Samstag, 27. Februar 2016

Rezension zu "Der Bund der Zwölf" von Miriam Pharo

Ein richtiger Geheimtipp für alle Musikliebhaber

 

Zum Inhalt:
Paris, 1926: Die Stadt floriert und besonders Theater, Lichtspielhäuser und Konzertsääle sind vollgepackt mit Menschen, die gerne der klassischen Musik lauschen möchten. Besonders beliebt ist momentan die "Philharmonie der zwei Welten", die die Zuhörer verzaubert. Doch etwas stimmt ganz und gar nicht. Innerhalb von kurzer Zeit sterben zwölf Menschen, plötzlich gealtert, obwohl sie noch vor Lebensfreude sprühten, unter Höllenqualen. Kein Arzt kennt den Grund für die sogenannte "Methusalem-Seuche" und auch die Polizei ist ratlos. Zwei Menschen wollen diesen aber unbedingt aufdecken: Der Klubbesitzer Vincent und seine beste Freundin Magali. Handelt es sich wirklich um eine Krankheit? Oder ist es eine Mordserie?

Ein paar Jahre zuvor wird das stumme aber begabte Mädchen Anna Mitglied in dem Orchester "Philharmonie der zwei Welten". Mit Spaß und Freude nimmt sie an den Orchesterproben teil, aber doch vermisst sie schmerzlich ihren Tata. Vor allem, dass sie langsam aber sicher sein Gesicht vergisst tut ihr weh. Doch im Jahr 1926 ist ihr Vater plötzlich nur noch ihre kleinste Sorge...

Meine Meinung:
Der Bund der Zwölf habe ich in einer Leserunde gewonnen und allein schon die Leseprobe hat es mir angetan. Ich spiele selbst ein Instrument und daher fand ich die Idee, musikalische Elemente in die Geschichte einzubauen richtig gut. Bisher hatte ich nur mit Virtuosity ein Buch in dieser Richtung gefunden, das mir richtig gut gefallen hat.

Der Schreibstil der Autorin ist sehr flüssig und sehr leicht zu lesen. Man kommt gut in die Geschichte hinein, obwohl man ein wenig unvermittelt in die Handlung hineingeworfen wird. Zwar muss man sich einen Moment orientieren, dennoch hat man nach etwa zwei bis drei Seiten einen vagen Überblick über das Geschehen. Am Anfang weiß der Leser eh noch nicht sonderlich viel über das mysteriöse Altern der Menschen. Er befindet sich vom Wissensstand her also etwa auf dem gleichen Level wie die Polizei. Diese eingeschränkte Sicht auf die Handlung macht ihn jedoch auch sehr neugierig, so dass er gerne weiterlesen will. Auch die Darstellung der 20er Jahre hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte mich richtig gut in die Szenerie hineinversetzen und auch die Handlungen der Charaktere sehr gut nachvollziehen. Ein paar Probleme ergaben sich dennoch am Anfang mit den einzelnen Zeitsprüngen zu Beginn der Kapitel. Manchmal war ich ein wenig verwirrt, in welcher Zeit wir uns befanden, so dass ich zwischenzeitlich ein wenig zurückblättern musste um mich neu zu orientieren. Das legte sich aber dann nach einiger Zeit, besonders, da der Leser auch immer mehr in die Handlung hineinwächst. Am besten haben mir aber wohl die Beschreibungen der gespielten Symphonien gefallen. Ich höre nicht sonderlich viel klassische Musik, aber während ich das Buch gelesen habe und ein weiteres Stück auftauchte, habe ich dieses nebenher abgespielt. Die Beschreibungen der Autorin passen wirklich haargenau auf jedes einzelne Stück und ließen mein Musikerherz wirklich höherschlagen. Zudem wirkt es sehr atmosphärisch, wenn nebenher die beschriebenen Stücke laufen, so dass man sich noch ein wenig mehr im Buch verlieren kann. Die Länge der Kapitel fand ich vollkommen in Ordnung. Die Länge war abwechslungsreich gestaltet, aber keines war allzu lang, dass man zwischendurch eine Pause hätte machen müssen.

