Mittwoch, 6. Januar 2016

Rezension zu "Gated: Die letzten 12 Tage" von Amy Christine Parker

Beklemmendes Jugendbuch

 

Zum Inhalt:
Gated: Die letzten 12 Tage ist der erste Teil der Gated-Reihe. Die 17-jährige Lyla lebt mit ihrer Familie in Mandrodage Meadows, einer kleinen Kommune mitten in Amerika, die sich vom Leben der Außenwelt abschottet. Das besondere an der kleinen Gemeinschaft, die aus mehreren Familien besteht: Alle glauben an den Weltuntergang. Pioneer, der Anführer und Gründer der kleinen Kommune schirmt die Menschen ab und erzählt ihnen, sie seien "auserwählt" worden, den Weltuntergang zu überleben. Auch Lyla zweifelt an der Wahrheit seiner Worte nicht, ebenso wenig wie die anderen. Sie erhalten keinen Zugang zu den Medien, denn Pioneer informiert sie so oder so über das Geschehen in der Welt. Erst als der Sohn des Polizeichefs Cody auftaucht, gerät die heile Welt in Mandrodage Meadows für Lyla ins Wanken. Allerdings bleibt ihr nicht viel Zeit, die anderen zu warnen. Nur 12 Tage haben sie, bevor alle in den Schutzbunker flüchten und alle Hoffnung vergebens ist. Denn Lyla erkennt, dass das Böse nicht in der Außenwelt liegt, sondern mitten unter ihnen ist...

Meine Meinung:
Dieses Buch stand schon lange Zeit auf meiner Liste und jetzt komme ich auch endlich dazu, eine Rezension dazu zu schreiben. Bei Gated: Die letzten 12 Tage handelt es sich um einen Jugendroman, der dystopische Züge aufweist: alles wird über eine einzelne Person kontrolliert, die Mitglieder der Gemeinde müssen bestimmte Regeln befolgen, die ihre Freiheit einschränken, aber das scheint sie nicht zu stören und sie hinterfragen nichts.

Dadurch wirkt der Schreibstil, den die Autorin in ihrem Erstling nutzt, äußerst beklemmend, so dass sich auch der Leser äußerst unwohl fühlt, wenn er die Situationen durchlebt, in denen Lyla sich befindet. Insgesamt wird eine leicht verständliche Sprache im Roman verwendet, so dass man der Handlung leicht folgen und sich zudem die Handlungen der Charaktere sehr gut vorstellen kann. Während der Geschichte schlüpft der Leser in die Haut von Lyla, um die es ja auch hauptsächlich geht, so dass er einen besonderen Einblick auf ihre Gedanken und Gefühle hat. Auch hier kreiert die Autorin eine durchgehend beklemmende und unangenehme Atmosphäre, denn Lylas Gedanken sind manchmal so sehr von Pioneer oder den Regeln der Gemeinde allgemein geprägt, dass man sie einfach anschreien müsste, warum sie denn nicht die Augen aufmachen und selbst denken würde. Dass die Ideologien, die Lyla in den Kopf gepflanzt wurden, funktionieren, lässt sich an der Tatsache festhalten, dass viele Handlungen, die auf den Leser beängstigend wirken für Lyla ganz normaler Alltag sind. Insgesamt erhält man einen guten Blick auf die Welt, in der Lyla ihr Leben verbringt. Vieles ist sehr detailliert hervorgehoben, nicht nur, wie sie dazu kamen, in die Kommune aufgenommen zu werden, sondern auch, wie die Gemeinschaft im Allgemeinen funktioniert. Dies geschieht nicht in einem Zug, sondern immer in kleinen portionierten Häppchen, die an die Situationen angepasst sind. Dadurch kann man sich das Leben in der Gemeinschaft sehr gut vorstellen, da alles sehr durchdacht wirkt. Die Kapitel selbst sind mal kurz und mal lang gehalten. Abwechselnd geht es um die Gegenwart und die Vergangenheit. Während Lyla in den Gegenwartssequenzen erzählt, was gerade in diesem Moment geschieht, berichtet sie im Vergangenheitsstrang der Geschichte wie ihre Eltern dazu kamen nach Mandrodage Meadows zu ziehen. Alle Kapitel sind gut in einem Rutsch schaffbar, auch wenn sie manchmal etwas länger gehalten sind. Trotzdem findet man nach einer Lesepause wieder gut in die Geschichte hinein.

