Samstag, 15. August 2015

Rezension zu "Hope Forever" von Colleen Hoover

Für mich viel zu kitschig und realitätsfern

 

Zum Inhalt:
Linden Sky Davis, genannt Sky, ist 17, adoptiert und wohnt mit ihrer besten Freundin Six Fenster an Fenster. Da Six sich ständig neu verliebt, hat sie abends oft ihre neueste Errungenschaft bei sich daheim - und die Freunde ebendieser Errungenschaft sind mit Sky zusammen. Blöd nur, dass Sky noch nie etwas für einen Jungen empfunden hat. Ein Kuss erweckt in ihr höchstens ein Taubheitsgefühl und sie kann sich nicht dagegen wehren. Bis sie Dean Holder kennenlernt - den Badboy der Schule. Eigentlich würde sich Sky nicht mit ihm abgeben, schließlich soll er einen schwulen Jungen verprügelt haben, doch dann lernt sie seine verletzliche Seite kennen. Als sie hinter ein dunkles Geheimnis in ihrer Vergangenheit kommt, steht Holder ihr mit aller Macht zur Seite während sie immer mehr in ihre Erinnerungen eintaucht...

Meine Meinung:
Hope Forever ist das zweite Buch der Autorin nach ihrem großen Erfolg Weil ich Layken liebe. Letzteres habe ich schon gelesen und da es mir sehr gut gefallen hat, beschloss ich, auch ihren Zweitling zu lesen, dessen Rezensionen überwiegend positiv waren.

Der Schreibstil in Hope Forever ist ganz in Ordnung. Er ist sehr schnörkellos, ohne viele Metaphern oder ähnliche Stilmittel und beschränkt sich tatsächlich eher auf die Handlungsbeschreibung als auf die Gefühle von Sky. Dadurch, dass aber eben eher die Handlung im Vordergrund steht, rücken Skys Emotionen und Gedanken, sowie ihre Persönlichkeit selbst recht stark in den Hintergrund. Zwar ist die Geschichte aus ihrer Perspektive erzählt, dennoch fiel es mir besonders am Anfang schwer, mich in sie hineinzuversetzen. Was mir allerdings sehr gut an Colleen Hoovers Schreibstil gefallen hat, ist, wie er einen mitreißt. Man hat wirklich das Gefühl, das Geschehen vor Augen zu haben. Das ist ganz besonders am Anfang der Fall, wo die Grundzüge der Handlung vorgestellt werden. Leider hatte ich das Gefühl, dass dieser Schreibstil im Laufe der Geschichte immer mehr abflachte, so dass ich mich wirklich quälen musste, das Buch weiterzulesen. Dies lag vor allem an den kitschigen Gesprächen, die Sky und Holder führten, wo ich mir zwischenzeitlich echt dachte Im Ernst??? Das fand ich wirklich sehr nervig und ließ mich des Öfteren die Augen verdrehen. Auf diesen Aspekt komme ich allerdings nochmal in der Charakterbewertung zu sprechen. Die Kapitel sind insgesamt recht kurz gehalten. Manche sind länger als andere, besonders gegen Ende des Buches, aber es fällt sehr leicht, wieder in die Geschichte hineinzukommen, auch wenn man mitten im Kapitel eine Lesepause einlegte.

Nun komme ich aber zu den Charakteren. Sky lernt man natürlich am besten kennen, da sie auch die Erzählerin der Geschichte ist und aus der Ich-Perspektive berichtet, was passiert. Leider hatte ich nicht das Gefühl, dass ihre Emotionen im Vordergrund standen, sondern eher die Handlungen an sich. Somit sieht man als Leser nur ihre "äußere" Seite. Erst gegen Ende des Buches hatte ich das Gefühl, dass sich der Fokus ein wenig mehr von der Handlung abwandte und auf ihre Gedanken und Gefühlswelt konzentrierte. Erst hier lernt man Sky erst richtig gut kennen, was schon viel früher hätte geschehen können. Im Gegensatz zu Sky stehen bei Holder tatsächlich seine Gefühle im Vordergrund. Er wirkt im Laufe des Buches ein wenig wie ein Anhängsel von Sky, das ihr folgt wie ein treues Hündchen. Dies fand ich allerdings ein wenig übertrieben, da Holder, wenn er nicht gerade mit Sky zusammen ist, kaum erwähnt wird. Allgemein hatte ich das Gefühl, dass die Nebencharaktere stark außen vor gelassen werden. So lernt man weder Skys beste Freundin Six, noch ihren neuen allerbestesten Freund auf der ganzen Welt Breckin genauer kennen. Auch Skys Adoptivmutter Karen hat nur wenige Auftritte im Buch; erst gegen Ende scheint sie nochmals wichtig zu werden. Der Fokus liegt also ganz klar auf Skys und Holders Liebesgeschichte - und da wäre das Wort kitschig noch viel zu nett. Die Gespräche der beiden strotzen vor Koseworten wie Baby oder Süße (Kosenamen, die ich niemals meinem Freund geben würde) und generell erschien es mir so, als wären Gesprächsteile aus schlechten Liebesromanen entnommen. Hier einmal ein kleines Beispiel:

