Freitag, 10. Januar 2014

Rezension zu "Der Duft des Regens" von Frances Greenslade

Ein berührendes Buch mit leichten Schwächen

 

Zum Inhalt:
Der Duft des Regens erzählt die Geschichte von Jenny und Maggie Dillon, die mit ihrer Mutter und ihrem Vater in den weiten Wäldern Kanadas leben. Dort verbringen sie die meiste Zeit im Freien, liefern sich Wettschwimmen und besonders Maggie unternimmt viel mit ihrem Vater - sie bauen gemeinsam Unterschlüpfe zum Schutz. Als der Vater bei Baumfällarbeiten ums Leben kommt, verändert sich das Leben der beiden Schwestern schlagartig.

Auf der Suche nach Arbeit bringt die Mutter die beiden Mädchen bei den Edwards unter, alten Freunden von Maggies und Jennys Vater und verspricht, bald zurück zu sein. Die beiden Mädchen warten ungeduldig auf ihre Rückkehr, doch Tage werden zu Wochen, Wochen zu Monaten und Monate zu Jahren, ohne, dass die Mutter sich bei ihnen meldet. Als Maggie sechzehn ist, beschließt sie, sich auf die Suche nach ihrer Mutter zu machen und kehrt zurück in ihre Vergangenheit.

Meine Meinung:
Zuerst einmal muss ich den Erzählstil der Autorin loben. Die Sätze lassen sich flüssig miteinander verknüpfen und es entstehen keine Unterbrechungen im Lesefluss. Ihr Schreibstil ist sehr detailliert, so dass es dem Leser leichtfällt, sich die Umgebung und die beschriebenen Situationen genau vorzustellen, selbst wenn man noch nie in Kanada war. Das Lesen wurde dadurch zu einem richtigen Vergnügen, da ich immer diese Bilder im Kopf hatte, die wie ein Film vor meinem inneren Auge vorbeiliefen. Die Länge der Erzählabschnitte war nicht zu kurz und auch nicht zu lang und langweilig wurde die Handlung nie, da immer wieder neue Handlungsstränge dazukamen.

Auch die Eigenschaften der Hauptcharaktere sind sehr gut gewählt und werden im Laufe der Geschichte immer wieder ausgebaut, so dass man die Personen besser kennenlernt und ihre Handlungen leichter nachvollziehen kann. Am Besten von allen Charakteren gefällt mir Maggie, nicht nur, weil sie die Protagonistin ist und der Roman aus ihrer Sicht geschrieben wurde, sondern weil sie ähnliche Charaktereigenschaften hat, wie ich. Daher kann ich mich sehr gut mit ihr identifizieren. Bei jedem Schicksalsschlag leidet man mit ihr mit, da auch hier wieder der Schreibstil sehr gefühlvoll ist und die Schocks sehr unerwartet kommen. Die anderen Personen bleiben eher verschwommen und haben keine richtige Persönlichkeit, was es schwer macht sich in sie hineinzuversetzen. Das finde ich etwas schade.

Doch die eigentliche Story beginnt erst nach etwa 250 Seiten, wo Maggie sich dazu entschließt sich auf die Suche nach ihrer Mutter zu machen. Obwohl die Handlungsstränge, über die vorher berichtet wurde, keineswegs langweilig waren, hatte ich viel früher mit der Suche gerechnet, vor allem da Maggie im Verlauf des Romans öfter davon gesprochen hatte, aber wenn ich selbst in solch einer Situation wäre, wüsste ich auch nicht, ob ich mich sofort auf die Suche begeben würde; von daher finde ich es schon realistisch, dass Maggie erst spät ihre Suche beginnt.

Das Ende hat mir überhaupt nicht gefallen. Es bleiben viele Fragen offen, vor allem viele wichtige. Warum hat die Mutter die beiden Mädchen zurückgelassen? Wie geht es weiter mit den beiden Schwestern, immerhin sind sie ja noch Teenager? Außerdem wirkt das Ende für mich sehr abrupt, da auf einmal völlig aus dem Zusammenhang heraus berichtet wird, was mit der Mutter ist, als ob Frances Greenslade keine Lust gehabt hätte, die Geschichte noch ein wenig auszubauen.
Was mich auch ein wenig stört ist der Titel des Buches. Im Original heißt es Shelter und warum, wird auf Seite 127 klar:

"Das Letzte, worum du dir Sorgen machen musst, ist, dass du verhungerst", hatte Dad gesagt. "Es ist nicht schön, Hunger zu haben, aber es dauert eine ganze Weile, bis man daran stirbt. Als erstes Schutz, dann Wasser, Feuer und Nahrung."

Dann ergeben auch die Leseabschnittsüberschriften einen Sinn. Von daher finde ich die Übersetzung des Titels nicht ganz so gelungen.

Fazit:
Für mich ist die Geschichte sehr gelungen, obwohl es sehr lange dauert, bis Maggie sich endlich dazu entschließt, ihre Mutter zu suchen. Die Charaktere sind sehr liebevoll ausgewählt worden, mit vielen Facetten, die im Buch immer wieder aufgegriffen und ausgebaut werden. Der Schreibstil ist sehr flüssig und man hat wirklich das Gefühl, dass dort eine junge Frau sitzt und von ihrer Kindheit erzählt. Die Handlung lässt sich flüssig verfolgen und auch die Beschreibung der Natur kommt nicht zu kurz.
Das Ende gefällt mir gar nicht, aufgrund dessen, dass es sehr abrupt geschrieben wirkt und viele Fragen offen bleiben, die den Leser interessieren könnten. Wenn von dem Roman keine Fortsetzung erscheint (und die wird es, denke ich, nicht geben), finde ich das Ende sehr unglücklich gelöst. Über den Buchtitel kann man sich streiten, aber ich denke, dass der Titel nicht die Intention des Buches aufgreift. Es geht nicht um die Natur an sich. Es geht darum, Schutz zu suchen, sich vorzubereiten, auf Schicksalsschläge, auf die man nicht immer gefasst ist. Trotz schwachem Ende bekommt das Buch von mir aufgrund des Schreibstils 4 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 10.07.2012
Aktuelle Ausgabe : 21.10.2013
Verlag : Insel Verlag
ISBN: 9783458359555
Flexibler Einband: 366 Seiten
Sprache: Deutsch