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Freitag, 17. Februar 2017

Rezension zu "Opal: Schattenglanz" von Jennifer L. Armentrout

Gelungener 3. Teil, der nicht nur Handlung selbst weiterbringt...

 

Zum Inhalt:
Opal: Schattenglanz ist der 3. Band der Lux-Reihe. Endlich ist es geschafft: Dawson konnte aus den Fängen des VM befreit werden und darf jetzt wieder bei seinem Bruder und seiner Schwester sein. Daemon und Dee sind überglücklich, ihren Bruder wiederzuhaben, doch längst ist nicht mehr alles so wie vorher. Dee steckt in tiefer Trauer und Dawson kann das Zusammensein mit seinen Geschwistern auch nicht wirklich genießen. Denn das VM hat immer noch seine Freundin Beth und wie sie gerettet werden kann, ist fraglich. Dass Dawson sie aufgibt, kommt daher gar nicht erst in Frage, denn ein Leben ohne Beth kann er sich nicht vorstellen. Niemand kann ihn von seinem waghalsigen Plan abhalten. Doch für die Rettungsaktion benötigen Katy, Dawson und die anderen Lux Hilfe. Und der Einzige, der ihnen beistehen kann, ist Blake... 

Meine Meinung:
Ich habe bisher die vorherigen beiden Bände der Lux-Reihe gelesen (leider gibt es dazu keine Rezension aufgrund von Zeitmangel) und mit dem 2. Band konnte mich die Geschichte um Daemon, Katy und ihre Freunde packen. der erste Band war ganz ok, während ich den 2. Teil fast schon eingeatmet habe. Dasselbe ist jetzt wieder beim 3. Band passiert. 

Die Sprache des Romans ist unglaublich flüssig und leicht zu verfolgen. Schnell hat man sich aufgrund der Ich-Perspektive in Katy hineinversetzt und verfolgt die Handlung mit ihren Augen. Dabei wird man wie in einen Sog gezogen, der es einem schwermacht, das Buch aus der Seite zu legen. Die Kapitel passen perfekt aneinander und schaffen einen guten Übergang zueinander aufgrund des flüssigen Schreibstils, den die Autorin an den Tag legt. Man muss sich nicht übermäßig konzentrieren um das Geschehen zu verfolgen, sondern kann sich gut von der Handlung und dem Erzählstil treiben lassen. Die Kapitel selbst sind abwechselnd mal etwas kürzer und mal etwas länger gehalten, was eine gute Abwechslung bietet. So kann man ganz gut mindestens ein Kapitel schaffen, bevor man eine Lesepause einlegt. Was mir allerdings bei der deutschen Übersetzung aufgefallen ist, waren viele Rechtschreibfehler, die manchmal gehäuft im Text, manchmal gestreut vorkamen. Diese haben mich sehr oft aus dem Lesefluss gerissen und das fand ich ein bisschen schade. So musste man nämlich immer überprüfen, ob man sich nur verlesen hatte, oder ob es an dem Text selbst lag. Da ich die gebundene Ausgabe gelesen habe, kann ich nichts genaues zu der Taschenbuchausgabe diesbezüglich sagen. Dies ist jedoch der einzige Makel, den ich am Geschriebenen finden konnte. 

Die Charaktere selbst gefallen mir von Band zu Band besser. Jede Person, die in  dem Roman vorkommt, seien es Katy und Daemon, oder Carissa, entwickelt sich weiter und wird tiefer und vielschichtiger. Somit wird nicht nur die Handlung vorangetrieben, sondern auch an den Charakteren gearbeitet, damit der Leser auch die Handlungen und Verhaltensweisen aller auftretenden Personen nachvollziehen kann. Daemon und Katy sind am besten ausgearbeitet, was daran liegt, dass die beiden die Protagonisten der Serie sind und man sich zusätzlich noch in Katy hineinversetzt während man liest. Was mir besonders gefallen hat, ist, dass nun auch einige neue Charaktere eingeführt werden, die die Geschichte spannend halten. Leider haben diese noch keine große Relevanz gezeigt, aber ich hoffe, dass sich dies im nächsten Band ändern wird. Was ich ein wenig schade fand, war, dass sich mittlerweile alles nur noch um Daemon und Katy dreht. Seit die beiden im letzten Band zusammenkamen, hocken sie nur noch aufeinander und die Beziehung zu Katy und ihren Freunden, sowie ihr Schulalltag rückt ein wenig in den Hintergrund. Für den nächsten Teil fände ich es daher gut, wenn auch die Nebencharaktere wieder ein wenig mehr in den Vordergrund gerückt werden würden. Trotzdem kann man am Ende des Buches über jede Person sagen, ob sie einem sympathisch ist oder nicht. Jede hat eine gewisse Tiefe erhalten, was hoffentlich noch ausgebaut wird. 

Der Handlungsverlauf hat mich bei Opal ähnlich gefesselt, wie beim zweiten Band der Serie. Die Handlung bleibt durchgehend spannend, so dass man einfach weiterlesen muss. An nennenswerte Längen, kann ich mich nicht erinnern. Wenn man einmal angefangen hat zu lesen, wirkt das Buch wie ein Sog, der einen mitreißt. Was auch dafür sorgt, dass man weiterlesen will, sind die vielen Cliff-Hanger an den Kapitelenden. Selten war ich so gespannt darauf, wie es mit der Handlung weiterging wie bei dieser Serie. Deswegen habe ich es auch recht zügig geschafft, dieses Buch zu beenden. Trotzdem hätte ich mir ein wenig mehr Interaktion von Katy in ihrem Schulalltag gewünscht, da sie ansonsten fast nur an Daemon klebt und nichts fernab von ihm unternimmt. 

Am Ende wird klar, dass sich die Lage immer mehr zuspitzt. Ich habe sehr stark mitgefiebert, da man nicht genau weiß, wie das Buch enden wird. Als ich die letzte Seite umgeblättert habe, wollte ich am liebsten sofort weiterlesen, da der Cliff-Hanger am Ende Lust auf mehr macht und nicht sonderlich viel über den weiteren Verlauf der Handlung preisgibt. Dadurch, dass immer noch viele Sachen ungeklärt bleiben, möchte man Antworten auf seine Fragen erhalten. Ich bin sehr gespannt, wie es im Folgeband weitergehen wird und was aufgedeckt wird und was nicht.  

Fazit:
Bei Opal: Schattenglanz handelt es sich um einen gelungenen 3. Band, bei dem man sofort mit dem 4. Teil weitermachen möchte. Die Geschichte lässt sich flüssig und leicht lesen, während die Ich-Perspektive dem Leser hilft, sich in Katy hineinzuversetzen. Dadurch ist man mitten im Geschehen. Leider sind mir die Nebencharaktere ein wenig zu kurz gekommen, was hoffentlich im nächsten Band berücksichtigt wird. Trotzdem waren alle Charaktere sehr tiefgründig und gut gestaltet, da jeder seine Ecken und Kanten hatte. Dadurch, dass es durchgängig spannend blieb, wird die Vorfreude auf den 4. Band nur geschürt. Die vielen Cliff-Hanger, besonders das Ende, lassen den Leser mitfiebern und weiterlesen. Dadurch ist es gar nicht möglich, dass Langweile entsteht. Daher vergebe ich für Opal: Schattenglanz 5 von 5 möglichen Sternen. Hoffentlich wird der 4. Band genauso spannend. 

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 24.04.2015
Aktuelle Ausgabe : 24.04.2015
Verlag : Carlsen
ISBN: 9783551583338
Fester Einband 464 Seiten
Sprache: Deutsch

Montag, 16. Januar 2017

Rezension zu "Die 100" von Kass Morgan

Beklemmende Dystopie mit viel Potential

 

Zum Inhalt:
Die Menschheit, 300 Jahre in der Zukunft: Der Planet Erde ist nach dem atomaren Krieg unbewohnbar geworden. Trotzdem haben ihn eine Handvoll Menschen überlebt, welche auf ein großes Raumschiff ausgewichen ist, das in 3 Klassen unterteilt ist: Walden, Arcadia und Phoenix. Wer auf dem Schiff ein gutes Leben haben möchte, muss die Regeln befolgen und diese sind strikt und vielseitig. Wer gegen sie verstößt, kommt unter Arrest und muss auf seinen Prozess warten. Wird der Angeklagte für schuldig befunden erwartet ihn die Todesstrafe, welche allerdings erst durchführbar ist, wenn die Täter volljährig sind. Besorgniserregend: in letzter Zeit wurden fast alle Angeklagten für schuldig befunden und so schnell wie möglich hingerichtet. Dies soll sich nun aber ändern. Die Idee der Schiffsregierung: 100 jugendliche Straftäter auf die Erde schicken um zu prüfen, ob sie wieder bewohnbar ist. Unter ihnen ist die Ärztin in Ausbildung Clarke, der Sohn des Präsidenten namens Wells, der bei seiner großen Liebe sein möchte, und der intelligente Bellamy, der um jeden Preis seine kleine Schwester beschützen will. Doch alleine bei ihrer Ankunft auf dem blauen Planeten wird ihnen klar, dass sie allerhand Schwierigkeiten bewältigen müssen...

Meine Meinung:
Während einer Werbepause habe ich den Trailer zur gleichnamigen Serie gesehen, wusste aber nicht, dass es einen Roman dazu gibt. Kurz bevor ich die Serie anfangen wollte, entdeckte ich dann im Thalia das Buch dazu und musste es natürlich gleich mitnehmen. So ist meine Rezension vom Aufbau der Serie unbeeinflusst und basiert aussschließlich auf der Buchfassung der Autorin.

