Freitag, 21. Februar 2014

Rezension zu "Unvollständig - Missing You" von Marleen Reichenberg

Leider zu vorhersehbar trotz guter Geschichte

 

Zum Inhalt:
Anja schwärmt schon lange für Felix, den Bruder ihrer besten Freundin Verena und Sohn ihrer "Ersatzeltern" Marion und Max, und ist überglücklich, als auch er ihr gesteht, dass er sie liebt. Anja glaubt sich im siebten Himmel als Felix ihr nach dreijähriger Beziehung einen Heiratsantrag macht und beide gemeinsam anfangen, die Hochzeit zu planen. Doch kurz vor der Heirat löst Felix die Verlobung urplötzlich auf, da er sich in eine andere Frau verliebt habe. Anja ist am Boden zerstört und schwankt zwischen Hoffnung und Verzweiflung. Ein Leben ohne Felix ist für sie unvorstellbar. Sie wünscht sich nur eines: dass er zu ihr zurückkommt. Doch er scheint andere Pläne zu haben...

Meine Meinung:
Da ich Liebesromane sehr gerne lese und diesen hier im Kindle-Shop für 99 Cent erstehen konnte, musste ich diesen hier gleich haben, weil mich der Titel und auch die Inhaltsangabe sehr angesprochen haben.
Die Autorin wirft den Leser gleich zu Anfang ins kalte Wasser und beginnt mit der Trennung von Anja und Felix, was ich sehr ungewöhnlich finde. Dennoch finde ich es nicht verwerflich und bin durchaus der Meinung, dass man diese Geschichte gut so anfangen kann. Der Leser befindet sich dadurch in praktisch derselben Lage wie Anja, die auch gerade aus heiterem Himmel von ihrem Verlobten verlassen worden ist und reagiert dementsprechend verwirrt, genau wie die Protagonistin im Buch.

Durch die Ich-Perspektive fiel es mir noch leichter, mich in Anjas Lage zu versetzen und habe mit ihr mitgelitten. Felix benimmt sich am Anfang einfach total grottig und ich glaube, ich persönlich hätte ganz anders reagiert als seine Verlobte.

Der Schreibstil bringt Anjas Gefühle sehr gut zum Ausdruck, jedoch finde ich zwischenzeitlich ihre Trauer-Phase ein wenig zu sehr ausgereizt. Ich habe mir beim Lesen manchmal echt gedacht: Ja, ist ja gut. Wir wissen, dass du ihn vermisst, aber er kommt nicht zu dir zurück wenn du den ganzen Tag im Bett herumliegst und rumheulst. Trotzdem finde ich den Schreibstil an sich sehr anziehend denn er macht Lust auf mehr. Die kurzen Sätze, die verwendet werden, spiegeln Anjas Verzweiflung und Sprachlosigkeit über die Situation sehr gut wieder, wodurch das Einfühlungsvermögen des Lesers geweckt wird.

Obwohl es in dem Roman eher um den Verlust des Partners geht, sind jedoch auch einige witzige Elemente eingebaut worden, die den Leser schmunzeln lassen.

9 von 10 Leuten mögen Schoggi. Der Zehnte lügt.

oder

Nur aus diesem Grund nahm ich den Namen desjenigen, den ich eigentlich, wie den berüchtigten Lord Voldemort, nie mehr hatte erwähnen wollen, in den Mund und wandte mich an die unbarmherzige Pflegekraft.

sind nur einige Beispiele dafür. Das lockert den Roman noch einmal richtig auf und vertreibt die leicht melancholische und traurige Grundstimmung ein wenig, was mir sehr gut gefallen hat.

Was ich persönlich ein wenig schade fand, war, dass die Geschichte trotz der wirklich guten Idee und interessanten Umsetzung sehr vorhersehbar ist, so dass ich schon nach etwa 100 Seiten wusste, was hinterher passieren würde. Gegen Ende wurde ich durch weitere Anzeichen meiner Vermutung bestätigt, was schlußendlich die ganze Spannung aus dem Roman nahm. Hier hätte man definitiv etwas raffinierter arbeiten müssen, damit erstens die Spannung aufrecht erhalten bleibt und zweitens der Leser Spekulationen aufstellen kann, die vielleicht nicht der endgültigen Auflösung der Geschichte entsprechen.

Zu den Charakteren kann ich sagen, dass ich sie zwar interessant fand, sie aber auch ein wenig zu flach auf mich gewirkt haben. Zwar lernt man Anja, ihre beste Freundin Verena und deren Eltern im Laufe der Geschichte ganz gut kennen, aber man erfährt nicht viel über die Charakterzüge der letzten drei genannten Personen, so dass sie ein wenig charakterlos und nebensächlich bleiben. Anja ist eigentlich der einzige Charakter in den man sich einfühlen kann. Die Handlungsweisen der anderen Personen bleiben für mich nur nebensächlich und der Leser kann nicht nachvollziehen, wieso sie gerade so handeln.

Über Felix erfährt man ohnehin nicht viel, da er am Anfang des Buches auftaucht und danach praktisch nur noch als Nebenfigur agiert. Nur ganz am Ende wechselt die Erzählperspektive und stellt heraus, wie Felix sich während der ganzen Zeit gefühlt hat, aber ansonsten berichtet nur Anja in Rückblicken von ihm. Auch hier hätte man den Charakteren mehrere Ecken und Kanten geben können, damit sie nicht nur zweidimensional bleiben.

Das Ende fand ich relativ überzogen. Es war mir persönlich zu viel des Guten, wenn man die vorherige Grundstimmung bedenkt und ich konnte ihr daher nicht sonderlich viel abgewinnen. Ein anderes Ende wäre für mich logischer und schöner gewesen.

Fazit:
Insgesamt eine schöne Geschichte, die jedoch durch die flachen Charaktere und den Spannungsverlust ein wenig gedämpft wird. Obwohl der Schreibstil top ist, ahnt man schon sehr früh, was passieren wird, was der Spannung einen kräftigen Abbruch tut. Durch die teils lustigen Bemerkungen wird die Stimmung jedoch wieder etwas gehoben und sie bringen den Leser des öfteren zum Schmunzeln. Daher kann ich leider nur 3 von 5 Sternen vergeben, da bei mir der Funke nicht wirklich übergesprungen ist.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 20.01.2014
Aktuelle Ausgabe : 20.01.2014
Verlag :
ISBN: B00HYI8CA6
E-Buch Text: 310 Seiten