet Erde ist nach dem atomaren Krieg unbewohnbar geworden. Trotzdem haben ihn eine Handvoll Menschen überlebt, welche auf ein großes Raumschiff ausgewichen ist, das in 3 Klassen unterteilt ist: Walden, Arcadia und Phoenix. Wer auf dem Schiff ein gutes Leben haben möchte, muss die Regeln befolgen und diese sind strikt und vielseitig. Wer gegen sie verstößt, kommt unter Arrest und muss auf seinen Prozess warten. Wird der Angeklagte für schuldig befunden erwartet ihn die Todesstrafe, welche allerdings erst durchführbar ist, wenn die Täter volljährig sind. Besorgniserregend: in letzter Zeit wurden fast alle Angeklagten für schuldig befunden und so schnell wie möglich hingerichtet. Dies soll sich nun aber ändern. Die Idee der Schiffsregierung: 100 jugendliche Straftäter auf die Erde schicken um zu prüfen, ob sie wieder bewohnbar ist. Unter ihnen ist die Ärztin in Ausbildung Clarke, der Sohn des Präsidenten namens Wells, der bei seiner großen Liebe sein möchte, und der intelligente Bellamy, der um jeden Preis seine kleine Schwester beschützen will. Doch alleine bei ihrer Ankunft auf dem blauen Planeten wird ihnen klar, dass sie allerhand Schwierigkeiten bewältigen müssen...

Meine Meinung:
Während einer Werbepause habe ich den Trailer zur gleichnamigen Serie gesehen, wusste aber nicht, dass es einen Roman dazu gibt. Kurz bevor ich die Serie anfangen wollte, entdeckte ich dann im Thalia das Buch dazu und musste es natürlich gleich mitnehmen. So ist meine Rezension vom Aufbau der Serie unbeeinflusst und basiert aussschließlich auf der Buchfassung der Autorin.

Insgesamt empfand ich den Schreibstil, den die Autorin nutzt, als sehr objektiv und eher auf die Interaktion der Charaktere fokussiert als auf ihr Gefühlsleben. Vielleicht liegt dies auch daran, dass sie keine Ich-Perspektive genutzt hat, sondern den personalen Erzähler. Trotzdem empfand ich diesen objektiven Schreibstil nicht als störend. Man musste sich ein wenig an ihn gewöhnen, aber nach wenigen Kapiteln konnte ich sehr gut damit umgehen. Jedes Kapitel ist abwechselnd aus der Sicht von den 3 Jugendlichen geschrieben, die die Protagonisten des Romans sind, was einerseits auf verschiedene Handlungsstränge hindeutet und andererseits die Charaktere noch einmal vielschichtiger darstellt. Dadurch kommt viel Abwechslung in die Geschichte selbst, so dass man sich nicht nur auf einen Charakter, sondern auf verschiedene Protagonisten und ihre Hintergrundgeschichte konzentriert. Die Kapitel selbst sind nicht sonderlich lang, so dass man eines auf jeden Fall während eines Leseflusses schaffen kann. Dadurch, dass alle von ihnen mit einem Cliff-Hanger enden, möchte man aber so schnell weiterlesen um zu wissen, wie es mit dem jeweiligen Charakter weitergeht. 

Die Charaktere selbst sind unglaublich verschieden und vielschichtig gestaltet, vor allem da alle Protagonisten, und auch die Nebenfiguren, verschiedene Ziele verfolgen und mit verschiedenen Erwartungen auf die Erde geschickt worden sind. Dies liegt vor allem an den verschiedenen Persönlichkeiten, die jeder Charakter innehat. DIes fällt besonders bei der wörtlichen Rede der Charaktere auf. Da auch kein Charakter wie der andere ist, hat man so verschiedene Persönlichkeiten, die aufeinandertreffen und nicht immer gleich gut miteinander auskommen. Die Protagonisten erhalten besondere Tiefe durch die bruchstückhaft dargestellte Vorgeschichte, die in jedem Kapitel eingebaut wird. Dadurch gelingt es dem Leser, ein wenig hinter die Kulissen zu blicken und die Charaktere besser kennenzulernen, ebenso wie ihre Handlungen besser nachzuvollziehen. Auch wenn der Großteil der Personen, die in der Handlung auftreten, die Protagonisten der Buchserie sind, kommen doch einige Nebencharaktere vor, beispielsweise Graham oder Bellamys Schwester Octavia, ebenso wie Clarkes Freundin Octavia. Zwar lernt man diese nicht ganz so gut kennen wie die Hauptpersonen, trotzdem gibt es einige Interaktion mit ihnen, so dass sie nicht nur auf dem Papier existieren. Auch kann man am Ende des ersten Bandes darüber urteilen, ob man diesen oder jenen Charakter mag, was mir persönlich sehr wichtig ist, da man so ein Gefühl für die jeweiligen Hauptpersonen bekommt.

Der Handlungsverlauf blieb für mich durchgehend spannend. Ich wurde praktisch sofort von der Geschichte mitgerissen und erinnere mich an keine nennenswerten Längen. Die 315 Seiten lasen sich fast wie von selbst. Besonders für Spannung sorgen die verschiedenen Handlungsstränge, die durch die verschiedenen Charaktere geschaffen werden. Besonders die Vergangenheitsschnipsel sorgen für mehr Hintergrundinfos über die Protagonisten und bringen somit viel mehr Leben in die Geschichte insgesamt. Ständig passiert etwas neues, so dass man die zukünftige Handlung nicht vorhersagen kann, da man keine Erwartungen an den weiteren Verlauf der Geschichte stellen kann. Was zudem noch äußerst interessant ist, ist die Situation auf dem Schiff, die auch durch weitere Kapitel noch näher beleuchtet wird. Dadurch erfährt man nicht nur, wie das Leben auf der Erde weitergeht, sondern bekommt auch einen Einblick in das Leben auf dem Raumschiff. Dies sorgt dafür, dass auch das Raumschiff als Lebensraum kein abstrakter Ort bleibt, sondern dem Leser nähergebracht und durch die Beschreibungen der Autorin noch mehr konkretisiert wird.

Der Cliff-Hanger am Ende des Romans macht definitiv Lust auf mehr. Deswegen hoffe ich, dass ich auch bald den 2. Band der Serie lesen kann. Er rundet meiner Meinung nach den ersten Band sehr gut ab, obwohl die Handlung im Auftakt der Serie vielleicht doch ein bisschen kurz gehalten ist. Da der Abschluss aber durchaus vielversprechend ist, möchte man auf jeden Fall weiterlesen, besonders, da sich nicht genau voraussagen lässt, wie die Geschichte weitergeht.

Fazit:
Für mich erweist sich Die 100 als toller Auftakt einer etwas anderen Dystopie, die sehr viel Potential aufweist. Die wechselnde Charaktersicht hält die Spannung aufrecht, ebenso die Rückblicke in die Vergangenheit, die die Tiefe der Charaktere Stück für Stück freilegen. Die verschiedenen Handlungsstränge machen Lust auf mehr. Dadurch, dass dann auch noch die meisten Kapitel mit einem Cliff-Hanger enden, möchte man unbedingt weiterlesen und gleitet praktisch durch das relativ kurze Buch. Obwohl auch viel Sci-Fi-Vokabular benutzt wird, ist die Sprache des Romans doch relativ einfach gehalten, so dass man den Erzählungen der Autorin gut folgen kann. Auch wenn mir die Charaktere und die bisherige Handlung sehr gut gefallen, gibt es trotzdem noch eine Menge Potential, aus dem der 2. Band der Serie schöpfen kann. Für diesen tollen ersten Band vergebe ich daher trotzdem 5 von 5 Sternen, weil er mir im Gesamtpaket einfach unglaublich gut gefallen hat.

