Samstag, 14. Januar 2017

Rezension zu "Maybe Someday" von Colleen Hoover

Berührende Geschichte, die jedoch leider nur die Protagonisten wichtig erscheinen lässt

 

Zum Inhalt: 
Sydney ist 22 und ihr Leben könnte nicht besser laufen. Sie studiert ihr Wunschfach - Musik - ist mit ihrer besten Freundin Tori in die erste Wohnung gezogen und hat ihren super tollen Freund Hunter. Was Sydney jedoch nicht weiß: ihre Beziehung ist nicht so glücklich wie es scheint. Denn Hunter betrügt sie - und zwar mit keiner geringeren als Tori. Sydney findet dies allerdings nicht selbst heraus, sondern über ihren Nachbarn Ridge. Dieser sitzt jeden Abend auf seinem Balkon und spielt Gitarre, kann allerdings aufgrund einer Schreibblockade keine neuen Songs mehr zustande bringen und bittet Sydney deswegen um Hilfe. Als sie schließlich aus ihrer Wohnung flüchtet, um der ganzen Situation zu entgehen, sucht Sydney Zuflucht bei Ridge. Dieser bietet ihr an, in das leere Zimmer der WG, die nur aus Warren, Bridgette und ihm besteht zu ziehen - allerdings nur, wenn sie ihm weiter beim Songschreiben hilft. Sydney kommt das Angebot gerade recht, denn in der Wohnung mit Tori möchte sie auf keinen Fall bleiben. Doch beim Songschreiben bleibt es zwischen Ridge und ihr nicht: die beiden spüren eine gegenseitige Anziehungskraft und kommen sich immer näher. Und das, obwohl Ridge eine Freundin hat...

Meine Meinung:
Wer mich kennt, weiß, dass ich bereits schon einige Colleen-Hoover-Bücher verschlungen habe. Auch wenn mir nicht alle gleich gut gefallen haben, musste ich mir Maybe Someday einfach zulegen, da ich das Thema unglaublich interessant fand und es wenige gute Romane über Musik gibt. 

Die Sprache ist, wie bei eigentlich allen Colleen-Hoover-Romanen zuvor, sehr einfach gehalten, so dass man der Erzählung sehr gut folgen kann. Sie orientiert sich gleichermaßen am Innenleben der Charaktere als auch an ihren Handlungen, so dass eine gute Balance zwischen beiden Komponenten entsteht. Dadurch, dass sie auch sehr schnörkellos ist, muss man nicht sonderlich viel Konzentration aufwenden, um der Erzählung zu folgen. Abwechselnd wird aus Sydneys und Ridges Sicht erzählt. Das hat mir außerordentlich gut gefallen, denn so kennt man nicht nur die Gedanken- und Gefühlswelt eines einzigen Charakters, sondern die von beiden Protagonisten. Dadurch kann man sich ein ungefähres Bild davon machen, was in der zukünftigen Handlung passieren wird und man kann sich perfekt in die beiden hineinversetzen. Etwas schade fand ich, dass Ridges Kapitel trotz allem immer noch ein wenig kürzer gehalten waren, als Sydneys Kapitel. Während Sydneys Erzählungen meist über 10 Seiten oder mehr gingen, waren Ridges Kapitel oftmals nur halb so lang. Dadurch hatte man, trotz allem, doch noch einen besseren Einblick über Sydney selbst.

Sydney und Ridge lernt man auch im Verlauf des Buches von allen Charakteren am besten kennen. Besonders Ridge ist ein unglaublich interessanter Charakter, alleine schon dadurch, dass der Leser eine riesige Überraschung erlebt, wenn Sydney und er zum ersten Mal wirklich aufeinander treffen. Durch die Eigenarten der beiden Protagonisten schafft Colleen Hoover einzigartige Personen und behandelt auch sensible Themen, die sonst nicht in der Art und Weise angesprochen werden, wie sie es tut. Das gefällt mir immer außerordentlich gut an ihren Romanen. Außer Sydney und Ridge sind außerdem noch Warren und Maggie Charaktere, die der Leser besser kennenlernt. Alle anderen Personen, die im Buch erwähnt werden oder ein paar Auftritte haben, wirken komplett farblos, weil so gut wie gar nicht angesprochen oder charakterisiert werden. Das beste Beispiel sind hier Sydneys Eltern, von denen auch öfter geredet wird. Es findet kein einziges Mal eine Interaktion zwischen ihnen und ihrer Tochter statt, was ich wirklich sehr schade fand, vor allem, da Sydney sie selbst des öfteren erwähnt. Auch Hunter und Tori kommen nur kurz am Anfang vor und bis auf eine einzige Interaktion mit Hunter gibt es nichts weiter über diesen Charakter festzuhalten. Das Gleiche gilt für Bridgette, wodurch die Charaktere für mich nur auf dem Papier existieren, da ich sie mir nicht ins wirkliche Leben denken kann. Dadurch konzentriert sich die Handlung bzw. der Roman im Allgemeinen nur auf Sydney und Ridge, was ich sehr schade finde, denn verschiedene Handlungsstränge hätten hier ihr Potential zur Ausarbeitung gefunden.

