Samstag, 8. Februar 2014

Rezension zu "Der Augensammler" von Sebastian Fitzek

Abgekupfertes Heavy Rain

 

Zum Inhalt:
Der Augensammler ist bereits der 6. Thriller, den Sebastian Fitzek veröffentlicht hat und steht schon seit einiger Zeit auf meiner Leseliste. 

Unser Protagonist heißt Alexander Zorbach, ehemaliger Polizist, der aufgrund einer Zuwiderhandlung seinen Job an den Nagel hängen musste und jetzt als Journalist bei einer Zeitung arbeitet. Im Moment hängt er an einer ganz großen Story: Er ist auf der Jagd nach dem "Augensammler", der kleine Kinder entführt und ihre Mütter zuvor durch einen Genickbruch tötet. Der Vater hat daraufhin 45 Stunden Zeit, sein Kind wiederzufinden - ansonsten wird es sterben. Bei jeder aufgefundenen Kinderleiche wird bemerkt, dass den Opfern das linke Auge fehlt - der Grund warum Alexanders Zeitung dem "Augensammler" seinen Namen verpasst hat. Doch weder die Polizei noch Alexander selbst haben eine brauchbare Spur in Bezug auf diesen Fall - bis plötzlich Alina Gregoriev auftaucht, eine blinde Physiotherapeutin, die behauptet, den Augensammler in ihrer Praxis behandelt zu haben. Doch die Zeit drängt - ein weiterer Junge ist verschwunden und Alexander gerät bald ins Visier der Polizei...

Meine Meinung:
Ich habe das Buch schon mehrere Jahre (!) bei mir im Schrank liegen und es ist mir erst vor Kurzem beim Umräumen einiger Bücher wieder in die Hände gefallen. Daraufhin musste ich sofort anfangen zu lesen.

Was ich eine ganz schöne Idee finde, um das schon mal vorweg zu nehmen, ist, dass die Kapitelüberschriften runterzählen und nicht rauf. So kommt der Zeitdruck, in dem sich Alina und Alexander befinden extrem gut zur Geltung und lässt auch den Leser eine gewisse Hektik und Beklemmung spüren. Auch, dass die Kapitel nicht ganz so lang gehalten waren hat mir persönlich sehr zugesagt, da ich nicht immer so viel Zeit habe, ein ganzes Kapitel in einem Rutsch durchzulesen. So fand ich es recht angenehm, wieder einzusteigen, was durch einige Cliff-Hanger an einigen (nicht an allen) Kapitelenden jedoch wieder etwas schwerer war.

Kommen wir jetzt jedoch zu den negativen Dingen, die mir besonders stark aufgefallen sind. Vor allem bei den Charakteren.
Insgesamt haben mich eigentlich alle Personen in dem Buch an die des Playstation-Spiels Heavy Rain erinnert, ein interaktiver Film, in dem der Spieler in die Rollen von Ethan Hawke, Inspector Scott Shelby, Norman Jayden und Madison Paige schlüpft um den sogenannten "Origami-Killer" zu fassen, der Kinder entführt und ihren Vätern Hinweise schickt, wo sie sie finden können. Tun sie das nicht, ertrinken die Jungen und Mädchen in Regenwasser. Neben ihnen wird meist ein Origami gefunden, weswegen der Täter auch diesen Spitznamen von den Zeitungen erhält. Ich werde jetzt mal ein wenig vergleichen, damit klar wird, warum mich die Charaktere sehr enttäuscht haben.

In Heavy Rain haben wir Ethan Hawke, einen geschiedenen Vater, der es nicht schafft sich um seinen eigenen Sohn richtig zu kümmern und ständig von irgendwelchen Aussetzern und Flashbacks gejagt wird. Klingt stark nach Alexander Zorbach, wie ich finde, vor allem, da auch Ethan als Täter verdächtigt wird und dieser, genau wie Alexander, traumatisiert ist.

Norman Jayden ist FBI-Agent und hat ein kleines Drogenproblem; er ist von dem fiktiven Mittel Triptokain abhängig, was ihm seinen Arbeitsalltag erschwert. Auch hier findet sich einer der Augensammler-Charaktere gespiegelt, dessen Name ich hier jedoch nicht verrate. Ganz spoilern will ich schließlich auch nicht.

Dann wäre da noch Carter Blake, der, genau wie der Polizist Scholle in Fitzeks Thriller, einen Hang zum Sadismus hat und am liebsten die Informationen aus dem Verdächtigen oder dem Zeugen herausprügeln möchte. Während Norman Jayden Blake in Heavy Rain noch etwas Einhalt gebietet, geschieht das in dem Thriller nicht; der erste Unterschied, der mir so wirklich aufgefallen ist.

Somit war ich wirklich enttäuscht, was die Charaktere anging. Sie kamen mir persönlich wie kopiert und eingefügt vor; nur einige Informationen wurden minimal verändert, in den Grundzügen sind sie jedoch relativ gleich geblieben. Dass die Charaktere authentisch sind, muss ich jedoch bejahen, auch, wenn es mir schwer fällt. Man kann sich gut in ihre Situation hineinversetzen und auch ihre Gefühle wirken echt und authentisch.

Zwischenzeitlich kamen mir auch die Situationen komisch vor, in denen Alina ihre "Flashbacks" hatte. Irgendwie hatte das für mich mehr mit Science-Fiction/Fantasy zu tun als mit Krimi oder Thriller. Auch fand ich einige Reaktionen Alexanders sehr unwahrscheinlich und merkwürdig, was mich ein wenig aus dem Lesefluss gerissen hat. Denn das Fitzek einen guten Schreibstil hat, kann ich nur bestätigen. Einige Schockmomente kamen echt überraschend und ich musste mich manchmal erst ein wenig sammeln, um weiterlesen zu können. Wenn die Charaktere nicht so lieblos abgeguckt gewesen wären, hätte ich mich durchaus mehr für das Buch interessieren können.

Fazit:
Für mich persönlich eine richtige Enttäuschung. Ich hatte so viel gutes über das Buch gehört und hatte es, wie schon einmal gesagt, lange auf meiner Liste stehen. Wenn man Heavy Rain und seine Handlung kennt, werden einem die Parallelen auch ziemlich schnell auffallen, sowohl zu der Handlung als auch zu den Charakteren, die in beiden Geschichten ziemlich identisch sind. Somit war für mich leider die Spannung trotz gutem Schreibstil leider komplett raus, obwohl ich die Idee mit den runterzählenden Kapiteln richtig genial fand. Ich kann deswegen leider nur 2 von 5 Sternen vergeben, was nicht einmal die Erzählweise und die Gänsehautmomente wettgemacht hätten. Schade!

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 27.05.2010
Aktuelle Ausgabe : 25.05.2011
Verlag : Droemer Knaur
ISBN: 9783426503751
Flexibler Einband: 439 Seiten
Sprache: Deutsch