Sonntag, 13. Dezember 2015

Rezension zu "Der Mondscheingarten" von Corinna Bomann

Wartet mit wunderschöner, wenn auch leicht kitschiger und vorhersehbarer Geschichte auf

 

Zum Inhalt:
Lilly Kaiser ist Ende 30 und besitzt ein relativ mittelmäßig laufendes Antiquitätengeschäft. Ihr Leben verläuft wieder in recht geordneten Bahnen nachdem ihr Mann Peter gestorben ist - bis ein seltsamer Mann in ihrem Laden auftaucht und ihr eine alte Geige überlässt. Einfach so. Doch bevor Lilly irgendetwas sagen kann, verschwindet dieser wieder. Das Geheimnis um die alte Geige bleibt jedoch bestehen. Lilly will herausfinden was es damit auf sich hat und begibt sich mit ihrer Freundin Ellen und dem Musikdirektor Gabriel auf Spurensuche von Rose Gallway, der die Geige anscheinend gehörte, die jedoch im 20. Jahrhundert plötzlich verschwand. Doch wieso soll plötzlich Lilly die Besitzerin der Violine sein? Das gilt es herauszufinden...

Meine Meinung:
Da mir Der Mondscheingarten empfohlen worden ist nachdem ich Der Duft von Hibiskus gelesen habe, musste das Buch natürlch direkt auf meine Wunschliste. Besonders angetan hat mich hier auch wieder der historische Aspekt, der sich durch das Buch hindurch zieht.

Die Sprache, die die Autorin verwendet, ist sehr fesselnd und wirft den Leser direkt in das Geschehen hinein. Allerdings erinnerte mich der Schreibstil an einigen Stellen sehr an den, den man oft in Groschenromanen findet, was die kitschige Seite des Romans hervorbrachte. Er wirkte nur in einigen Passagen etwas zu glückselig, was nicht so recht zu der jeweiligen Situation passen wollte. Trotzdem konnte man sich gut in die Geschichte einfinden, besonders in Lilly, die durch den personalen Erzähler dem Leser nahe gebracht wird. Diese begleitet der Leser auf die Reise durch die Vergangenheit, doch nicht nur Lilly wird hier wichtig, sondern auch Rose, die ursprüngliche Besitzerin der Geige. Hier wirkt die Sprache etwas geschwollener, so, wie man es zu Beginn des 19. Jahrhunderts eben erwartet. Das hat mir sehr gut gefallen, da dadurch die Szenerien gut vorstellbar sind und man sich zudem perfekt in die Handlung hineinversetzen kann. Leider schmälert die Länge der Kapiel dies ein wenig. Zwischenzeitlich sind diese bis zu 50 Seiten lang und daher in einem Rutsch kaum schaffbar wenn man nicht etwas Zeit mitbringt. Trotzdem hatte ich das Gefühl auch mitten im Kapitel nach einer Lesepause wieder gut in die Handlung einsteigen zu können.

Kommen wir nun zu den Charakteren, die alle wirklich sehr liebevoll gestaltet sind. Jede Person in dem Roman hat ihre eigenen Charakterzüge und wirkt sehr durchdacht. Generell hatte ich das Gefühl, dass keine richtigen Nebencharaktere existieren; stattdessen waren alle Personen sehr stark in die Handlung involviert, egal ob es sich um Ellen, ihren italienischen Freund oder Gabriel handelt. Besonders Rose und Lilly hat die Autorin ihre Gestaltung betreffend sehr deutlich hervorgehoben. Leider ging mir Lilly nach einiger Zeit ein wenig auf die Nerven, da sie in jedem Kapitel mindestens fünf Mal erwähnen muss, dass ihr Mann tot ist. Natürlich kann man ihre Trauer verstehen, allerdings wirkte es in der Masse, in der sie über dieses Thema sprach doch ein wenig überzogen. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Abwechslung gewünscht. Was mich auch ein wenig gestört hat, war, dass die Charakterkonzeption an vielen Stellen ein wenig 08/15 wirkte. Ich hatte das Gefühl schon nach wenigen Seiten die Charaktere genau zu kennen, obwohl sie noch nicht alle ihre Eigenschaften entfaltet hatten. Das fand ich ein wenig schade, aber dennoch wirken alle auftretenden Personen sehr real.