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Allgemeine Infos zum Buch:
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 27.07.2015
Aktuelle Ausgabe : 27.07.2015
Verlag : Heyne
ISBN: 9783453269491
Flexibler Einband 320 Seiten
Sprache: Deutsch

Donnerstag, 18. Februar 2016

Rezension zu "Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki" von Haruki Murakami

Ein philosophisches Buch über Freundschaft, Liebe und die eigene Vergangenheit

 

Zum Inhalt
Tsukuru Tazaki ist niemand besonderes. Er sieht nicht besonders aus, hat keine besonderen Noten und auch sonst keine herausstechenden Merkmale. Er ist einfach farblos. Das Einzige, was ihn besonders macht, sind seine vier besten Freunde, die alle eine Farbe im Namen tragen: Rot, Blau, Weiß und Schwarz. Alles unternehmen sie gemeinsam, führen Projekte durch, lernen zusammen und werden eine richtige Gemeinschaft. Bis sie Tsukuru im ersten Universitätsjahr die Freundschaft kündigen und er sich nicht mehr bei ihnen melden soll.

Mittlerweile ist Tsukuru 36, baut und verbessert erfolgreich Bahnhöfe und trifft auf Sarah, eine Frau mit der er sein Leben verbringen könnte. Allerdings merkt Sarah, dass etwas mit Tsukuru nicht stimmt. Irgendetwas scheint seit damals in ihm zerbrochen zu sein. Wenn ihre Liebe Bestand haben soll, sagt Sarah, muss Tsukuru sich seiner Vergangenheit stellen. Und so macht sich Tsukuru auf die Reise in seiner Vergangenheit und was damals wirklich geschehen ist.

Meine Meinung
Schon des öfteren habe ich viel gutes über die Bücher von Haruki Murakami gehört, mich jedoch nicht getraut eines von ihnen in die Hand zu nehmen und wirklich zu lesen. Dieser Roman ist also der erste den ich von dem Autor lese.

Die Sprache, die Murakami in seinem Buch benutzt, ist sehr simpel gehalten, so dass jeder dem Handlungsverlauf gut folgen kann. Dennoch ist sie wenn man ein wenig tiefergehend blickt, sehr tiefgründig und philosophisch und verbreitet eine sehr wichtige Nachricht: dass niemand farblos ist, dass jeder eine eigene Persönlichkeit hat und sich nicht über andere definieren sollte. Sehr schön wird dies in Tsukurus Gesprächen mit seinen Freunden und Sarah deutlich. Während die Handlung sich eher auf das tatsächliche Agieren der Charaktere konzentriert, spielen sich die Gespräche auf einer höheren Ebene ab als auf einer handlungsbezogenen. Stattdessen geht es um wichtige Themen wie Freundschaft, Liebe und Verlust. Themen, die zwar in vielen Büchern behandelt werden, allerdings nicht so tiefgründig bearbeitet und überdacht worden sind. Zwischenzeitlich hatte ich beim Lesen das Gefühl, mir gegenüber säße ein alter Japaner, der Lebensweisheiten erteilt, was jedoch in keiner Weise nervig war. Eher vermittelte es dem Leser ein Gefühl von Nähe und Wärme, so dass man sich während des Lesens gut aufgehoben fühlte. Zwar wird aus der personalen Erzählperspektive berichtet, aber dennoch kann man sich sehr gut in Tsukuru einfühlen und erlebt die Handlungen und Gespräche hautnah mit ihm mit. Die Kapitel selbst zogen sich überhaupt nicht und obwohl sie etwas länger gehalten waren, konnte man sie schnell beenden.

Tsukuru ist im Grunde der einzige Charakter, den man wirklich kennenlernt. Schließlich begleitet man ihn durch den ganzen Roman. Bisher hat sich mir jedoch kein Buchcharakter so deutlich eingeprägt wie Tsukuru. Er hat eine einzigartige Persönlichkeit, baut Bahnhöfe, was mir bisher auch noch nicht untergekommen ist und bezeichnet sich selbst als farblos. Aber das ist Tsukuru ganz sicher nicht. Er ist einer der interessantesten und vielschichtigsten Charaktere, über die ich je etwas gelesen habe und allein durch seine Einzigartigkeit ganz sicher nicht farblos. Leider empfand ich nicht bei allen Personen so. Tsukurus Freunde, die im Romanverlauf aufgesucht werden, kamen mir im Vergleich zu Tsukuru sehr lasch und unpersönlich vor. Ich hatte das Gefühl, dass sie diejenigen waren, die farblos sind, obwohl alle eine Farbe in ihrem Namen tragen. Natürlich erfährt man auch etwas über ihr bisheriges Leben, aber bei keinem war man so nah am Geschehen wie bei Tsukuru. Und das obwohl auch seine Freunde viel erlebt haben. Trotzdem merkte man durch die Distanz zum Leser auch die Distanz zwischen Tsukuru und seinen Freunden. Es war einfach zu lange her, als Tsukuru den ersten Schritt in ihre Richtung wagte und obwohl sie sich freundlich begegnen, spürt man besonders bei seinen männlichen Freunden die Kluft der Trennung. Bei Eri merkte man schon wieder etwas mehr von der Vertrautheit, die bei den anderen gefehlt hat. Dennoch war auch hier die Distanz zwischen den beiden Personen unübersehbar. Trotzdem passt diese wirklich gut in die Geschichte hinein wie ich finde. Es wäre irgendwie merkwürdiger, wenn sich plötzlich alle wieder in die Arme fallen würden.

Der Besuch bei seinen Schulfreunden deckt viele Sachen auf, von denen Tsukuru nichts wusste und die daher auch erstaunend und schockierend für ihn und den Leser sind. Dies hält den Handlungsverlauf äußerst interessant und man möchte das Buch nicht aus der Hand legen. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht und vor allem ob sich noch mehr Ungereimtheiten bezüglich dem plötzlichen Kontaktabbruch ergaben oder auflösten. Auch wenn das, was für die Trennung gesorgt hat, im ersten Moment fantastisch klingt ohne großartig spoilern zu wollen, gewöhnt man sich doch recht schnell an die Vorwürfe und Tatsachen die gegen Tsukuru sprechen. Dennoch hat man ein sehr großes Vertrauen in ihnm, so dass man die Wahrheit der Anschuldigungen schnell anzweifelt. Was ich allerdings ein kleines bisschen schade fand war, dass obwohl vieles aufgedeckt wird, immer noch einiges im Verborgenen bleibt und der Fantasie des Lesers überlassen ist. Ich hätte mir lieber eine gesamte Aufklärung der Geschichte gewünscht, auch wenn dies durch einige Umstände eh nicht möglich gewesen wäre. Trotzdem hätte mich das zufriedener zurückgelassen.

Das Ende des Buches war ein sehr schöner und runder philosophischer Abschluss, der wie die Faust aufs Auge zum gesamten Buch gepasst hat. Alle Handlungen finden zu einem einzigen Strang und es werden noch ein paar Unklarheiten aufgedeckt auch wenn es nicht alle waren. Besonders gut gefallen hat mir das Schlussgespräch zwischen Tsukuru und Eri, welches mein Philosophenherz ungemein höher schlagen ließ. Insgesamt war das Buch sehr philosophisch und hat mich sehr berühren können. Ich denke nicht, dass dies das einzige Buch des Autors sein wird, was ich lesen werde.

