Samstag, 10. Oktober 2015

Rezension zu "Der Joker" von Markus Zusak

Ein Roman der zeigt, dass jeder die Welt verändern kann

 

Zum Inhalt:
Ed Kennedy ist der Versager schlechthin - zumindest wenn es nach ihm geht. Er lebt in einer Kleinstadt, verdient mit seinem Job als Taxifahrer gerade genug um über die Runden zu kommen, spielt am Wochenende mit seinen Freunden Karten und ist in seine beste Freundin verliebt und kann es ihr nicht gestehen. Und obwohl Ed solch ein Versager ist, verhindert er, dass eine Bank ausgeraubt wird. Von da an wird er als Held der Stadt gefeiert. Doch diese Aktion bringt ihm nicht nur Ruhm ein, denn eines Tages liegt eine Spielkarte in seinem Briefkasten, das Karo-Ass. Auf ihr stehen drei Straßennamen - drei Aufgaben, die Ed bewältigen soll. Wer oder was steckt hinter diesen Karten? Und warum soll gerade Ed diese Aufträge ausführen? Trotz dieser "Ungerechtigkeit", die ihm hiermit zuteil wird, macht Ed sich an die Arbeit und blickt hinter die Kulissen des Lebens, nichtsahnend, dass diese Aufgaben sein Leben für immer verändern werden... 

Meine Meinung:
Von Markus Zusak habe ich bisher noch kein Buch gelesen, obwohl Die Bücherdiebin schon seit mehreren Jahren auf meinem Bücherstapel herumliegt. Durch das Hörspiel, das auf einem Radiosender angeteased wurde, bin ich neugierig auf die Geschichte geworden und musste das Buch daher unbedingt lesen.

Was mir schon zu Anfang sehr gut gefallen hat, war die Ich-Perspektive, die der Autor nutzt um die Geschichte zu erzählen. Dabei schlüpft der Leser in Ed hinein und erlebt das Geschehen durch seine Augen. Dadurch fühlt man sich Ed besonders nahe weil es sich so anfühlt als würde man die gesamte Szenerie durch seine Augen sehen. Auch ist die Sprache an vielen Stellen - besonders aber gegen Ende des Buches - sehr tiefgründig. Ich hatte das Gefühl, dass dies die Botschaft implizieren soll, die der Autor vermitteln möchte, nämlich, dass jeder etwas tun kann, jedoch auch Eds Charakterentwicklung, auf die ich später noch einmal zu sprechen komme. Einen klaren Fokus auf Geschehen oder Gefühle gibt die Sprache in Der Joker nicht an. Vielmehr konzentriert sie sich auf beide Aspelte gleichermaßen und schafft so eine Balance, in der die Handlung vorangetrieben und die Charaktere ein wenig Schliff erfahren. Was den Leser besonders neugierig auf die jeweiligen Kapitelinhalte macht sind die Überschriften, die über jedem Kapitel stehen. Sie bieten zwar eine grobe Angabe über das, was im Folgenden passieren wird, geben dem Leser aber gerade durch diese Grobheit Rätsel auf, was sie neugierig macht. Dies führt dazu, dass sie auch das nächste Kapitel lesen um hinter die Bedeutung der Überschrift zu kommen. Kapiteltechnisch gesehen sind die meisten in einem Rutsch schaffbar, es gibt aber auch Kapitel, die etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.

