Donnerstag, 11. Dezember 2014

Rezension zu "Himmelsfern" von Jennifer Benkau

Hat mich nicht vom Boden gelöst und in den Himmel befördert

 

Zum Inhalt:
Noa ist 17 und lebt mit ihrem Vater zusammen in einer kleinen Wohnung inmitten einer sehr grauen Stadt. Eigentlich führt sie ein ganz normales Leben - bis sie durch ein U-Bahnunglück schwer verletzt und nur durch jemanden, der auf sie fällt vor dem Tod bewahrt wird. Neugierig wie Noa ist möchte sie herausfinden, wer derjenige war, dem sie ihr Leben verdankt. Nach einigem Hin und Her kommt sie tatsächlich auf die Spur ihres Retters, doch die Ereignisse überschlagen sich und sie lernt Marlon kennen, mit dem etwas ganz und gar nicht zu stimmen scheint. Noa möchte ihm helfen, doch ob dies gelingen wird, steht in den Sternen. Kann ihre Liebe diese schwere Prüfung überdauern?

Meine Meinung:
Da ich schon die beiden Bücher der Dilogie Dark Canopy und Dark Destiny regelrecht verschlungen habe, habe ich mit Freude Jennifer Benkaus neuen Roman Himmelsfern erwartet. Allerdings taten Schul- und Abistress ihr übriges, so dass ich nicht dazu kam, ihr neuestes Werk sofort zu lesen. Erst jetzt habe ich es geschafft, Himmelsfern zu lesen - und meine hohen Erwartungen wurden nicht erfüllt. Und das war unglaublich enttäuschend.

Das lag allerdings nicht an der Sprache, die die Autorin verwendet. Diese hat mich genauso gepackt wie damals Dark Canopy, weil Frau Benkau auch sehr schöne Umschreibungen oder philosophische Gedanken zu bestimmten Situationen findet. Auch durch die Ich-Perspektive, die sie während des fast 500 Seiten langen Romans verwendet, kann man sich gut in die Protagonistin hineinversetzen und die Geschichte durchleben. Doch der Zauber, der Dark Canopy ausmachte, fehlte irgendwie. Als ich angefangen habe, das Buch zu lesen, dachte ich noch, dass sich dieses Gefühl legen würde, doch dem war nicht so. Und so fiel es mir auch unglaublich schwer in die Geschichte hineinzukommen und das Buch wirklich zu beenden.

Meiner Meinung nach zog sich die Geschichte unheimlich. Ich musste immer wieder auf die Seitenzahl schauen nur um festzustellen, dass ich gerade mal 2 oder 3 Seiten weitergelesen hatte. Das war wirklich frustrierend und hat mir auch wirklich den Spaß genommen. Zu lesen, dass Noa dies oder das tut, und das über 10 Seiten hinweg war wirklich langweilig und immens störend. Deswegen haben auch die Spannungsmomente, die zwischenzeitlich eingebaut waren, kaum eine Wirkung auf mich gehabt und gingen daher ein wenig unter. Sie wurden einfach zu wenig ausgeschöpft und mündeten nach 3 oder 4 Seiten wieder in die zähe Handlung. Hier hätte man definitiv mehr draus machen können, nicht nur von der Länge sondern auch von der Gestaltung her.

Ich muss auch dazu sagen, dass man nicht nur deswegen ein wenig Zeit mitbringen sollte, wenn man Himmelsfern liest, sondern auch, weil die Kapitel unglaublich lang sind und sich zwischenzeitlich über 40 Seiten erstrecken. Daher ist es auch unglaublich schwierig, mitten im Kapitel wieder einzustiegen; durch die dahinplätschernde Handlung bleibt dem Leser fast nichts im Gedächtnis, so dass er vielleicht ein paar Seiten zurückblättern und noch mal das Gelesene rekapitulieren muss, was sehr kontraproduktiv war. Schließlich möchte man als Leser quer ins Buch einsteigen können, wenn man einen Kapitelteil schon gelesen hat.

Auch während ich weitergelesen habe, habe ich einfach gemerkt, dass die Geschichte eigentlich überhaupt nicht mein Fall war und viele Momente einfach zu verrückt gestaltet worden waren. Dass es sich hierbei um ein Fantasy-Buch handelt, ist mir schon klar, aber die Ausgestaltung einiger Szenen war mir dann doch ein wenig zu viel und zu abgedreht.

Auch die Charaktere haben mir nicht wirklich gefallen. Sie schienen so blaß und durchsichtig, dass man sie nicht mal richtig als Personen wahrnehmen konnte. Sie blieben einfach auf dem Papier und der Leser konnte sie sich nicht als echte Personen vorstellen. Dies machte es auch schwer sich in den Großteil der Charaktere hineinzufühlen und ein weiterer Punkt der das Folgen der Geschichte erschwerte. Auch entwickelten sich die Charaktere nicht wirklich weiter, sondern blieben in immergleichen Mustern hängen, die den Leser nach etwa der Hälfte des Buches sehr langweilen könnte.

Noa wirkt zwar auf den Leser total sympathisch, aber leider steckt sie in genau der Rolle drin, in der sie nicht stecken möchte: In der graue-Maus/Opfer-Rolle. Durch ihre Naivität wirkt sie wie Bella in Twilight und nicht wie eine starke unabhängige junge Frau. Das kann den Leser nach einer Zeit genauso nerven, auch wenn sie die Hauptperson und Erzählerin der Geschichte ist.
Auch Marlon kann ich nicht wirklich etwas abgewinnen. Zu Anfang wirkt er wie ein Möchtegern-Bad-Boy, zeigt aber nach kurzer Zeit seine weiche Seite und wird genauso langweilig wie Noa, weil er sich danach auch nicht mehr weiterentwickelt.

Das Ende war sehr vorhersehbar, war aber im Gegensatz zum Rest der Geschichte ein wenig gefühlvoller geschrieben und konnte den Leser zumindest ein wenig bewegen, bevor er das Buch zuklappt.

Fazit:
Ich kann gar nicht sagen, wie enttäuscht ich von dem Roman bin. Ich hatte so hohe Erwartungen, aber die wurden nicht erfüllt. Die Geschichte hat mich nicht angesprochen und zog sich richtig. Die Spannungsmomente waren nicht richtig spannend und weckten den Leser nur kurzzeitig aus der Monotonie. Auch die Charaktere haben mir nicht gefallen, weil sie so fad und langweilig waren und über die schon 1000 Mal geschrieben wurde. Einzig und allein die Sprache hat mir wirklich gut an Himmelsfern gefallen - was schade ist, denn eigentlich hätte das Buch durchaus Potenzial gehabt. Daher gibt es leider nur 2 Sterne für Himmelsfern.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 16.09.2013
Aktuelle Ausgabe : 16.09.2013
Verlag : script5
ISBN: 9783839001431
Fester Einband: 496 Seiten
Sprache: Deutsch