Donnerstag, 17. April 2014

Rezension zu "Ziemlich nah am Glück" von Saira Shah

Viel Potenzial, das hier verschenkt wurde

 

Zum Inhalt:
Anna und Tobias sind überglücklich: Anna ist schwanger und freut sich mit ihrem Mann auf das erste gemeinsame Kind. Nach der Geburt planen die beiden, nach Frankreich zu ziehen, genauer gesagt in die Provence wo ihre Tochter aufwachsen soll und Anna bei ihrem alten Lehrer arbeiten kann. Doch stattdessen kommt alles anders. Tochter Freya kommt schon behindert zur Welt, mit vielen Fehlbildungen im Gehirn. Nie wird sie sprechen, laufen oder sonst etwas selbstständig erledigen können. Als dann auch noch der Traum vom eigenen Heim in der Provence platzt und Anna, Tobias und Freya auf einen verfallenen Hof ziehen, beginnt Anna zu kämpfen. Für ihre Tochter. Um ihre Liebe. Und erkennt, dass auch im Unglück das Glück nicht fern ist.

Meine Meinung:
Da Saira Shah selbst Mutter einer behinderten Tochter ist, hatte ich mir sehr viel von dem Buch versprochen. Genaue Angaben bezüglich Freya und natürlich, dass diese hauptsächlich im Mittelpunkt steht. Wer genauso denkt wie ich vorher, wird von diesem Buch bitter enttäuscht sein und sollte es lieber gleich im Regal stehen lassen. Insgesamt geht es nämlich um eine Köchin, die gerade Mutter gerworden ist und beschreibt, wie sie mit dem Alltag umgeht.

Die Ich-Perspektive hilft dem Leser sehr, sich in Annas Situation hineinzuversetzen und auch der Schreibstil ist ganz in Ordnung. Wenn es jedoch um einige französische Vokabeln geht, sollte der Leser zumindest Grundkenntnisse in dieser Sprache haben. Manche Elemente sind absichtlich auf Französisch gehalten, um die Sprache des Languedoc hervorzuheben. Mir als absolutem Laien hingegen fiel es unglaublich schwer, die Bedeutung der Sätze herauszufinden, was ich auch nur mit meinen Spanisch- und Lateinkenntnissen konnte.

Das größte Problem ist allerdings, dass bei diesem Buch nur eins passiert - nämlich nichts. Zu Anfang fand ich es ganz logisch, dass Anna und Tobias darüber nachdenken, Freya wegzugeben, auch wenn es grausam scheint. Ein behindertes Kind ist für die Betroffenen eine schwere Belastung, sowohl körperlich als auch seelisch. Als sie sich in der Mitte des Buches jedoch immer noch nicht einig werden konnten, ob sie Freya jetzt behalten oder nicht, ist mir als geduldiger Leser fast der Kragen geplatzt.

Allgemein fallen die Charaktere immer wieder in ihre alten Verhaltensmuster und Denkweisen zurück, auch wenn sie sich gerade anders entschieden haben. Deswegen habe ich mich Anna manchmal sehr nah aber auch sehr fern gefühlt und konnte nicht ihren Charakter erschließen, weil sie ständig ihre Meinung änderte. Sie scheint sich merh fürs Kochen zu interessieren als für ihre eigene Tochter und so findet man seitenlange Beschreibungen von einzelnen Rezepten.

Tobias hat mir auch nicht wirklich gefallen. Er will Freya von Anfang an nicht und ist unbedingt dafür sie abzugeben. Er tut nichts im Haushalt und würde mich als Ehefrau so dermaßen auf die Palme bringen, dass er wahrscheinlich schon längst die Wand geküsst hätte,
Die Bewohner, die Anna und Tobias im Laufe der Handlung kennenlernen, sind jedoch im Gegensatz zu den beidn Protagonisten recht detailreich charakterisiert und unglaublich verschieden. Dennoch ist ihr Zusammenhalt, den sie mehrfach beweisen, einfach erstaunlich.

Insgesamt habe ich für das Buch einen Monat gebraucht - eine recht lange Zeit für mich, lese ich die meisten Bücher innerhalb von 2 Wochen. Dies lag einfach daran, dass nichts passierte. Das einzig Spannende an der Handlung ist, dass Anna und Tobias erfahren, dass ihr Kind behindert ist, aber sonst plätschert die Geschichte nur vor sich hin. Sobald sie im neuen Haus sind, beginnt Anna nur noch zu kochen und lebt für nichts anderes mehr. Freya lässt sie komplett außer Acht und so geht es über 360 Seiten lang. Freya rückt dadurch leider komplett in den Hintergrund und die eigentliche Idee des Buches geht verloren.

Fazit:
Meine Erwartungen wurden leider überhaupt nicht erfüllt. Letztendlich habe ich mich durch das Buch gequält und war froh, als ich die letzte Seite umblättern konnte. Das lag jedoch nicht am Schreibstil sondern an der eigentlichen Handlung und daran, dass immer das Gleiche zu passieren schien. Schade. Ich hatte mir mehr davon versprochen. Daher vergebe ich 3 von 5 Sternen aufgrund des Schreibstils und den recht schrulligen Nebencharakteren.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 13.02.2014
Aktuelle Ausgabe : 13.02.2014
Verlag : Kiepenheuer & Witsch
ISBN: 9783462045628
Flexibler Einband: 384 Seiten