Insgesamt empfand ich den Schreibstil, den die Autorin nutzt, als sehr objektiv und eher auf die Interaktion der Charaktere fokussiert als auf ihr Gefühlsleben. Vielleicht liegt dies auch daran, dass sie keine Ich-Perspektive genutzt hat, sondern den personalen Erzähler. Trotzdem empfand ich diesen objektiven Schreibstil nicht als störend. Man musste sich ein wenig an ihn gewöhnen, aber nach wenigen Kapiteln konnte ich sehr gut damit umgehen. Jedes Kapitel ist abwechselnd aus der Sicht von den 3 Jugendlichen geschrieben, die die Protagonisten des Romans sind, was einerseits auf verschiedene Handlungsstränge hindeutet und andererseits die Charaktere noch einmal vielschichtiger darstellt. Dadurch kommt viel Abwechslung in die Geschichte selbst, so dass man sich nicht nur auf einen Charakter, sondern auf verschiedene Protagonisten und ihre Hintergrundgeschichte konzentriert. Die Kapitel selbst sind nicht sonderlich lang, so dass man eines auf jeden Fall während eines Leseflusses schaffen kann. Dadurch, dass alle von ihnen mit einem Cliff-Hanger enden, möchte man aber so schnell weiterlesen um zu wissen, wie es mit dem jeweiligen Charakter weitergeht. 

Die Charaktere selbst sind unglaublich verschieden und vielschichtig gestaltet, vor allem da alle Protagonisten, und auch die Nebenfiguren, verschiedene Ziele verfolgen und mit verschiedenen Erwartungen auf die Erde geschickt worden sind. Dies liegt vor allem an den verschiedenen Persönlichkeiten, die jeder Charakter innehat. DIes fällt besonders bei der wörtlichen Rede der Charaktere auf. Da auch kein Charakter wie der andere ist, hat man so verschiedene Persönlichkeiten, die aufeinandertreffen und nicht immer gleich gut miteinander auskommen. Die Protagonisten erhalten besondere Tiefe durch die bruchstückhaft dargestellte Vorgeschichte, die in jedem Kapitel eingebaut wird. Dadurch gelingt es dem Leser, ein wenig hinter die Kulissen zu blicken und die Charaktere besser kennenzulernen, ebenso wie ihre Handlungen besser nachzuvollziehen. Auch wenn der Großteil der Personen, die in der Handlung auftreten, die Protagonisten der Buchserie sind, kommen doch einige Nebencharaktere vor, beispielsweise Graham oder Bellamys Schwester Octavia, ebenso wie Clarkes Freundin Octavia. Zwar lernt man diese nicht ganz so gut kennen wie die Hauptpersonen, trotzdem gibt es einige Interaktion mit ihnen, so dass sie nicht nur auf dem Papier existieren. Auch kann man am Ende des ersten Bandes darüber urteilen, ob man diesen oder jenen Charakter mag, was mir persönlich sehr wichtig ist, da man so ein Gefühl für die jeweiligen Hauptpersonen bekommt.

Der Handlungsverlauf blieb für mich durchgehend spannend. Ich wurde praktisch sofort von der Geschichte mitgerissen und erinnere mich an keine nennenswerten Längen. Die 315 Seiten lasen sich fast wie von selbst. Besonders für Spannung sorgen die verschiedenen Handlungsstränge, die durch die verschiedenen Charaktere geschaffen werden. Besonders die Vergangenheitsschnipsel sorgen für mehr Hintergrundinfos über die Protagonisten und bringen somit viel mehr Leben in die Geschichte insgesamt. Ständig passiert etwas neues, so dass man die zukünftige Handlung nicht vorhersagen kann, da man keine Erwartungen an den weiteren Verlauf der Geschichte stellen kann. Was zudem noch äußerst interessant ist, ist die Situation auf dem Schiff, die auch durch weitere Kapitel noch näher beleuchtet wird. Dadurch erfährt man nicht nur, wie das Leben auf der Erde weitergeht, sondern bekommt auch einen Einblick in das Leben auf dem Raumschiff. Dies sorgt dafür, dass auch das Raumschiff als Lebensraum kein abstrakter Ort bleibt, sondern dem Leser nähergebracht und durch die Beschreibungen der Autorin noch mehr konkretisiert wird.

Der Cliff-Hanger am Ende des Romans macht definitiv Lust auf mehr. Deswegen hoffe ich, dass ich auch bald den 2. Band der Serie lesen kann. Er rundet meiner Meinung nach den ersten Band sehr gut ab, obwohl die Handlung im Auftakt der Serie vielleicht doch ein bisschen kurz gehalten ist. Da der Abschluss aber durchaus vielversprechend ist, möchte man auf jeden Fall weiterlesen, besonders, da sich nicht genau voraussagen lässt, wie die Geschichte weitergeht.

Fazit:
Für mich erweist sich Die 100 als toller Auftakt einer etwas anderen Dystopie, die sehr viel Potential aufweist. Die wechselnde Charaktersicht hält die Spannung aufrecht, ebenso die Rückblicke in die Vergangenheit, die die Tiefe der Charaktere Stück für Stück freilegen. Die verschiedenen Handlungsstränge machen Lust auf mehr. Dadurch, dass dann auch noch die meisten Kapitel mit einem Cliff-Hanger enden, möchte man unbedingt weiterlesen und gleitet praktisch durch das relativ kurze Buch. Obwohl auch viel Sci-Fi-Vokabular benutzt wird, ist die Sprache des Romans doch relativ einfach gehalten, so dass man den Erzählungen der Autorin gut folgen kann. Auch wenn mir die Charaktere und die bisherige Handlung sehr gut gefallen, gibt es trotzdem noch eine Menge Potential, aus dem der 2. Band der Serie schöpfen kann. Für diesen tollen ersten Band vergebe ich daher trotzdem 5 von 5 Sternen, weil er mir im Gesamtpaket einfach unglaublich gut gefallen hat.

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Allgemeine Infos zum Buch:
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 27.07.2015
Aktuelle Ausgabe : 27.07.2015
Verlag : Heyne
ISBN: 9783453269491
Flexibler Einband 320 Seiten
Sprache: Deutsch

Donnerstag, 12. Januar 2017

Rezension zu "Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt" von Nicola Yoon

Wenn die Welt draußen für dich zu gefährlich ist...

 

Zum Inhalt:
Madeline ist 18 Jahre alt, hat mehr Bücher gelesen als jeder andere Mensch auf dieser Welt - und hat noch nie in ihrem Leben das Haus verlassen. Grund dafür ist ein seltener Gendeffekt, der bei ihr im Kleinkindalter diagnostiziert wurde. Madeline ist gegen alles mögliche allergisch, wogegen genau kann allerdings niemand feststellen, weswegen die Außenwelt für sie vollkommen tabu ist. Durch eine Schleuse wird alle Luft im Haus, das sie mit ihrer Mutter bewohnt, gefiltert und kein Fremder darf das Haus betreten, wenn nicht einwandfrei festgestellt werden kann, das derjenige keine für Madeline lebensbedrohlichen Bakterien in sich trägt. Und so verbringt Madeline die Tage mit ihrer Mutter, spielt mit ihr phonetisches Scrabble und Ehrenwort-Pictionary und ist glücklich. Bis eines Tages Olly und seine Familie ins Haus nebenan einziehen und zarte Bande der Freundschaft zwischen ihm und Madeline entstehen. Denn erst da beginnt Madeline zu begreifen, dass es ihr nicht genügt, einfach nur am Leben zu sein...

Meine Meinung:
Lang lang ist es her, dass ich eine Rezension geschrieben habe. Nun möchte ich das allerdings in diesem Jahr ändern und endlich mal wieder ein paar Bewertungen zu Büchern schreiben, die ich dieses Jahr gelesen habe. Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt von Nicola Yoon soll hierbei den Anfang bilden. Es ist der Debütroman der Autorin und aus der Perspektive von Madeline geschrieben, die zu Beginn des Romans ihren 18. Geburtstag feiert. 
Die Ich-Perspektive, die hier verwendet wird, um Madelines Gedanken und Gefühle festzuhalten, gefällt mir sehr gut. Als gesunder Mensch finde ich es eigentlich relativ schwierig, mich in die Lage von jemandem zu versetzen, der das Haus nicht verlassen darf, aber die Darstellungsart von Madelines Tun und Handeln half mir sehr, nachzuvollziehen wie sie sich fühlt. Der Umgang mit ihrer Krankheit wirkt sehr authentisch und ermöglicht dem Leser einen Einblick in die Welt des seltsamen Gendeffekts, den Madeline hat. Allgemein hat mir der Schreibstil sehr gut gefallen. Man denkt wirklich, dass vor einem selbst ein 18-jähriges Mädchen sitzt und ihre Geschichte erzählt und kann sich sehr gut in seinen Worten wiederfinden. Auch wenn ich mir einrede, dass ich mit 18 (was ja jetzt auch schon fast 3 Jahre bei mir zurückliegt), doch ein wenig erwachsener geredet habe, muss man bedenken, dass Madeline ihr ganzes Leben nur im Haus verbracht und als einzige Bezugspersonen ihre Mutter und ihre Krankenschwester Carla hatte. Somit hat sie nicht sonderlich viel soziale Kontakte, schon gar nicht mit gleichaltrigen. Die Kapitel sind größtenteils sehr kurz gehalten und man kann mehrere direkt an einem Stück lesen, ohne mittendrin eine Pause machen zu müssen. Außerdem enthält der Roman einige Zeichnungen, die (soweit ich weiß) vom Ehemann der Autorin angefertigt wurden, die auch sehr süß ins Buch eingearbeitet worden sind und zu der jeweiligen Situation passen. Auch der Humor hat mir sehr zugesagt. Obwohl es um ein sehr ernstes Thema geht, gibt es doch Stellen, die mir ein Schmunzeln oder auch ein herzhaftes Lachen entlockten, was ich sehr schön fand. So wird dem Leser bewusst gemacht, dass es, obwohl Madeline sehr krank ist, trotzdem noch etwas zu lachen für sie gibt.

