Donnerstag, 27. November 2014

Rezension zu "Der Ruf des Kuckucks" von Robert Galbraith

"Good old JK" is back - und genauso genial wie immer

 

Zum Inhalt:
Lula Landry ist ein berühmtes britisches Model, das weltweit Aufsehen mit ihrer exotischen Schönheit erregt. Als ebendiese Lula Landry in einer Winternacht tot unter ihrem Balkon ihrer Wohnung im Schnee gefunden wird, ist der Medienrummel um ihren mysteriösen Tod gewaltig groß. Doch schon bald stellt die Polizei die laufenden Ermittlungen ein, ausgehend davon, dass das Model Selbstmord begangen habe. Die Sache scheint geklärt, bis der Bruder der Toten in der Detektei von Cormoran Strike, einem ärmlichen Privatermittler, auftaucht, und diesen bittet, die wahren Umstände von Lulas Tod aufzudecken. Strike nimmt den Auftrag zögerlich an, doch das hohe Honorar lockt stark. Er dringt während seiner Ermittlungen immer tiefer in die Welt der Reichen und Schönen und muss erkennen, dass hier nichts so ist, wie es scheint...

Meine Meinung:
Nachdem die Harry Potter-Reihe beendet war, war es lange Zeit sehr still um Mrs Rowling. Zwar veröffentlichte sie 2012 Ein plötzlicher Todesfall; dieser konnte aber im Vergleich nur recht wenige begeistern. Ich habe damals ihr neues Werk nicht gelesen; es hat sich nicht ergeben und zudem war ich durch die recht negativen Bewertungen auch ein wenig abgeschreckt worden. Somit sollte also mein erster Rowling Der Ruf des Kuckucks werden.
Dass der Krimi unter einem Pseudonym der Autorin veröffentlicht worden war, wusste ich beim Kaufen überhaupt nicht. Das erfuhr ich erst, als ich den Klappentext las. Ein wenig schockiert war ich schon, hatte ich halt aufgrund des männlichen Namens nicht wirklich erwartet. Trotzdem begann ich mit leichter Angst aber auch unverhohlener Neugier ihren Krimi zu lesen.

Ganz zu Beginn sollte ich am besten noch eine kleine Warnung aussprechen: Der Ruf des Kuckucks ist nicht Harry Potter und liest sich dementsprechend auch etwas anders, kehrt der Krimi dem Fantasy-Genre doch dem Rücken und beschäftigt sich eher mit dem "wirklichen Leben". Deshalb sollten die Leute, die einen Krimi á la Harry Potter erwarten, dieses Buch besser nicht in die Hand nehmen. Es behandelt nämlich eine ganz andere Thematik.
Und das ist auch gut so, denn jetzt zeigt Joanne K. Rowling auch, dass sie nicht nur Fantasy schreiben kann. Mit Der Ruf des Kuckucks traut sie sich etwas zu - und das gelingt ihr meiner Meinung nach fantastisch.

Die Sprache, die sie verwendet, mag in einzelnen Teilen ein wenig an die Beschreibungen in Harry Potter erinnern. Besonders aufgefallen ist mir das bei den einzelnen Charakterisierungen der Personen. Speziell bei den Äußerlichkeiten blieben mir die leicht übertrieben dargestellten Charakterzüge der einzelnen Protagonisten in Erinnerung. Das hat mir ausnehmend gut gefallen, dass die Autorin die Art der Charakterisierung aus ihren früheren Werken übernommen hat.
Eine weitere Gemeinsamkeit hat die verwendete Sprache allerdings noch mit den Harry Potter-Romanen: Sie fesselt den Leser von der ersten bis zur letzten Seite und man kann eigentlich gar nicht aufhören, Seite für Seite umzuschlagen, weil man unbedingt wissen möchte wie es weitergeht. Bei mir setzte dieser Sog erst ab etwa der Mitte des Buches ein, was aber eher an mangelnder Freizeit gelegen hat. Ansonsten hätte ich das Buch sicherlich in 4 oder 5 Tagen beendet.

