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Freitag, 17. März 2017

Rezension zu "Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen von Margot Lee Shetterly

Ein gutes Sachbuch zu einem wenig bekannten Teil der amerikanischen Raumfahrt

 

Zum Inhalt:
Katherine Johnson, Dorothy Vaughan und Mary Jackson - Namen, die vermutlich nur wenige Menschen auf der Welt etwas sagen. Doch diese drei Frauen wurden als "Computer in Röcken" mit der NASA in den 1950ern bis 60ern weltberühmt für ihre Berechnungen und großen Verdienste in der US-amerikanischen Raumfahrt. In einer Zeit in der Segregation zwischen schwarz und weiß noch legal und aktiv betrieben und Frauen eher als Hausfrauen und Mütter angesehen wurden, erkämpfen sich diese drei Frauen einen heißbegehrten Job als Rechnerinnen. Für die NASA sind ihre Fähigkeiten von unschätzbarem Wert, was die Frauen in eine Position bringt, eine bedeutende Welle der Veränderung im Kampf um Gleichberechtigung loszutreten...

Meine Meinung:
Da ich mich sehr für die Geschichte der amerikanischen Kultur interessiere (ich studiere immerhin ja auch Englisch :D), hat mich das Buch direkt angesprochen. Deswegen habe ich mich auch sehr gefreut, als ich es im Zuge einer Leserunde gewonnen habe.

Vorab sei gesagt: Dieses Buch ist KEIN Roman. Die Autorin Margot Lee Shetterly ist selbst Wissenschaftlerin und hat sich über 5 Jahre mit diesem Thema beschäftigt bevor sie sich an das Schreiben des Buches machte. Wer also hier eine schön geschriebene Romanhandlung erwartet, wird von diesem Buch am Ende dann doch sehr enttäuscht sein. Obwohl dieses Buch eigentlich ein Sachbuch ist, lässt es sich dennoch gut lesen wie ich finde. Man erfährt eine Menge über die US-amerikanische Geschichte, nicht nur was den Aufbau der Raumfahrt angeht sondern auch was die Trennung von schwarz und weiß anbelangt. So stellt die Autorin beispielsweise die Toilettensituation bei der Nasa dar, dass schwarze Mädchen nicht die Toiletten der "Weißen" benutzen dürfen und umgekehrt oder dass es einen separaten Tisch für die farbigen Arbeiterinnen gab. Dies so dargestellt zu lesen ist für jemanden, der diese ganze Situation nicht miterlebt hat und in einer recht offenen Welt lebt, kaum noch vorstellbar. Trotzdem helfen die Beschreibungen, sich ein wenig mehr in die Situation von vor 50 Jahren hineinzuversetzen. Leider fand ich es ein wenig schwer, den wissenschaftlichen Erklärungen der Autorin zu folgen. Dadurch, dass es sich viel um die Raumfahrt und die damit zusammenhängenden wissenschaftlichen Fachtermini dreht, kommt man als Laie nur schwer mit. Vieles erscheint einem recht unverständlich und es dauert eine Weile bis man sich einigermaßen in den Schreibstil einfinden kann. Auch die Zeitsprünge, die die Autorin zwischenzeitlich einbaut um die Handlung ein wenig voranzutreiben, kamen manchmal sehr unerwartet, so dass man sehr stark aus der Handlung gerissen wurde und sich erst einmal erneut in der Geschichte orientieren musste. Das fand ich etwas schade, da es meine Motivation ein wenig geschmälert hat, weiterzulesen. Was ich außerdem noch gut gefunden hätte, wären Fotos, die zumindest in einem Abbildungsverzeichnis auftauchen, damit man vielleicht eine ungefähre Vorstellung hat, wie bestimmt Szenerien zu der damaligen zeit aussahen. Zwar nennt die Autorin in ihrer Referenzliste einige Links zu den verschiedenen Bildern, jedoch hat man nicht immer einen Laptop oder ein Tablet bei sich, um diese Bilder abzurufen. So konnte ich mir einige Szenerien oder Bilder nur sehr schwer vorstellen.