Kommen wir nun zu den Charakteren, die uns im Verlauf des Buches vorgestellt werden. Vincent und Magali sind neben Anna die ersten Hauptcharaktere. Leider konnte ich mich zu Anfang nicht sonderlich stark in den Klubbesitzer und seine Freundin einfühlen. Irgendwie waren beide Charaktere etwas distanziert, so dass man sie zwar kennenlernte und ihre Handlungen nachvollziehen konnte, aber es sich nicht so anfühlte, als erlebte man mit ihnen die Handlung. Dies besserte sich im Verlauf der Handlung deutlich und spätestens ab der Mitte fühlte man sich den Hauptpersonen des ersten Erzählstranges sehr stark verbunden und drückte ihnen die Daumen, dass sie die Sache mit der mysteriösen Seuche aufklären. Anna war mir im Gegensatz dazu von Anfang an sehr nah und deswegen zog ich besonders im ersten Viertel des Buches ihre Geschichte ein wenig vor, auch wenn diese zumeist nur aus kurzen Abschnitten bestand. Vielleicht lag es daran, dass es hier ein wenig mehr um die Musik ging, genau sagen kann ich es aber nicht. Irgendwie fesselte mich ihr Erzählstrang ein wenig mehr als der andere. Dies relativierte sich jedoch im Verlauf des Buches. Die Nebencharaktere fand ich genauso wie die Hauptcharaktere sehr liebevoll gestaltet. Jeder hatte eine andere Persönlichkeit: Der lustige und geheimnisvolle Béberé, der leicht tollpatschige Polizist Fournier, die angsteinflößende Näherin, sowie der nette Meister Menotti. Alle konnten sowohl bei Vincent, Magali und Anna als auch bei mir starke Verbundenheit oder tiefe Abneigung hervorrufen. Zu jedem Charakter hegte man zumindest ein Gefühl, wenn man diesem begegnete. Dies kann dem Leser auch wiederrum helfen, sich in die Geschichte einzufinden. Zudem haben alle Charaktere Ecken und Kanten und wirken nicht zu utopisch auf den Leser, so dass man sie sich als reale Personen in die heutige Welt denken kann.

Auch der Handlungsverlauf hat mir sehr gut gefallen. Braucht die Geschichte am Anfang ein wenig Zeit um anzulaufen, kann man das Buch spätestens ab der ersten Hälfte nicht mehr aus der Hand legen. Zudem passiert in den Erzählsträngen noch so viel nebenher, dass gar keine Langeweile aufkommt. Vincent muss zusehen wie er die Näherin bezahlt beispielsweise oder Annas Rückblick auf ihre Zeit beim Orchester bevor ihre Gegenwart dem Leser offenbart wird. Dennoch wirkt die ganze Abhandlung des Geschehens nicht übereilt oder allzu hektisch als hätte die Autorin das Buch unbedingt abschließen müssen. Die Aneinanderreihung der Handlungen ergibt sehr viel Sinn und ist in sich schlüssig. Bei der Leserunde ist mir aufgefallen, dass jeder zu den Abschnitten andere Situationen aus dem jeweiligen Leseabschnitt herausgegriffen hat, wo ich auch dachte, ach ja, das ist ja auch noch passiert. Hier fand ich es sehr interessant wie andere Leser das Buch aufnehmen und welche Handlungen ihnen besonders im Gedächtnis geblieben sind. Zudem kann ich mich an keine Stelle erinnern, die sonderlich langweilig war. Immer wieder passierte etwas neues und der Leser wurde lange hingehalten, bis er hinter das Geheimnis der Methusalem-Seuche kommt. Dies steigerte nochmal die Neugier und zudem noch das Vergnügen beim Lesen des Buches.

Das Ende wartet nochmals mit einer überraschenden Wendung auf, die ich überhaupt nicht erwartet hätte. Sie ließ mich ein wenig zwiegespalten zurück, aber dennoch bin ich recht zufrieden mit dieser. Insgesamt bietet das Ende des Buches einen runden Abschluss zum Gesamtgeschehen. Die Spannung wird langsam herausgenommen und man kommt ganz ruhig am Ende des letzten Kapitels an, obwohl so viel geschehen ist. Hoffentlich veröffentlicht die Autorin weitere Bücher in dieser Richtung.

Fazit:
Ein richtig schönes Buch mit Mystery-, Thriller- und romantischen Elementen, die besonders die Musik in den Fokus stellen. Der Schreibstil ist flüssig und man kann der Handlung gut folgen, während die Beschreibungen der klassischen Stücke sehr bombastisch ausfallen, aber dennoch sehr gut passen. Mir hat es nebenbei noch geholfen, die beschriebenen Stücke aufzulegen um noch ein wenig mehr Atmosphäre zu kreieren. Auch die Charaktere sind gut gelungen. Hier hat die Autorin wirklich viel Arbeit geleistet, denn jeder hat eine eigene Persönlichkeit und wirkt auch immer wieder anders auf den Leser. Zudem konnte ich mich sehr gut in das Paris der 20er Jahre zurückversetzen, da die Beschreibungen der Stadt sehr lebhaft ausgefallen sind. Obwohl die Handlung erst ein wenig anlaufen muss, um interessant zu werden, gerät der Leser irgendwann in solch einen Sog, dass er sich diesem nicht entziehen kann. Ohne, dass die Handlungen hektisch aneinandergereiht zu sein scheinen, spitzt sich die Situation immer weiter zu, was die Spannung nochmals erhöht. Das Ende ist wieder ein ruhiger Abschluss und fügt sich wirklich gut in die restliche Geschichte ein. Für mich ist Der Bund der Zwölf ein richtiger Geheimtipp für Musik- und Thriller-Liebhaber, die gerne noch eine Prise Romantik dabeihaben. Für dieses tolle Buch vergebe ich daher 5 von 5 Sternen.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 10.01.2016
Aktuelle Ausgabe : 10.01.2016 
Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
ISBN: B01AG9HXH2
E-Buch Text 290 Seiten
Sprache: Deutsch