Donnerstag, 9. Januar 2014

Rezension zu "Die Liebesnachricht" von Maria Ernestam

Ein langatmiger Familienroman, dessen Titel irritiert

 

Zum Inhalt:
Die 11-jährige Mariana findet ihren Vater eines Tages tot auf dem Karussell, das der Familie seit vielen Jahren gehört - ermordert durch einen Gewehrschuss. Dieses Ereignis hat sie bis heute nicht verkraftet und immer noch denkt sie oft an ihren Vater. In dem Dorf, in dem sie mit ihren beiden jüngeren Schwestern Elena und Karolina lebt, wird über den Mord nicht gesprochen. Bis Amnon Goldstein auftaucht, ein mysteriöser Fremder, der ein Buch über den Ort schreiben will, in dem Mariana lebt. Und plötzlich kommt wieder Bewegung in die kleine Gemeinschaft.

Meine Meinung:
Vorab muss ich einmal sagen, dass der Titel sehr irreführend ist. Im Original lautet er Marionetternas döttrar, was so viel wie "Die Töchter der Marionetten" bedeutet. Deswegen habe ich auch den ganzen Roman hindurch nach der im Titel erwähnten "Liebesnachricht" gesucht, konnte diese jedoch nicht entdecken. Der Titel des Originals passt jedenfalls viel besser zum Inhalt, denn es dreht sich um die Welt des Schauspiels, des Puppentheaters und der Fantasie. Weiteres kann ich hierzu jedoch nicht schreiben, da mir immer noch keine genaue Formulierung für das Hauptthema des Romans einfällt, da immer wieder neue Handlungsstränge angesprochen werden, die mit dem eigentlichen Geschehen überhaupt nichts zu tun haben.
Auch der Schreibstil hat mir nicht sehr zugesagt. Immer wieder wurde ich aus dem Lesefluss gerissen, da Mariana (die in der Ich-Perspektive von den Ereignissen berichtet) zwischenzeitlich immer zwischen mehreren Situationen hin und her schwenkte, was besonders anfangs sehr verwirrend auf den Leser wirkt. Auch passten zeitgleich viele Formulierungen nicht zum sonstigen Schreibstil der Autorin, was mich sehr störte.

Obwohl Mariana mit vielen Personen im Dorf interagiert, bleiben diese nur oberflächlich und ohne wirklichen Charakter, den man gern haben oder hassen kann. Auch Mariana wirkt auf den Leser sehr distanziert und es fiel mir persönlich sehr schwer, mich in ihre Gefühlslage hineinzuversetzen. Diese Distanziertheit hat zugleich die Folge, dass die Schicksale, die einige Menschen im
Dorf erleiden, den Leser nicht berühren und er somit nicht mitfühlen kann. Somit bleiben die Charaktere nur auf dem Papier bestehen, die man sich nicht ins echte Leben denken kann.

Einen positiven Punkt habe ich aber dennoch und dieser ist im Besonderen das Ende des Romans. Dies liegt aber nicht daran, dass es einfach das Ende ist, sondern hier wird zum ersten Mal Spannung aufgebaut, da sich hier herausstellt wer Marianas Vater wirklich umgebracht hat. Dadurch, dass Mariana erst gegen Ende langsam auf die Spuren vom Mörder ihres Vaters kommt, erscheint die vorherige Handlung sehr langatmig und unnötig. Auch den Epilog hätte ich mir vielleicht ein wenig anders gewünscht, da er sehr offen bleibt und trotz allem immer noch einige Fragen hinterlässt, die im Roman nicht geklärt werden.

Fazit:
Alles in allem hat mir das Buch nicht sonderlich zugesagt, da ich mir vom Titel her etwas ganz anderes versprochen hatte und ich immer noch nicht genau sagen kann, wovon der Roman jetzt genau handelt. Die Charaktere bleiben lieblos und distanziert zum Leser; selbst mit der Protagonistin kann man sich nicht wirklich anfreunden. Die Sprache ist teils sehr verwirrend, teils auch sehr poetisch gestaltet, was überhaupt nicht zu Mariana passt. Nur aufgrund des Endes kann der Roman von mir 2 von 5 Sternen erhalten.


Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier

Allgemeine Infos zum Buch:
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 11.11.2013
Aktuelle Ausgabe : 11.11.2013
Verlag : btb Verlag (TB)
ISBN: 9783442746576
Flexibler Einband: 400 Seiten
Sprache: Deutsch