Auch die drei Frauen, die die Protagonistinnen des Romans sind, haben mir sehr gut gefallen. Trotzdem waren neben ihnen auch andere Rechnerinnen wichtig. Zwar erhält man keinen richtigen Einblick in ihre jeweiligen Leben, wie es bei Katherine, Dorothy und Mary der Fall ist, aber auch ihre Taten und Leistungen für die NASA spielen eine wichtige Rolle im weiteren Verlauf. Besonders Dorothys und Marys Werdegang bei der NASA spielen eine wichtige Rolle im Buch, während Katherine bis zur Mitte der Geschichte fast komplett außer Acht gelassen wird. Dies ist allerdings überhaupt nicht schlimm, da alle drei Frauen unglaublich detailliert von der Autorin ausgearbeitet werden. Man kann ihrem Werdegang unglaublich gut folgen und auch ihre Hintergründe werden sehr gut erklärt, was einem hilft, die Frauen besser zu verstehen und sich in sie hineinzuversetzen. Ich habe mich besonders auf Katherines Karriere bei der NASA gefreut, weil sie im Grunde die eigentliche Protagonistin des Buches ist, was auch im Klappentext durch die aufgelisteten Meilensteine aufgelistet wird. Dennoch waren auch Marys und Dorothys Stationen bei der NASA sehr interessant zu lesen und besonders durch die Interviews, die die Autorin mit den Kindern der beiden Frauen führte, bekommt der Leser noch einmal einen genaueren Einblick in das Leben der beiden.

Der Verlauf des Buches selbst orientiert sich stark am Werdegang der drei Protagonistinnen als auch am Aufbau der NASA allgemein. Zwar baut die Autorin immer wieder Zeitsprünge ein, die den Leser schnell aus der Bahn werfen können; diese beziehen sich aber größtenteils auf Hintergrundinformationen zu dem jeweiligen Jahrzehnt, in dem sich der Leser und die Handlung gerade befindet. Dies ist unglaublich interessant, denn so bekommt man als Außenstehender auch einen Eindruck von der herrschenden Segregation in den USA und wie sich dies auf die Bevölkerung ausgewirkt hat. Dabei ist nicht einmal ein großes Vorwissen notwendig, um sich in die Situation der Farbigen hineinversetzen zu können, sondern wird langsam an die Situation herangeführt, so dass auch Leser, die sich zuvor nicht mit der Segregetion in Amerika beschäftigt haben, ein grundlegendes Verständnis davon bekommen. Man wird also mit Hidden Figures - Unerkannte Heldinnnen an ein Kapitel der amerikanischen Raumfahrtsgeschichte herangeführt, dass definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient als es momentan bekommt.

Auch das Ende hat mir gut gefallen. Auch wenn die Autorin von vorneherein festhält, dass sie nicht alle Aspekte, die sie gerne einbringen möchte, einbringen kann, schafft sie es dennoch, noch einige neue interessante Fakten zu präsentieren. Allgemein lässt sich festhalten, dass das Ende sehr abrundend auf den restlichen Teil des Sachbuches wirkt und die Geschichte nicht abrupt abreißt. Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen bietet somit ein Sachbuch, das unglaublich lehrreich ist.
Fazit:
Bei Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen handelt es sich um ein gutes Sachbuch zu einem wenig bekannten Teil der amerikanischen Raumfahrt. Obwohl viel mit wissenschaftlichen Termini und Zeitsprüngen gearbeitet wird, ist es doch möglich, der Handlung einigermaßen gut zu folgen. Besonders die drei Protagonistinnen Katherine, Dorothy und Mary helfen dem Leser, sich in die Zeit hineinzuversetzen, in der die USA von Segregation und Benachteiligung der Frauen dominiert wurden und zeigen auf, dass trotz der Benachteiligung durch nicht vorhandene Beförderung oder getrennte Toiletten ein Eingreifen viel bewegen kann. Für dieses tolle Sachbuch, das mit einem schönen abrundenden Ende aufwartet, vergebe ich 4 von 5 Sternen.