Kommen wir nun zu den Charakteren. Meiner Meinung nach wurden alle Charaktere mit reiflicher Überlegung ausgearbeitet und dementsprechend auch umgesetzt. Ich hatte das Gefühl, dass alle Personen, die im Laufe der Handlung vorgestellt werden, alle sehr detailliert gestaltet worden sind, so dass man sich fühlte als wären die Personen der Realität entsprungen. Oft versteht man die Handlungen der Protagonisten nicht wirklich, was aber im Verlauf des Romans immer mehr Sinn ergibt, da Ereignisse aus ihrer Vergangenheit aufgeklärt werden. Dadurch, dass jeder etwas rätselhaft erscheint, möchte man unbedingt mehr über die jeweiligen Personen erfahren; dies gilt auch für die Personen, die Eds "Aufträge" darstellen. Von allen Charakteren finde ich daher auch den Protagonisten besonders realitätsnah und detailliert herausgearbeitet. Es gibt wenige Bücher, die über Leute aus Randgruppen schreiben und deren Geschichte erzählen (Ich habe bisher nur Weit weg und ganz nah von Jojo Moyes als solches Buch erlebt). Dass dadurch die Probleme die unsere heutige Gesellschaft plagen, dargestellt werden, hat mir ausnehmend gut gefallen, da es nicht mehr nur um einen selbst geht, sondern gezeigt wird, dass es nicht allen Menschen so gut geht. Durch die Ich-Perspektive, die auf ihn angewendet wird, hat man das Gefühl, die Geschichte durch seine Augen zu erleben, da man praktisch in ihn hineinschlüpft; man kann sich in ihn also am besten hineinversetzen. Insgesamt hatte also jeder Charakter eine einzigartige Persönlichkeit, auch wenn diese sich bei einigen erst etwas später herauskristallisiert.

Auch der Handlungsverlauf hat mir gut gefallen. Er hatte zwar zwischenzeitlich einige Länge, blieb aber größtenteils wirklich spannend und fesselte den Leser dadurch, dass immer wieder neue Spielkarten und somit auch Aufträge für Ed ins Haus flatterten. Jeder dieser Aufträge hatte etwas Einzigartiges an sich und dies wollte man nicht verpassen und somit auch nicht Eds Lösung für die jeweilige Person. Was zudem die Spannung auch noch aufrecht erhielt, waren die Rätsel, die die Nebencharaktere wie Eds Freunde dem Leser aufgaben. Man will eben wissen warum diese so handeln, wie sie eben handeln und was genau sie jetzt bewegt. Besonders gut gefallen hat mir eigentlich, dass es nicht ständig um Eds Liebe zu seiner besten Freundin geht. Natürlich fließt dieser Aspekt immer wieder ein wenig in die Geschichte ein, allerdings nimmt dies nicht überhand, sondern hält sich meistens im Hintergrund, während auf den Aufträgen das Hauptaugenmerk der Geschichte liegt.

Das Ende fügte sich gut in die restliche Geschichte ein und wirkte keineswegs überzogen oder realitätsfern. Stattdessen klang es sehr tiefgründig, vielleicht sogar ein wenig tiefgründiger als die restliche Geschichte an sich. Dies tut dieser trotzdem keinen Abbruch, sondern holt noch einmal alles aus ihr heraus. Dies zeigt sich besonders im Effekt auf den Leser. Dieser bleibt nach Beendigung des Buches ein wenig nachdenklich zurück um zu verarbeiten, was er da eben gelesen hat. Dies stellt einen runden Abschluss des Romans dar.

Fazit:
Ein Roman, der zeigt, dass jeder etwas tun kann und sich gegen Ungerechtigkeit wehrt um anderen einen Moment des Glücks zu ermöglichen. Die wenigen Längen, die im Verlauf der Handlung auftauchen, werden durch spannungserhaltende Aspekte wieder wettgemacht. Auch die Figuren haben mir sehr gefallen. Diese wirken realitätsnah und bergen Geheimnisse, die der Leser aufgeklärt wünscht. Man kann sich gut in sie hineinversetzen, am besten gelingt dies jedoch bei Ed, dem Protagonisten der Geschichte. Die Ich-Perspektive hilft dem Leser dabei. Insgesamt überzeugt "Der Joker" sprachlich sowie handlungstechnisch mit einem Wechselbad der Gefühle für Charaktere und Geschehen, was aber durchaus positiv gemeint ist. Durch das Buch wurde eine schöne Idee sehr gut umgesetzt und bringt den Leser auch nach Beendigung des Romans zum Nachdenken. Daher bekommt Der Joker von mir 5 Sterne.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 28.08.2006
Aktuelle Ausgabe : 06.10.2008
Verlag : cbt
ISBN: 9783570305393
Flexibler Einband 443 Seiten
Sprache: Deutsch