Fazit:
Insgesamt ein wundervoller philosophischer Roman mit einer bedeutenden Nachricht an die Leser. Jeder ist etwas besonderes, auch wenn er meint, dem ist nicht so und er erfährt speziell durch Liebe, Verlust und Freundschaft seinen Schliff. Man fühlt sich richtig in die Geschichte ein, rätselt mit Tsukuru und besucht seine Freunde um zu erfahren was damals geschah. Für mich gab es keine Längen, die wirklich nennenswert wären, da immer wieder etwas neues passierte und Murakami eine sehr schöne Art hat, dieses Neue zu erzählen. Ich habe das Buch bereits im Januar beendet, konnte aber aufgrund meiner Klausurphase keine Rezension schreiben. Dennoch hat mich dieses Buch immer noch nicht losgelassen und ich denke manchmal an Tsukurus Geschichte zurück. Für diesen wundervollen Roman vergebe ich daher 5 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch 
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 09.01.2014
Aktuelle Ausgabe : 13.07.2015
Verlag : btb Verlag (TB)
ISBN: 9783442749003
Flexibler Einband 352 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 10. Oktober 2015

Rezension zu "Der Joker" von Markus Zusak

Ein Roman der zeigt, dass jeder die Welt verändern kann

 

Zum Inhalt:
Ed Kennedy ist der Versager schlechthin - zumindest wenn es nach ihm geht. Er lebt in einer Kleinstadt, verdient mit seinem Job als Taxifahrer gerade genug um über die Runden zu kommen, spielt am Wochenende mit seinen Freunden Karten und ist in seine beste Freundin verliebt und kann es ihr nicht gestehen. Und obwohl Ed solch ein Versager ist, verhindert er, dass eine Bank ausgeraubt wird. Von da an wird er als Held der Stadt gefeiert. Doch diese Aktion bringt ihm nicht nur Ruhm ein, denn eines Tages liegt eine Spielkarte in seinem Briefkasten, das Karo-Ass. Auf ihr stehen drei Straßennamen - drei Aufgaben, die Ed bewältigen soll. Wer oder was steckt hinter diesen Karten? Und warum soll gerade Ed diese Aufträge ausführen? Trotz dieser "Ungerechtigkeit", die ihm hiermit zuteil wird, macht Ed sich an die Arbeit und blickt hinter die Kulissen des Lebens, nichtsahnend, dass diese Aufgaben sein Leben für immer verändern werden... 

Meine Meinung:
Von Markus Zusak habe ich bisher noch kein Buch gelesen, obwohl Die Bücherdiebin schon seit mehreren Jahren auf meinem Bücherstapel herumliegt. Durch das Hörspiel, das auf einem Radiosender angeteased wurde, bin ich neugierig auf die Geschichte geworden und musste das Buch daher unbedingt lesen.

Was mir schon zu Anfang sehr gut gefallen hat, war die Ich-Perspektive, die der Autor nutzt um die Geschichte zu erzählen. Dabei schlüpft der Leser in Ed hinein und erlebt das Geschehen durch seine Augen. Dadurch fühlt man sich Ed besonders nahe weil es sich so anfühlt als würde man die gesamte Szenerie durch seine Augen sehen. Auch ist die Sprache an vielen Stellen - besonders aber gegen Ende des Buches - sehr tiefgründig. Ich hatte das Gefühl, dass dies die Botschaft implizieren soll, die der Autor vermitteln möchte, nämlich, dass jeder etwas tun kann, jedoch auch Eds Charakterentwicklung, auf die ich später noch einmal zu sprechen komme. Einen klaren Fokus auf Geschehen oder Gefühle gibt die Sprache in Der Joker nicht an. Vielmehr konzentriert sie sich auf beide Aspelte gleichermaßen und schafft so eine Balance, in der die Handlung vorangetrieben und die Charaktere ein wenig Schliff erfahren. Was den Leser besonders neugierig auf die jeweiligen Kapitelinhalte macht sind die Überschriften, die über jedem Kapitel stehen. Sie bieten zwar eine grobe Angabe über das, was im Folgenden passieren wird, geben dem Leser aber gerade durch diese Grobheit Rätsel auf, was sie neugierig macht. Dies führt dazu, dass sie auch das nächste Kapitel lesen um hinter die Bedeutung der Überschrift zu kommen. Kapiteltechnisch gesehen sind die meisten in einem Rutsch schaffbar, es gibt aber auch Kapitel, die etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Kommen wir nun zu den Charakteren. Meiner Meinung nach wurden alle Charaktere mit reiflicher Überlegung ausgearbeitet und dementsprechend auch umgesetzt. Ich hatte das Gefühl, dass alle Personen, die im Laufe der Handlung vorgestellt werden, alle sehr detailliert gestaltet worden sind, so dass man sich fühlte als wären die Personen der Realität entsprungen. Oft versteht man die Handlungen der Protagonisten nicht wirklich, was aber im Verlauf des Romans immer mehr Sinn ergibt, da Ereignisse aus ihrer Vergangenheit aufgeklärt werden. Dadurch, dass jeder etwas rätselhaft erscheint, möchte man unbedingt mehr über die jeweiligen Personen erfahren; dies gilt auch für die Personen, die Eds "Aufträge" darstellen. Von allen Charakteren finde ich daher auch den Protagonisten besonders realitätsnah und detailliert herausgearbeitet. Es gibt wenige Bücher, die über Leute aus Randgruppen schreiben und deren Geschichte erzählen (Ich habe bisher nur Weit weg und ganz nah von Jojo Moyes als solches Buch erlebt). Dass dadurch die Probleme die unsere heutige Gesellschaft plagen, dargestellt werden, hat mir ausnehmend gut gefallen, da es nicht mehr nur um einen selbst geht, sondern gezeigt wird, dass es nicht allen Menschen so gut geht. Durch die Ich-Perspektive, die auf ihn angewendet wird, hat man das Gefühl, die Geschichte durch seine Augen zu erleben, da man praktisch in ihn hineinschlüpft; man kann sich in ihn also am besten hineinversetzen. Insgesamt hatte also jeder Charakter eine einzigartige Persönlichkeit, auch wenn diese sich bei einigen erst etwas später herauskristallisiert.

Auch der Handlungsverlauf hat mir gut gefallen. Er hatte zwar zwischenzeitlich einige Länge, blieb aber größtenteils wirklich spannend und fesselte den Leser dadurch, dass immer wieder neue Spielkarten und somit auch Aufträge für Ed ins Haus flatterten. Jeder dieser Aufträge hatte etwas Einzigartiges an sich und dies wollte man nicht verpassen und somit auch nicht Eds Lösung für die jeweilige Person. Was zudem die Spannung auch noch aufrecht erhielt, waren die Rätsel, die die Nebencharaktere wie Eds Freunde dem Leser aufgaben. Man will eben wissen warum diese so handeln, wie sie eben handeln und was genau sie jetzt bewegt. Besonders gut gefallen hat mir eigentlich, dass es nicht ständig um Eds Liebe zu seiner besten Freundin geht. Natürlich fließt dieser Aspekt immer wieder ein wenig in die Geschichte ein, allerdings nimmt dies nicht überhand, sondern hält sich meistens im Hintergrund, während auf den Aufträgen das Hauptaugenmerk der Geschichte liegt.

Das Ende fügte sich gut in die restliche Geschichte ein und wirkte keineswegs überzogen oder realitätsfern. Stattdessen klang es sehr tiefgründig, vielleicht sogar ein wenig tiefgründiger als die restliche Geschichte an sich. Dies tut dieser trotzdem keinen Abbruch, sondern holt noch einmal alles aus ihr heraus. Dies zeigt sich besonders im Effekt auf den Leser. Dieser bleibt nach Beendigung des Buches ein wenig nachdenklich zurück um zu verarbeiten, was er da eben gelesen hat. Dies stellt einen runden Abschluss des Romans dar.