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 Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 02.01.2017
Aktuelle Ausgabe : 02.01.2017
Verlag : HarperCollins
ISBN: 9783959670845
Flexibler Einband 400 Seiten
Sprache: Deutsch
 

Mittwoch, 30. Dezember 2015

Rezension zu "The Great Gatsby" von F. Scott Fitzgerald

Fantastische Darstellung der Licht- und Schattenseiten des American Dream

 

Zum Inhalt:
Amerika in den "Golden Twenties": Nick ist ein mittelloser Aktienhändler, der nur mit etwas Glück ein majästetisches Haus in West Egg bewohnen darf. Jeden Abend sieht er bei seinem Nachbarn viele Menschen auflaufen, denn dort werden ständig irgendwelche wilden Parties gefeiert. Doch keiner kennt diesen ominösen Jay Gatsby, der für die Feiern verantwortlich ist. Viele Gerüchte ranken sich um ihn, eines unglaublicher als das andere. Doch bald findet Nick heraus, dass Gatsby ein ganz anderer Mensch ist, als er sich ihn vorgestellt hat. Die beiden verstehen sich ausgesprochen gut und freunden sich rasch an. Doch ihr Treffen ist kein Zufall. Seit Jugendzeiten ist Gatsby in Daisy verliebt - und diese ist Nicks Cousine. Allerdings ist diese bereits verheiratet, aber Gatsby will sie unbedingt wiedersehen. Wird es ihm gelingen, Daisy zurückzuerobern?

Meine Meinung:
The Great Gatsby zählt in Amerika als eines der Standardwerke die man liest, wenn man das Thema des American Dream behandelt. F. Scott Fitzgerald hat mit diesem Roman sein persönliches Meisterstück geschrieben, was jedoch erst lange nach seinem Tod wieder in Erinnerung gerufen wurde. Mittlerweile ist The Great Gatsby sein bekanntester und meistgelesenster Roman. Da ich in der Schule nur Death of A Salesman von Arthur Miller gelesen haben, als wir den American Dream nähergebracht bekamen, stand The Great Gatsby schon lange auf meiner Wunschliste und endlich komme ich dazu, eine Rezension zu dem Roman zu verfassen.

Vorab muss ich sagen, dass ich den Roman in seiner Originalsprache, nämlich auf Englisch gelesen habe, allerdings ist auch die deutsche Übersetzung keineswegs auszuschlagen für Leute, die sich nicht ganz so viele Englischkenntnisse zutrauen. Denn The Great Gatsby ist an einigen Stellen sehr schwer zu verstehen und damit auch nichts für Anfänger. Mit meiner Rezension beziehe ich mich auf die Ausgabe des Romans aus dem Schöningh-Verlag aus der Reihe "EinFach Englisch", wo es noch zusätzliche Randbemerkungen zur Historie und signifikanten Worten gab. Hätte ich diese nicht gehabt, wäre es mir wirklich sehr schwer gefallen, den Roman auf Englisch weiterzulesen, und ich hätte vermutlich dann doch zur deutschen Ausgabe gegriffen. Dies liegt allerdings auch daran, dass viele Worte verwendet werden, die in den 20ern des letzten Jahrhunderts einfach aktuell waren. Mit diesen kann der heutige Mensch kaum bis gar nichts anfangen, weswegen die Randbemerkungen wirklich äußerst hilfreich waren. Im Großen und Ganzen lässt sich die Handlung dennoch gut verfolgen und verstehen ebenso bezogen auf das, was gesagt wird. Der gesamte Roman ist aus Nicks Perspektive geschrieben, aber obwohl wir ihn als Protagonisten eigentlich besser kennen lernen sollten, erfahren wir fast nur Details über Gatsby während Nick ein wenig außen vor bleibt. Natürlich weiß ich, dass es The Great Gatsby und nicht The Great Nick heißt, dennoch hätte ich mir ein bisschen mehr Charakterstärke bei Nick gewünscht. Somit fungiert er eher als ein stiller Beobachter, der letztlich nur als Erzähler zu fungieren scheint. Was mir sprachlich wohl besonders gut gefallen hat, ist die Einarbeitung historischer Ereignisse aus den 20ern. Der Aktienhandel, die florierende Marktwirtschaft sowie viele andere Kleinigkeiten wurden von Fitzgerald aufgenommen und im Roman verarbeitet. Dadurch konnte ich mich besonders gut in die Zeit, in der die Handlung stattfindet, hineinversetzen. Insgesamt schreibt Fitzgerald in einer Sprache, die zwar nicht unbedingt leicht verständlich ist, aber dennoch keine sonderlich poetischen Ausläufer hat. Trotzdem durchbricht er einige Stellen des Romans mit Tiefgründigkeit und Poesie, welche sich vom üblichen Erzählstil abheben. Die Kapitel selbst sind mitunter recht lang, so dass man nicht alle in einem Rutsch schaffen kann. Dennoch mischen sich auch einige kurze darunter, die in einem Rutsch durchgelesen werden können.

