Dienstag, 10. März 2015

Rezension zu "Der Duft von Hibiskus" von Julie Leuze

Magisches Australien zur Mitte des 19. Jahrhunderts gepaart mit viel Spannung und Herz

 

Zum Inhalt:
Der Duft von Hibiskus erzählt die Geschichte von Emma Röslin, die 1858 ihre Zelte in Deutschland abbricht um in Australien Pflanzen zu zeichnen. Das Angebot als Zeichnerin und somit als Assistentin eines Forschers zu arbeiten bekam sie von Oskar Crusius, der ihr Elternhaus besuchte. Dort hängt seit Monaten jedoch der Haussegen schief. Emmas Vater spricht nicht mehr mit ihr - und Emma weiß nicht warum. Die 21-jährige Apothekertochter kann sich an nichts erinnern, was sie verbrochen haben könnte. Nur das etwas besonders Schreckliches vorgefallen ist, kann sie erahnen, doch ihr Geist wehrt sich gegen die negative Erinnerung. Um ihrer Vergangenheit auf die Spur zu kommen nimmt sie das Angebot von Oskar an - doch schon als sie in Australien ankommt, droht ihr Vorhaben zu scheitern. Der Expeditionsleiter Carl Scheerer duldet keine Frau im Busch und Emmas Vorstellungen vom Leben in der Wildnis bewahrheiten sich nur in Teilen. Denn das Leben hier ist gefährlich - aber auch sehr aufregend. Und bald empfindet sie für Carl mehr als nur Bewunderung. Doch ihre Vergangenheit steht ihr immer wieder im Weg. Der Einzige, der ihr anscheinend helfen kann, ist der Aborigine Birwain, der hellseherische Kräfte zu haben scheint...

Meine Meinung:
Auf Julie Leuzes Australien-Bücher bin ich schon vor einer ganzen Weile aufmerksam geworden und sowohl Der Duft von Hibiskus als auch die Fortsetzung Der Ruf des Kookaburra stehen seit Längerem auf meiner Wunschliste. Jetzt bin ich endlich dazu gekommen, den ersten Teil von Julie Leuzes Zweiteiler zu lesen - und ich kann nichts anderes sagen, als dass ich sehr begeistert von diesem war. Ich interessiere mich sehr für historische Romane, besonders für die Zeit an sich und die Handlungen der Personen, die in dieser Epoche gelebt haben. Dies kann mal gut ausgehen und mal schlecht. Julie Leuze hat mit ihrem Roman aber alles richtig gemacht und eine Balance zwischen der historischen Umgebung und der romantisch veranlagten Handlung geschaffen.

Was mir an historischen Romanen immer besonders wichtig ist, ist der Schreibstil, da es sonst sein kann, dass man gar nicht richtig in die Handlung hineinfindet und sich auch nicht mit den Personen identifizieren kann. Die Autorin nutzt in Der Duft von Hibiskus eine Sprache, die der Zeit angemessen ist, aber auch dem heutigen Leser die Handlung verständlich macht. Ich brauchte keine Eingewöhnung in die auf den ersten Blick gehobenere und schwierigere Sprache. Stattdessen konnte ich direkt in die Handlung hineinspringen und anfangen, Kapitel für Kapitel zu verschlingen. Ein weiterer Faktor, den dieses Buch an sich hat, ist, dass die Kapitel sehr kurz gehalten sind und meist mit einem Cliffhanger enden, sodass man unbedingt weiterlesen möchte. Die Handlung umfasst vielleicht ein Jahr, aber trotzdem wird man aufgrund des Schreibstils sehr in die Geschichte hineingezogen, so dass es einem vorkommt, als wäre gerade einmal eine Woche vergangen.