Fazit:
Ein Roman, der zeigt, dass jeder etwas tun kann und sich gegen Ungerechtigkeit wehrt um anderen einen Moment des Glücks zu ermöglichen. Die wenigen Längen, die im Verlauf der Handlung auftauchen, werden durch spannungserhaltende Aspekte wieder wettgemacht. Auch die Figuren haben mir sehr gefallen. Diese wirken realitätsnah und bergen Geheimnisse, die der Leser aufgeklärt wünscht. Man kann sich gut in sie hineinversetzen, am besten gelingt dies jedoch bei Ed, dem Protagonisten der Geschichte. Die Ich-Perspektive hilft dem Leser dabei. Insgesamt überzeugt "Der Joker" sprachlich sowie handlungstechnisch mit einem Wechselbad der Gefühle für Charaktere und Geschehen, was aber durchaus positiv gemeint ist. Durch das Buch wurde eine schöne Idee sehr gut umgesetzt und bringt den Leser auch nach Beendigung des Romans zum Nachdenken. Daher bekommt Der Joker von mir 5 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 28.08.2006
Aktuelle Ausgabe : 06.10.2008
Verlag : cbt
ISBN: 9783570305393
Flexibler Einband 443 Seiten
Sprache: Deutsch

Montag, 5. Oktober 2015

Rezension zu "Wasser für die Elefanten" von Sara Gruen

Spannende Liebesgeschichte in der Welt des Zirkus der 30er Jahre

 

Zum Inhalt:
1931: Die Eltern des Studenten Jacob Jankowski kommen bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben. Seitdem empfindet dieser keine Freude mehr. Er bricht sein Veterinärmedizinstudium ab und gerät zufälligerweise an einen Zirkus als er an Bahngleisen entlangspaziert. Dieser benötigt dringend einen Tierarzt, denn das Pferd der Kunstreiterin Marlena lahmt schwer. Besonders in August Rosenbluth, Marlenas Mann, findet er einen großen Unterstützer. Doch August ist nicht der Mann, der er vorgibt zu sein. Als die Elefantendame Rosie Teil des Zirkusprogramms werden soll offenbart August seine gewalttätige Seite. Nur Jacob kennt Rosies Geheimnis und vertraut sich Marlena an. Diese verzaubert ihn und er will sie ganz für sich. Doch da ist auch noch August und er ist gefährlicher als es bisher den Anschein hatte...

Meine Meinung:
Den Trailer zum Film habe ich schon vor mehreren Jahren gesehen (wo der Twilight-Hype noch im Gange war und Robert Pattinson ziemlich heiß gehandelt wurde), dennoch kam ich nie dazu, den Film zu schauen. Seit ungefähr genauso vielen Jahren steht Wasser für die Elefanten jetzt bei mir im Bücherregal und jetzt MUSSTE ich es endlich lesen. 

Mittlerweile habe ich es schon bereut, dass ich das nicht früher getan habe, denn die Sprache des Romans ist unglaublich fesselnd. Dadurch fällt es dem Leser leicht, durch das Buch zu kommen da man es einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Immer wieder taucht ein neuer Konflikt auf, den der Leser gelöst wissen möchte. Dass die gesamte Geschichte aus Jacobs Sicht und damit aus der Ich-Perspektive geschrieben ist hilft dem Leser zudem, sich in die Szenerie hineinzuversetzen. Obwohl die Sprache, die in dem Roman verwendet wird, nicht besonders poetisch ist, weckt sie durch die Nähe zum Erzähler und der Nähe zur Handlung an sich das Interesse des Lesers. Was die Geschichte auch interessant hält, ist der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Denn der etwa 90-jährige Jacob erzählt von den Ereignissen von damals. Zwar spielt der Großteil der Geschichte in der Vergangenheit, aber immer wieder sind Sequenzen aus der Gegenwart eingebaut worden. Leider wurde in diesen nicht das Potenzial ausgeschöpft, dass sie besaßen. Für mich wurde der Leser dadurch nur gequält, da er unbedingt wissen will, wie Jacobs Leben im Zirkus weitergeht. Die Gegenwartsbezüge fand ich in diesem Sinne eher etwas störend. Die Geschichte hätte meiner Meinung nach auch gut ohne die Sprünge in die heutige Zeit funktioniert. Insgesamt waren die Kapitel in einem Rutsch gut schaffbar, da sie nicht allzu lang war. Die Cliff-Hanger am Ende der Kapitel halten die Geschichte besonders spannend, da der Leser unbedingt wissen möchte wie es weitergeht.

Auch die Charaktere haben mir ausnehmlich gut gefallen, allen voran Jacob, schließlich ist er der Protagonist des Romans. Diesen lernt man auch von allen Charakteren am besten kennen, besonders durch die verwendete Ich-Perspektive. Damit erlebt der Leser die Geschichte aus Jacobs Sicht und wird mit seinen Gefühlen und Gedanken vertraut. Auch die Nebencharaktere waren sehr gut ausgearbeitet, denn nicht nur August und Marlena, sondern auch die restlichen Zirkusleute, die die Autorin auftreten lässt, können vom Leser bewertet werden durch die Beziehung in der Jacob zu ihnen steht. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sich sehr gut mit der Zeit und damit auch mit dem Zirkus der 30er Jahre auseinandergesetzt hat. Ich konnte mich gut in die Handlung hineinversetzen und mir auch die aufgezeigten Szenerien sehr gut vor Augen führen. Doch nicht nur das. Auch die Charaktere waren für die Zeit sehr realistisch und liebevoll gestaltet worden und greifen die schauspielerische Atmosphäre und die Welt der Kunst, die durch den Zirkus präsentiert wird, perfekt auf. Dadurch wirken alle Personen des Buches echt und nicht nur auf Papier gebannt.

Der Handlungsverlauf bleibt durchgehend spannend und es fällt dem Leser schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Sicht auf die Zirkuswelt, die Sara Gruen dem Leser hier präsentiert. So wird diese nicht nur als fulminant sondern auch als gestellt charakterisiert. Der Blick hinter die Kulissen, der dadurch erfolgt, interessiert den Leser, so dass er unbedingt mehr über die Zirkuswelt der 30er Jahre erfahren will. Doch nicht nur das lässt den Leser nicht mehr los, sondern auch die Konflikte und Spannungsmomente zwischen Jacob und August oder Jacob und Onkel Al, dem Zirkusdirektor. Da diese besonders spannungsgeladen sind, hat man als Leser das Gefühl, die Situation würde gleich eskallieren, jedoch möchte man alles genau mitverfolgen damit man nicht eine Sekunde davon verpasst. Der Leser ist einfach an der Weiterentwicklung von Jacobs Beziehungen mit den Zirkusmitarbeitern interessiert. Allgemein gesehen kann man also sagen, dass es sehr viele Aspekte gibt, die die Spannung im Roman aufrechterhalten und den Leser trotzdem immer wieder fesseln können.

Das Ende des Romans findet jedoch wieder in der Gegenwart statt. Damit fällt das Ende von Jacobs Zirkusgeschichte leider ein wenig unter den Tisch, denn zum Schluss erzählt er nur in weniger als einer Seite von seiner Zukunft. Dadurch wirkt das Ende ein wenig gezwungen und auch abgefertigt als hätte die Autorin das Buch unbedingt beenden wollen. Trotzdem empfand ich das Ende des Romans als einen runden Abschluss zur restlichen Geschichte.