Zu den Charakteren habe ich bereits gesagt, dass besonders Gatsby im Vordergrund der Handlung steht und so hält es sich den ganzen Roman hindurch. Er ist der Fokus der Geschichte während alle anderen auftretenden Personen und Charaktere nur als Nebenpersonen fungieren. Das fand ich etwas schade, denn ich hätte durchaus mehr über Nick, Daisy und die anderen erfahren wollen, auch wenn man im Roman deutlich ihre Ecken und Kanten wahrnehmen kann. Dennoch hätte ich mir ein wenig mehr Detailarbeit gewünscht, so dass die Nebencharaktere nicht nur wirken als würden sie nur auf dem Papier existieren. Besonders Daisy's Mann, Myrtle Wilson und Nicks Freundin empfand ich hier als sehr außen vor dargestellt und hätte mir mehr Auftritte von ihnen gewünscht, damit der Leser sie näher kennenlernt. Dadurch fiel mir auch das Einfinden in die Gedankengänge und Handlungen von ihnen sehr schwer. Gatsby hingegen hebt sich von alledem ab und ist die schillernde Hauptattraktion der Geschichte. Die Gerüchte, die sich um ihn ranken waren sehr mysteriös und als Leser möchte man wissen, was daran wahr ist und was eben nicht. Er wirkt von allen Figuren, die vorgestellt werden, am realsten und interessantesten und macht den Leser neugierig auf sein Leben und seinen Werdegang. Trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass der Autor ein wenig von der Aufmerksamkeit, die Gatsby zuteil wird, auf die anderen Charaktere übergehen lässt.

Der Handlungsverlauf ist durchgehend spannend und weist kaum Stellen auf, die für mich langweilig waren. Am interessantesten gestaltet ist Gatsby selbst, insbesondere seine Vergangenheit, wie er an das große Haus gekommen ist, etc. Er wirkt besonders durch die Erzählungen und Gerüchte, die sich um ihn ranken, äußerst ominös und macht den Leser sehr neugierig auf sich. Auch das Hineinversetzen in die Zeit fiel mir leicht, denn die Ereignisse der "Golden Twenties" sind vom Autor auch sehr detailliert und liebevoll gestaltet worden. Was mir wohl am besten am gesamten Roman gefallen hat, war die Darstellung von Gatsbys Streben nach dem Amerikanischen Traum durch seine Vergangenheit. Ich interessiere mich sehr für Mythen und essentielle Schlagworte, über die sich die amerikanische Gesellschaft definiert und der Amerikanische Traum hat mich bisher immer sehr faszinieren können. Trotzdem zeigt das Buch nicht nur die Lichtblicke der Ideologie auf, was besonders gegen Mitte und Ende des Buches deutlich wird. Eher ist der Roman eine realistische und kritische Herangehensweise des Autors an dieses Konzept und zeigt auf, dass Geld und Macht nicht die Einsamkeit und das Streben nach Liebe aufwerten können.

Das Ende kam für mich sehr abrupt und unerwartet, wirkte dennoch in keinster Weise übereilt. Dies lag einfach daran, das man sehr in der Geschichte drin ist wenn man die letzten Seiten des Romans aufschlägt, aber auch daran, wie Fitzgerald das Ende der Geschichte gestaltet hat. Das Ende repräsentiert den Großteil der Kritik am Amerikanischen Traum und stellt auch für den Leser dar, dass er nichtnimmer erfolgreich erfüllt werden kann. Im Vergleich zum restlichen Roman wirkt es etwas drastisch, fügt sich aber dennoch sehr gut in den Handlungsverlauf ein, den der Autor dem Leser hier präsentiert.

