Freitag, 1. Mai 2015

Rezension zu "Etta and Otto and Russell and James" von Emma Hooper

Hat meine Erwartungen leider nicht erfüllt

 

Zum Inhalt:
Die 82-jährige Etta lebt mit ihrem Mann Otto auf einer Farm in Saskatchewan - also praktisch mitten im Nirgendwo. Ihr größter Wunsch ist es, das Meer zu sehen. Also macht sie sich eines Tages auf in Richtung Osten, um ihren großen Traum zu verwirklichen. Otto lässt sie dabei alleine zurück. Dieser macht sich große Sorgen um seine Frau, denn sie ist schwer krank. Gemeinsam mit Russell, seinem Nachbarn und langjährigem Schulfreund begibt er sich auf die Suche nach Etta - und erlebt dabei die abenteuerlichste Reise seines Lebens.

Meine Meinung:
Etta and Otto and Russell and James ist das erste Buch von Emma Hooper und fällt durch sein Cover nicht so sonderlich auf. Würde man das Buch nach seinem Cover beurteilen, würde man es höchstwahrscheinlich sehr schnell wieder weglegen. Da ich jedoch schon einige Rezensionen zu diesem Buch gelesen habe, wurde ich überzeugt, mir das Buch selbst anzuschaffen. Dies geschah dann durch eine Leserunde, an der ich leider aufgrund von heftigen Internetproblemen kaum teilnehmen konnte. Trotzdem möchte ich noch abschließend meine Rezension schreiben.
Der Handlungsverlauf erinnerte mich gleich ein wenig an Bäume reisen nachts von Aude le Corff und da ich solche Geschichten sehr mag, war es klar, dass ich dachte Etta and Otto and Russell and James würde mein Buch werden. Und so fing ich an, dass Buch zu lesen.

Emma Hoopers Schreibstil ist sehr flüssig und sie wechselt in den Perspektiven zwischen den Hauptpersonen hin und her, d.h. einmal wird die Geschichte aus Ettas Sicht, aus Ottos Sicht und aus Russells Sicht erzählt. Wer sein Englisch ein wenig auffrischen möchte, dem kann ich das Buch nur ans Herz legen. Ein Wörterbuch braucht man für dieses Buch sicherlich nicht, denn größtenteils lassen sich die Worte aus dem Kontext erschließen. Was mich aber durchaus an Emma Hoopers Schreibstil stört, ist, dass sie zwischenzeitlich viele hypotaktische Sätze schreibt wie:

"But five weeks ago the banks announced that everything was absolutely broken, right there in the paper, for anyone who hadn't noticed yet for themselves, and three weeks ago, Russell's father, who owned a shop right in the middle of downtown, an everything shop with wrenches and lemon candy and bolts of printed cotton in rows, had turned a bit white, then a bit dizzy, then had to sit down, then had to lie down, and then, after sweating and sweating and Russell getting so much cold water from the kitchen, carried in the biggest bronze pitcher, hefting it up the stairs, hugging himself, so cold with the water inside, and bringing it to the bedroom where his father was lying, at first alone, and then, soon, with the doctor standing by, and then, not too long after, with the doctor and the priest standing by, while Russel's mother cooked for everyone and dealt with all this goddamn paperwork until, two weeks ago, while Russel was carrying a twelfth bronze pitcher from the kitchen, so cold aggainst his stomach and chest, almost burning cold, Russell's father gave up and died." (S. 9)

Dies bringt den Leser meiner Meinung nach sehr aus dem Konzept. Ich habe den Satz selbst bestimmt fünf oder sechs Mal gelesen, weil sich mir der Kontext nicht richtig erschloß. Dies sollte eigentlich nicht der Sinn und Zweck des Schreibstils sein. Denn dadurch wird es dem Leser schwer gemacht, wieder in die Geschichte hineinzufinden und er verliert die Motivation, weiterzulesen.
Verwirrt hat mich auch der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Zwischenzeitlich war es schwer ersichtlich für mich, in welcher Zeit wir uns befanden, sei es Ottos Kindheit oder sei es Ettas Wanderung durch ein Kornfeld. Das brachte den Leser auch sehr aus dem Konzept, da die Orientierung einfach verloren geht. Auch die wörtliche Rede hat die Autorin weggelassen, so, als würde die Geschichte noch von einer vierten Person erzählt. Es war also auch schwer, zuzuordnen, was genau jetzt gesagt wurde, und vor allem, von wem.