Insgesamt fand ich den Handlungsverlauf ganz ok, wenn er auch einige Längen aufweist. Besonders die Song-Entstehungsphasen mit Sydney und Ridge waren für mich unglaublich interessant, besonders, da man sich die Songs selbst auch anhören konnte, so dass man eine Vorstellung von ihrem Klang hatte. Trotzdem gab es keine richtige Abwechslung. Ridge und Sydneys Beziehung - oder eher Nicht-Beziehung - stand die ganze Zeit im Vordergrund. Es gab kein Kapitel in dem die beiden fernab voneinander etwas unternommen haben, beziehungsweise, dass Sydney über ihr Studium oder ihren Job erzählt hat, generell einmal mit anderen Personen außerhalb der WG interagiert oder ähnliches. Auch das Musikthema rückt schnell in den Hintergrund, was ich auch sehr schade fand. Das war nach einiger Zeit unheimlich ermüdend für mich und schmälerte meine Motivation weiterzulesen. Trotzdem behandelt das Buch ein sehr sensibles Thema und stellt die eigene Entscheidungskraft infrage, was verschiedene Situationen betrifft. Viele unerwartete Wendungen können den Leser trotz einiger Längen im Handlungsverlauf überraschen, so dass dieser an das Ende des Buches gelanfen will, da viele Entscheidungen der Charaktere gar nicht klar abzusehen sind. 

Das Ende war mir persönlich vielleicht doch einen Tick zu kitschig, bildet aber auf jeden Fall einen sehr schönen Abschluss zur Gesamthandlung. Es fügt sich gut in die Geschichte ein und rundet den Roman gut ab. Fans von Schnulzenromanen kommen hier auf jeden Fall auf ihre Kosten. Wer es nicht ganz so romantisch mag, empfindet das Ende vielleicht genau wie ich ein wenig zu dick aufgetragen.

Fazit:
Ein recht guter Roman, der ein äußerst sensibles Thema behandelt und die eigene Entscheidungskraft und Moral infrage stellt. Der Sprachstil lässt sich gut verfolgen und die Ich-Perspektive, ebenso wie die wechselnde Charaktersicht helfen dem Leser, sich in die Protagonisten hineinzuversetzen. Nervig war, dass es nur um Sydney und Ridge ging und um gar nichts anderes, so dass sowohl die anderen Charaktere als auch das Thema des Songschreibens recht farblos blieb. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Kommunikation mit der Außenwelt gewünscht, besonders bei Sydney. Dadurch wirkt die Handlung schnell langweilig, da im Grunde immer nur wieder das Gleiche passiert, obwohl es mehr Möglichkeiten gegeben hätte, die Handlungsstränge auszuarbeiten. Trotzdem möchte man das Buch beenden, da sich überhaupt nicht absehen lässt, wie die Charaktere sich letzten Endes doch entscheiden. Empfehlen kann ich diesen Roman Musikliebhabern, die mit den Songs sogar noch ein interaktives Erlebnis erfahren und Fans von Liebesromanen, die es nicht stört, wenn das Hauptaugenmerk hauptsächlich nur auf den Protagonisten liegt. Nach reiflicher Überlegung bekommt Maybe Someday von mir gerade noch so 4 von 5 Sternen.

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Allgemeine Infos zum Buch:
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 18.03.2016
Aktuelle Ausgabe : 18.03.2016
Verlag : dtv Verlagsgesellschaft
ISBN: 9783423740180
Flexibler Einband 432 Seiten
Sprache: Deutsch