Ganz besonders mochte ich dieses Gefühl, direkt an der Seite von Cormoran Strike "mitzuermitteln". Ich habe mich manchmal echt gefühlt, als wäre ich seine kleine Assistentin, die ihn zu den einzelnen Treffen mit den verdächtigen Personen begleitet; ein wenig wie bei Sherlock Holmes und Doctor Watson. Trotzdem ist es mir nicht gelungen Strikes Andeutungen bezüglich des Mörders nachzuvollziehen oder in irgendeiner Weise zu verstehen. Das hat mich echt richtig kirre gemacht und am liebsten hätte ich einen Blick in seinen Kopf geworfen. Aber dadurch war man sich immer der Dimension von zwei Personen bewusst, die während der Ermittlungen an dem Fall nichts übereinander und auch nichts über die Gedanken des anderen wissen. Es ist echt genial wie der Erzähler hiermit spielt, denn somit erscheint Cormoran Strike dem Leser in einer Sekunde richtig nah und in der nächsten wieder weit entfernt durch die Abschottung der Gedanken.

Die Nähe zu den Charakteren ist ein weiterer Punkt, der mir ins Auge gefallen ist. Man erfährt viel über Cormoran Strike, sein früheres Leben und auch seine derzeitigen Probleme, aber trotzdem wirkt er immer noch wie der Mann, über den man so viel wissen kann wie man möchte, wirklich kennen tut man ihn trotzdem nicht. Das heißt aber nicht, dass man ihn richtig ins Herz schließen kann, auch wenn seine Art ein wenig ruppig wirkt. Das gerade macht ihn ja auch aus.
Auch die anderen Charaktere sind grandios dargestellt, einerseits durch die tolle äußerliche Charakterisation des Erzählers, andererseits auch durch das Verhalten der Person an sich. Man kommt Lulas Bruder, ihrer Mutter oder ihrer Freundin zwar nicht so nah wie Cormoran Strike, aber dennoch ist man interessiert an dem was sie sagen, weil man selbst wissen möchte, wie sie Lula gekannt haben. Das hat mir ausnehmend gut gefallen, auch wenn hier immer eine stärkere Distanz zum Leser zu spüren war, als bei Strike oder seiner Assistentin Robin Ellacott.

Das Ende war mein persönliches Highlight des Buches. Tappte der Leser vorher vollkommen im Dunkeln, was auf der einen Seite den Mörder und auf der anderen Seite, wie dieser Lula umgebracht haben soll, betraf, klärt Strike mit präzisen Ausführungen nicht nur den Mörder über seine Vorhergensweise auf sondern auch den Leser. Nun scheint alles, was man auf Strikes Arbeit herausfindet zu einem großen Ganzen zusammenzuwachsen - und wie das zusammenwächst ergibt logischen Sinn. Ein klasse Krimi mit fulminantem Abschluss.

Fazit:
"Good old JK" kann mehr als nur Fantasy - was sie mit diesem Werk unter Beweis stellt. Es ist schon einige Zeit her, dass ich so einen pfiffigen Krimi mit so gut konstruiertem Ende lesen konnte. Auch wenn alles am Anfang keinen Sinn ergibt, leitet die Autorin den Leser mit Hilfe von Cormoran Strike an des Rätsels Lösung heran. Die Sprache ist großartig, die Charaktere sind es auch und ich habe nichts zu meckern. Mal schauen, wann ich Zeit finde, Der Seidenspinner zu lesen. Ich hoffe, das geschieht bald, denn lange kann ich ohne die Geschichten von Cormoran und Robin nicht existieren. Daher gibt es hier verdiente 5 Sterne für Der Ruf des Kuckucks.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 30.11.2013
Aktuelle Ausgabe : 20.10.2014
Verlag : Blanvalet Taschenbuchverlag
ISBN: 9783442383214
Flexibler Einband: 640 Seiten
Sprache: Deutsch