Dienstag, 4. November 2014

Rezension zu "Kein Ort ohne Dich" von Nicholas Sparks

Zwei Geschichten, von denen die Bedeutsamere ein wenig untergeht

 

Zum Inhalt:
Es ist tiefster Winter. Die Straßen sind glatt und rutschig und man sollte besser nicht mit dem Auto unterwegs sein. Der 91-jährige Ira denkt aber nicht daran. Binnen kurzer Zeit hat er einen Unfall und steht an der Schwelle des Todes. Das einzige was ihn am Leben hält, sind die Erinnerungen an Ruth, seine verstorbene Frau, während er in der Kälte ausharrt und auf Rettung wartet...

Gleichzeitig kämpfen Sophia und Luke, ein junges Paar, um ihre Liebe. Sie studiert Kunstgeschichte und hofft, nach ihrem Studium einen guten Arbeitsplatz in einem bekannten Museum zu erhaschen; er ist Bullenreiter und arbeitet nebenbei auf der Ranch seiner Mutter. Eine gemeinsame Zukunft scheint unvorstellbar zu sein, da beide ihr bisheriges Leben nicht aufgeben wollen.

Das Schicksal will es, dass die 3 Personen sich begegnen. Doch können sich die beiden Generationen gegenseitig retten? 
Meine Meinung:
"Oh mein Gott! Ein neuer Sparks", dachte ich als ich seine Mitteilung bezüglich seines neuen Romans gesehen habe. Natürlich war sofort klar, dass ich mir auch dieses Buch holen musste. Leider kam ich erst jetzt dazu, seinen Roman zu lesen, aufgrund von Schul- und hinterher Unistress. Das soll mich jedoch nicht an einer Rezension zu diesem Buch hindern.
Dass es sich diesmal um 2 verschiedene Geschichten handelt, die hier erzählt werden, war für mich sehr neu, da ich mich nicht erinnern kann, dass es solch einen Sparks schon einmal gegeben hat. Falls ja, möge mir das bitte verziehen sein; ich habe noch nicht alle seine Bücher gelesen.

Jedenfalls stürzte ich mich mit Feuereifer in die Geschichte - und lernte direkt zu Anfang Ira kennen, der alte Mann der auf einer abgelegenen Straße einen Unfall hat. Was mir hier sehr gut gefallen hat, ist, dass Ira selbst schildert, was genau geschehen ist, warum er von der Straße abkam und jetzt in diesem Auto liegt. Dadurch konnte ich micht persönlich sehr gut in ihn hineinversetzen. Hinzu kam noch das verwendete Präsens, so dass ich mich fühlte, als wäre ich tatsächlich dabei. Das fand ich sehr schön und ich wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht.

Leider verlief sich dieser Wunsch im Sand als Sophias und Lukes Handlungsstrang eingeführt wurden. Zwar berichtet der Erzähler hier nicht aus der Ich-Perspektive vom Geschehen, aber dennoch fühlt man sich den Figuren sehr nah, vielleicht noch etwas näher als es bei Ira der Fall ist. Vielleicht liegt es daran, dass Sophia und Luke nur wenig älter sind als ich und Sophia selbst das College besucht. Jedenfalls habe ich die beiden Kapitel zu Luke und Sophia schneller gelesen, als das erste Kapitel um Ira. Das änderte sich auch im ganzen Buch hindurch nicht. Obwohl Ira sich selbst reflektiert, sein Leben mit dem Leser nochmal durchlebt und dem Leser auch Geheimnisse offenbart, die er sein Leben lang gehütet hat, konnte mich seine Geschichte nicht wirklich berühren oder fesseln. Ich fand Iras Handlungsstrang sogar sehr langatmig und habe mehrmals das Buch zur Seite legen müssen, weil es mich einfach nicht richtig unterhalten konnte. Das fand ich sehr schade. Denn Iras Geschichte ist um einiges bedeutsamer und tiefgründiger als Lukes und Sophias Erzählstrang.

Deswegen war ich auch echt verwundert, dass mich Sophias und Lukes Geschichte mehr in ihren Bann gezogen hat, als die von Ira. Irgendwie passierte dort viel mehr: die Konflikte zwischen Sophia und Luke beispielsweise oder auch die Sorgen und Probleme, die die beiden hatten, wirkten auf mich insgesamt etwas liebevoller gestaltet als Iras Erzählstrang. Zwar ist es nicht uninteressant, was Ira in der Vergangenheit erlebt hat, aber dennoch gefiel mir die benutzte Sprache irgendwie nicht, beziehungsweise konnte sie mich nicht so sehr fesseln, dass ich am liebsten das Buch in einem Rutsch durchgelesen hätte.

Was mir zudem nicht sonderlich gut gefallen hat, war, wie Sophia, Luke und Ira sich begegnen. Das Ganze findet erst recht gegen Ende des Buches statt und wirkte auf mich irgendwie recht gestellt. Irgendwie konnte ich dem Autor nicht wirklich abnehmen, dass er das ernst meinte. Ich hätte es viel besser gefunden, wenn die drei sich schon gegen Mitte des Buches begegnet wären. Viele Dinge, die nämlich nach dem gemeinsamen Treffen passieren, wirken nämlich sehr vertraut, wie es nur bei Menschen ist, die sich schon länger kennen. Somit war das Ende für mich sehr unrealistisch, weil alles nach dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" abgelaufen ist. Auch hier hatte ich wieder das Gefühl, dass das überhaupt nicht passen wollte und habe mich fürchterlich darüber geärgert, dass Nicholas Sparks das so geschrieben hatte. Normalerweise bin ich wirklich bessere und realistischere Enden von ihm gewöhnt. Wirklich traurig!
Fazit:
Alles in allem kann man glaube ich sagen, dass ich nicht ganz so begeistert von Sparks' neuestem Werk bin. Zwar wirkte Iras Story sehr interessant, wurde aber dennoch so langweilig gehalten, dass ich mehrere lange Pausen machen musste um das Buch zu beenden. Dahingegen hat mir Sophias und Lukes Story schon besser gefallen, auch was die einzelnen Handlungen der beiden anging. Auch fand ich die Charaktere nicht zu flach, sondern sie hatten auf den gesamten 537 Seiten genug Tiefe, dass man sich in sie hineinversetzen und ihre Gefühle nachvollziehen konnte.

Das Ende kam mir sehr konstruiert vor, genauso wie die Begegnung zwischen Ira, Sophia und Luke. Damit erschien es mir nicht wirklich glaubwürdig, was ich sehr schade finde. Das hätte man anders lösen können. Auch das Ende insgesamt wirkte auf mich etwas unrealistisch. Es war mir im Gegensatz zu dem vorherigen Geschehen irgendwie zu friedlich und zu utopisch, könnte man fast schon sagen. Daher gibt es für Kein Ort ohne Dich auch nur 3 Sterne.
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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 25.11.2013
Aktuelle Ausgabe : 25.11.2013
Verlag : Heyne
ISBN: 9783453268395
Fester Einband: 544 Seiten
Sprache: Deutsch