Julie Leuze kreiert andauernd Spannung, sowohl durch die Erkundung des australischen Buschs als auch durch Emmas Erinnerungen an ihre Vergangenheit, die durch das kursiv Gedruckte im Buch hervorgehoben werden. Immer wieder möchte man wissen, wie es weitergeht, sowohl mit den Forschungen als auch mit Emmas Suche nach ihrer verborgenen Erinnerung. Was mir hierbei sehr gut gefällt, ist, dass der Leser besonders nah an der australischen Natur gehalten wird. Emma und ihr Erkundungstrupp übernachten mitten in der Wildnis in Zelten, so dass man sich selbst so fühlt, als wäre man dabei und man könnte den sternenübersäten Himmel selbst mit den Augen erblicken. Diese Nähe zur Natur zieht sich durch das ganze Buch und ermöglicht es, sich mit Emma und ihren Erlebnissen zu identifizieren. Es wirkt fast so, als würde Julie Leuze den Leser auf eine Reise mitnehmen - ein Reise durch ein magisches unberührtes Australien, das man heutzutage nicht mehr so wirklich erkunden kann. Doch die Autorin schafft es, dass der Leser sich so sehr in die Gruppe der Forscher einfindet, dass er sich selbst als Teil davon sieht.

Dies liegt vor allem an den tollen Charakteren, die Julie Leuze aufgebaut hat. Alle Personen in dem Buch wirken echt und unverfälscht und sehr einzigartig. Emma ist weitaus fortgeschrittener als die Frau zur damaligen Zeit, sowohl im Denken als auch in ihrem Handeln und man muss sie einfach gern haben. Je mehr man über Emma erfährt, desto mehr Mitleid hat man mit ihr, so dass sie fast wie eine Freundin wirkt, die man nach einem schlimmen Erlebnis trösten muss. Auch die anderen Charaktere wirkten sehr unverfälscht, auch wenn ihre Denkweisen größtenteils denen der allgemeinen weißen Weltbevölkerung entsprachen, was sich besonders in Oskar Crusius und Georg Pagel widerspiegelt. Carl, der die männliche Hauptperson in dem Buch ist, erscheint am Anfang sehr geheimnisvoll, da er sich stetig weigert, Emma mit in den Busch zu nehmen. Sofort fragt sich der Leser warum er es tut, doch nach und nach scheint Carl aufzutauen und der Leser gewinnt ihn mindestens genau so lieb wie Emma.

Wie schon gesagt, hat mir die Ausgeglichenheit von Natur und Romanze sehr gefallen. Die Natur befand sich immer im Vordergrund, so dass lange Zeit kein Platz für romantische Momente zwischen Emma und Carl herrschte. Erst gegen Ende des Buches vermehrten sie sich, aber trotzdem schweifte das Hauptaugenmerk der Handlung nicht ab, sondern blieb bei der Natur, den Aborigines und ihren interessanten Bräuchen, die auch noch vorgestellt wurden. Alles in allem für mich ein schönes Buch, das einem vergnügliche Lesestunden bereitet.

Fazit:
Auch wenn ich Der Duft von Hibiskus erst jetzt gelesen habe, bereue ich es nicht, denn das Buch erzählt eine Geschichte, die sehr naturverbunden und spannend ist, die Liebe aber nicht komplett außen vor lässt, sondern den Leser mit kleinen portionierten Happen mit dieser nach und nach füttert. Sowohl die Protagonisten, Antagonisten und Nebenfiguren haben mir gut gefallen; alle Charaktere wirken echt und man kann sich gut in die Geschichte und ihre Persönlichkeit hineinversetzen. Auch die Sprache passt gut zu der Epoche, in der die Handlung spielt. Dieses Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise und trägt ihn so weit fort, dass er selbst meint, den Duft von Hibiskus in der Nase zu spüren. Von mir gibt es daher wohlverdiente 5 Sterne für Der Duft von Hibiskus.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 18.03.2013
Aktuelle Ausgabe : 18.03.2013
Verlag : Goldmann Verlag
ISBN: 9783442476466
Flexibler Einband: 412 Seiten
Sprache: Deutsch