Freitag, 10. Januar 2014

Rezension zu "Amys Geheimnis" von Deborah O'Brien

Zwei Welten - Ein Schicksal  


Zum Inhalt:
Das Buch Amys Geheimnis erzählt zwei Geschichten; die eine handelt von der 17-jährigen Amy Duncan, die andere von der etwa 50-jährigen Angie. Das Buch ist in die Kapitelunterschriften Damals und Heute eingeteilt.
Um 1870 kommt Amy nach Millbrooke, die zu der damaligen Zeit eine echte Goldgräberstadt ist. Als Tochter eines streng konservativen Pfarrers hat sie es nicht leicht. Alles, was Spaß macht, ist verboten, und dann verliebt sie sich auch noch unpassend in Charles, der ein chinesisches Warenhaus führt. Man verfolgt ihre Liebesgeschichte und erfährt einiges über das harte Leben in einer Goldgräberstadt, Unruhen gegen chinesische Gastarbeiter, Vorurteile und Rassendiskriminierung.

In der heutigen Zeit mietet die Künstlerin Angie das alte Pfarrhaus - das Haus in dem Amy vor 150 Jahren selbst lebte. Erst kürzlich verstarb ihr Mann Phil und ihre beiden Söhne leben schon längst nicht mehr zuhause. In Millbrooke entschließt sie sich ein neue Leben zu beginnen um ihrem Kummer über den Tod ihres Mannes entfliehen zu können. In dem alten Haus entdeckt sie einen Koffer - mit persönlichen Dingen, die Amy gehört haben, und begibt sich auf die Spuren von Amys Vergangenheit. Wer war dieses Mädchen? Was hat sie bewegt, ihren Koffer dazulassen?

Meine Meinung:
Ich bin eigentlich nicht so der Freund von historischen Romanen, doch dieses Buch hat mich direkt in seinen Bann gezogen. Der Schreibstil gefiel mir auf Anhieb. Er ist sehr detailliert und stört den Lesefluss keinesfalls, sondern hilft dem Leser zudem, sich einige Dinge, mit denen er vielleicht nichts anfangen kann, bildlich vorzustellen. Mir fiel es sehr leicht, mich in Amys Situation und die damalige Zeit hineinzuversetzen, obwohl ich eigentlich keine historischen Romane lese. Vor allem die Wortwahl hat mir in diesen Abschnitten besonders gut gefallen, da immer wieder die "alte" Sprache aufgegriffen wurde und man wirklich das Gefühl hatte, als befände man sich in der Zeit. Was mir sprachlich auch sehr zugesagt hat, waren die Stellen, wo sehr viel geredet wurde und diese nicht durch kurze Einschübe unterbrochen wurden, die beschrieben, was die jeweilige Person jetzt tat. Meist waren diese Passagen nicht sehr lang, so dass man sich nicht vorkam, als würde man ein Telefongespräch lesen, jedoch lang genug um sich in das Gesprochene eingebunden zu fühlen. Durch das Abwechseln der Abschnitte wurde auch immer wieder die Spannung erhöht, so dass der Leser unbedingt wissen möchte, wie der weitere Roman verläuft.

Amys Handlungsstrang gefiel mir von Anfang an, vor allem weil die hier benutzte Sprache Lebhaftigkeit und Freude ausstrahlt und dies auch wesentliche Charakterzüge von Amy sind. Sie lernt auch sehr schnell Charles kennen und der Leser kann schön beobachten, wie sich eine zarte Beziehung zwischen den beiden entwickelt.

Angies Geschichte fand ich am Anfang recht langweilig, weil einfach nicht so viel passierte wie bei Amy. Der Umschwung im Schreibstil zeigte schon, dass Angie sich stark von Amy unterscheiden würde und das tat sie ja auch. Wenn es um Angie ging war die Stimmung der Geschichte eher ruhiger und wehmütiger; der totale Kontrast also zu Amy.

Zwischenzeitlich hätte ich am liebsten nur Amys Geschichte gelesen und Angies Geschichte übersprungen, aber ich bin froh, dass ich das nicht gemacht habe, denn Angies Geschichte wird ab dem zweiten Leseabschnitt immer interessanter, vor allem weil sie den Koffer mit Amys Sachen darin findet und sich auf die Suche begibt. Obwohl der Leser Angie oft mit den Informationen über Amy voraus ist, wirkt es doch interessant wie die Frau mittleren Alters teils mithilfe ihrer neuen Freundinnen aus dem Malkurs teils mithilfe ihres Vermieters Richard Scott Amys Geheimnissen auf die Schliche kommt.

In diesem Romane haben nicht nur die Hauptcharaktere, vor allem Amy, eine interessante Hintergrundgeschichte, sondern auch die Nebencharaktere der heutigen Zeit, die mitunter sehr emotional sind. Sie geben den Nebencharakteren eine Rundung und lassen sie nicht nur als flache Personen ohne irgendeinen besonderen Charakterzug vor sich hin vergetieren. Auch erfüllen die Nebencharaktere eine wichtige Funktion in Angies Leben, da sie ihr auch helfen die Trauer um ihren Mann Phil zu bewältigen, was sich zwischenzeitlich als sehr schwer herausstellt.

Das Ende des Buches ist sehr offen, was einigen vielleicht gefällt oder auch nicht. Ich zähle mich zu der letzten Gruppe. Zwar wirkt der "Damals"-Abschnitt in sich abgeschlossen, aus dem "Heute"-Abschnitt hätte man vielleicht noch etwas mehr herausholen können.

Fazit:
Ein schöner Roman, der für alle, die die Aufklärung von Geheimnissen mögen, ein absolutes Muss ist.  Der Schreibstil ist sehr anschaulich, so dass der Leser, auch wenn er sich nicht mit historischen Romanen beschäftigt, in die Atmosphäre hineinversetzt wird. Zudem ändert sich der Schreibstil, je nachdem, ob über Amy oder Angie berichtet wird; er ist also gut an die Zeit angepasst. Obwohl mir Angies Geschichte zwischenzeitlich ein wenig platt vorkam, wandelt sich dies im Laufe des Buches und der Leser wird von diesem Handlungsstrang mindestens genauso angezogen, wie von Amys. Besonders ansprechend habe ich das Thema gefunden. Ich hatte keine Ahnung, dass es Ende des 19. Jahrhunderts so viele chinesische Gastarbeiter in Australien gab und diese größtenteils von der Bevölkerung verpöhnt wurden. Von daher finde ich es schön, dass die Autorin dieses Thema aufgegriffen hat, denn, auch wenn wir uns heutzutage interkulturell alle sehr gut verstehen, dürfen wir nicht vergessen, dass das nicht immer so war und auch zwischenzeitlich in einigen Ländern immer noch auftritt. Deshalb gebe ich 5 von 5 möglichen Sternen.  

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 13.09.2013
Aktuelle Ausgabe : 13.09.2013
Verlag : List TB.
ISBN: 9783548611600
Flexibler Einband: 336 Seiten
Sprache: Deutsch