Auch Madeline als Charakter hat mir sehr gefallen. Sie ist im Grunde die facettenreichste Person im gesamten Roman, was aber unter anderem auch einfach daran liegt, dass man sie am besten kennen lernt. Dies merkt man vor allem an ihrem Erzählstil. Wenn sie von Olly spricht, ist sie unglaublich romantisch, fast schon poetisch und lässt sich mit vielen Worten über ihn aus, so dass man sich als relativ unromantisch veranlagter Mensch - wie ich nun mal einer bin - doch zwischenzeitlich ein wenig erschlagen fühlt. Trotzdem fand ich ihre Wortwahl wunderschön und es hat einfach super gut zu ihr gepasst. Auch wie Olly mit Madeline umgeht fand ich unglaublich schön und auch sehr reif für einen Jungen in seinem Alter. Generell, dass er sich so sehr um Madeline sorgt und Angst hat, dass sie nach draußen geht und ihr etwas zustößt, ist unglaublich süß. Allgemein die Beziehung zwischen den beiden ist unglaublich schön gestaltet und fügt sich sehr harmonisch in das Gesamtkonzept des Buches ein. Es geht nicht übereilt daher, meiner Meinung nach, sondern in einem angemessenen Tempo, das den Leser trotzdem mitfiebern lässt, was nun aus den beiden wird. Auch wenn Carla und Madelines Mutter keine sonderlich großen Auftritte haben, ebenso wie Ollys Mutter, sein Vater und seine Schwester, erfährt man doch eine Menge über sie, vor allem durch Madelines Beobachtungen. So kann man sich, obwohl man diese Nebenpersonen nicht ganz so gut kennenlernt wie Maddy und Olly, ein Urteil über sie bilden und auch ein wenig mehr über ihren Charakter sagen, auch wenn das Hauptaugenmerk klar auf der Geschichte von Olly und Maddy liegt.

Auch gegen den Handlungsverlauf kann ich nichts großartiges sagen. Er hat mir sehr gut gefallen, man konnte ihm als Leser flüssig folgen und es waren keine komischen Sprünge oder abgehackte Handlungen zu finden. Die Geschichte baut sich langsam auf und legt erst das Hauptaugenmerk ein wenig mehr auf Madelines Krankheit. Schade fand ich hier nur, dass man keine wirklichen Informationen über ihren Gendeffekt erhält. Maddy sagt zwar, dass sie diesen Gendeffekt hat, rückt diesen aber im weiteren Handlungsverlauf sehr in den Hintergrund, so dass man am Ende eigentlich nur weiß, dass Maddy nicht rausgehen kann, weil sie eben diesen Gendeffekt hat und somit auf alles Mögliche allergisch reagieren könnte. Das war mir persönlich leider doch ein bisschen zu wenig, zumal es sicherlich einige Menschen gibt, die unter so etwas zu leiden haben. Ansonsten hat mir auch die Geschichte mit Olly sehr gut gefallen und Maddys Charakterentwicklung, die sie während des Romans vollzieht. Auch wenn die Geschichte vielleicht in einigen Teilen etwas vorhersehbar war, hatte ich doch das Gefühl, ständig etwas neues im Buch zu entdecken, was unter anderem das Ende betrifft.

Dieses kam für mich, in der Form wie es geschrieben wurde, sehr unerwartet. Die Wendung, die die Autorin eingebaut hat, war für mich absolut nicht vorhersehbar, allerdings auch nicht überzogen oder gestellt. Für mich fügte sich das Ende sehr gut an den Rest des Romans an und blieb sogar ein kleines bisschen offen, was mir auch sehr gut gefallen hat. Es wirkte wie ein runder Abschluss zu einem insgesamt sehr runden Buch.

Fazit:
Für mich erweist sich Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt als ein Roman über die Freiheit und den Unterschied zwischen "leben" und "am Leben sein". Durch den Roman lernt der Leser, seine eigene Freiheit im Handeln sowie seine Gesundheit wertzuschätzen, die ihn nicht darin einschränkt, dass er das Haus nicht verlassen kann. Man wird sich somit seines eigentlichen Glücks bewusst und nimmt seine Freiheiten vielleicht etwas besser wahr. Der Schreibstil hat mir außerordentlich gut gefallen und variiert des Öfteren während der Erzählung. Mal ist er sehr poetisch und dann doch wieder sehr pragmatisch gehalten, was die verschiedenen Facetten von Madeline aufzeigt, die dem Leser die Geschichte erzählt. Doch nicht nur Madeline wird als Charakter von Bedeutung, sondern auch Olly, ebenso wie Carla und Maddys Mutter. Auch wenn man die letzteren beiden nicht ganz so gut kennenlernt, wirken sie doch wie Personen, die nicht nur auf dem Papier, sondern auch im realen Leben existieren könnten. Die Art, wie Madeline uns ihre Geschichte erzählt, ist in sich stimmig und sehr flüssig. Man hat das Gefühl, dass man als Leser praktisch durch das Buch "schwimmt", ohne sich großartig anstrengen zu müssen, weil die Strömung einen selbst antreibt, weiterzumachen. Besonders das Ende fand ich sehr überraschend und hätte es so nicht erwartet. Trotzdem fügt es sich gut in den Rest der Geschichte ein und rundet die Handlung sehr gut ab. Für mich ist Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt nicht nur ein einfaches Jugendbuch, sondern ein All-Age-Roman, der uns unser eigenes Glück, wirklich zu leben aufzeigt. Daher gibt es von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung für alle, die sich mit einem etwas ernsteren Thema auseinandersetzen wollen.

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Weitere Infos zum Buch:
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 17.09.2015
Aktuelle Ausgabe : 17.09.2015
Verlag : Dressler 
Originaltitel: Everything everything
ISBN: 9783791525402
Fester Einband 336 Seiten
Sprache: Deutsch

Freitag, 19. Februar 2016

Rezension zu "Godspeed: Die Reise beginnt" von Beth Revis

Gelungener Auftakt einer Sci-Fi-Reihe mit großem Potenzial

 

Zum Inhalt:
Godspeed: Die Reise beginnt ist der erste Band der Godspeed-Trilogie. Die 17-jährige Amy und ihre Eltern sind eingefrorene Passagiere auf dem Schiff der Godspeed. Sie sind Teil einer wichtigen Mission: einen neuen Planeten finden, der besiedelt werden kann. Dieser liegt 300 Jahre von der Erde entfernt. Erst dort sollen die 100 Eingefrorenen wieder zum Leben erweckt werden. Doch etwas geht schief und plötzlich findet sich Amy als lebender Passagier an Bord der Godspeed wieder - noch 50 Jahre vom Planeten entfernt. Der zukünftige Schiffskapitän Junior und sein Freund Harley versuchen, Amy in ihre Gesellschaft einzuführen. Doch diese hat sich stark verändert. Alle folgen dem Ältesten, einem tyrannischen Anführer, der Amy droht, sie aufgrund ihrer Andersartigkeit vom Schiff zu werfen. Damit jedoch nicht genug werden drei weitere Personen aufgetaut; zwei von ihnen sterben. Gemeinsam mit Harley und Junior will Amy herausfinden, wer dahintersteckt um ihre Eltern und alle anderen Eingefrorenen zu beschützen - und deckt dabei Geheimnisse auf, die das gesamte Leben auf der Godspeed auf den Kopf stellen...

Meine Meinung:
Schon seit langem steht Godspeed: Die Reise beginnt auf meiner Leseliste. Endlich habe ich das Buch in meiner örtlichen Bibliothek ergattern können bevor es sich jemand anders wegschnappte.
Eigentlich bin ich nicht sonderlich für Weltraumgeschichten zu haben. Auch Sachen wie Star Wars oder Star Trek konnten mich nie sonderlich begeistern. Irgendwie war das bei diesem Buch anders.

Ich habe zuerst den Klappentext und dann eine kleine Leseprobe gelesen und fand die Idee hinter der Geschichte sehr fesselnd und spannend. Beth Revis hat einen schönen Schreibstil, in den sich der Leser schnell einfindet und hautnah mit den Personen die Handlung durchlebt. Dabei benutzt die Autorin durchgehend den Ich-Erzähler. Abwechselnd berichtet sie aus Amys und Juniors Perspektive, was mir äußerst gut gefallen hat. So erhält man einen Blick auf beide Protagonisten, ihre Denkweise und ihre Charakterzüge. Was mich ein wenig gestört hat, waren einige Wortwiederholungen, die direkt hintereinander auftraten, so dass man das Gefühl hatte, man hätte den Satz vorher schon einmal gelesen. Ich weiß nicht, ob dies an der deutschen Übersetzung lag oder am Originaltext, jedenfalls war es sehr merkwürdig, manchmal die gleiche Phrase innerhalb einer Seite nochmals wiederzufinden. Dies kam zwar nicht oft vor, riss mich aber dennoch stark aus der Handlung heraus. Trotz dem fließenden und lockeren Schreibstil, den die Autorin an den Tag legt, kamen mir besonders die Geschehnisse am Anfang recht langweilig und lasch erzählt vor. Dazu werde ich dann später nochmal etwas Genaueres sagen. Die Kapitellänge variierte andauernd, so dass manche recht kurz und andere wieder länger waren. So hatte man auch als Leser mit Zeitproblemen (wie ich) die Möglichkeit, mindestens ein Kapitel zu beenden, bevor man sich wieder seinen Pflichten widmen musste, wie für eine Klausur zu lernen.