Fazit:
Mit Wasser für die Elefanten präsentiert Sara Gruen den Lesern einen schönen Roman, der sie in die Welt des Zirkus der 30er Jahre entführt. Intrigen, Liebe und Gewalt halten die SpannWasser für die Elefanten bekommt daher 5 von 5 möglichen Sternen.
ung durchgehend aufrecht und durch die Ich-Perspektive ist es einfach, sich in die Handlung und Jacob hineinzuversetze. Ich hatte das Gefühl, dass alle Charaktere gut durchdacht waren und sowohl die Haupt- als auch die Nebenpersonen sehr detailliert dargestellt worden sind. Somit machte es sehr viel Spaß von der Autorin durch das Buch und seine Geschichte geführt zu werden.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 21.02.2008
Aktuelle Ausgabe : 01.08.2009
Verlag : Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 9783499248450
Flexibler Einband 416 Seiten
Sprache: Deutsch

Dienstag, 29. September 2015

Rezension zu "Du und ich und all die Jahre" von Amy Silver

Silvester als Tag der Abschlüsse und Neubeginne

 

Zum Inhalt:
Nicole ist Regisseurin und lebt mit ihrem Mann Dom und ihren beiden Hunden in einem schönen großen Haus in London. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Julian feiert sie seit Jugendtagen Silvester und tauscht sich mit ihm über ihre Neujahrsvorsätze aus. Doch seit ein paar Jahren ist nichts mehr so wie vorher. Nicholes Leben scheint in Trümmern zu liegen: Sie muss sich mit mittelmäßigen Jobs über Wasser halten, ihre Ehe kriselt seit Jahren und mit ihrer besten Freundin Alex versteht sie sich überhaupt nicht mehr. Wäre doch nur Julian hier um ihr durch ihre schwere Zeit zu helfen. Als sie eine Einladung zu einer Neujahrsparty in New York erhält, sieht sie sich mit einer noch schwierigeren Aufgabe konfrontiert. Denn wahrscheinlich wird dort auch ihr Ex Aidan anwesend sein, den sie einfach nicht vergessen kann... Wie wird Nicole also all diesen Sachen gegenüberstehen?

Meine Meinung:
Du und ich und all die Jahre war wochenlang in den Spiegel-Bestsellerlisten und ich fand die Idee dahinter sehr interessant. Es gibt einen Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt, besonders auf vergangene Silvester bezogen, und einen der in der Gegenwart stattfindet. Obwohl sich die gesamte Handlung nur über wenige Tage erstreckt, sind diese auf den mehr als 300 Seiten sehr detailliert beschrieben und werden vor allem durch Nicoles Erinnerung an die verschiedenen Silvesternächte noch verlängert.

Obwohl die Sprache nicht besonders poetisch ist, sondern sich mehr auf die dargestellte Handlung konzentriert, kann man ihr gut folgen und sich auch besonders gut in die Situationen hineinversetzen. Der Leser hat somit das Gefühl, dass er die Szenerien zusammen mit Nicole durchlebt und auch mitten im Geschehen ist. Dies liegt besonders an der Ich-Perspektive, die Amy Silver in ihrem Buch verwendet. Der gesamte Roman ist nämlich aus Nicoles Sicht geschrieben. Dadurch lernt man sie als Charakter auch besonders gut kennen, allerdings nicht unbedingt auf ihre Gefühle bezogen, da die Handlung sich tatsächlich mehr auf die Interaktion der Charaktere zu konzentrieren scheint. Zudem hilft auch das verwendete Präsens, sich noch besser in die Situationen hineinzuversetzen, so dass man als Leser das Gefühl hat, alles würde vor dem inneren Auge ablaufen. Allerdings waren die Kapitel mitunter sehr lang, so dass es manchmal sehr schwer war, diese in einem Rutsch zu beenden. Damit beziehe ich mich besonders auf die Kapitel, die in der Vergangenheit spielen. Diese sind besonders detailliert herausgearbeitet worden, nicht nur, um den Leser ein wenig aufzuklären, sondern auch um die Charaktere selbst ein wenig mehr zu formen. Leider fiel es bei einer Lesepause nicht immer ganz so leicht wieder in die Geschichte hineinzufinden. Manchmal musste ich ein wenig zurückblättern um mich wieder daran zu erinnern was passiert war. Dies kam zwar nicht allzu häufig vor, dennoch war es etwas nervig. 

Kommen wir jedoch nun zu den Charakteren. Insgesamt sind Nicole und Julian die Charaktere, die am detailliertesten herausgearbeitet worden sind, Julian ist dabei auch die sympathischste Person. Die anderen Charaktere, die eher als Nebencharaktere fungierten, kamen leider ein wenig flach rüber. Dies lag vor allem daran, dass sie sehr stark in den Hintergrund rückten, da Nicoles Beziehung mit Aidan und Julian immer wichtiger zu werden schien. Zum Schluß konnte ich nicht wirklich sagen, ob ich Dom oder Alex oder allgemein einen der anderen Nebencharaktere sonderlich sympathisch oder unsympathisch fand. Alle wirkten sehr unausgereift als hätten sie keinen richtigen Charakter. Leider war ich mit Nicole als Charakter auch nicht sonderlich zufrieden. Nicole wirkt während des gesamten Buches sehr unentschlossen, da sie scheinbar nie weiß, was sie tun oder wie sie sich entscheiden soll. Dadurch, dass sie sehr sprunghaft ist und sich praktisch auf jeder Seite des Romans umentscheidet nervte sie mich nach einiger Zeit nur noch, so dass ich das Buch so schnell wie möglich beenden wollte. 

Dies war allerdings nicht der einzige Grund, warum ich das Buch verschlang. Durch die Inhaltsangabe, die meiner hier sehr ähnlich ist, erfährt man praktisch nichts über Nicole und ihre Freunde und Bekannte. Warum kriselt ihre Ehe? Was ist zwischen ihrer besten Freundin und ihr passiert, dass die beiden nicht mehr miteinander reden? Diese Fragen möchte der Leser unbedingt aufklären, was aber nicht Knall auf Fall passiert. Zwar werden dem Leser manchmal kleine Bröckchen hingeworfen, so dass er mutmaßen kann was passiert ist. Die Vergangenheitsrückblicke klären jedoch alle Ereignisse Stück für Stück auf. Dabei ist der Großteil der Wendungen sehr überraschend, was den Effekt der Neugierde noch etwas mehr verstärkt. Durch die fehlenden Informationen bleibt die Handlung durchgehend spannend und durch die neuen Fakten, die der Leser Seite für Seite aufdeckt, lernt man Julian und Nicole sehr gut kennen und versteht, warum sie als Charaktere so geworden sind, wie sie im Buch dargestellt werden. Die lässt sich allerdings nicht nur über die beiden Hauptcharaktere sagen, sondern auch über die Nebencharaktere, die über die Rückblicke definiert werden sollen.

Das Ende wurde relativ offen gelassen, trotzdem wird man als Leser zu sehr in eine bestimmte Richtung gelenkt, wie die Geschichte weitergehen würde. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin dem Leser tatsächlich etwas mehr Spielraum lässt als sie es in Wirklichkeit tut. Allgemein wirkte das Ende auf mich sehr abrupt geschrieben, so, als hätte die Autorin das Buch unbedingt beenden müssen. Dadurch wirkte das Ende recht gezwungen. Schade eigentlich, da ich mir einen runderen Abschluß für das Buch gewünscht hätte.

Fazit:
Leider eher ein mittelmäßiger Roman, der zwar mit einem interessanten Handlungsverlauf aufwarten kann, dessen Charaktere jedoch flach und nervig für mich waren. Wirklich anfreunden konnte ich mich während des gesamten Buches nur mit Julian, während Nicole für mich in ihren Entscheidungen einfach viel zu unentschlossen war. Besonders dies war für mich nach einiger Zeit sehr anstrengend. Die Idee der Geschichte ist mal etwas anderes, besonders die Art, wie diese erzählt wird, aber die Charaktere machen hier leider vieles zunichte. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass die Sprache ein bisschen mehr auf Nicoles Gefühlswelt einging. Dies war meiner Meinung nach kaum merkbar. Dabei wäre das vielleicht auch hilfreich gewesen den Charakter etwas besser zu verstehen. Somit kann ich für Du und ich und all die Jahre leider nur 3 Sterne vergeben.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 02.01.2013
Aktuelle Ausgabe : 02.01.2013
Verlag : Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 9783499259890
Flexibler Einband 352 Seiten
Sprache: Deutsch

Sonntag, 16. August 2015

Rezension zu "Ruht das Licht" von Maggie Stiefvater

Anfängliche Startschwierigkeiten werden im Laufe des Buches behoben

 

Zum Inhalt:
Ruht das Licht ist der 2. Teil der Reihe um die Wölfe von Mercy Falls von Maggie Stiefvater. Sam hat es geschafft: Er hat die Meningitis, mit der Grace und Isabel ihn angesteckt haben, überlebt und ist jetzt ein Mensch - für immer. Auch wenn er Schwierigkeiten damit hat, das wirklich zu erfassen genießt er sein neues Leben in vollen Zügen. Grace hingegen hat ganz andere Probleme, denn plötzlich ist sie diejenige die die Anzeichen der Verwandlung spürt. Als kleines Mädchen wurde sie gebissen, verwandelte sich jedoch nie in einen Wolf. Auch wenn sie sich mit aller Macht dagegen wehrt - der Wald und die darin lebenden Wölfe scheinen nach ihr zu rufen.
Auch Sam weiß, dass Probleme für ihn bevorstehen, als er den neuen Wolf Cole kennenlernt. Cole, der so abweisend und kalt wirkt und scheinbar ein Geheimnis  mit sich herumträgt. Leider weiß niemand so genau, was dieses Geheimnis beinhaltet. Während alle um Grace' Leben zu kämpfen scheinen, hat Cole plötzlich eine Idee, die die Verwandlung für immer stoppen könnte...