Auch der Handlungsverlauf war mir an vielen Stellen ein wenig zu eintönig, bsw. beobachtete man eine Zeitlang nur, wie Etta durch ein Kornfeld läuft und im Grunde genommen nichts mehr außer ihr Wandern geschieht. Auch hatte ich das Gefühl, dass sich an einigen Stellen verschiedene Handlungen der Charaktere wiederholten, so, als hätte die Autorin noch ein paar Seiten mehr füllen müssen, als sie eigentlich könnte. Das nimmt der Geschichte etwas den Wind aus den Segeln und schmälert die Motivation des Lesers noch mehr, auch wenn Emma Hoopers Sprache an vielen Stellen sehr poetisch ist.

Die Charaktere waren liebevoll gestaltet und haben mir wohl von allen Aspekten des Buches am besten gefallen, da sie unheimlich schön ausgearbeitet waren. Man leidet mit Otto mit, der seine Frau sucht und man wünscht sich, dass Etta es bis zum Meer schafft, damit sie ihren Traum erfüllen kann. Interessant finde ich auch die Einblicke, die die Autorin dem Leser in die Vergangenheit der Protagonisten gewährt. Dadurch kann man etwas mehr nachvollziehen, was die Personen geformt hat und warum sie so handeln wie sie handeln. Dadurch findet auch die Charakterentwicklung statt, die man sich als Leser wünscht. Trotzdem hätte ich mir noch ein paar tiefergehende Nebencharaktere gewünscht, die die Welt und Handlungen der Hauptfiguren beeinflussen.

Leider hat mir der Schluss überhaupt nicht gefallen. Beziehungsweise war ich zu verwirrt um zu sagen, ob er mir gefiel oder nicht. Dies liegt größtenteils tatsächlich an der Sprache, die hier schon wieder fast zu poetisch wirkt, so dass der Leser sich in den Worten verstrickt. Das Einzige, was ich gemerkt habe, ist, dass das Ende offen ist, aber jeglicher Handlungszusammenhang ist mir leider unersichtlich geblieben. Gegen Ende beginnt Emma Hooper sogar, in den Abschnitten, in denen jeweils nur von einer Person erzählt wird, mehrere Charaktere einzugliedern. Dies geschieht zwar nur kurzzeitig über wenige Sätze hinweg, aber es reicht dennoch, den Leser genügend zu verwirren. So war das Buch am Ende ein reines Chaos für mich.

Fazit:
Leider konnte das Buch meine Erwartungen nicht erfüllen. Durch viele hypotaktische Sätze und Zeitsprünge ist man als Leser hinterher so verwirrt, dass man gar nicht mehr weiß wo einem der Kopf steht. Auch wiederholen sich viele Handlungen der Protagonisten, was den Leser schnell langweilen kann, da die Spannung komplett fehlt. Deswegen brauchte ich beispielsweise sehr lange, um das Buch zuende zu lesen. Was mir jedoch richtig gut gefallen hat, waren die Charaktere des Buches, die mit einer detaillierten Gestaltung aufwarten und lebendig und unverfälscht wirken. Dies hat für mich noch ein wenig herausgerissen und daher vergebe ich für Etta and Otto and Rssell and James 2 Sterne.

Neugierig geworden? Dann bestell das Buch gleich hier. Ab September 2015 ist auch die deutsche Ausgabe hier erhältlich

Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 29.01.2015
Aktuelle Ausgabe : 29.01.2015
Verlag : Penguin UK
ISBN: 9780241185865
Flexibler Einband: 272 Seiten
Sprache: Englisch