Die Charaktere selbst fand ich alle sehr gut durchdacht, auch wenn immer noch einige Details ihre Persönlichkeit betreffend gefehlt haben. Man lernt viele Personen kennen, doch Nebencharaktere tauchen kaum bis gar nicht auf. Sie bekommen vielleicht ein oder zwei Auftritte, sind dann jedoch für die weitere Handlung nicht mehr wichtig. Das fand ich ein wenig schade, denn so konnte man sich in einigen Situationen nicht von der angespannten Atmosphäre mitreißen lassen. Auch im Allgemeinen haben mir einige Charakterzüge der Personen gefehlt. So wurde sich größtenteils einfach nur auf die Handlungen von Amy und Junior konzentriert, man bekam aber kaum Informationen bezüglich ihres Wesens, was ich ein wenig schade fand. Dadurch wirkten die beiden Hauptpersonen ein wenig unecht und waren nur aufgrund ihrer Handlungen wichtig. Auch wenn keiner der beiden mir mit ihrem Verhalten auf die Nerven gegangen ist, waren sie für mich ein wenig zu abgerundet gestaltet, weil ihnen die Ausbildung wichtiger Eigenschaften fehlte. Dies war bei Harley wiederum ganz anders, genauso wie beim Ältesten. Diese beiden Charaktere fand ich am besten und detailliertesten gestaltent, eben weil auch viel Bezug auf ihr Wesen genommen wird.

Die Handlung des Buches konnte mich erst wirklich ab der Mitte des Romans fesseln. Zwar wollte ich vorher schon weiterlesen, aber ein Sog entwickelt sich erst wenn etwa die Hälfte des Buches hinter einem liegt. Die Handlungen, die am Anfang beschrieben wurden, waren irgendwie recht langweilig gestaltet trotz des guten Schreibstils der Autorin. Ich konnte nicht wirklich mitgerissen werden, was ich sehr schade fand. Je mehr sich die Lage auf dem Raumschiff allerdings zuspitzt, desto rätselhafter und interessanter wird die ganze Geschichte. Plötzlich haben die Kapitel richtige Cliff-Hanger, so dass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. Erst hier wird die Geschichte so richtig interessant. Die Wendungen, die sich dabei ergeben, kamen für mich recht unerwartet obwohl sich einige bereits angekündigt haben und man sich in etwa denken konnte, was passiert. Dennoch wurden die Enthüllungen sehr spannend gehalten.

Das Ende hat mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen. Ist ja auch irgendwie logisch, wenn es eine Reihenfortsetzung über zwei weitere Teile geben soll. Die Wendung, die hier nochmals stattfindet, war so offensichtlich, dass man nur den Klappentext hätte lesen brauchen. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es mit Amy und Junior und der Godspeed weitergeht.

Fazit:
Für mich entpuppte sich Godspeed: Die Reise beginnt als ein recht gelungener Auftakt einer Sci-Fi-Trilogie mit dystopischen Elementen. Der Schreibstil ist schön und angenehm zu verfolgen, ebenso die Handlung, auch wenn diese am Anfang ein wenig schwächelt. Ab der Mitte des Buches wird es jedoch immer angenehmer, diese zu verfolgen und die Cliff-Hanger an den Kapitelenden machen einen schier wahnsinnig, so dass man unbedingt weiterlesen will. Die Charaktere hätten noch ein wenig ausgearbeitet werden können wie ich finde. Irgendwie wurde sich nur auf deren Handlung konzentriert und ihre Persönlichkeit vollkommen außer Acht gelassen. Ich könnte über Amy nichts sagen, außer dass sie gerne rennt beispielsweise. Hier wünsche ich mir für den zweiten Teil auf jeden Fall eine bessere Ausarbeitung. Auch die Wendungen passen gut in die Handlung hinein und animieren den Leser, das Buch weiterzulesen. Allein das Ende konnte mich nicht sonderlich zufriedenstellen. Ich hoffe, das Beth Revis den zweiten Band ein wenig besser abrundet. Nichtsdestotrotz vergebe ich für Godspeed: Die Reise beginnt 4 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.08.2011
Aktuelle Ausgabe : 01.09.2013
Verlag : Oetinger Taschenbuch
ISBN: 9783841502513
Buch 448 Seiten
Sprache: Deutsch

Sonntag, 10. Januar 2016

Rezension zu "Die Beschenkte" von Kristin Cashore

Toller Auftakt einer märchenhaften Reihe

 

Zum Inhalt:
Die Beschenkte ist der erste Band der Reihe Die sieben Königreiche von Kristin Cashore. In der Welt, in der Katsa lebt, sind Beschenkte etwas ganz Besonderes. Oft tragen sie nützliche Gaben, die dem König und dem jeweiligen Königreich nutzen können, wie beispielsweise ein beschenkter Kämpfer. Auch Katsa ist eine Beschenkte. Doch sie wird von allen in den Königreichen gefürchtet. Denn sie ist das Mädchen mit der Gabe zu töten. Als König Randas Instrument führt sie seine Aufträge aus - aber diese sind alles andere als gerecht. Dennoch hat sie keine andere Wahl als sich ihm zu fügen. Bis Prinz Bo aus dem Königreich Lienid auftaucht. Sobald Katsa in seine silbrig-goldenen Augen blickt, weiß sie, dass auch er ein Beschenkter ist - sie weiß nur nicht, mit welcher Gabe. Bo ist der Einzige in allen Königreichen, der keine Angst vor Katsa zu haben scheint. Im Kampf gegen einen König mit einer äußerst gefährlichen Gabe werden die beiden Beschenkten zu Verbündeten - und mehr...

Meine Meinung:
Seit längerer Zeit schon liegt die Reihe um die sieben Königreiche bei mir im Regal herum und hat schon Staub angesetzt, als ich endlich beschlossen habe, den ersten Band um Katsa und Bo zu lesen. Die Beschenkte ist eines der ersten Bücher, die ich in diesem Jahr gelesen habe und wird daher auch bei meiner Lesechallenge 2016 berücksichtigt.

Dass Die Beschenkte in einer mittelalterlichähnlichen Zeit spielen soll, merkt man an der Atmosphäre und den einzelnen Aufbauten der Königreiche. Es gibt weder Elektrizität, noch Autos, sondern man kann sich nur zu Pferd und zu Fuß bewegen. Diese Atmosphäre, die ich gerade erwähnt habe, hat die Autorin meiner Meinung nach wunderbar einfangen können. Man fühlt sich richtig in die Zeit versetzt, in der die Geschichte spielt. Man wird an keinem Punkt aus seiner kleinen Zeitreise zurückgeholt, weder sprachlich noch atmosphärisch gesehen. Auch die Sprache hat die Autorin sehr detailliert und aufwendig atmosphärisch gestalten können. Katsa und alle anderen Charaktere reden nicht so, als würden sie aus der heutigen Zeit stammen, wobei man die Gespräche sehr gut nachvollziehen und verstehen kann. Natürlich unterscheidet sich die mittelalterliche Sprache in einige Punkten von unserer heutigen, so dass viele Worte, die in jener Zeit gang und gebe waren, mittlerweile nicht mehr verwendet werden. Mir persönlich haben sich keine Verständnisschwierigkeiten aufgetan, obwohl die Autorin manche Sachen sehr schwülstig umschreibt. Im Großen und Ganzen orientiert sich die Sprache mehr auf die Handlungen der Charaktere als auf ihre Gefühle, aber trotzdem bricht die Autorin an einigen Stellen des Buches mit der reinen Beschreibung der Situation und schweift sprachlich ein wenig aus um einen bestimmten Sachverhalt zu beschreiben. Das ist auch eines der Dinge, die Spannung hervorrufen und die Aufmerksamkeit des Lesers wecken, da er hier merkt, dass diese beschriebene Situation anscheinend sehr wichtig ist. Die Kapitel selbst sind oftmals relativ kurzgehalten, nur zwischenzeitlich lassen sich Kapitel von 20 bis 25 Seitenlänge finden. Somit kann man auch als Leser mit wenig Zeit mindestens ein Kapitel schaffen. Trotzdem baute die Autorin häufig Sinnabschnitte ein, so dass man auch da eine Pause einlegen und wieder nahtlos in das Buch einfinden kann.

Die Charaktere waren auch sehr gut ausgearbeitet und sind schön gestaltet worden. Natürlich lernt man Katsa und Bo am besten von allen kennen, trotzdem gibt es eine gewisse Distanz zwischen den Lesern und den Charakteren. Dies liegt daran, dass das Buch in einem personalen Erzählstil gehalten wird, wodurch man nicht direkt in Katsas Kopf "hineinschauen" kann. Die Nebencharaktere hätten ein wenig öfter auftreten können wie ich finde. Raffin, Giddon, Oll, Randa und alle anderen haben nur ein paar wenige Auftritte bevor Katsa und Bo sich auf die Reise begeben. Zwar hat man einen ungefähren Eindruck, wie diese Charaktere so ticken, aber es fehlte irgendwie der Bezug zwischen Leser und Charakter. Es war einfach schwer, sich diese Charaktere als Filmcharaktere oder Personen aus dem echten Leben vorzustellen obwohl man hier auch Katsas Beziehung zu den Charakteren kennt. Das fand ich ein kleines bisschen schade. Denn ansonsten dreht sich die gesamte Geschichte nur um Katsa und Bo. Und obwohl beide unglaublich detaillierte und interessante Charaktere sind, konnte es mit der Zeit ein wenig langweilig werden, da es eben nur um die beiden Protagonisten geht. Hier hätte ich mir ein bisschen mehr Einfluss der Nebencharaktere gewünscht.