Meine Meinung:
Vom ersten Teil der Reihe Nach dem Sommer war ich vollends begeistert, so dass ich gar nicht anders konnte, als mir auch den 2. Band zuzulegen. Da es schon ein wenig her ist, dass ich den ersten Teil verschlungen habe, war ich ein bisschen panisch, dass ich mich an das Geschehen noch würde erinnern können, aber das klappte wunderbar, weswegen ich keine Schwierigkeiten hatte, direkt an den ersten Teil anzuknüpfen.

Die Sprache, die Maggie Stiefvater in ihrem Roman benutzt, ist wieder in vielen Teilen sehr poetisch und metaphorisch; trotzdem hat man das Gefühl, der Geschichte gut und sicher folgen zu können. Auch herrschte meiner Meinung nach eine wirklich gute Balance zwischen den Handlungen und Gefühlsbeschreibungen, so dass man sowohl viel über die Charaktere erfährt als auch das Geschehen vorangetrieben wird. Doch nicht nur dies sorgte dafür, dass man die Charaktere sehr gut oder noch besser kennenlernte, sondern auch die wechselnde Charaktersicht, die jedes Kapitel beinhaltet. Jedes Kapitel ist aus einer anderen Sicht der Protagonisten geschrieben - Sam, Grace, Isabel und Cole. Man erfährt also alle Gedanken und Gefühle der Charaktere und kann sich in ihre Welt selbst einfühlen und -sortieren, da man sich mit jedem Kapitel, das man liest, vertraut mit ihnen macht. Die Ich-Perspektive, die dabei in jedem Kapitel verwendet wird, trägt in dieses Einfinden noch bei. Zudem sind alle Kapitel unterschiedlich lang, manche kürzer, andere wieder länger, was eine gute Abwechslung zwischen den einzelnen Handlungssträngen bietet. Alle Handlungen, die während des Buches geschehen, sind durchaus nachvollziehbar und laufen dem Leser in etwa wie ein Film vor dem inneren Auge ab; man kann sich die Szenerien also wirklich gut vorstellen, ebenso wie die Charaktere.

Was mir an den Charakteren, und besonders an den Nebencharakteren des 1. Teils, wirklich gut gefallen hat, war, dass sie selbst immer mehr in den Fokus rücken. Nehmen wir als Beispiel Isabel, die im 1. Band nicht ganz so viele Auftritte hatte, aber jetzt durch ihre eigenen Kapitel Rundungen bekommt, die vorher nicht da gewesen waren. Überhaupt sind die Charaktere meiner Meinung nach sehr detailliert und einzigartig gestaltet; jeder hat seine Macken und jeder hat eine wirklich einzigartige Charaktereigenschaft wie Sams Liebe zur Poesie und Musik, oder Grace Liebe zur Mathematik. Hier fiel mir auch zum ersten Mal auf, dass die Charakterentwicklung, die im 2. Band vonstatten geht, wirklich gut gemacht ist. Es sind zu Anfang nur kleine Veränderungen, die dem Leser vielleicht nicht auffallen, aber wenn man die Charaktere in ihren Grundzügen am Ende von beiden Bänden vergleicht, fallen doch massive Unterschiede auf und man erfährt immer mehr über sie. Über wen man auch eine Menge erfährt, ist Cole, der neue Wolf, der so geheimnisvoll erscheint. Im Laufe des Buches kommt man immer mehr hinter seine Geheimnisse, vor allem durch die Kapitel, in denen er erzählt, und kann am Ende des Buches entscheiden, ob man ihn nun mag oder nicht.
Auch wenn ich bisher das Buch sehr über den Klee gelobt habe, blieb das nicht so. Der Schreibstil und die Charaktere sind super ausgearbeitet, was man aber vom Handlungsverlauf nicht sagen kann.

Ich habe fast 150 Seiten gebraucht um richtig in das Buch hereinzukommen, denn auf diesen Seiten fehlt die Spannung leider total. Ich hatte das Gefühl als würde nichts passieren, was eigentlich sehr schade war, und somit quälte ich mich durch das erste Drittel des Buches auch wenn die Sprache wirklich überzeugte. Danach wurde es besser und die Geschichte riss mich richtig mit, besonders da endlich ein paar Konfrontationen zwischen den Charakteren stattfand und es nicht wie im ersten Band weiterging. Ab einem gewissen Punkt entwickelte Ruht das Licht somit eine eigenständige Handlung, die sich vom 1. Band unterschied.

Das Ende des Buches war meiner Meinung nach besonders spannend. Ich hatte überhaupt nicht vorhersehen können, was passieren würde und somit ist es eigentlich der interessanteste Teil des Buches für mich. Der Cliffhanger am Ende ist besonders fies, steigert aber die Lust zu erfahren, was im Abschlussband passieren wird. Ich hoffe, In deinen Augen hält, was uns Ruht das Licht gegen Ende verspricht. 

Fazit:
Ruht das Licht braucht seine Zeit um anzulaufen, besonders was die Spannung angeht. Hat man auf den ersten 150 Seiten das Gefühl, es ist nichts passiert, kommt die Handlung immer mehr in Fahrt und hält den Schluss am Spannendsten. Leider entschädigt dies nicht die wochenlange Quälerei durch das erste Drittel, auch wenn Sprache und Charaktere wieder wunderbar getroffen wurden. Es gibt eine gute Balance zwischen Handlungs- und Gefühlsbeschreibung, so dass man viel über die Charaktere erfährt, die sehr real und detailliert gestaltet sind . Dies kommt besonders durch die verschiedenen Kapitelperspektiven zur Geltung. Nebencharaktere werden zu Hauptcharakteren und die Charakterentwicklung und -ausarbeitung finde ich gut gelöst von der Autorin. Leider fehlte mir dann doch etwas die Spannung am Anfang, so dass ich für Ruht das Licht nur 4 von 5 Sternen vergeben kann.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 31.08.2011
Aktuelle Ausgabe : 31.08.2011
Verlag : script5
ISBN: 9783839001189
Fester Einband 400 Seiten
Sprache: Deutsch

Mittwoch, 28. Januar 2015

Rezension zu "Die Auserwählten: Im Labyrinth" von James Dashner

Wurde für mich erst gegen Ende richtig spannend

 

Zum Inhalt:
Im Labyrinth ist der 1. Band der Reihe Die Auserwählten. Als Thomas auf einer seltsamen Lichtung erwacht, die er noch nie in seinem Leben zuvor gesehen hat, kann er sich an nichts erinnern, außer an seinen Namen. Dies geht jedoch nicht nur ihm so, sondern auch den anderen 40 Jungen, die ihn bei seiner Ankunft begrüßen. Vollkommen verwirrt versucht Thomas herauszufinden, warum er hier ist. Die Jungs, die sich selbst "Lichter" nennen, sollen einen Ausweg aus dem Labyrinth finden, das sich hinter den riesigen Toren, die die Lichtung umgeben befindet. Thomas möchte helfen und einer der Läufer werden, die tagtäglich das Labyrinth erkunden und nach einem Ausweg suchen. Doch es ist gefährlich, durch das Labyrinth zu streifen, besonders nachts, und schon bald befinden Thomas und die anderen Lichter sich in großer Gefahr.

