Sonntag, 28. Februar 2016

Rezension zu "Der Augenjäger" von Sebastian Fitzek

Um Längen besser als der Vorgänger

 

Zum Inhalt:
Der Augenjäger ist der Nachfolger von Der Augensammler. Alexander Zorbach ist verzweifelt. Immer noch sucht er nach seinem geliebten Sohn Julian, der vom Augensammler verschleppt wurde. Es mangelt an Hinweisen und allem Möglichen und so langsam weiß er keinen Ausweg mehr. Doch nicht nur bei ihm läuft es nicht so wie es sollte. Seine Freundin Alina, die er seit dem Fall des Augensammlers nicht mehr gesehen hat, wird von der Polizei um Hilfe gebeten. Deren Anliegen: Dr. Suker, einer der besten Augenärzte der Welt. Und zudem noch Psychopath. In einem geheimen Labor soll er bereits mehreren Frauen die Augenlieder entfernt und sie danach vergewaltigt haben. Da bisher alle seine Opfer Selbstmord begangen haben, soll Alina nun mithilfe ihrer hellseherischen Fähigkeiten aufdecken, was wirklich geschehen ist - und gerät dabei selbst in Dr. Sukers Hände...

Meine Meinung:
Vielleicht kann sich der ein oder andere noch erinnern, was ich über Der Augensammler zu sagen hatte. Dieses Buch hat mir eigentlich so gar nicht zugesagt, da es starke Ähnlichkeiten mit dem Playstation-Spiel Heavy Rain hatte. Trotzdem habe ich mich jetzt dennoch an die Fortsetzung gewagt, weil ich einfach ein zu neugieriger Mensch bin - und war äußerst positiv überrascht.

Dass Fitzek schreiben kann, habe ich ja bereits schon mehrfach erwähnt. Er hat einen sehr lebendigen Erzählstil, der den Leser stark in die Handlung mit hineinreißt und ihn an das Geschehen fesselt. So ist es auch bei diesem Buch. Man schlüpft wieder in die Rollen von Alexander und Alina und erlebt zwei unterschiedliche Handlungsstränge, die die gleiche Menge an Spannung enthalten. Dass Fitzek bei seinen beiden Protagonisten dazu noch die Ich-Perspektive nutzt, hilft dem Leser noch zusätzlich, sich richtig in die Handlung einzufinden. Ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich zusammen mit Alina und Alexander die Geschichte erlebe. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen und half mir, mir auch die einzelnen Szenerien besser vorzustellen. Besonders gut fand ich auch am Anfang die kleine Rekapitulation der Geschehnisse aus "Der Augensammler". So hat der Leser nochmals vor Augen geführt bekommen, was genau alles passiert ist, wenn es schon länger her ist, dass er den Vorgänger gelesen hat. Auch die Länge der Kapitel fand ich übersichtlich und man konnte gut wieder in die Handlung einsteigen. Dies war auch möglich, wenn man mitten im Kapitel eine kleine Pause eingelegt hatte. Im Großen und Ganzen war aber ein Kapitel zu schaffen, so dass man nicht unbedingt mittendrin aufhören musste.

Das letzte Mal habe ich ja ordentlich an den Charakteren herumgemeckert, dass sie sehr große Ähnlichkeiten mit Heavy Rain aufwiesen. Dieses Buch aber zeigt die Weiterentwicklung der Charaktere, die mir sehr gut gefallen hat. Sie lösen sich von der Gestaltung im ersten Teil ab, bleiben sich selbst aber trotzdem treu. Sie entwickeln also nur neue Charakterzüge, der den Vergleich mit dem Playstation-Spiel unmöglich macht. Dies sage ich in einem äußerst positiven Sinn. Wirkte Alina im ersten Band nur wie der nette Sidekick von Alexander, entwickelt sich hier eine eigenständige Geschichte, die sie durchlebt. Ich kann mich eh kaum daran erinnern, dass die beiden sich einmal richtig begegnet sind, sondern praktisch nur ihre eigenen Probleme und Aufgaben im Kopf hatten. So konnte man vor allem Alina als eigenständiges Individuum betrachten. Ein wenig haben mir dann aber trotzdem die Zusammenkünfte von den beiden gefehlt, da ich sie als Team wirklich klasse gefunden habe. Nichtsdestotrotz habe ich mich sehr gefreut, dass auch Alina ihren eigenen Handlungsstrang bekommt. Auch Alexander fand ich noch um einiges detaillierter gestaltet als im ersten Band. Irgendwie hatte ich das Gefühl, ich könnte mich noch besser in ihn hineinversetzen und seine Handlungen nachvollziehen. Im Grunde ist er ja immer noch auf der Suche nach seinem Sohn, aber irgendwie war auch diese nochmals besser gestaltet worden als zuvor. Neben den Hauptcharakteren geraten die Nebenpersonen ein wenig in den Hintergrund. Viele hatten nur relativ wenige Auftritte, was ich ein wenig schade fand. So wird sich größtenteils nur auf Alina und Alexander konzentriert, ebenso wie auf Dr. Suker und Julian, da diese beiden diejenigen sind, die von Alexander und Alina gesucht werden. Hier hätte ich mir vielleicht ein wenig mehr Nebenhandlung neben dem Hauptgeschehen gewünscht.