Den Handlungsverlauf selbst fand ich ebenso gut durchdacht wie die Charaktere es waren. Ich kann mich an keine Stelle im Buch erinnern, wo der Handlungsverlauf mich gelangweilt hat. Besonders den Anfang und das Ende des Buches fand ich sehr mitreißend. Zu Beginn wird man einfach in die Geschichte hineingeworfen und muss sich als Leser erst einmal orientieren was gerade los ist, denn die Szene ist nicht gerade langweilig, sondern eher hektisch und actionreich gestaltet. Der Schluss konnte mich besonders fesseln, da alle Punkte, die Katsa und Bo im Verlauf der Geschichte aufdecken, endlich ein großes Ganzes ergeben konnten und man gespannt auf den weiteren Verlauf gespannt war. Dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Details über die Königreiche gewünscht. Zwar erklärt der Erzähler sehr gut, welches Königreich welches ist und die momentane politische Lage in jedem von ihnen, dennoch erleben Katsa und Bo selbst nicht diese Königreiche, sondern reisen nur durch sie hindurch ohne den Leser aufzuklären, welche Leute sie treffen oder ähnliches. Die Reise an sich hat mir glaube ich am wenigsten gefallen, einfach, weil sie so hektisch heruntergeschrieben wurde: Erst waren sie da und da, dann sind sie mit den Pferden da rüber geritten und waren jetzt in Königreich xy. Das fand ich eigentlich sehr schade, denn abgesehen von der Interaktion zwischen Bo und Katsa und dem Reiten passiert nicht sonderlich viel. Die Landschaft die sie durchqueren wurde nur unzureichend beschrieben, so dass es schwer war, sich die jeweiligen Orte vorzustellen.

Das Ende hingegen hat mir wieder super gefallen. Zwar hat man schon eine gewisse Vorahnung, was passieren wird, aber man ist trotzdem gespannt, wie die Autorin das umsetzt. Ich habe die letzten 100 bis 150 Seiten in einem Rutsch durchgelesen, weil das Ende wirklich unheimlich spannend gestaltet war. Auch der Epilog gibt nochmals einen runden Abschluss zum Buch und greift nochmal genauer auf, was jetzt mit Katsa und Bo los ist. Da im nächsten Buch eine andere Dame mit dem Namen Fire im Vordergrund stehen soll, fand ich es sehr schön, dass die Autorin Katsa und Bo mit diesem Epilog so gut abgerundet hat.

Fazit:
Die Beschenkte ist ein toller Auftakt zu einer Reihe wie aus dem Märchenbuch, allerdings nicht aus einem besonders schönen. Die Gegend und die Themen über die gesprochen wird, sind hart und realitätsnah und verbergen Intrigen und Lügen um die Macht der Könige. Der Sprachstil fügt sich super in die dargestellte mittelalterlich-ähnliche Zeit ein, so dass man sich die Szenerien gut vorstellen und Gedanken und Gefühle der Charaktere verstehen kann. Leider rücken die Nebenpersonen ein wenig zu sehr in den Hintergrund, so dass die Geschichte um Katsa und Bo den gesamten Roman dominiert. Dies kann für den ein oder anderen Leser ein wenig langweilig werden, was jedoch durch den äußerst spannenden Handlungsverlauf kompensiert werden kann. Ständig passiert irgendetwas Neues, so dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Allerdings hat mir die Beschreibung der Reise nicht ganz so gut gefallen. Es wirkte so als hätte die Autorin diesen Teil des Buches möglichst rasch herunterschreiben müssen, damit noch Platz für die restliche Handlung bleibt. So kommen die Beschreibung der Landschaft und weitere Details über die Königreiche leider etwas kurz. Ich hoffe, das ändert die Autorin mit dem 2. Band der Reihe. Somit gibt es für Die Beschenkte 4 von 5 möglichen Sternen.

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Allgemeine Infos zum Buch
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Carlsen (22. Februar 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551310092
ISBN-13: 978-3551310095

Mittwoch, 6. Januar 2016

Rezension zu "Gated: Die letzten 12 Tage" von Amy Christine Parker

Beklemmendes Jugendbuch

 

Zum Inhalt:
Gated: Die letzten 12 Tage ist der erste Teil der Gated-Reihe. Die 17-jährige Lyla lebt mit ihrer Familie in Mandrodage Meadows, einer kleinen Kommune mitten in Amerika, die sich vom Leben der Außenwelt abschottet. Das besondere an der kleinen Gemeinschaft, die aus mehreren Familien besteht: Alle glauben an den Weltuntergang. Pioneer, der Anführer und Gründer der kleinen Kommune schirmt die Menschen ab und erzählt ihnen, sie seien "auserwählt" worden, den Weltuntergang zu überleben. Auch Lyla zweifelt an der Wahrheit seiner Worte nicht, ebenso wenig wie die anderen. Sie erhalten keinen Zugang zu den Medien, denn Pioneer informiert sie so oder so über das Geschehen in der Welt. Erst als der Sohn des Polizeichefs Cody auftaucht, gerät die heile Welt in Mandrodage Meadows für Lyla ins Wanken. Allerdings bleibt ihr nicht viel Zeit, die anderen zu warnen. Nur 12 Tage haben sie, bevor alle in den Schutzbunker flüchten und alle Hoffnung vergebens ist. Denn Lyla erkennt, dass das Böse nicht in der Außenwelt liegt, sondern mitten unter ihnen ist...

Meine Meinung:
Dieses Buch stand schon lange Zeit auf meiner Liste und jetzt komme ich auch endlich dazu, eine Rezension dazu zu schreiben. Bei Gated: Die letzten 12 Tage handelt es sich um einen Jugendroman, der dystopische Züge aufweist: alles wird über eine einzelne Person kontrolliert, die Mitglieder der Gemeinde müssen bestimmte Regeln befolgen, die ihre Freiheit einschränken, aber das scheint sie nicht zu stören und sie hinterfragen nichts.

Dadurch wirkt der Schreibstil, den die Autorin in ihrem Erstling nutzt, äußerst beklemmend, so dass sich auch der Leser äußerst unwohl fühlt, wenn er die Situationen durchlebt, in denen Lyla sich befindet. Insgesamt wird eine leicht verständliche Sprache im Roman verwendet, so dass man der Handlung leicht folgen und sich zudem die Handlungen der Charaktere sehr gut vorstellen kann. Während der Geschichte schlüpft der Leser in die Haut von Lyla, um die es ja auch hauptsächlich geht, so dass er einen besonderen Einblick auf ihre Gedanken und Gefühle hat. Auch hier kreiert die Autorin eine durchgehend beklemmende und unangenehme Atmosphäre, denn Lylas Gedanken sind manchmal so sehr von Pioneer oder den Regeln der Gemeinde allgemein geprägt, dass man sie einfach anschreien müsste, warum sie denn nicht die Augen aufmachen und selbst denken würde. Dass die Ideologien, die Lyla in den Kopf gepflanzt wurden, funktionieren, lässt sich an der Tatsache festhalten, dass viele Handlungen, die auf den Leser beängstigend wirken für Lyla ganz normaler Alltag sind. Insgesamt erhält man einen guten Blick auf die Welt, in der Lyla ihr Leben verbringt. Vieles ist sehr detailliert hervorgehoben, nicht nur, wie sie dazu kamen, in die Kommune aufgenommen zu werden, sondern auch, wie die Gemeinschaft im Allgemeinen funktioniert. Dies geschieht nicht in einem Zug, sondern immer in kleinen portionierten Häppchen, die an die Situationen angepasst sind. Dadurch kann man sich das Leben in der Gemeinschaft sehr gut vorstellen, da alles sehr durchdacht wirkt. Die Kapitel selbst sind mal kurz und mal lang gehalten. Abwechselnd geht es um die Gegenwart und die Vergangenheit. Während Lyla in den Gegenwartssequenzen erzählt, was gerade in diesem Moment geschieht, berichtet sie im Vergangenheitsstrang der Geschichte wie ihre Eltern dazu kamen nach Mandrodage Meadows zu ziehen. Alle Kapitel sind gut in einem Rutsch schaffbar, auch wenn sie manchmal etwas länger gehalten sind. Trotzdem findet man nach einer Lesepause wieder gut in die Geschichte hinein.

Kommen wir nun zu den Charakteren, die uns im Verlauf der Handlung vorgestellt werden. Durch die Ich-Perspektive, die die Autorin durch das gesamte Buch hindurch nutzt, lernt man alle Charaktere und ihre Beziehungen zueinander durch Lyla kennen. Über letztere erfahren wir auch am meisten, da der Leser ständigen Zugriff auf ihre Gedanken und Gefühle hat. Obwohl die Charaktere am Anfang der Geschichte sehr oberflächlich erscheinen, entwickeln sie im Laufe der Handlung eigenständige Charaktereigenschaften, die auch später noch eine größere Relevanz für die Geschichte haben. Insbesondere die Hauptcharaktere, zu denen nicht nur Lyla, sondern auch Cody und Marie gehören, sind besonders detailliert herausgearbeitet worden und haben von allen auftretenden Charakteren die größte Persönlichkeit. Auch in diese kann man sich ab spätestens der Buchmitte gut hineinfinden. Zudem erleben während der Gesamthandlung des Romans eine richtige Wandlung, was äußerst überraschend für den Leser sein kann. Dadurch möchte er außerdem erfahren, wie es mit der Geschichte weitergeht. Was mir außerdem noch gut gefallen hat, war, dass auch die Nebencharaktere viele Auftritte hatten. Dadurch lernte man auch diese einigermaßen gut kennen. Dennoch drängen diese sich nicht komplett in den Vordergrund, so dass man sie als Hauptpersonen hätte betrachten können.