Meine Meinung:
Momentan schießen Dystopien aus dem Boden wie nie zuvor und viele werden hochgelobt und als großer Kino-Blockbuster verfilmt. Auch bei dem ersten Teil der Maze Runner-Reihe war dies so und deswegen war ich auch gleich angetan, als ich den Trailer im Kino sah. Und da dieser so vielversprechend aussah, musste ich gleich das Buch dazu lesen.

Irgendwie fand ich die Idee, das man praktisch nichts über den Hauptcharakter weiß, extrem spannend und eigentlich war genau das der Punkt, wo die Geschichte mich extrem mitgerissen und angesprochen hat. Ich fand die limitierte Perspektive, die man durch Thomas' Gedächtnisverlust einnimmt, total gut gemacht und man möchte mehr über ihn erfahren: welche Person er vor der Sache mit dem Labyrinth war, mit wem er etwas zu tun hatte und vor allem warum gerade er auf der Lichtung gelandet ist. Einige dieser Fragen werden am Ende des ersten Teils aufgeklärt, was mir gut gefallen hat. So bekommt man als Leser eine leichte Ahnung, was mit den Lichtern passiert ist, aber die Spannung auf den zweiten Teil wird dennoch geschürt, da nicht alles verraten wird, was essentiell für die Geschichte ist. Das hat mir wirklich gefallen und mich neugierig auf den zweiten Teil der Reihe gemacht.
Leider fand ich es ein wenig schade, dass man nicht wirklich Thomas selbst ist, wenn es um die Erzählperspektive geht, sondern außerhalb der Lichter und eher wie ein stiller Beobachter hinter Thomas herläuft und alles erlebt. Wenn James Dashner hierfür die Ich-Perspektive genommen hätte, hätte ich mich um Längen besser in Thomas hineinversetzen können. So aber fühlte ich mich etwas distanziert, nicht nur von Thomas sondern vom allgemeinen Geschehen auf der Lichtung.

Der Schreibstil von James Dashner ist sehr detailliert, so dass man sich als Leser vieles genau vorstellen kann. Wenn man zuerst den Trailer gesehen hat, kann es natürlich sein, dass man mehr Illustrationen zu den einzelnen Gebäuden im Kopf hat. Trotzdem konnte man seinen Erzählungen leicht folgen, da er in einer sehr verständlichen Sprache schreibt. Zu Anfang des Romans führt der Autor dem Leser einige Begrifflichkeiten vor, die die Lichter in ihrer Alltagssprache gebrauchen. Worte wie "Neppdepp" oder "Klonk" erscheinen zunächst ein wenig der Kindersprache entnommen und keinen tieferen Sinn zu haben. Je weiter man jedoch in der Handlung voranschreitet, desto deutlicher wird dem Leser die Bedeutung dieser Worte. Ist man zunächst wie Thomas total ahnungslos von dem Leben auf der Lichtung, so wächst man doch genau wie er immer mehr in die Gemeinschaft der Lichter hinein und versteht ihre Sprache, die sie verwenden, am Ende genauso gut wie Thomas. Man wird sozusagen selbst in die Gemeinschaft eingegliedert.

Kommen wir nun jedoch zum weiteren Handlungsverlauf der Geschichte. Klingt die ganze Story um Thomas und die Lichter doch sehr mysteriös und von Geheimnissen durchzogen, muss ich sagen, dass ich die ersten 200 Seiten des Buches so langweilig fand, dass ich es am liebsten abgebrochen hätte. Irgendwie kam ich nicht richtig in die Handlung rein und nichts motivierte mich so wirklich, das Buch fortzuführen. Das fand ich wirklich schade, vor allem, da der Anfang so vielversprechend klang. Allerdings passierte auf diesen 200 Seiten auch kaum etwas, weshalb ich wirklich mit dem Gedanken spielte, die Geschichte auf sich beruhen zu lassen. Erst kurz danach kam etwas Leben in die Geschichte, jedoch auch nicht so viel, als dass ich total von der Handlung mitgerissen wurde. Das passierte nämlich erst gegen Ende des ersten Teils, was für mich eigentlich nicht unbedingt den Bedingungen eines guten Buches entspricht. So konnten mich insgesamt nur etwa 270 Seiten von etwa 500 begeistern. Ist zwar mehr als die Hälfte, aber dennoch sehr wenig.

Auch mit den Charakteren bin ich noch nicht wirklich warm geworden. Natürlich merkt man schon, wem Thomas vertraut, aber mir fiel dies nicht ganz so leicht, da einige Charaktere sehr zwiespältig Thomas gegenüber handelten. Das machte es mir nicht leicht, diese Charaktere einzuschätzen, ihnen zu vertrauen und sie ins Herz zu schließen. Dass ich überhaupt einen Charakter ins Herz geschlossen habe, ist nur bei Chuck der Fall; ansonsten hatte ich einfach noch zu wenig Informationen zu Thomas, den Lichtern und ihren Handlungsweisen selbst, so dass ich keine Möglichkeit hatte, die anderen Personen etwas näher kennenzulernen und zu entscheiden ob ich sie nun mag oder nicht. Wie schon gesagt, hatte ich auch zu Thomas keine richtige Bindung, da ich mich schon durch die Erzählperspektive sehr distanziert von ihm fühlte. Ich denke mal, dass der Autor damit auch die Distanziertheit Thomas' von sich selbst widerspiegeln wollte, aber trotzdem sagte mir das gar nicht zu. Somit muss ich leider auch sagen, dass selbst Thomas als Charakter mich noch nicht ganz überzeugt hat.

Trotzdem möchte ich die Reihe weiterlesen, auch wenn ich jetzt viele Kritikpunkte angebracht habe, denn das Ende macht Lust auf mehr und hinterfragt sehr vieles was geschehen ist, besonders was deren Wahrheitsgehalt betrifft. Ich bin gespannt, was Thomas und die Lichter im 2. Band der Serie erleben werden, denn das relativ offene Ende schürt die Vorfreude doch sehr.

Fazit:
Um ehrlich zu sein, habe ich mir ein wenig mehr von dem Buch erhofft. Da ich den Film (noch) nicht gesehen habe, kann ich gar nicht sagen, ob es sich mehr lohnt, den Film zu schauen oder das Buch zu lesen. Die Distanz zwischen den Charakteren und dem Leser war einfach so groß, dass man sich überhaupt nicht entscheiden konnte, ob man einen Charakter mochte oder eben nicht. Zwar fand ich die Idee echt cool, dass Thomas sich an nichts erinnern kann und dem Leser damit auch in seiner Sicht auf ihn einschränkt, aber irgendwie hätte ich es mir gewünscht, dass ich mich ein bisschen mehr in Thomas hineinversetzen kann. Auch, dass auf den ersten 200 Seiten kaum etwas passiert ist, fand ich sehr enervierend und hätte mir hier ein bisschen mehr Leben gewünscht. Wenn man dann aber doch bis zum Ende des Buches abwartet, bekommt man ein Ende serviert, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Es leitet perfekt zum 2. Teil über und macht neugierig auf das weitere Geschehen. Für den ersten Band der Maze Runner-Reihe vergebe ich daher nur 3 von 5 Sternen.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.10.2014
Aktuelle Ausgabe : 01.10.2014
Verlag : Carlsen Verlag GmbH
ISBN: 9783551313485
Flexibler Einband: 496 Seiten
Sprache: Deutsch

Sonntag, 7. September 2014

Rezension zu "Die Achse meiner Welt" von Dani Atkins

Was ist, wenn das Leben dir eine zweite Chance gibt?