Trotzdem fand ich den Handlungsverlauf wirklich wirklich gut gestaltet, so dass der Leser sich wie in einem Sog befindet und einfach weiterlesen muss. Ständig passiert irgendetwas Neues, das den Leser neugierig macht. Daher will er unbedingt wissen, was als Nächstes passieren wird. Insgesamt scheint ein Knaller auf den anderen zu folgen. Hier löst sich Der Augenjäger wirklich sehr stark von seinem Vorgänger ab und entwickelt eine eigenständige Handlung, die zwar immer noch mit dem ersten Teil zusammenhängt, aber trotzdem nicht komplett abhängig von ihm ist. Allein, dass Fitzek Alina einen eigenen Handlungsstrang gegeben und somit eine komplett neue Geschichte entwickelt hat, ist einfach großartig. Auch hier wird der Leser durch verschiedene Cliffhanger an den Kapitelenden neugierig auf das weitere Geschehen gemacht. Dass dann noch die Perspektive wieder umschwenkt, erhöht die Spannung noch zusätzlich. Mir ist es sehr schwergefallen, das Buch aus der Hand zu legen, da mir keine Stelle in Erinnerung geblieben ist, die ich wirklich langweilig fand. Alles ist sehr interessant beschrieben und aufgezogen, sowohl bei Alina als auch bei Alexander. Auch die Suche nach Julian ist sehr detailliert durchdacht und präzise gestaltet worden. Der Leser bewegt sich immer in einem Rahmen, so dass er nur weiß, was auch Alexander weiß. Das hat mir auch äußerst gut gefallen und machte neugierig auf mehr.

Das Ende hat mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen, da es förmlich nach einem dritten Teil schreit, der bisher aber noch nicht erschienen ist. Für mich sind noch zu viele Fragen unaufgeklärt geblieben, als dass die Kurzreihe jetzt für mich enden könnte. Zwar fügt sich das Ende mit seinem Zynismus wirklich gut an den Rest des Thrillers an, dennoch hatte ich die Erwartung, dass vielleicht noch etwas mehr kommen könnte. Mir haben einfach die Begegnungen zwischen Alina und Alexander gefehlt und das Ende lässt darauf schließen, dass die Suche nach dem Täter immer noch nicht vorbei ist. Hoffentlich hat Herr Fitzek ein Erbarmen und veröffentlicht noch einen dritten Teil der Reihe. Vier Jahre des Wartens sind eindeutig genug.

Fazit:
Ich muss zugeben, dass ich wirklich sehr positiv überrascht war, nachdem ich das Buch beendet habe. Es hat nur von der Grundstruktur noch Ähnlichkeiten zu seinem Vorgänger, präsentiert dem Leser aber zwei unterschiedliche Handlungsstränge, die beide gleich spannend sind. Ein Vergleich zu Heavy Rain ist somit nicht mehr möglich - und das ist auch gut so. Die gesamte Handlung hat sich weiterentwickelt, ebenso wie die Charaktere, obwohl ich mich eigentlich auf eine Zusammenführung von Alina und Alexander gefreut habe. Auch die Nebencharaktere sind mir ein wenig zu kurz gekommen. Trotzdem kam in keinem Moment des Buches Langeweile auf, so dass man als Leser förmlich durch die Handlung fliegt. Das Ende hat mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen, da immer noch einige Fragen ungeklärt bleiben, die eigentlich gelöst werden müssen. Ich hoffe, der Autor veröffentlicht noch einen dritten Teil, sonst wäre das Ende wirklich absolut undankbar dem Leser gegenüber. Der Augenjäger bekommt daher von mir 5 von 5 Sternen.

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Allgmeine Infos zum Buch
Aktuelle Ausgabe : 02.11.2012
Verlag : Knaur Taschenbuch
ISBN: 9783426503737
Flexibler Einband 432 Seiten
Sprache: Deutsch