Auch der Handlungsverlauf hat es in sich, denn das Buch ist durchweg spannend geschrieben, so dass man den Roman nicht aus der Hand legen möchte. Mit jedem Kapitel wird die Handlung weitergesponnen oder auch bestimmte Verhaltensweisen der Charaktere erklärt. Dadurch wirkt das Buch insgesamt sehr gut durchdacht, detailliert und die Charaktere sehr real auf den Leser. Zudem erfährt der Leser, wie Lyla und die anderen nach Mandrodage Meadows gekommen sind. Dies wird durch die Vergangenheitskapitel deutlich, wodurch auch die Vergangenheit der Charaktere selbst deutlich wird. Auch die Wendungen, die die Autorin im Handlungsverlauf eingebaut hat, wirken zwischenzeitlich sehr überraschend auf den Leser. Sie werden nicht von ihm erwartet, so dass er sehr erstaunt und fassungslos darüber ist, was passiert. Dies bewirkt, dass er das Buch kaum noch aus der Hand legen kann. Insgesamt empfand ich den Handlungsverlauf als gut durchdacht mit einer logischen Abfolge der Ereignisse. Ich hatte nicht das Gefühl, dass irgendetwas im Ablauf nicht gepasst hätte oder komisch klang. Dadurch ergibt der Handlungsverlauf sowie die Handlung der Charaktere einen Sinn.

Auch das Ende fügt sich gut und logisch in die restliche Geschichte ein. Es wirkt nicht allzu übertrieben, macht aber, obwohl es einen Epilog gab, Lust auf mehr. Dies liegt besonders an den Fragen, die immer noch unbeantwortet bleiben. Wenn Gated als Einzelband geplant wäre, wäre ich in diesem Punkt recht unzufrieden mit dem Ende gewesen. Da es jedoch eine Fortsetzung geben soll, hoffe ich, dass die Autorin dort die letzten Lücken schließt. 

Fazit:
Gated: Die letzten 12 Tage ist ein tolles Jugendbuch, das sich mit ideologiebasierten Kommunen auseinandersetzt, besonders bezogen auf ein recht aktuelles Thema wie den Weltuntergang von 2012 (denn zu dem Zeitpunkt spielt die Geschichte). Die Sprache wirkt durchweg beklemmend, was eine gute Atmosphäre kreiert, in die sich der Leser perfekt einfühlen kann. Man fühlt sich dadurch praktisch als Teil der Kommune obwohl man mit ihren Ideologien und Regeln nicht übereinstimmt. Deswegen möchte man auch manchmal Lyla für ihr Verhalten anschreien obwohl man weiß, dass sie es nie anders gelernt hat. Auch die restlichen Charaktere, Lyla ausgeschlossen, wirken extrem real auf den Leser, was ihm hilft, sich in sie einzufühlen. Zudem entwickeln sie sich während der Handlung weiter, so dass man eine richtige Wandlung in ihrem Verhalten beobachten kann. Die Handlung selbst war durchgehend spannend. Ich kann mich an keine Längen erinnern, die den Leser aus dem Konzet bringen könnten und die überraschenden Wendungen machen auf jeden Fall Lust auf mehr. Trotzdem bleiben einige Fragen ungeklärt, die im Romanverlauf auftauchen. Ich hoffe, diese werden im Folgeband aufgeklärt. Gated: Die letzten 12 Tage bekommt aufgrund dieser Rezension 5 Sterne von mir.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.09.2014
Aktuelle Ausgabe : 01.09.2014
Verlag : dtv
ISBN: 9783423760980
Fester Einband 336 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 10. Oktober 2015

Rezension zu "Der Joker" von Markus Zusak

Ein Roman der zeigt, dass jeder die Welt verändern kann

 

Zum Inhalt:
Ed Kennedy ist der Versager schlechthin - zumindest wenn es nach ihm geht. Er lebt in einer Kleinstadt, verdient mit seinem Job als Taxifahrer gerade genug um über die Runden zu kommen, spielt am Wochenende mit seinen Freunden Karten und ist in seine beste Freundin verliebt und kann es ihr nicht gestehen. Und obwohl Ed solch ein Versager ist, verhindert er, dass eine Bank ausgeraubt wird. Von da an wird er als Held der Stadt gefeiert. Doch diese Aktion bringt ihm nicht nur Ruhm ein, denn eines Tages liegt eine Spielkarte in seinem Briefkasten, das Karo-Ass. Auf ihr stehen drei Straßennamen - drei Aufgaben, die Ed bewältigen soll. Wer oder was steckt hinter diesen Karten? Und warum soll gerade Ed diese Aufträge ausführen? Trotz dieser "Ungerechtigkeit", die ihm hiermit zuteil wird, macht Ed sich an die Arbeit und blickt hinter die Kulissen des Lebens, nichtsahnend, dass diese Aufgaben sein Leben für immer verändern werden... 

Meine Meinung:
Von Markus Zusak habe ich bisher noch kein Buch gelesen, obwohl Die Bücherdiebin schon seit mehreren Jahren auf meinem Bücherstapel herumliegt. Durch das Hörspiel, das auf einem Radiosender angeteased wurde, bin ich neugierig auf die Geschichte geworden und musste das Buch daher unbedingt lesen.

Was mir schon zu Anfang sehr gut gefallen hat, war die Ich-Perspektive, die der Autor nutzt um die Geschichte zu erzählen. Dabei schlüpft der Leser in Ed hinein und erlebt das Geschehen durch seine Augen. Dadurch fühlt man sich Ed besonders nahe weil es sich so anfühlt als würde man die gesamte Szenerie durch seine Augen sehen. Auch ist die Sprache an vielen Stellen - besonders aber gegen Ende des Buches - sehr tiefgründig. Ich hatte das Gefühl, dass dies die Botschaft implizieren soll, die der Autor vermitteln möchte, nämlich, dass jeder etwas tun kann, jedoch auch Eds Charakterentwicklung, auf die ich später noch einmal zu sprechen komme. Einen klaren Fokus auf Geschehen oder Gefühle gibt die Sprache in Der Joker nicht an. Vielmehr konzentriert sie sich auf beide Aspelte gleichermaßen und schafft so eine Balance, in der die Handlung vorangetrieben und die Charaktere ein wenig Schliff erfahren. Was den Leser besonders neugierig auf die jeweiligen Kapitelinhalte macht sind die Überschriften, die über jedem Kapitel stehen. Sie bieten zwar eine grobe Angabe über das, was im Folgenden passieren wird, geben dem Leser aber gerade durch diese Grobheit Rätsel auf, was sie neugierig macht. Dies führt dazu, dass sie auch das nächste Kapitel lesen um hinter die Bedeutung der Überschrift zu kommen. Kapiteltechnisch gesehen sind die meisten in einem Rutsch schaffbar, es gibt aber auch Kapitel, die etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Kommen wir nun zu den Charakteren. Meiner Meinung nach wurden alle Charaktere mit reiflicher Überlegung ausgearbeitet und dementsprechend auch umgesetzt. Ich hatte das Gefühl, dass alle Personen, die im Laufe der Handlung vorgestellt werden, alle sehr detailliert gestaltet worden sind, so dass man sich fühlte als wären die Personen der Realität entsprungen. Oft versteht man die Handlungen der Protagonisten nicht wirklich, was aber im Verlauf des Romans immer mehr Sinn ergibt, da Ereignisse aus ihrer Vergangenheit aufgeklärt werden. Dadurch, dass jeder etwas rätselhaft erscheint, möchte man unbedingt mehr über die jeweiligen Personen erfahren; dies gilt auch für die Personen, die Eds "Aufträge" darstellen. Von allen Charakteren finde ich daher auch den Protagonisten besonders realitätsnah und detailliert herausgearbeitet. Es gibt wenige Bücher, die über Leute aus Randgruppen schreiben und deren Geschichte erzählen (Ich habe bisher nur Weit weg und ganz nah von Jojo Moyes als solches Buch erlebt). Dass dadurch die Probleme die unsere heutige Gesellschaft plagen, dargestellt werden, hat mir ausnehmend gut gefallen, da es nicht mehr nur um einen selbst geht, sondern gezeigt wird, dass es nicht allen Menschen so gut geht. Durch die Ich-Perspektive, die auf ihn angewendet wird, hat man das Gefühl, die Geschichte durch seine Augen zu erleben, da man praktisch in ihn hineinschlüpft; man kann sich in ihn also am besten hineinversetzen. Insgesamt hatte also jeder Charakter eine einzigartige Persönlichkeit, auch wenn diese sich bei einigen erst etwas später herauskristallisiert.

Auch der Handlungsverlauf hat mir gut gefallen. Er hatte zwar zwischenzeitlich einige Länge, blieb aber größtenteils wirklich spannend und fesselte den Leser dadurch, dass immer wieder neue Spielkarten und somit auch Aufträge für Ed ins Haus flatterten. Jeder dieser Aufträge hatte etwas Einzigartiges an sich und dies wollte man nicht verpassen und somit auch nicht Eds Lösung für die jeweilige Person. Was zudem die Spannung auch noch aufrecht erhielt, waren die Rätsel, die die Nebencharaktere wie Eds Freunde dem Leser aufgaben. Man will eben wissen warum diese so handeln, wie sie eben handeln und was genau sie jetzt bewegt. Besonders gut gefallen hat mir eigentlich, dass es nicht ständig um Eds Liebe zu seiner besten Freundin geht. Natürlich fließt dieser Aspekt immer wieder ein wenig in die Geschichte ein, allerdings nimmt dies nicht überhand, sondern hält sich meistens im Hintergrund, während auf den Aufträgen das Hauptaugenmerk der Geschichte liegt.

