Montag, 28. März 2016

Rezension zu "Shylock Is My Name" von Howard Jacobson

Eine komplizierte Nacherzählung von Shakespeares Original

 

Zum Inhalt:
Mit Shylock Is My Name erzählt Howard Jacobson die Handlung von Shakespeares Der Kaufmann von Venedig nach. Dabei spielen einige Personen und Themen eine zentrale Rolle. Strulovitch, die Hauptperson der Geschichte, kann es nicht fassen: Seine Tochter Beatrice hat sich in einen Christen verliebt! Und das obwohl sie Jüdin ist und ihr Angebeteter sich bisher nicht gerade von der besten Seite gezeigt hat. Auf einem Friedhof im Golden Triangle von Cheshire treffen Strulovitch und Shylock aufeinander. Kurzerhand lädt er Shylock zu sich nach Hause ein und er wird für ihn Diskussionspartner und auch Ratgeber. Zeitgleich versucht D’Anton seinen Freunden Barnaby und Gratan zu helfen, indem er ein Bild von Strulovitch ersteigern und Beatrice mit ihrem Geliebten zusammenbringen will. Dadurch knüpft er unbeabsichtigt und teils unfreiwillig eine Verbindung zu Strulovitch und Shylock, wodurch er in einen Pakt hineingezogen wird, der über alles entscheiden soll...

Meine Meinung:
Da es schon wieder ein Weilchen her ist, dass ich ein englisches Buch gelesen habe, wollte ich mir mit Shylock Is My Name mal wieder etwas Gutes tun und bewarb mich bei einer Leserunde für das Werk. Leider muss ich gestehen, dass mich das Buch kaum bis gar nicht begeistern konnte. Ich muss zudem erwähnen, dass ich Der Kaufmann von Venedig leider nicht im Original gelesen habe, durch die Nacherzählung aber hoffte, einen ungefähren Blick auf die Geschichte zu bekommen.

Die Probleme fingen bei mr schon bei der Sprache an. Der Autor springt schon am Anfang zwischen Präsens und Vergangenheit hin und her, was es für mich sehr schwierig machte, der Handlung wirklich folgen zu können. Immer wieder musste ich neu ansetzen und hatte das Gefühl, aus dem vorherigen Abschnitt nichts behalten zu haben. Dies führte dazu, dass ich diesen dann auch noch ein bis zwei Mal lesen musste, bis ich wirklich alles verstand. Trotzdem war dies nicht immer möglich und ich hatte des Öfteren ein Wörterbuch bei mir liegen, um verschiedene Worte nachzuschlagen, da sie sich mir auch im Kontext nicht wirklich erschließen konnte. Dieses Buch ist also definitiv nichts für Einsteiger oder Gelegenheitsleser, da man an vielen Ecken mit der Sprache aneckt und nicht wirklich versteht, was der Autor dem Leser überhaupt mitteilen will. Dadurch fiel es mir auch schwer, mir die Situationen vorzustellen, die der Autor beschrieb. Nie sah ich Shylock und Strulovitch wie sie sich miteinander unterhielten, noch konnte ich mir eine der anderen Szenerien wirklich gut projizieren. So saß ich also oft mit dem Buch auf dem Sofa, las zwar etwas über die Handlung, konnte aber nicht wirklich in sie hineingezogen werden. Das fand ich etwas schade und hätte mir erhofft, dass der Autor dies etwas besser löste. So wurden die Kapitel, die eigentlich relativ kurz gehalten waren auch zu einem absoluten Albtraum für mich und ich brauchte zwischenzeitlich 2-3 Tage um 20 Seiten in dem Buch zu lesen.

Auch die Charaktere haben mir nicht wirklich zusagen können. Man bekommt zwar eine Einführung auf alle Haupt- und Nebenpersonen, ist aber zeitgleich so distanziert von diesen, dass auch diese nicht wie reale Personen wirken können. Man kann sie scih nur schwerlich vorstellen und sie wirken durch ihr immer gleiches Tun schnell langweilig und repetitiv auf den Leser. Dies war besonders bei Shylock und Strulovitch der Fall, die sich scheinbar nur über ihre "Jewishness" unterhalten konnten und kein anderes Thema fanden, über das sie sprechen wollten. Zudem fiel es mir schwer, die Namen der Personen zu behalten und den einzelnen Charakteren zuzuordnen, sowie die Beziehungen der Protagonisten zueinander mental festzuhalten. Ich benötigte fast das ganze Buch um mir endlich merken zu können, dass Leah und Shylock eine Tochter namens Jessica hatten, und dass Strulovitch, Kay und Beatrice zusammengehörten. Immer wieder verwechselte ich die Personen und musste mich daran erinnern, wer der- oder diejenige wieder war und was er oder sie in der Vergangenheit erlebt hatte. Einzig Plurabelles Geschichte fand ich zu anfang interessant und dachte, sie könnte ein Charakter sein, der dem Leser etwas näher gebracht wird, aber auch dies geschah nicht.

Die Handlung selbst konnte mich nur gegen Ende fesseln; zu drei Vierteln bestand sie nämlich aus endlosen Dialogen zwischen Shylock und Strulovitch, die sich über das Jüdisch-Sein, das Christentum und den Antisemitismus unterhielten. Dies wirkte zwar besonders am Anfang sehr interessant, vor allem da es immer noch ein wichtiges und ernstzunehmendes Thema ist, nervte den Leser jedoch spätestens beim 5. Wiederaufgreifen dessen. Die beiden schienen keine anderen Themen auf Lager zu haben als ihre Religion, wodurch sich das Buch unheimlich für mich zog. Erst im letzten Drittel wurde die Geschichte endlich interessant, denn erst hier traten einige Plottwists auf und es wurde von der doch recht objektiven Erzählweise auf eine amüsante Darstellung der Ereignisse geschwenkt. So kam endlich etwas Leben in die Geschichte und es fiel mir leichter, Motivation für das Weiterlesen zu finden.

Das Ende fand ich nur die Wendung betreffend überraschend. Alles, was drumherum passierte, konnte mich nicht wirklich fesseln und ich nahm es nach der Beendigung des Buches einfach so hin wie es war. Es ließ mich weder recht nachdenklich, noch besonders aufgeregt, sondern eher neutral und unbetroffen zurück. Somit war es für mich nur recht durchschnittlich und für mich nicht noch einmal lesenswert.

Fazit:
Für mich hat sich Shylock Is My Name leider zu einer richtigen Enttäuschung entpuppt. Die Distanz zu den Charakteren, die umständliche Sprache und die endlosen Dialoge über ein und dasselbe Thema haben nicht gerade meine Motivation gefördert, dieses Buch zu lesen. Vielleicht hätte ich es besser nachvollziehen können, wenn ich das Original von Shakespeare gelesen hätte. Wer gerne eine etwas kompliziertere Darstellung der Geschichte lesen möchte, kann ich dieses Buch empfehlen. Mich konnte es leider kaum bis gar nicht fesseln. Kein Charakter hat mir gefallen und die Handlung zieht sich extrem, bis es am Ende interessant wird und es endlich einmal zu einer überraschenden Wendung kommt. Da das Buch mir bis auf diesen letzten Aspekt nicht gefallen hat, bekommt Shylock Is My Name gerade noch 2 Sterne von mir.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 04.02.2016
Aktuelle Ausgabe : 04.02.2016
Verlag : The Hogarth Press Ltd
ISBN: 9780701188993
Flexibler Einband
Sprache: Englisch