Kommen wir nun zu den Charakteren, die uns im Verlauf der Handlung vorgestellt werden. Durch die Ich-Perspektive, die die Autorin durch das gesamte Buch hindurch nutzt, lernt man alle Charaktere und ihre Beziehungen zueinander durch Lyla kennen. Über letztere erfahren wir auch am meisten, da der Leser ständigen Zugriff auf ihre Gedanken und Gefühle hat. Obwohl die Charaktere am Anfang der Geschichte sehr oberflächlich erscheinen, entwickeln sie im Laufe der Handlung eigenständige Charaktereigenschaften, die auch später noch eine größere Relevanz für die Geschichte haben. Insbesondere die Hauptcharaktere, zu denen nicht nur Lyla, sondern auch Cody und Marie gehören, sind besonders detailliert herausgearbeitet worden und haben von allen auftretenden Charakteren die größte Persönlichkeit. Auch in diese kann man sich ab spätestens der Buchmitte gut hineinfinden. Zudem erleben während der Gesamthandlung des Romans eine richtige Wandlung, was äußerst überraschend für den Leser sein kann. Dadurch möchte er außerdem erfahren, wie es mit der Geschichte weitergeht. Was mir außerdem noch gut gefallen hat, war, dass auch die Nebencharaktere viele Auftritte hatten. Dadurch lernte man auch diese einigermaßen gut kennen. Dennoch drängen diese sich nicht komplett in den Vordergrund, so dass man sie als Hauptpersonen hätte betrachten können.

Auch der Handlungsverlauf hat es in sich, denn das Buch ist durchweg spannend geschrieben, so dass man den Roman nicht aus der Hand legen möchte. Mit jedem Kapitel wird die Handlung weitergesponnen oder auch bestimmte Verhaltensweisen der Charaktere erklärt. Dadurch wirkt das Buch insgesamt sehr gut durchdacht, detailliert und die Charaktere sehr real auf den Leser. Zudem erfährt der Leser, wie Lyla und die anderen nach Mandrodage Meadows gekommen sind. Dies wird durch die Vergangenheitskapitel deutlich, wodurch auch die Vergangenheit der Charaktere selbst deutlich wird. Auch die Wendungen, die die Autorin im Handlungsverlauf eingebaut hat, wirken zwischenzeitlich sehr überraschend auf den Leser. Sie werden nicht von ihm erwartet, so dass er sehr erstaunt und fassungslos darüber ist, was passiert. Dies bewirkt, dass er das Buch kaum noch aus der Hand legen kann. Insgesamt empfand ich den Handlungsverlauf als gut durchdacht mit einer logischen Abfolge der Ereignisse. Ich hatte nicht das Gefühl, dass irgendetwas im Ablauf nicht gepasst hätte oder komisch klang. Dadurch ergibt der Handlungsverlauf sowie die Handlung der Charaktere einen Sinn.

Auch das Ende fügt sich gut und logisch in die restliche Geschichte ein. Es wirkt nicht allzu übertrieben, macht aber, obwohl es einen Epilog gab, Lust auf mehr. Dies liegt besonders an den Fragen, die immer noch unbeantwortet bleiben. Wenn Gated als Einzelband geplant wäre, wäre ich in diesem Punkt recht unzufrieden mit dem Ende gewesen. Da es jedoch eine Fortsetzung geben soll, hoffe ich, dass die Autorin dort die letzten Lücken schließt. 

Fazit:
Gated: Die letzten 12 Tage ist ein tolles Jugendbuch, das sich mit ideologiebasierten Kommunen auseinandersetzt, besonders bezogen auf ein recht aktuelles Thema wie den Weltuntergang von 2012 (denn zu dem Zeitpunkt spielt die Geschichte). Die Sprache wirkt durchweg beklemmend, was eine gute Atmosphäre kreiert, in die sich der Leser perfekt einfühlen kann. Man fühlt sich dadurch praktisch als Teil der Kommune obwohl man mit ihren Ideologien und Regeln nicht übereinstimmt. Deswegen möchte man auch manchmal Lyla für ihr Verhalten anschreien obwohl man weiß, dass sie es nie anders gelernt hat. Auch die restlichen Charaktere, Lyla ausgeschlossen, wirken extrem real auf den Leser, was ihm hilft, sich in sie einzufühlen. Zudem entwickeln sie sich während der Handlung weiter, so dass man eine richtige Wandlung in ihrem Verhalten beobachten kann. Die Handlung selbst war durchgehend spannend. Ich kann mich an keine Längen erinnern, die den Leser aus dem Konzet bringen könnten und die überraschenden Wendungen machen auf jeden Fall Lust auf mehr. Trotzdem bleiben einige Fragen ungeklärt, die im Romanverlauf auftauchen. Ich hoffe, diese werden im Folgeband aufgeklärt. Gated: Die letzten 12 Tage bekommt aufgrund dieser Rezension 5 Sterne von mir.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.09.2014
Aktuelle Ausgabe : 01.09.2014
Verlag : dtv
ISBN: 9783423760980
Fester Einband 336 Seiten
Sprache: Deutsch