Sonntag, 7. September 2014

Rezension zu "Die Achse meiner Welt" von Dani Atkins

Was ist, wenn das Leben dir eine zweite Chance gibt?

 

Zum Inhalt:
September 2008: Rachel ist glücklich. Bald beginnt ihr Studium, dass sie zur Journalistin ausbilden soll, sie hat ihren superlieben Freund Matt und ihren großen Freundeskreis. Der einzige Wehrmutstropfen ist, dass sie diesen lange Zeit nicht sehen wird und so beschließen ihre Freunde, ein letztes gemeinsames Abendessen zu organisieren um sich noch einmal vor Unistart zu sehen. Doch dann geschieht ein schrecklicher Unfall und Rachels bester Freund Jimmy kommt dabei ums Leben...

Rachel zieht sich danach von allem zurück: von ihren Freunden, von ihrem Vater und verlässt auch den Ort, in dem sie aufgewachsen ist, um nicht mit den Erinnerungen an Jimmy konfrontiert zu werden. Erst 5 Jahre später kehrt sie aufgrund der Hochzeit ihrer besten Freundin Sarah nach Great Bishopsford zurück. Doch die Erinnerungen, die dabei aufkommen sind zu viel für Rachel und sie bricht zusammen. Als sie bald darauf im Krankenhaus aufwacht, scheint sich ihre ganze Welt um 180 Grad gedreht zu haben. Ihr Leben entspricht ihren früheren Zukunftsplänen: Sie ist verlobt und hat ihren Traumjob gefunden. Und neben ihrem Bett steht ihr toter bester Freund, lebendig und mit seinem schönsten Lächeln.

Meine Meinung:
Dieses Buch haben meine beste Freundin und ich durch eine Leserunde gewonnen. Ich habe den Titel gleich von Anfang an gemocht; im Deutschen klingt er wundervoll poetisch und lässt sich leicht lesen. Und da die Geschichte an sich schon etwas verworren schien, also praktisch nach einem Geheimnis oder eher nach einem Mysterium geschrien hat, waren wir beide natürlich gleich neugierig geworden - und haben dieses Buch geschenkt bekommen.

Schon zu Beginn wird der Leser in einer Art Prolog an die folgenden Geschehnisse herangeführt. Hier berichtet Rachel aus ihrer Sicht in einigen kurzen Sätzen was geschehen ist, ohne aber zu viel von der Handlung zu verraten. Sie bewegt sich immer noch im Rahmen des Klappentextes, verrät also nichts darüber hinaus. Das hat mir ausgesprochen gut gefallen, denn so bleibt dem Leser genug Platz und Möglichkeit für Spekulationen, was genau Rachel mit diesem "zweiten Leben" wovon sie spricht, meinen könnte. Allerdings wird dieses im ersten Kapitel gar nicht aufgegriffen, sondern berichtet rückblickend von dem Unfall vor 6 Jahren. Was ich hier sehr schön finde, ist, dass die Geschichte von Rachel selbst erzählt wird, also die komplette Handlung in der Ich-Form geschrieben ist. Das hilft dem Leser sich mit Rachel zu identifizieren und sich die vereinzelten Situationen besser vorzustellen. Deswegen ist man auch durch den Unfall und den damit verbundenen Tod von Jimmy genauso tief getroffen wie Rachel, obwohl der Leser ihn seit einem kürzeren Zeitraum kennt als unsere Protagonistin. Trotzdem ist Jimmy dem Leser sogleich sympathisch, allein wie er sich Rachel gegenüber verhält und auch wie er von Rachels Freund Mat drangsaliert wird.