Fazit:
The Great Gatsby ist ein Roman der sowohl die Licht- als auch die Schattenseiten des Amerikanischen Traums perfekt in Szene setzt und dem Leser präsentiert. Auch wenn die Sprache nicht leicht zu verstehen ist und das Buch (zumindest auf Englisch) nichts für Anfänger wäre, konnte ich der Erzählung recht gut folgen, da sie größtenteils in damaliger Alltagssprache verfasst wurde. Trotzdem hebt sich der Roman an einigen Stellen von gerade diesem alltäglichen ab und wird poetisch und tiefgründig, jedoch nur an Stellen wo es auch wirklich zur Situation passt. Obwohl Gatsby sehr detailliert und schillernd herausgearbeitet worden ist, hätte ich mir dennoch ein bisschen mehr Ausarbeitung der Nebenpersonen gewünscht. Zwar haben Nick und Daisy einen kleinen Vorteil gegenüber den anderen Nebencharakteren aber ich hatte trotzdem das Gefühl, dass sie nicht sonderlich real wirkten. Trotzdem war die Handlung durchgehend spannend, mit kaum langweiligen Stellen, so dass der Leser das Buch kaum aus der Hand legen konnte. Für diesen schönen Roman, der sich mit einem der Kernideologien der amerikanischen Gesellschaft befasst vergebe ich daher 5 von 5 Sternen.

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Allgemeine Infos zum Buch
Taschenbuch: 135 Seiten
Verlag: Schöningh Verlag im Westermann Schulbuch (7. März 2011)
Sprache: Deutsch, Englisch
ISBN-10: 3140411901
ISBN-13: 978-3140411905

Montag, 5. Oktober 2015

Rezension zu "Wasser für die Elefanten" von Sara Gruen

Spannende Liebesgeschichte in der Welt des Zirkus der 30er Jahre

 

Zum Inhalt:
1931: Die Eltern des Studenten Jacob Jankowski kommen bei einem schweren Verkehrsunfall ums Leben. Seitdem empfindet dieser keine Freude mehr. Er bricht sein Veterinärmedizinstudium ab und gerät zufälligerweise an einen Zirkus als er an Bahngleisen entlangspaziert. Dieser benötigt dringend einen Tierarzt, denn das Pferd der Kunstreiterin Marlena lahmt schwer. Besonders in August Rosenbluth, Marlenas Mann, findet er einen großen Unterstützer. Doch August ist nicht der Mann, der er vorgibt zu sein. Als die Elefantendame Rosie Teil des Zirkusprogramms werden soll offenbart August seine gewalttätige Seite. Nur Jacob kennt Rosies Geheimnis und vertraut sich Marlena an. Diese verzaubert ihn und er will sie ganz für sich. Doch da ist auch noch August und er ist gefährlicher als es bisher den Anschein hatte...

Meine Meinung:
Den Trailer zum Film habe ich schon vor mehreren Jahren gesehen (wo der Twilight-Hype noch im Gange war und Robert Pattinson ziemlich heiß gehandelt wurde), dennoch kam ich nie dazu, den Film zu schauen. Seit ungefähr genauso vielen Jahren steht Wasser für die Elefanten jetzt bei mir im Bücherregal und jetzt MUSSTE ich es endlich lesen. 

Mittlerweile habe ich es schon bereut, dass ich das nicht früher getan habe, denn die Sprache des Romans ist unglaublich fesselnd. Dadurch fällt es dem Leser leicht, durch das Buch zu kommen da man es einfach nicht mehr aus der Hand legen kann. Immer wieder taucht ein neuer Konflikt auf, den der Leser gelöst wissen möchte. Dass die gesamte Geschichte aus Jacobs Sicht und damit aus der Ich-Perspektive geschrieben ist hilft dem Leser zudem, sich in die Szenerie hineinzuversetzen. Obwohl die Sprache, die in dem Roman verwendet wird, nicht besonders poetisch ist, weckt sie durch die Nähe zum Erzähler und der Nähe zur Handlung an sich das Interesse des Lesers. Was die Geschichte auch interessant hält, ist der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Denn der etwa 90-jährige Jacob erzählt von den Ereignissen von damals. Zwar spielt der Großteil der Geschichte in der Vergangenheit, aber immer wieder sind Sequenzen aus der Gegenwart eingebaut worden. Leider wurde in diesen nicht das Potenzial ausgeschöpft, dass sie besaßen. Für mich wurde der Leser dadurch nur gequält, da er unbedingt wissen will, wie Jacobs Leben im Zirkus weitergeht. Die Gegenwartsbezüge fand ich in diesem Sinne eher etwas störend. Die Geschichte hätte meiner Meinung nach auch gut ohne die Sprünge in die heutige Zeit funktioniert. Insgesamt waren die Kapitel in einem Rutsch gut schaffbar, da sie nicht allzu lang war. Die Cliff-Hanger am Ende der Kapitel halten die Geschichte besonders spannend, da der Leser unbedingt wissen möchte wie es weitergeht.