Auch der Handlungsverlauf hat mir gut gefallen, bis auf ein paar Stellen, die immer wieder kleinere Längen aufwiesen. Diese fielen mir besonders im Gegenwartsstrang ins Auge während ich mich an langweilige Stellen in Rose's Teil nicht wirklich erinnern kann. Dies liegt allerdings auch daran, dass ich das Buch schn vor 2 Monaten gelesen habe und erst jetzt dazu komme, eine Rezension zu schreiben. Die angesprochenen Längen reißen den Leser ein wenig aus de Fluß und verringern die Lust, noch ein wenig weiterzulesen bis es wieder spannend wird. Zudem hatte ich oft das Gefühl, dass ich vorausahnen konnte was passieren würde. Fast alle meine Vorhersagen stimmten mit der weiteren Handlung des Buches überein, sodass die Geschichte etwas vorhersehbar wurde, da kaum überraschende Wendungen eingebaut worden waren. Auch durch die Rückblicke in die Vergangenheit weiß man immer etwas mehr über die seltsame Geige und Rose als Lilly und ihre Freunde. Dadurch besteht wieder die Gefahr des Langweilens, was sich bei mir jedoch nicht eingestellt hat. Insgesamt empfand ich den Vergangenheitsstrang um Rose dennoch ein wenig interessanter als den um Lilly betreffend der Gestaltung und Ausarbeitung. Weiß man aufgrund des Gegenwartsstranges am Anfang des Romans noch deutlich mehr über die ominöse Geige, wechselt die Informationsquelle dahingehend im weiteren Verlauf. Das hat mir gut gefallen, da dadurch beide Handlungswege im Vordergrund stehen können.

Das Ende hingegen empfand ich als einen wirklich guten und gelungenen Abschluss des Romans. Es klärt letzte Ungereimtheiten auf, die sich nochmals ergeben, wirkt aber in kleinen Teilen dennoch etwas abgehackt und hätte ein wenig mehr ausgearbeitet können. Hier kamen endlich Wendungen zu Vorschein, die ich gerne im gesamten Romanverlauf gelesen hätte, aber dennoch fügen sie sich gut ins Ende ein und ergeben Sinn. Auch der Epilog, den die Autorin zum Schluss noch anfügt, lässt ein wenig Spielraum für die Fantasie des Lesers und rundet den Roman gekonnt ab.

Fazit:
Ein schöner Roman, der sich mit Musik und dem Handel des 20. Jahrhunderts beschäftigt und die Zeit gut widerspiegelt. Dennoch wirkt die Geschichte an einigen Stellen aufgrund ihrer Wendungen und der verwendeten Sprache ein wenig kitschig. Die Wendungen selbst empfand ich ein wenig zu vorhersehbar, da der Leser durch den Vergangenheitsstrang schon viel über das Geschehen erfährt. Er ist Lilly somit immer ein Stückchen voraus. Trotzdem reißen die Geschichte selbst sowie die Charaktere den Leser mit, obwohl letztere ein wenig 08/15-mäßig, aber dennoch real wirken. Man merkt, dass sich die Autorin bezüglich Handlung, Sprache und auch vom historischen Kontext gesehen sehr viele Gedanken zur Ausarbeitung ihrer Geschichte gemacht hat. Die liebevolle Gestaltung, die sie dem Roman zuteil werden lässt, verzaubert den Leser und reißt ihn trotz einiger Längen in der Handlung mit. Für Leser, die gerne diese Art von Geschichten lesen, kann ich zusätzlich noch das Buch Amys Geheimnis von Deborah O'Brien empfehlen. Der Mondscheingarten bekommt aufgrund meiner Rezension 4 von 5 Sternen. 

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 12.04.2013
Aktuelle Ausgabe : 12.04.2013
Verlag : Ullstein Taschenbuch Verlag
ISBN: 9783548285269
Flexibler Einband 528 Seiten
Sprache: Deutsch