In den darauf folgenden Kapiteln befindet sich Rachel in der Gegenwart, also 6 Jahre nach dem Unfall. Dass der Tod Jimmys sie natürlich tief getroffen hat, ist natürlich verständlich, allerdings fand ich ihr Verhalten zwischenzeitlich recht übertrieben. Es sah dann nämlich so aus, als würde sie sich für den Tod ihres besten Freundes verantwortlich fühlen und sich selbst dafür strafen wollen. Dieses Verhalten geht dem Leser leider schnell auf die Nerven, so dass Rachel ein wenig negativ vom Leser bewertet werden kann. Zum Glück hält dieser Zustand nicht lange an, denn bald kommt der zweite Erzählstrang hinzu, in dem Rachel sich in ihrer perfekten Welt wiederfindet. Man weiß erst gar nicht, was man davon halten soll; man ist genauso verwirrt wie Rachel, wenn nicht sogar noch mehr. Es scheint keine Lösung dafür zu geben, dass Rachel in ihrer Traumwelt wieder aufgewacht ist. Egal, welche Möglichkeit man auch durchgeht: wirkliche Anzeichen auf deren Wahrheitsgehalt gibt es nicht. Und so muss der Leser sich gemeinsam mit Rachel durch ihre neugewonnene Identität lesen. Unterstützung erhält sie hierbei von ihrem totgeglaubten Freund Jimmy. Was mich nur ein wenig wunderte, ist, dass anscheinend kein anderer außer er Rachel glaubte, dass sie die letzten 5 Jahre vollkommen anders in Erinnerung hat. Noch nicht einmal ihr Vater glaubt ihr und das fand ich schon ziemlich merkwürdig wenn ich ehrlich sein sollte.

Insgesamt hatte ich als Leserin oft schon so einige Vorahnungen, was als nächstes passieren würde. Das bezieht sich jetzt allerdings nicht auf das Ende oder was genau mit Rachels Gegenwart passiert ist, sondern eher auf die menschlichen Beziehungen, die Rachel sowohl in ihrem "ersten" als auch in ihrem "zweiten" Leben hegt. Das nahm für mich leider ein wenig die Spannung aus der Weiterentwicklung von Rachel zu ihren menschlichen Bezugspersonen. Dies wird aber durch die Suche nach Rachels zweitem Ich wieder wettgemacht. Man erfährt auch hier wieder Dinge, die bei dem Leser eher weitere Fragen aufwerfen als diese zu beantworten. Man ist immer verwirrter, was jedoch im positiven Sinne gemeint ist. Der Leser ist so neugierig, was mit Rachel passiert ist, so dass es ihm immer schwerer fällt, das Buch aus der Hand zu legen.

Das liegt auch an dem Schreibstil den Dani Atkins verwendet. Man kann sich die Personen und ihre Handlungen sehr gut vorstellen sie schreibt sehr flüssig ohne große Schnörkeleien, was auch, wie ich finde, ganz gut zu Rachels Charakter passt, denn immerhin wird die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt.

Das Ende hat viele sehr begeistert, mir hat allerdings ein bisschen zu viel gefehlt. Klar ist das Ende auch ein wenig bedrückend, aber Tränen vergossen habe ich persönlich nicht. Ich hätte gerne gewusst, was nach dem Zusammenbruch Rachels passiert: Wer hat sie gefunden? Wer hat sie ins Krankenhaus gebracht? Was war das mit den Kopfschmerzen, von denen im Laufe des Buches immer mal wieder die Rede war? Das habe ich mich nach Beendigung des Buches immer wieder gefragt, weil es schien, als würde das noch aufgeklärt werden. Schade, dass dem nicht so war.

Fazit:
Ein schönes Buch über Liebe, Familie und Identität. Ob das Ende so packend ist, wie der Klappentext verspricht, lasse ich mal dahingestellt. Ich hatte zwar eine Gänsehaut, aber trotzdem hätte ich mir gewünscht, dass die Fragen, die immer wieder auftreten, besonders am Anfang des Buches, beantwortet werden. Trotzdem hat mir die Geschichte an sich wirklich gut gefallen, auch wenn manches etwas vorhersehbar war. Deswegen gibt es von mir 4 von 5 Sternen für Die Achse meiner Welt.

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Allgemeine Infos zum Buch
Verlag : Droemer Knaur 
Originaltitel: Fractured
Erschienen: 01.08.2014 
ISBN: 9783426515396 
Flexibler Einband: 320 Seiten
Sprache: Deutsch