Donnerstag, 13. August 2015

Rezension zu "Über uns der Himmel" von Kristin Harmel

Konnte mich leider überhaupt nicht fesseln

 

Zum Inhalt:
2001: Das Leben könnnte für Kate und Patrick nicht schöner sein. Frisch verheiratet sind sie in ihre neue Wohnung in Manhattan gezogen, die nicht weit von Patricks Arbeitsplatz entfernt ist. Eines Morgens geht Kate am Hudson River joggen, als plötzlich ein Flugzeug ins das World Trade Center kracht - genau in die Etage, auf der Patrick arbeitet. Der Anschlag hinterlässt viel Zerstörung, sowie tiefe Trauer bei Kate.

13 Jahre später scheint Kate doch endlich nochmals ihr Glück gefunden zu haben. Sie hat ihren großen Traum verwirklicht und ist Musiktherapeutin geworden mit einer gut laufenden Praxis und vor kurzem hat sie sich mit ihrem Freund Dan verlobt. Doch langsam kommen ihr Zweifel ob das die richtige Entscheidung war. Denn plötzlich trifft sie in ihren Träumen auf Patrick, der ihr sagt, dass er sie liebt. Durch die Realität dieser Träume wird Kate richtig mitgenommen. Will ihr toter Ehemann ihr damit etwas sagen? Aber was? Festhaltend an ihrer großen Liebe beginnt Kate an ihr Glück zu glauben - allerdings auf eine andere Weise als sie gedacht hätte...

Meine Meinung:
Über uns der Himmel ist mal wieder ein Bahnhofskioskeinkauf von mir gewesen und ich wurde durch den sehr ansprechenden Klapentext gefesselt. Da die Idee hinter der Geschichte sehr interessant klang, musste ich das Buch unbedingt haben, besonders weil Musik ein sehr großer Themenkomplex des Buches ist.

Durch die ersten 100 Seiten des Buches rutscht man nur so durch. Kristin Harmels Schreibstil ist locker und leicht und man kann ihren Erzählungen recht gut folgen. Auch hier hatte ich wieder das Gefühl, dass ich die Handlung selbst erlebe. Die ganze Geschichte ist aus Kates Perspektive geschrieben worden, was dem Leser hilft, sich in sie hineinzuversetzen. Das verwendete Präsens lässt den Leser dabei noch etwas näher in die Geschichte hineintauchen. Jedoch fiel nach diesen 100 Seiten die Spannung stark ab und ich konnte mich kaum bewegen weiterzulesen. Woran es genau lag kann ich nicht sagen, aber ich hatte einfach nicht mehr das Bedürfnis, fortzufahren. Ständig schien immer das Gleiche zu passieren: Kate hat die Träume, sie streitet sich mit Dan und sagt sich immer wieder selbst sie müsse aufhören, weiter so an Patrick zu hängen. Das war nach einiger Zeit wirklich sehr nervig und man konnte sich denken, was passieren würde, wenn sie wieder aus einem dieser Träume aufwachte. Auch der Wortlaut klang immer wieder gleich, egal ob Kate sagte, sie müsse sich von Patrick lösen oder eine ihrer Bezugspersonen. Der Schreibstil schien für mich im Laufe der Geschichte immer mehr abzuflachen.  Die Kapitel selbst sind zudem noch relativ lang. Ich hatte große Probleme, wieder in die Geschichte hineinzufinden und wusste oft nicht, was vorher passiert war, oder in welcher Beziehung Kate mit dieser oder jener Person steht.