"Er legt seine Hand auf mein Herz und greift nach meiner Linken, um sie auf seines zu legen. Dann sieht er mich an, als wolle er sich vergewissern, dass ich in diesem Moment ganz bei ihm bin. >>Scheiß auf all die ersten Male, Sky. Das Einzige, was bei dir für mich zählt, ist das Für-Immer.<<
 Ich küsse ihn. Und
wie ich ihn küsse. Und ich hoffe, dass er in meinem Kuss spürt, wie sehr jeder Faser meines Seins ihn mit der Liebe für ihn erfüllt ist. Holder schlingt die Arme um meine Taille, hebt mich sanft von sich herunter und legt mich aufs Bett. Er kniet über mir und sieht auf mich herab. >> Ich liebe dich<<, sagt er ernst. >>Ich liebe dich schon von der ersten Sekunde an. Aber ich konnte es dir nicht sagen, weil es sich nicht richtig angefühlt hätte, solange es noch so viel gab, was ich vor dir geheim halten musste<<." (S. 403)

Der Großteil ihrer Gespräche lief so ab und gab mir das Gefühl, als wäre nichts wichtiger als einen Freund zu haben. Allgemein waren ihre Gesprächsthemen auch in Teilen wirklich realtiätsfern, was mindestens genauso nervig war. Deswegen konnte ich auch ihren Interaktionen und Handlungen im Laufe des Geschehens nicht wirklich etwas abgewinnen.

Zum Handlungsverlauf kann ich nur sagen, dass ich das Gefühl hatte, dass er, je weiter ich las, immer flacher und schlechter wurde. Schien am Anfang noch alles ganz glaubwürdig und logisch, entfernte sich der Handlungsverlauf immer mehr von diesen Kriterien. In Teilen schien er sehr abstrus und unglaublich, ebenso wie realitätsfern, was vor allem an den Gesprächen von Sky und Holder liegt. Auch viele Themen, die zu Anfang der Handlung angesprochen werden, rücken immer mehr in den Hintergrund. Das war mindestens genauso schade, denn Sky kündigt diese - implizit natürlich - groß an, aber in Wirklichkeit gibt es nur ein oder zwei Kapitel, die davon handeln. Was auch ein wenig gestört hat, war, dass es einen riesigen Sprung in der Handlung gab von über einem Monat. Sky fasst nur kurz zusammen was in diesem Monat passiert ist, aber mehr auch nicht. So abrupt in eine neue Handlung hineingeworfen zu werden, war nicht schön für mich, vor allem, da noch weniger Charakterzüge der Nebenpersonen aufgelistet oder enthüllt werden. Das einzig Gute am Handlungsverlauf waren die zum Teil wirklich überraschenden Wendungen. Vieles war zwar auch wieder sehr vorhersehbar - bsw. Skys Vergangenheit - aber anderes wiederum kam wirklich sehr überraschend. Damit hätte ich überhaupt nicht gerechnet
.
Das Ende war für mich recht gut gelöst. Wieder gibt es eine Erinnerung an Skys Vergangenheit. Hier gefällt mir die Idee, nochmals zurück in die Vergangenheit zu tauchen anstatt dem Leser eine super rosige Zukunft zu präsentieren in der alle ihr Happy End erleben. Das hat mir gut gefallen.

Ich glaube allerdings nicht, dass ich noch den Nachfolger Looking for Hope lesen werde (überhaupt: Die Titel sind sowieso schon englisch. Warum muss man dann noch eine englischere Übersetzung finden??). Die Leseprobe ließ anmuten, dass die gleiche Geschichte erzählt wird - nur aus Holders Sicht mit den gleichen Gesprächen und der gleichen Handlung, nur eben mit ein bisschen mehr Nebeninformationen zu Holder und seiner Familie selbst. Das muss ich wirklich nicht noch einmal lesen, zumal mir Hope Forever nicht wirklich gefallen hat.

Fazit:
Kann meiner Meinung nach mit dem Hype, der um dieses Buch entstanden ist, nicht mithalten. Im Gegensatz zu Weil ich Layken liebe ist die Handlung im Laufe der Geschichte sehr schwach, kitschig und realitätsfern. Auch wenn sie eine gute Idee und sehr ernste Themen innehat, hatte ich nicht das Gefühl, dass diese besonders gut aufgegriffen worden sind, sondern eher unter der Weiterführung der Liebesgeschichte unter den Tisch fallen. Dies war ganz genauso mit den Nebencharakteren. Die meisten hatten nur ein oder zwei Auftritte, bevor sie wieder unwichtig wurden. War der Schreibstil am Anfang noch ganz gut, verliert er sich im Laufe der Handlung immer mehr und hängt sich an kitschigen Gesprächen zwischen Sky und Holder auf. Das einzige, was mir wirklich gut gefallen hat, waren einige Wendungen, die sehr überraschend kamen, auch wenn einige wiederum sehr vorhersehbar waren. Daher bekommt Hope Forever nur 2 von 5 Sternen von mir.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 10.09.2014
Aktuelle Ausgabe : 01.10.2014
Verlag : DTV
ISBN: 9783423716062
Flexibler Einband 512 Seiten
Sprache: Deutsch