Auch die Charaktere haben mir ausnehmlich gut gefallen, allen voran Jacob, schließlich ist er der Protagonist des Romans. Diesen lernt man auch von allen Charakteren am besten kennen, besonders durch die verwendete Ich-Perspektive. Damit erlebt der Leser die Geschichte aus Jacobs Sicht und wird mit seinen Gefühlen und Gedanken vertraut. Auch die Nebencharaktere waren sehr gut ausgearbeitet, denn nicht nur August und Marlena, sondern auch die restlichen Zirkusleute, die die Autorin auftreten lässt, können vom Leser bewertet werden durch die Beziehung in der Jacob zu ihnen steht. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass die Autorin sich sehr gut mit der Zeit und damit auch mit dem Zirkus der 30er Jahre auseinandergesetzt hat. Ich konnte mich gut in die Handlung hineinversetzen und mir auch die aufgezeigten Szenerien sehr gut vor Augen führen. Doch nicht nur das. Auch die Charaktere waren für die Zeit sehr realistisch und liebevoll gestaltet worden und greifen die schauspielerische Atmosphäre und die Welt der Kunst, die durch den Zirkus präsentiert wird, perfekt auf. Dadurch wirken alle Personen des Buches echt und nicht nur auf Papier gebannt.

Der Handlungsverlauf bleibt durchgehend spannend und es fällt dem Leser schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Sicht auf die Zirkuswelt, die Sara Gruen dem Leser hier präsentiert. So wird diese nicht nur als fulminant sondern auch als gestellt charakterisiert. Der Blick hinter die Kulissen, der dadurch erfolgt, interessiert den Leser, so dass er unbedingt mehr über die Zirkuswelt der 30er Jahre erfahren will. Doch nicht nur das lässt den Leser nicht mehr los, sondern auch die Konflikte und Spannungsmomente zwischen Jacob und August oder Jacob und Onkel Al, dem Zirkusdirektor. Da diese besonders spannungsgeladen sind, hat man als Leser das Gefühl, die Situation würde gleich eskallieren, jedoch möchte man alles genau mitverfolgen damit man nicht eine Sekunde davon verpasst. Der Leser ist einfach an der Weiterentwicklung von Jacobs Beziehungen mit den Zirkusmitarbeitern interessiert. Allgemein gesehen kann man also sagen, dass es sehr viele Aspekte gibt, die die Spannung im Roman aufrechterhalten und den Leser trotzdem immer wieder fesseln können.

Das Ende des Romans findet jedoch wieder in der Gegenwart statt. Damit fällt das Ende von Jacobs Zirkusgeschichte leider ein wenig unter den Tisch, denn zum Schluss erzählt er nur in weniger als einer Seite von seiner Zukunft. Dadurch wirkt das Ende ein wenig gezwungen und auch abgefertigt als hätte die Autorin das Buch unbedingt beenden wollen. Trotzdem empfand ich das Ende des Romans als einen runden Abschluss zur restlichen Geschichte.

Fazit:
Mit Wasser für die Elefanten präsentiert Sara Gruen den Lesern einen schönen Roman, der sie in die Welt des Zirkus der 30er Jahre entführt. Intrigen, Liebe und Gewalt halten die SpannWasser für die Elefanten bekommt daher 5 von 5 möglichen Sternen.
ung durchgehend aufrecht und durch die Ich-Perspektive ist es einfach, sich in die Handlung und Jacob hineinzuversetze. Ich hatte das Gefühl, dass alle Charaktere gut durchdacht waren und sowohl die Haupt- als auch die Nebenpersonen sehr detailliert dargestellt worden sind. Somit machte es sehr viel Spaß von der Autorin durch das Buch und seine Geschichte geführt zu werden.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 21.02.2008
Aktuelle Ausgabe : 01.08.2009
Verlag : Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 9783499248450
Flexibler Einband 416 Seiten
Sprache: Deutsch

Freitag, 7. August 2015

Rezension zu "The Perks of Being a Wallflower" von Steven Chbosky

Eine interessante Geschichte über Selbstfindung, Schulalltag und das Leben

 

Zum Inhalt:
Charlies erstes Jahr an der High School steht an. Dabei steht er unter enormem Druck, denn seine ältere Schwester und auch sein älterer Bruder haben immer gute Noten gehabt. Für Charlie ist alles jedoch besonders schwer, denn für ihn ist es hart, neue Freunde zu finden. Lieber beschäftigt er sich mit den Büchern von seinem Englischlehrer Bill. Doch dann lernt er Sam und ihren Stiefbruder Patrick kennen und knüpft Bande der Freundschaft mit ihnen. In Tagebucheinträgen an einen unbekannten Freund schildert Charlie einem unbekannten Freund von seinem Schulalltag über ein ganzes Jahr hinweg und auch von seinen Gefühlen für Sam...