Das Ende fügte sich gut in die restliche Geschichte ein und wirkte keineswegs überzogen oder realitätsfern. Stattdessen klang es sehr tiefgründig, vielleicht sogar ein wenig tiefgründiger als die restliche Geschichte an sich. Dies tut dieser trotzdem keinen Abbruch, sondern holt noch einmal alles aus ihr heraus. Dies zeigt sich besonders im Effekt auf den Leser. Dieser bleibt nach Beendigung des Buches ein wenig nachdenklich zurück um zu verarbeiten, was er da eben gelesen hat. Dies stellt einen runden Abschluss des Romans dar.

Fazit:
Ein Roman, der zeigt, dass jeder etwas tun kann und sich gegen Ungerechtigkeit wehrt um anderen einen Moment des Glücks zu ermöglichen. Die wenigen Längen, die im Verlauf der Handlung auftauchen, werden durch spannungserhaltende Aspekte wieder wettgemacht. Auch die Figuren haben mir sehr gefallen. Diese wirken realitätsnah und bergen Geheimnisse, die der Leser aufgeklärt wünscht. Man kann sich gut in sie hineinversetzen, am besten gelingt dies jedoch bei Ed, dem Protagonisten der Geschichte. Die Ich-Perspektive hilft dem Leser dabei. Insgesamt überzeugt "Der Joker" sprachlich sowie handlungstechnisch mit einem Wechselbad der Gefühle für Charaktere und Geschehen, was aber durchaus positiv gemeint ist. Durch das Buch wurde eine schöne Idee sehr gut umgesetzt und bringt den Leser auch nach Beendigung des Romans zum Nachdenken. Daher bekommt Der Joker von mir 5 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 28.08.2006
Aktuelle Ausgabe : 06.10.2008
Verlag : cbt
ISBN: 9783570305393
Flexibler Einband 443 Seiten
Sprache: Deutsch

Sonntag, 16. August 2015

Rezension zu "Ruht das Licht" von Maggie Stiefvater

Anfängliche Startschwierigkeiten werden im Laufe des Buches behoben

 

Zum Inhalt:
Ruht das Licht ist der 2. Teil der Reihe um die Wölfe von Mercy Falls von Maggie Stiefvater. Sam hat es geschafft: Er hat die Meningitis, mit der Grace und Isabel ihn angesteckt haben, überlebt und ist jetzt ein Mensch - für immer. Auch wenn er Schwierigkeiten damit hat, das wirklich zu erfassen genießt er sein neues Leben in vollen Zügen. Grace hingegen hat ganz andere Probleme, denn plötzlich ist sie diejenige die die Anzeichen der Verwandlung spürt. Als kleines Mädchen wurde sie gebissen, verwandelte sich jedoch nie in einen Wolf. Auch wenn sie sich mit aller Macht dagegen wehrt - der Wald und die darin lebenden Wölfe scheinen nach ihr zu rufen.
Auch Sam weiß, dass Probleme für ihn bevorstehen, als er den neuen Wolf Cole kennenlernt. Cole, der so abweisend und kalt wirkt und scheinbar ein Geheimnis  mit sich herumträgt. Leider weiß niemand so genau, was dieses Geheimnis beinhaltet. Während alle um Grace' Leben zu kämpfen scheinen, hat Cole plötzlich eine Idee, die die Verwandlung für immer stoppen könnte...

Meine Meinung:
Vom ersten Teil der Reihe Nach dem Sommer war ich vollends begeistert, so dass ich gar nicht anders konnte, als mir auch den 2. Band zuzulegen. Da es schon ein wenig her ist, dass ich den ersten Teil verschlungen habe, war ich ein bisschen panisch, dass ich mich an das Geschehen noch würde erinnern können, aber das klappte wunderbar, weswegen ich keine Schwierigkeiten hatte, direkt an den ersten Teil anzuknüpfen.

Die Sprache, die Maggie Stiefvater in ihrem Roman benutzt, ist wieder in vielen Teilen sehr poetisch und metaphorisch; trotzdem hat man das Gefühl, der Geschichte gut und sicher folgen zu können. Auch herrschte meiner Meinung nach eine wirklich gute Balance zwischen den Handlungen und Gefühlsbeschreibungen, so dass man sowohl viel über die Charaktere erfährt als auch das Geschehen vorangetrieben wird. Doch nicht nur dies sorgte dafür, dass man die Charaktere sehr gut oder noch besser kennenlernte, sondern auch die wechselnde Charaktersicht, die jedes Kapitel beinhaltet. Jedes Kapitel ist aus einer anderen Sicht der Protagonisten geschrieben - Sam, Grace, Isabel und Cole. Man erfährt also alle Gedanken und Gefühle der Charaktere und kann sich in ihre Welt selbst einfühlen und -sortieren, da man sich mit jedem Kapitel, das man liest, vertraut mit ihnen macht. Die Ich-Perspektive, die dabei in jedem Kapitel verwendet wird, trägt in dieses Einfinden noch bei. Zudem sind alle Kapitel unterschiedlich lang, manche kürzer, andere wieder länger, was eine gute Abwechslung zwischen den einzelnen Handlungssträngen bietet. Alle Handlungen, die während des Buches geschehen, sind durchaus nachvollziehbar und laufen dem Leser in etwa wie ein Film vor dem inneren Auge ab; man kann sich die Szenerien also wirklich gut vorstellen, ebenso wie die Charaktere.

Was mir an den Charakteren, und besonders an den Nebencharakteren des 1. Teils, wirklich gut gefallen hat, war, dass sie selbst immer mehr in den Fokus rücken. Nehmen wir als Beispiel Isabel, die im 1. Band nicht ganz so viele Auftritte hatte, aber jetzt durch ihre eigenen Kapitel Rundungen bekommt, die vorher nicht da gewesen waren. Überhaupt sind die Charaktere meiner Meinung nach sehr detailliert und einzigartig gestaltet; jeder hat seine Macken und jeder hat eine wirklich einzigartige Charaktereigenschaft wie Sams Liebe zur Poesie und Musik, oder Grace Liebe zur Mathematik. Hier fiel mir auch zum ersten Mal auf, dass die Charakterentwicklung, die im 2. Band vonstatten geht, wirklich gut gemacht ist. Es sind zu Anfang nur kleine Veränderungen, die dem Leser vielleicht nicht auffallen, aber wenn man die Charaktere in ihren Grundzügen am Ende von beiden Bänden vergleicht, fallen doch massive Unterschiede auf und man erfährt immer mehr über sie. Über wen man auch eine Menge erfährt, ist Cole, der neue Wolf, der so geheimnisvoll erscheint. Im Laufe des Buches kommt man immer mehr hinter seine Geheimnisse, vor allem durch die Kapitel, in denen er erzählt, und kann am Ende des Buches entscheiden, ob man ihn nun mag oder nicht.
Auch wenn ich bisher das Buch sehr über den Klee gelobt habe, blieb das nicht so. Der Schreibstil und die Charaktere sind super ausgearbeitet, was man aber vom Handlungsverlauf nicht sagen kann.

Ich habe fast 150 Seiten gebraucht um richtig in das Buch hereinzukommen, denn auf diesen Seiten fehlt die Spannung leider total. Ich hatte das Gefühl als würde nichts passieren, was eigentlich sehr schade war, und somit quälte ich mich durch das erste Drittel des Buches auch wenn die Sprache wirklich überzeugte. Danach wurde es besser und die Geschichte riss mich richtig mit, besonders da endlich ein paar Konfrontationen zwischen den Charakteren stattfand und es nicht wie im ersten Band weiterging. Ab einem gewissen Punkt entwickelte Ruht das Licht somit eine eigenständige Handlung, die sich vom 1. Band unterschied.

Das Ende des Buches war meiner Meinung nach besonders spannend. Ich hatte überhaupt nicht vorhersehen können, was passieren würde und somit ist es eigentlich der interessanteste Teil des Buches für mich. Der Cliffhanger am Ende ist besonders fies, steigert aber die Lust zu erfahren, was im Abschlussband passieren wird. Ich hoffe, In deinen Augen hält, was uns Ruht das Licht gegen Ende verspricht. 