 

Zum Inhalt:
September 2008: Rachel ist glücklich. Bald beginnt ihr Studium, dass sie zur Journalistin ausbilden soll, sie hat ihren superlieben Freund Matt und ihren großen Freundeskreis. Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass sie diesen lange Zeit nicht sehen wird und so beschließen ihre Freunde, ein letztes gemeinsames Abendessen zu organisieren um sich noch einmal vor Unistart zu sehen. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall und Rachels bester Freund Jimmy kommt dabei ums Leben...

Rachel zieht sich danach von allem zurück: von ihren Freunden, von ihrem Vater und verlässt auch den Ort, in dem sie aufgewachsen ist, um nicht mit den Erinnerungen an Jimmy konfrontiert zu werden. Erst 5 Jahre später kehrt sie aufgrund der Hochzeit ihrer besten Freundin Sarah nach Great Bishopsford zurück. Doch die Erinnerungen, die dabei aufkommen sind zu viel für Rachel und sie bricht zusammen. Als sie bald darauf im Krankenhaus aufwacht, scheint sich ihre ganze Welt um 180 Grad gedreht zu haben. Ihr Leben entspricht ihren früheren Zukunftsplänen: Sie ist verlobt und hat ihren Traumjob gefunden. Und neben ihrem Bett steht ihr toter bester Freund, lebendig und mit seinem schönsten Lächeln.

Meine Meinung:
Dieses Buch haben meine beste Freundin und ich durch eine Leserunde gewonnen. Ich habe den Titel gleich von Anfang an gemocht; im Deutschen klingt er wundervoll poetisch und lässt sich leicht lesen. Und da die Geschichte an sich schon etwas verworren schien, also praktisch nach einem Geheimnis oder eher nach einem Mysterium geschrien hat, waren wir beide natürlich gleich neugierig geworden - und haben dieses Buch geschenkt bekommen.

Schon zu Beginn wird der Leser in einer Art Prolog an die folgenden Geschehnisse herangeführt. Hier berichtet Rachel aus ihrer Sicht in einigen kurzen Sätzen was geschehen ist, ohne aber zu viel von der Handlung zu verraten. Sie bewegt sich immer noch im Rahmen des Klappentextes, verrät also nichts darüber hinaus. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn so bleibt dem Leser genug Platz und Möglichkeit für Spekulationen, was genau Rachel mit diesem "zweiten Leben" wovon sie spricht, meinen könnte. Allerdings wird dieses im ersten Kapitel gar nicht aufgegriffen, sondern berichtet rückblickend von dem Unfall vor 6 Jahren. Was ich hier sehr schön finde, ist, dass die Geschichte von Rachel selbst erzählt wird, also die komplette Handlung in der Ich-Form geschrieben ist. Das hilft dem Leser sich mit Rachel zu identifizieren und sich die vereinzelten Situationen besser vorzustellen. Deswegen ist man auch durch den Unfall und den damit verbundenen Tod von Jimmy genauso tief getroffen wie Rachel, obwohl der Leser ihn seit einem kürzeren Zeitraum kennt als unsere Protagonistin. Trotzdem ist Jimmy dem Leser sogleich sympathisch, allein wie er sich Rachel gegenüber verhält und auch wie er von Rachels Freund Mat drangsaliert wird.

In den darauf folgenden Kapiteln befindet sich Rachel in der Gegenwart, also 6 Jahre nach dem Unfall. Dass der Tod Jimmys sie natürlich tief getroffen hat, ist natürlich verständlich, allerdings fand ich ihr Verhalten zwischenzeitlich recht übertrieben. Es sah dann nämlich so aus, als würde sie sich für den Tod ihres besten Freundes verantwortlich fühlen und sich selbst dafür strafen wollen. Dieses Verhalten geht dem Leser leider schnell auf die Nerven, so dass Rachel ein wenig negativ vom Leser bewertet werden kann. Zum Glück hält dieser Zustand nicht lange an, denn bald kommt der zweite Erzählstrang hinzu, in dem Rachel sich in ihrer perfekten Welt wiederfindet. Man weiß erst gar nicht, was man davon halten soll; man ist genauso verwirrt wie Rachel, wenn nicht sogar noch mehr. Es scheint keine Lösung dafür zu geben, dass Rachel in ihrer Traumwelt wieder aufgewacht ist. Egal, welche Möglichkeit man auch durchgeht: wirkliche Anzeichen auf deren Wahrheitsgehalt gibt es nicht. Und so muss der Leser sich gemeinsam mit Rachel durch ihre neugewonnene Identität lesen. Unterstützung erhält sie hierbei von ihrem totgeglaubten Freund Jimmy. Was mich nur ein wenig wunderte, ist, dass anscheinend kein anderer außer er Rachel glaubte, dass sie die letzten 5 Jahre vollkommen anders in Erinnerung hat. Noch nicht einmal ihr Vater glaubt ihr und das fand ich schon ziemlich merkwürdig wenn ich ehrlich sein sollte.

Insgesamt hatte ich als Leserin oft schon so einige Vorahnungen, was als nächstes passieren würde. Das bezieht sich jetzt allerdings nicht auf das Ende oder was genau mit Rachels Gegenwart passiert ist, sondern eher auf die menschlichen Beziehungen, die Rachel sowohl in ihrem "ersten" als auch in ihrem "zweiten" Leben hegt. Das nahm für mich leider ein wenig die Spannung aus der Weiterentwicklung von Rachel zu ihren menschlichen Bezugspersonen. Dies wird aber durch die Suche nach Rachels zweitem Ich wieder wettgemacht. Man erfährt auch hier wieder Dinge, die bei dem Leser eher weitere Fragen aufwerfen als diese zu beantworten. Man ist immer verwirrter, was jedoch im positiven Sinne gemeint ist. Der Leser ist so neugierig, was mit Rachel passiert ist, so dass es ihm immer schwerer fällt, das Buch aus der Hand zu legen.

Das liegt auch an dem Schreibstil den Dani Atkins verwendet. Man kann sich die Personen und ihre Handlungen sehr gut vorstellen sie schreibt sehr flüssig ohne große Schnörkeleien, was auch, wie ich finde, ganz gut zu Rachels Charakter passt, denn immerhin wird die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt.

Das Ende hat viele sehr begeistert, mir hat allerdings ein bisschen zu viel gefehlt. Klar ist das Ende auch ein wenig bedrückend, aber Tränen vergossen habe ich persönlich nicht. Ich hätte gerne gewusst, was nach dem Zusammenbruch Rachels passiert: Wer hat sie gefunden? Wer hat sie ins Krankenhaus gebracht? Was war das mit den Kopfschmerzen, von denen im Laufe des Buches immer mal wieder die Rede war? Das habe ich mich nach Beendigung des Buches immer wieder gefragt, weil es schien, als würde das noch aufgeklärt werden. Schade, dass dem nicht so war.

Fazit:
Ein schönes Buch über Liebe, Familie und Identität. Ob das Ende so packend ist, wie der Klappentext verspricht, lasse ich mal dahingestellt. Ich hatte zwar eine Gänsehaut, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass die Fragen, die immer wieder auftreten, besonders am Anfang des Buches, beantwortet werden. Trotzdem hat mir die Geschichte an sich wirklich gut gefallen, auch wenn manches etwas vorhersehbar war. Deswegen gibt es von mir 4 von 5 Sternen für Die Achse meiner Welt.

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Allgemeine Infos zum Buch
Verlag : Droemer Knaur 
Originaltitel: Fractured
Erschienen: 01.08.2014 
ISBN: 9783426515396 
Flexibler Einband: 320 Seiten
Sprache: Deutsch