Meine Meinung:
Lange schon stand dieses Buch auf meiner Liste und es ist auch viel Zeit vergangen, bis ich jetzt endlich dazu komme meine Rezension hier zu posten. Daher kann es sein, dass sie nicht ganz so ausführlich wie üblich ausfällt.

Den Film zum Buch habe ich nie gesehen, eben weil ich zuerst das Buch lesen wollte. Jedoch wollte ich The Perks of Being a Wallflower unbedingt auf Englisch lesen, weil ich das Gefühl hatte, dass dadurch die Geschichte noch besser zur Geltung kommt. Deswegen war ich auch sehr überrascht, als meine Buchhandlung vor Ort die Cornelsen-Ausgabe davon im Sortiment hatte. Was ich besonders an dieser Ausgabe mag, ist, dass viele Wörter erklärt werden, man also nicht extra ein Wörterbuch bemühen muss. Auch, wenn ich Englisch-LK hatte, haben mir die Anmerkungen sehr geholfen, da amerikanische Redewendungen im englischsprachigen Schulalltag nicht sonderlich geläufig sind. Zudem fand ich auch die Erklärungen zu den Vokabeln, die mit dem amerikanischen Schulalltag zu tun hatten, sehr gut. Wenn man sich damit nicht so auskennt, kann dieser Appendix sehr nützlich sein.

Der Anfang war etwas ungewohnt für mich, eben weil die Geschichte in einer Art Tagebuchstil erzählt wird. Ich hatte leichte Schwierigkeiten hineinzukommen und fand den Anfang auch noch nicht sonderlich interessant. Deswegen habe ich zu Beginn nur kleine Häppchen der Geschichte gelesen. Was mir direkt gefallen hat, war, dass Charlie seine Geschichten dem Leser in seinen Tagebucheinträgen erzählt – als wären diese direkt an ihn adressiert. So konnte man sich gut in Charlie einfinden und seine Gedanken und Gefühle gut nachvollziehen. Ab etwa der Mitte wurde die Geschichte für mich richtig interessant. Irgendwie schien plötzlich ein Ereignis dem nächsten zu folgen, zumindest empfand ich es so. Aber dies hielt die Spannung hoch. Chboskys Schreibstil ist in dem Buch sehr ungewöhnlich aber auch sehr poetisch, genauso wie Charlie ein sehr ungewöhnlicher Junge ist. Dennoch schreibt er verständlich und nicht zu kompliziert, so dass man seinen Erzählungen gut folgen kann. Allerdings ist das Buch, wenn man es auf Englisch liest, eher für die fortgeschrittenen Sprecher geeignet, da viele Wörter verwendet werden, die einem Laien nicht wirklich geläufig sind. Hat man jedoch einen relativ großen Wortschatz, fällt es leicht, das Buch und die Sprache zu verstehen. Die Kapitel selbst sind mal kurz und mal lang, so dass auch Leser mit weniger Zeit ein Kapitel beenden können. Auch der Wiedereinstieg in die Geschichte fiel mir leicht, da die Ereignisse der letzten Kapitel einem lange und prägnant im Gedächtnis bleiben. Da ich sehr viel Stress wegen meiner Klausurphase hatte, habe ich lange gebraucht um das Buch zu beenden. Trotzdem musste ich, auch bei längeren Lesepausen, nie zurückblättern um wieder in die Geschichte hineinzukommen. Ein weiterer Pluspunkt für das Buch.