Das fand ich auch ein wenig schade. Die Nebencharaktere fallen in der Geschichte wirklich unter den Tisch. Wenn Gina, Kates beste Freundin auftaucht, weiß man oft gar nicht mehr wer sie ist, weil sie gerade einmal zwei oder drei Auftritte im Buch hatte. Diese Verwirrung schmälerte meine Motivation noch mehr, was wirklich sehr schade ist, da sensible Themen wie Trauerbewältigung, Schwerhörigkeit und Musiktherapie immer wieder aufgegriffen werden und man auch als Leser viel über diese Sachen erfährt. Doch leider bleiben die Charaktere sehr stark auf dem Papier hängen. Man erfährt nicht genug über sie um sich selbst ein Bild zu machen, da sie nur äußerst wenige Auftritte haben. Aber nicht nur die Menschen, die Kate privat kennt fallen sehr unter den Tisch, sondern auch die Personen, mit denen sie in der Musiktherapie zusammenarbeitet. Irgendwie war mir das zu grob gestaltet. Es klang immer so, als würde sie sagen, dass sie mit der Person arbeitet, aber was genau sie machte, klang nie wirklich heraus. Das war wirklich sehr schade, da sie im Buch selbst sagt, dass es ihr Traumjob ist. Allerdings hatte ich mit Kate genau das gleiche Problem wie mit allen anderen Charakteren: es fiel mir unglaublich schwer mich in sie hineinzuversetzen, was wahrscheinlich auch an den ganzen nervigen Wiederholungen lag. Aber irgendwie wurde ich mit ihr als Charakter nicht warm. Ich konnte zwar die Handlung gut mitverfolgen, aber ich war nicht Kate, der das passierte, sondern irgendein Außenstehender, der nur beobachtet. Auch ihre Gefühle und ihr Schicksal, Patrick verloren zu haben, konnten mich nicht wirklich erreichen. Warum genau weiß ich nicht, aber es gelang mir einfach nicht. Natürlich konnte ich mit ihr mitfühlen, aber die Trauer, die sie im Buch auch näher beschreibt, kam nicht so nah an mich heran. Auch die Ich-Perspektive half mir nicht wirklich, Kate besser zu verstehen und kennenzulernen. Das einzige, was mir wohl an ihr gefallen hat, ist tatsächlich ihre Charakterentwicklung, die sie durchmacht, da ihre Trauerbewältigung nicht innerhalb von 50 Seiten abgeschlossen ist.

Zum Handlungsverlauf kann ich eigentlich nur sagen, dass die ersten 100 Seiten wirklich gut waren, aber danach immer wieder nur das Gleiche zu passieren scheint. Was passierte war äußerst vorhersehbar und konnte mich einfach nicht fesseln - sehr zu meinem Bedauern muss ich sagen, da der Klappentext so vielversprechend klang. Die ständigen Handlungs- und Wortwiederholungen machten es nicht besser, sondern ließen mich das Buch immer seltener in die Hand nehmen.

Allein das Ende hat mir gut gefallen, eben weil es im Gegensatz zum Rest der Geschichte nicht allzu vorhersehbar ist. Es wirkte nicht übertrieben, sondern genau richtig eingesetzt und passte auch gut zu Kates Charakterentwicklung. Auch ist es nicht zu abrupt sondern fügt sich recht gut in die letzten Seiten der Geschichte ein. Das hat mir ganz gut gefallen und ist eigentlich mein Highlight des Buches gewesen.

Fazit:
Leider war das Buch, trotz guter Idee und ansprechendem Klappentext überhaupt nicht ansprechend für mich und hat mich eher enttäuscht als begeistert. Zwar werden sensible Themen aufgegriffen, aber im Laufe des Buches scheinen diese immer mehr unter den Tisch zu fallen, um Platz für Kates Gefühlschaos zu machen. Das fand ich sehr schade, zumal ich hier das Gefühl hatte, dass vieles aus Handlungs- und Wortwiederholungen bestand. Dies ist ein Grund warum die Geschichte für mich nach etwa 100 Seiten recht langweilig wurde. Ich konnte mich einfach nicht mehr dazu bewegen, weiterzulesen, obwohl der Schreibstil der Autorin sehr gut und ansprechend ist. Auch mit den Charakteren wurde ich nicht wirklich warm. Ich konnte mit Kate überhaupt nichts anfangen und die anderen Nebencharaktere schienen während des Handlungsverlaufs immer unwichtiger zu werden. Das Ende hingegen hat mir wiederum ganz gut gefallen, weil es echt wirkte und nicht abgehackt und übertrieben. Zudem passte es ganz gut zu Kates Charakterentwicklung. Über uns der Himmel bekommt mit Hängen und Würden 3 Sterne von mir, weil die Idee der Geschichte großes Potenzial hat. Vielleicht gibt es jemanden, dem das Buch besser gefällt als mir.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 16.03.2015
Aktuelle Ausgabe : 16.03.2015
Verlag : Blanvalet Taschenbuchverl
ISBN: 9783442383337
Flexibler Einband 480 Seiten
Sprache: Deutsch