Mittwoch, 29. Januar 2014

Rezension zu "Die verlorene Zeit" von Michelle Ross

Spannend vom Anfang bis zum Ende

 

Zum Inhalt:
Die verlorene Zeit von Michelle Ross erzählt die Geschichte von Dinah Osbourne und Ellen Townsend, zwei Frauen, die zu unterschiedlichen Zeiten leben.
Dinah ist die Figur der Gegenwart und findet eines Tages auf dem Dachboden in ihrem Elternhaus in San Francisco einen Zeitungsausschnitt, in dem berichtet wird, dass ihre Ururgroßmutter, nämlich Ellen, Anfang des 20. Jahrhunderts als Mörderin hingerichtet wurde. Warum trägt die Frau auf dem Porträt von Dinahs Großvater aber genau denselben Namen? Um der Sache auf den Grund zu gehen reist Dinah gegen den Willen ihres Vaters, ein aufsteigender Politiker, nach Cornwall um das Geheimnis ihrer Vorfahrin aufzudecken und kommt einem ungeheuren Skandal auf die Spur.

Meine Meinung: 
Durch den Roman Amys Geheimnis von Deborah O'Brien habe ich das Genre der Familiengeheimnisse für mich entdeckt und suche jetzt ständig nach neuem Lesestoff in dieser Richtung. Durch die Leserunde bin ich auf diesen Roman aufmerksam geworden und habe mich sehr gefreut, als ich diesen gewonnen habe.

Dieses Buch ist eines dieser Bücher, deren Schreibstil einen unglaublich gefangen nimmt und es schwerfällt, das Buch wieder aus der Hand zu legen. Dass Hauptaugenmerk des Romans liegt eindeutig auf Ellens Erzählstrang, was ich jedoch nicht weiter verwerflich finde.

Zu Anfang wird uns Dinah vorgestellt, die mit ihren 24 Jahren kein ganz einfacher Charakter ist und nicht sofort von jedem Leser ins Herz geschlossen wird. Dennoch fand ich Dinah sehr interessant und habe mit ihr gefiebert als sie sich auf Spurensuche macht. Was mich zwischenzeitlich ein wenig gestört hat, war hier der etwas derbe Umgangston, was irgendwie nicht in den sonstigen Gegenwartsteil passte. Zwar ist Dinah kein Engel, trotzdem fand ich die Wortwahl manchmal nicht ganz so passend.

Ellen hingegen wird von jedem Leser sofort ins Herz geschlossen, weil sie einfach ein ganz anderer Typ als Dinah ist. Ellen ist freundlich und aufgeschlossen, was sie unglaublich sympathisch macht.
Was mir bei dem Wechsel in die Vergangenheit sehr gut gefallen hat, ist auch dieser Sprachwechsel der einhergeht, wenn zwischen Gegenwart und Vergangenheit gewechselt wird. Somit entsteht ein ganz neues Gefühl bei dem Leser und er kann sich in die damalige Zeit und an die damaligen Orte zurück versetzen.

Der Leser begibt sich gemeinsam mit Dinah auf die Reise nach Ellens Vergangenheit und durchlebt mit beiden Frauen Ellens Leben, ohne jedoch zu viele Informationen vorab zu erhalten, so dass er immer nur einen bestimmten Rahmen der Geschichte kennt. Dennoch bleibt immer noch genug Raum für Spekulationen, die manchmal zutreffen, manchmal jedoch auch in eine völlig falsche Richtung gehen. Das ist auch der Grund warum das Buch so interessant für mich war. Auch, wenn man mal eine kurze Lesepause machte, beschäftigte man sich trotzdem immer noch mit der Handlung des Romans und stellte Vermutungen zum weiteren Verlauf auf.

Das Ende fand ich persönlich recht kitschig. Es ist zwar ein in sich abgeschlossenes Ende, doch hier finde ich wurde etwas zu viel des Guten herumgebastelt. Trotzdem finde ich es gut, mal ein in sich stimmiges Ende eines Familienromans zu lesen und sehe über diese Kleinigkeit hinweg.

Fazit:
Ein wunderschöner Familienroman, der einen auch dann nicht loslässt, wenn man ihn zur Seite legt. Die Charaktere, besonders Ellen, sind unglaublich liebevoll gestaltet und auch der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Man merkt wirklich diesen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart und fühlt sich dementsprechend auch in die Zeit versetzt. Was für mich auch sehr wichtig war, ist, dass der Leser nur das erfährt, was er erfahren soll, sprich, dass er sich nur in einem bestimmten Rahmen bewegt, den Ellen und Dinah gemeinsam aufspannen. Keine der beiden Figuren ist der anderen in irgendeiner Weise voraus, so dass sie sich sehr gut ergänzen und der Leser immer mehr in das Familiengeheimnis der Osbournes hineinrutscht. Für mich ein tolles Beispiel eines guten Familienromans, der von mir 4 von 5 möglichen Sternen bekommt.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.11.2013
Aktuelle Ausgabe : 01.11.2013
Verlag : Droemer Knaur
ISBN: 9783426510827
Flexibler Einband: 592 Seiten
Sprache: Deutsch