Donnerstag, 24. April 2014

Rezension zu "Der Seelenbrecher" von Sebastian Fitzek

Der erste Fitzek, der mich begeistert

 

Zum Inhalt:
Drei Frauen zwischen 20 und 40 Jahren verschwinden spurlos. Sie alle sind jung und lieben das Leben. Als sie jedoch eine Woche später von der Polizei gefunden werden scheinen sie innerlich gebrochen. Sie wurden nicht vergewaltigt, gefoltert oder getötet. Sie sind Gefangene ihres eigenen Körpers. Kurz vor der Weihnachtszeit wird der Täter, der bei allen nur noch als "Der Seelenbrecher" bekannt ist wieder aktiv - und dringt in die psychatrische Luxusklinik am Berliner Teufelsberg ein. Draußen tobt ein schrecklicher Schneesturm und sowohl Ärzte und Patienten bangen um ihr Leben, denn der Seelenbrecher ist mitten unter ihnen. Gemeinsam mit dem jungen Mann Caspar, der unter einer vollständigen Amnesie leidet, kommt man dem wahren Täter auf die Schliche und durchlebt eine Nacht des Grauens.

Meine Meinung:
Der Seelenbrecher ist mein zweiter Fitzek und ich war recht skeptisch, ob ich überhaupt noch einen lesen sollte. Grund dafür war Der Augensammler, dessen Charaktere wie kopiert und eingefügt wirkten. Dieses Buch von Sebastian Fitzek hat mich jedoch vollkommen überrascht und das ist durchaus positiv gemeint.

Der Thriller liest sich wie ein "Buch im Buch". Den Hauptteil der Geschichte bildet die Erzählung um den Seelenbrecher in der Teufelsklinik, zu Anfang und in immer kleineren Teilabschnitten wird jedoch deutlich, dass der Großteil ein Part einer Patientenakte ist, die von zwei Studenten wegen eines Experiments gelesen wird. Der Leser wird der dritte, unsichtbare Student, der mit den anderen beiden und dem anwesenden Professor das Experiment mitmacht und die Akte liest.

Wie schon zuvor angedeutet schlüpft man in die Rolle von "Caspar". Zumindest wird dieser so von der gesamten Belegschaft in der Anstalt genannt, denn keiner kennt seinen richtigen Namen. Caspar leidet unter Amnesie und so weiß weder der Protagonist noch der Leser selbst, wer genau er ist und wie man ihn einzuschätzen hat. Er könnte alles sein - ein Psychopath, ein unschuldiger Mitbürger oder der Seelenbrecher selbst. Hier wird jedoch das Gedankengut des Lesers gefördert und er kann seine ersten Einschätzungen abgeben. Caspar ist eigentlich auch der einzige Mensch, der dem Leser die ganze Zeit nahe ist, was unter anderem daran liegt, dass die Geschichte von seinem Standpunkt aus berichtet wird. Obwohl der Leser Caspar nicht kennt, lässt er sich trotzdem auf ihn ein und erfährt, je weiter er liest, immer mehr über sein Leben, wer er wirklich ist und wie er überhaupt in die Klinik kam. Der Leser vertraut ihm blind, im Gegensatz zu den anderen Personen, die immer wieder Zweifel in Caspar wecken, wie beispielsweise der Sanitäter Schadek oder auch der Hausmeister Bachmann.

Wie schon in Der Augensammler ist Fitzeks Schreibstil sehr fesselnd, so dass es mir sehr schwer gefallen ist, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Die Kapitel sind recht kurz gehalten, was für manchen vielbeschäftigten Leser vielleicht von Vorteil ist. Manches Mal gibt es jedoch solch gemeine Cliff-Hanger, dass man gar nicht anders kann als weiterzulesen. Das hat mir sehr gut gefallen und ließ mich die Geschichte auch wirklich weiterverfolgen. Dies lag vielleicht auch daran, dass mich hier die Charaktere wesentlich mehr überzeugt haben als in Der Augensammler.

Was mir auch sehr gut gefallen hat waren die eingebauten Rätsel. Als alter Rätselfreund musste ich natürlich gleich mitraten was die Botschaften denn bedeuten, die der Seelenbrecher seinen Opfern in die Hände legt. Dennoch kam die Lösung mancher Rätsel sehr überraschend, hatte man nicht damit gerechnet, aber im Nachhinein scheint sie logisch, vor allem im Zusammenhang mit dem Geschehen.
Was mich wohl am meisten überzeugt hat, waren die überraschenden Wendungen, die immer wieder auftraten. Natürlich kann der Leser sich bei einigen Dingen schon seinen Teil denken, das Entsetzen wird jedoch erst geschürt wenn herauskommt, dass alles ganz anders ist als es scheint. Man möchte Caspar warnen, man wünscht sich, es wäre nicht so und trotzdem ist es so. Ein Thriller mit Schockeffekt, wie ich ihn noch nie gelesen habe.

Fazit:
Ein Thriller, bei dem sich bei mir innerlich alles zusammengezogen hat. Der Schreibstil ist top, die Kapitel sind nicht zu lang und haben oft Cliff-Hanger, die den Leser praktisch nötigen weiterzulesen.
Auch Caspar als Charakter ist sehr authentisch. Ich fand es nur ein wenig schade, dass die Nebencharaktere ein wenig zu oberflächlich bleiben. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Nähe gewünscht. Trotzdem ein wirklich gutes Werk von Fitzek, das mir nach Der Augensammler wohl eher positiv in Erinnerung bleiben wird. Von daher vergebe ich 4 von 5 möglichen Sternen.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.09.2008
Aktuelle Ausgabe : 01.01.2009
 Taschenbuch: 368 Seiten
Verlag: Knaur TB (September 2008)
ISBN: 978-3426637920
Sprache: Deutsch