Freitag, 10. Januar 2014

Rezension zu "Ein ganzes halbes Jahr" von Jojo Moyes

Ein Buch, das Spuren hinterlässt 


Zum Inhalt:
Louisa Clark ist 27 Jahre alt und in allen Bereichen des Lebens festgefahren. Sie hat einen Job in einem Café , wohnt seit ihrer Geburt im Dorf bei ihren Eltern, ist seit 7 Jahren mit dem gleichen
Mann zusammen und ihr Dasein beschränkt sich momentan nur auf diese Elemente. Doch sie ist scheinbar zufrieden...bis zum Tag ihrer Kündigung, mit dem ihr Leben eine Kehrtwende vollführt.

Will Traynor dagegen ist ein erfolgreicher Geschäftsmann. Er steht in der Blüte seiner Jahre, hat keine Geldsorgen, dafür aber eine schicke Freundin zu Dekorationszwecken und ein Leben geprägt von Reisen, Abenteuern und Eindrücken jeglicher Art. Er ist lebenslustig und glücklich - bis zu dem Tag als ihn ein Motorradfahrer erfasst und in den Rollstuhl befördert...

Meine Meinung:
Was soll man zu diesem Buch eigentlich noch sagen? Kann man gar nicht, man muss es schon selbst gelesen haben, um zu verstehen, warum es viele so sehr beeindruckt. Ich liebe Liebesgeschichten und habe mir das Buch aufgrund des Titels gekauft und weil es auch vom Titel her meiner damaligen Situation entsprach.

Der Kauf dieses Buches war ganz gewiss keine Fehlentscheidung. Immer, wenn ich zu lesen begann, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen und musste mich praktisch zwingen, aufzuhören, weil ich für Klausuren lernen musste.

Nicht nur der Schreibstil ist sehr ansprechend, sondern auch die Charaktere. Lou gefiel mir auf Anhieb, weil sie einfach ist, wie sie ist. Die Art wie Jojo Moyes Wills Schicksal beschreibt ist einfach großartig, und ich muss der Autorin wirklich meinen Respekt zollen. Ich habe mich zwischenzeitlich wirklich so gefühlt, als wäre ich Will und konnte seine Entscheidungen verstehen und seine Gedanken komplett nachvollziehen. Ich habe mich eigentlich nie wirklich mit körperlich Behinderten auseinander gesetzt und sie oft ihres Schicksals wegen bemitleidet. Seit "Ein ganzes halbes Jahr" hat sich jedoch meine Ansicht, was Leute mit körperlichen Behinderungen betrifft drastisch verändert. Viele wollen keine mitleidigen Blicke und fühlen sich unwohl, wenn sie von "gesunden" Menschen so angestarrt werden. Immer, wenn ich jetzt an einem Rollstuhlfahrer vorbeilaufe, denke ich an Will und versuche, nicht mitleidig zu schauen, sondern die Leute auch anzulächeln, so dass sie sich auch als Person wahrgenommen fühlen und nicht immer nur über ihre Behinderung definiert werden. In dem Sinne kann ich persönlich schon sagen, dass das Buch Spuren hinterlässt, nicht nur aufgrund der wirklich außergewöhnlichen Liebesgeschichte zwischen Lou und Will, sondern auch bezüglich der Menschen in unserer Umgebung und wie wir mit ihnen umgehen.

Fazit:
Ich weiß, warum es viele als ihr Lieblingsbuch betrachten. Weil es einfach anders ist, als die "normale" Liebesgeschichte. Wer jedoch denkt: Eine Liebesgeschichte mit "erschwerten" Umständen, der hat jedoch weit gefehlt, denn auf einmal sieht sich der Leser mit schweren Themen wie Behinderung oder Freitod sowie der Lust am Leben konfrontiert. Dabei verfolgt er die Protagonistin auf ihrem Weg zu einem neuen Ich, glaubt sich eng an ihrer Seite, zeichnet Jojo Moyes ein derart liebevolles und einfühlsames Bild der jungen Frau, dass der Leser das Gefühl entwickeln wird, Lou persönlich zu kennen. Für mich war es sehr seltsam, dieses Buch zu lesen. Einerseits möchte man die Seiten eine nach der anderen umblättern und im Buch voranschreiten, hat man jedoch gleichzeitig Bedenken, dem unumgänglichen Ende entgegenzusehen aus Angst vor dem Finale. Aufgrund des wunderschönen Schreibstils und den behandelten Themen bekommt das Buch von mir 5 von 5 möglichen Sternen.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 21.03.2013
Aktuelle Ausgabe : 21.03.2013
Verlag : Rowohlt TB.
ISBN: 9783499267031
Flexibler Einband: 512 Seiten
Sprache: Deutsch