Fazit:
Ruht das Licht braucht seine Zeit um anzulaufen, besonders was die Spannung angeht. Hat man auf den ersten 150 Seiten das Gefühl, es ist nichts passiert, kommt die Handlung immer mehr in Fahrt und hält den Schluss am Spannendsten. Leider entschädigt dies nicht die wochenlange Quälerei durch das erste Drittel, auch wenn Sprache und Charaktere wieder wunderbar getroffen wurden. Es gibt eine gute Balance zwischen Handlungs- und Gefühlsbeschreibung, so dass man viel über die Charaktere erfährt, die sehr real und detailliert gestaltet sind . Dies kommt besonders durch die verschiedenen Kapitelperspektiven zur Geltung. Nebencharaktere werden zu Hauptcharakteren und die Charakterentwicklung und -ausarbeitung finde ich gut gelöst von der Autorin. Leider fehlte mir dann doch etwas die Spannung am Anfang, so dass ich für Ruht das Licht nur 4 von 5 Sternen vergeben kann.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 31.08.2011
Aktuelle Ausgabe : 31.08.2011
Verlag : script5
ISBN: 9783839001189
Fester Einband 400 Seiten
Sprache: Deutsch

Samstag, 8. August 2015

Rezension zu "Margos Spuren" von John Green

Ein spannender Jugendroman, den man nicht mehr aus der Hand legen kann – jedoch mit laschem Ende

 

Zum Inhalt:
Quentin lebt ein ganz normales Leben in einer Kleinstadt – bis Margo Roth Spiegelman und ihre Familie im Nachbarhaus einzieht. Ab da beginnt Quentins Bewunderung für das Mädchen, mit der er nie mehr als 2 Worte gewechselt hat und verliebt sich schon als Kind in sie. Und eben dieses Mädchen steht eines Nachts mitten in seinem Zimmer und bittet ihn, ihr zu helfen. Sie will Rache an ihrem Exfreund nehmen. Diese Nacht wird für Quentin die aufregendste Nacht seines Lebens – doch der Morgen danach wird umso schrecklicher als er erfährt, dass Margo verschwunden ist. Mit seinen Freunden Ben und Radar begibt er sich auf die Suche nach Margos Spuren, denn immer wieder findet er kleine Hinweise die auf ihren Rückzugsort hinweisen…  

Meine Meinung:
Da ich schon Das Schicksal ist ein mieser Verräter von John Green gelesen habe (und mich sowohl in die Charaktere als auch den Schreibstil verliebt habe), konnte ich nicht anders als auch Margos Spuren zu lesen. Eigentlich wollte ich zuerst die englische Originalfassung lesen, doch da diese zum Zeitpunkt des Bucherwerbs in meiner Buchhandlung restlos ausverkauft war, entschied ich mich doch für die deutsche Ausgabe von Paper Towns. Auch Margos Spuren habe ich vor einer ganzen Weile gelesen, bin jedoch aufgrund von Klausurstress nicht dazu gekommen, meine Rezension zu schreiben. Jetzt hole ich dies jedoch nach.

Der Schreibstil ist wie immer bei Büchern von John Green – einfach großartig. Er erzählt so, dass man sich als Leser die Charaktere und ihre Handlungen bildlich vorstellen kann und baut keine Schachtelsätze um Gefühle oder Handlung herum. Insgesamt hatte ich das Gefühl, dass eine sehr gute Balance zwischen Gefühlsbeschreibung und Handlung herrschte – in den ersten zwei Dritteln des Buches steht zwar die Handlung im Vordergrund, trotzdem lässt der Autor immer wieder erkennen, wie Quentin sich bezüglich der Situation fühlt, in die Margo ihn gebracht hat. Die gesamte Geschichte ist aus der Ich-Perspektive geschrieben, wobei Quentin hier der Protagonist ist. Ihn lernt man auch während der gesamten Handlung am besten kennen, eben weil man so viel über ihn erfährt. Zudem konnte ich mich viel besser in Quentin hineinversetzen und auch die Handlung besser verfolgen. Die Kapitel sind nicht sonderlich lang, so dass man mindestens eins schaffen kann während eines Lesedurchgangs. Allgemein ist die Geschichte aber auch so spannend, dass man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Immer wieder baut der Autor Cliffhanger an die Kapitelenden ein, so dass man unbedingt wissen möchte, wie es jetzt weitergeht. Deswegen konnte man im Buch sehr schnell voranschreiten. Auch die Abwechslung zwischen Ernsthaftigkeit und Humor ist genau richtig. Die Lacher, die John Green hier einbaut, passen perfekt und wirken nicht übertrieben. Sie entspannen die gesamte Situation ein wenig und bringen Ruhe hinein. Die meisten Lacher werden durch Quentins Freund Ben eingebaut, zu dem ich später noch etwas sagen werde.

Was mir außer dem Schreibstil auch sehr gut gefallen hat, waren die Charaktere. Ich hatte wirklich das Gefühl, als wären Quentin, Margo und ihre Freunde aus dem wirklichen Leben gegriffen. Quentin erinnerte mich am Anfang sehr an Charlie aus The Perks of Being a Wallflower, entwickelte sich aber immer mehr vom Jungen, der nichts riskiert zu einem Menschen, der alles auf eine Karte setzt um Margo zu finden. Insgesamt empfand ich Quentins Verhalten relativ normal für einen 17-jährigen High-Schoolschüler und konnte mich wahrscheinlich deswegen so gut mit ihm identifizieren. Seine Bewunderung für Margo überträgt sich auch auf den Leser, so dass auch dieser Margo ähnlich wie Quentin sieht – nämlich wie ein Wunder. Was sie in ihrem bisherigen Leben alles getan haben soll klingt so unglaublich und fantastisch, dass man Quentins Bewunderung für das Mädchen sehr gut nachvollziehen kann. Auch ihre Hinweise, die sie Quentin hinterlässt sind so mystisch und geheimnisvoll wie Margo selbst und der Leser möchte sie mit Quentin gemeinsam unbedingt finden. Auch Ben und Radar waren toll ausgearbeitete Charaktere, die immer mehr aus der Sparte der Nebencharaktere in die Liste der Protagonisten wanderten. Ben und sein schräger Humor und die Art wie er jedes weibliche Wesen in seiner Umgebung „Schnuckelpuppe“ nennt, bringen den Leser sehr zum Lachen und lockern die Ernsthaftigkeit, Margo unbedingt finden zu müssen, etwas auf. Radar ist sein Gegenpol und die Ernsthaftigkeit in Person. Mithilfe seiner Enzyklopädie bringt er die Freunde sehr weit in ihrer Suche und hält Ben davon ab, zu sehr über die Stränge zu schlagen. Auch Radar kann lustig sein wenn er will, ist aber im Vergleich zu Ben der Ernsthaftere der beiden.

Der Handlungsverlauf der Geschichte ist wundervoll gestaltet und alles scheint sich nahtlos aneinanderzufügen. Durch die Cliffhanger wird der Leser neugierig gemacht bezüglich der Handlungsfortsetzung und entscheidet sich eher dafür, noch ein Kapitel zu lesen als das Buch wegzulegen. Immer wieder finden Quentin, Ben und Radar neue Hinweise über Margos Aufenthalt und die Fragen, die sich dem Leser dabei stellen, bleiben unbeantwortet. Wo genau ist Margo? Ist sie tot? Lebt sie noch? Warum hat sie das getan? Schade fand ich, dass einige Aspekte, die John Green in seinem Buch erwähnt, doch sehr unter den Tisch fallen, wie der Schulball. Am Anfang wird groß darüber berichtet, aber ansonsten findet er keinen Platz im Buch. Das fand ich sehr schade, vor allem, wenn dieser von Ben und Radar ganz groß angekündigt wird.

Das Einzige, was mir wohl nicht so gut gefallen hat, ist das Ende. Dabei fällt mir ein Zitat von Margo ein, dass sie am Anfang des Buches anbringt.

„[…] Margo antwortete nicht. Sie kniff die Augen zusammen und starrte in die Ferne. >> Genau so war es auch, als ich in die Universal Studios eingebrochen bin<<, sagte sie dann. >>Irgendwie ist es cool und alles, aber eigentlich gibt es nicht viel zu sehen. Die Attraktionen sind zu. Alles ist abgeschlossen. Die meisten Tiere tun sie nachts in andere Becken.<<Abschätzig ließ sie den Blick über den Freizeitpark gleiten. >>Ich schätze, das Reizvolle ist nicht, drin zu sein<<.
>>Was ist dann das Reizvolle?<<, fragte ich.
>>Das Planen vielleicht. Ich weiß es auch nicht. Aber die Ausführung ist nie so spannend, wie man gehofft hat.<< (S. 86)


Irgendwie konnte ich mich bezüglich des Endes sehr gut mit diesem Zitat identifizieren. Die Planung, wie Quentin, Ben und Radar Margo finden wollen, ist sehr spannend gestaltet, aber genau das schien am Ende zu fehlen. Irgendetwas ganz Essentielles hat mir hier gefehlt, genau benennen kann ich es nicht. Jedenfalls hatte ich auf einmal nicht mehr so dringend das Bedürfnis, das Buch weiterlesen zu müssen. Das fand ich sehr schade, denn die Geschichte um Margo ist wirklich eine sehr schöne Idee und auch spannend gestaltet. Nur das Ende kann mit dem Rest der Handlung nicht wirklich mithalten.

Fazit:
Ein wundervolles Jugendbuch über die erste Liebe und die Jagd danach. Der Schreibstil ist großartig, sowohl humorvoll, als auch ernst und fügt sich wunderbar in die Handlung ein. Generell scheint das Geschehen einfach so vor dem inneren Auge des Lesers abzulaufen ohne irgendwelches Zutun. Auch die Charaktere haben mir gut gefallen: Ben mit seiner schrägen Art, Radar mit seiner Ernsthaftigkeit und Quentin mit seiner Entschlossenheit, Margo endlich zu finden. Der Handlungsverlauf ist genauso spannend gestaltet und die Cliffhanger an den Kapitelenden tun ihr Übriges, um den Leser nicht loszulassen. Er will Antworten auf seine Fragen, doch die bekommt er erst am Ende des Buches. Letzteres fand ich jedoch sehr lasch geschrieben. Ich konnte mich nicht motivieren, weiterzulesen, was sehr schade war. Denn die Geschichte an sich ist unglaublich genial konzipiert und auch schön erzählt. Ich hatte einfach das Gefühl, dass ich es auf einmal mit einem ganz anderen Quentin und einer ganz anderen Margo zu tun hatte. „Margos Spuren“ bekommt daher von mir nur 4 von 5 Sternen. 

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 08.02.2010
Aktuelle Ausgabe : 01.07.2015
Verlag : DTV
ISBN: 9783423086448
Flexibler Einband 336 Seiten
Sprache: Deutsch