Die Charaktere haben mir sehr gut gefallen, besonders Charlie, Sam und Patrick. Charlie lernt man durch seine Rolle als Protagonist der Geschichte am besten kennen. Seine Sicht auf die Dinge der Welt wirkt sehr erwachsen, viel erwachsener als die der meisten Jugendlichen in seinem Alter, was es mir leicht machte mich mit ihm zu identifizieren. Er ist sehr sensibel, aber auch sehr einfühlsam und stark und macht im Laufe der Handlung eine wahnsinnige Entwicklung durch, die mir sehr gefallen hat. Sam und Patrick sind die Hauptgründe für diese Entwicklung. Beide wirken von Anfang an sehr sympathisch auf den Leser und nicht nur auf den Leser, sondern auch auf Charlie selbst. Durch die beiden wird Charlie auch mit sehr ernsten Dingen im Leben vertraut wie der ersten Liebe, Sexualität, Selbstfindung, Partys, Drogen und auch Alkohol (was in den 90er Jahren noch einen ganz anderen Ruf hatte als in der heutigen Zeit). In allen Lebenslagen stehen sie Charlie mit Rat und Tat zur Seite und der Leser fühlt sich selbst so, als hätte er in Sam und Patrick echte Freunde gefunden. Leider fallen im Laufe der Handlung die Nebencharaktere ein wenig unter den Tisch; zwar spielt Charlies Schwester noch mit eine der Hauptrollen, aber seine Eltern, sein Bruder und auch Charlies andere Freunde von der High-School scheinen kaum vorzukommen. Das fand ich ein wenig schade, denn so gibt es nur recht wenig Abwechslung unter den Charakteren und ihrer Interaktion mit Charlie an sich und die Handlung kann ein wenig langweilig werden. Zudem hatte ich das Gefühl, dass außer Charlie kein anderer Charakter eine Entwicklung durchgemacht hat. Zwar weiß ich, dass es in dem Buch um Charlies Leben auf der High-School geht, trotzdem hätte ich mir etwas mehr Nähe und Entwicklung auch bei den anderen Charakteren gewünscht.

Je weiter man im Buch voranschreitet, desto mehr scheint die Spannung zu steigen. Am Anfang konnte ich mich kaum motivieren, weiterzulesen, während ich die letzten Seiten des Buches förmlich verschlungen habe. Der Anfang diente auch eher als Einführung in Charlies Leben und seine Familie während es sich danach immer mehr um den Highschoolalltag dreht. Hier wird die Geschichte richtig interessant, denn Charlie scheint ein Bindeglied zu werden, das alle seine Freunde zusammenhält. So lässt er sich zu verrückten Handlungen verleiten, wie während der Fahrt auf der Ladefläche eines Pickup-Trucks zu sitzen und gemeinsam mit Sam und Patrick seine Lieblingslieder zu gröhlen.

Immer wieder baut Chbosky Wendungen in die Handlung ein, die Charlies Verhalten immer mehr zu erklären scheinen bis er ein Ende aufklärt, das niemand erwartet hat. Wir sprechen hier von einem richtig großen Plot-Twist, den ich überhaupt nicht habe kommen sehen, so dass ich am Ende nur noch mit offenem Mund vor dem Buch saß als ich es zuklappte. Das hat der Autor wirklich großartig gemacht. Schade nur, dass er nach The Perks of Being a Wallflower“ nichts mehr verfasst hat. 
 
Fazit:

Ein tolles Buch über Selbstfindung, die erste Liebe und das Gefühl der Zugehörigkeit, verpackt in der Figur eines High-Schoolschülers namens Charlie. Das Buch ist durch seine Tagebuch-/Briefform sehr außergewöhnlich geschrieben und auch sehr poetisch, trotzdem kann man Chboskys Erzählungen leicht folgen. Auch wenn die Handlung den Leser zu Beginn noch nicht sonderlich mitzureißen scheint, packt die Geschichte ihn spätestens ab Mitte des Buches und ruft gegen Ende einen Plot-Twist hervor, der sich gewaschen hat. Alle Charaktere scheinen liebevoll durchdacht, nur leider fallen die Nebencharaktere ein kleines bisschen unter den Tisch. Für dieses tolle Buch vergebe ich daher 4 von 5 Sternen.

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier (englische Originalausgabe) oder hier (deutsche Ausgabe)

Allgemeine Infos zum Buch
Taschenbuch: 184 Seiten
Verlag: Cornelsen Verlag; Auflage: 1. Auflage, 5. Druck 2009 (1. März 2004)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 3464360008
ISBN-13: 978-3464360002