Mittwoch, 9. April 2014

Rezension zu "Das Urteil und andere Erzählungen" von Franz Kafka

Konnte mich gar nicht überzeugen - leider

 

Zum Inhalt:
Das Urteil und andere Erzählungen besteht aus den Geschichten Das Urteil, Die Verwandlung, Ein Landarzt, Auf der Galerie, Vor dem Gesetz, Elf Söhne, Ein Bericht für eine Akademie, In der Strafkolonie und Ein Hungerkünstler. Die Geschichten sind in sich abgeschlossen und können nicht miteinander vernetzt werden.
Franz Kafka ist wohl für seinen Namen bekannt, seine Geschichten sagen heutzutage jedoch kaum jemandem etwas. Höchstens an "Die Verwandlung" kann der ein oder andere sich erinnern. In diesem Band sind die bekanntesten Werke Kafkas gesammelt worden, um dem Leser einen Eindruck von Kafkas Schreibstil zu geben.

Meine Meinung:
Im November letzten Jahres bin ich mit meinem Deutsch-Leistungskurs nach Prag gefahren. An die Geburtsstätte Kafkas. Unter anderem haben wir einiges über ihn erfahren, nicht nur über seine Werke sondern auch über sein Leben, das nicht ganz so rosig verlaufen ist, wie man  es sich vielleicht vorstellen mag. Aufgrund dessen, dass ich begann, mich für seine Erzählungen zu interessieren, wollte ich unbedingt etwas von ihm lesen.

Mir war von Anfang an klar, dass Kafka einen besonderen Schreibstil hat. Er bleibt distanziert zum Leser mit all seinen Figuren und schreibt über sehr skurille Themen. Und obwohl ich versucht habe, mich auf seine Erzälweise einzulassen, konnte ich es einfach nicht.

Den Schreibstil fand ich am Anfang eigentlich noch recht gut, aber je weiter ich las, desto häufiger verlor ich den Faden und wusste gar nicht mehr, was ich da gelesen hatte. Auch wenn ich eine Lesepause eingelegt habe fiel es mir sehr schwer, wieder in die jeweilige Geschichte hineinzufinden, was nicht unbedingt für Kafkas Schreibstil spricht.

Auch werden die Geschichten immer verworrener, so dass man als Leser hinterher überhaupt nicht mehr durchblickt, was passiert ist und was jetzt Realität und was Fiktion ist. Das Problem ist mir besonders bei Das Urteil aufgefallen. Am Ende habe ich nichts mehr verstanden und mich wirklich verloren gefühlt, weil ich die Handlungen der Personen nicht richtig nachvollziehen konnte.

Was mich auch recht störte war, dass man als Leser zu den ganzen Personen sehr distanziert bleibt. Man fühlt sich ihnen durch Kafkas Erzählweise nicht richtig nahe und es fiel mir persönlich sehr schwer eine Beziehung zu den einzelnen Protagonisten aufzubauen. Auch das Ende mancher Kurzgeschichten hat mich nicht mit den Figuren mitfühlen lassen. Es war eher so, als wäre man ein objektiver Betrachter des Geschehens - und das möchte ich eben beim Lesen nicht sein. Ich möchte mit den Figuren mitfühlen können, mich ihnen nahe fühlen, ihr Denken verstehen. Durch Kafkas Schreibstil konnte ich das leider überhaupt nicht.

Auch blieben für mich viele Fragen in den Geschichten ungeklärt bsw. bei Die Verwandlung. Darin geht es um den jungen Geschäftsmann Gregor Samsa, der eines Morgens als Käfer erwacht - aber wieso? In den ganzen folgenden Seiten wird nicht beschrieben, warum das passiert ist und ob es nicht einen Weg gibt dies rückgängig zu machen. Normalerweise mag ich solch offene Fragen, aber hier erschienen sie mir deplatziert. Eine richtige Lösung gibt es dafür ohnehin nicht. Zumindest hier hätte ich mir eine Aufklärung der Verwandlung erhofft.

Fazit:
Nach den ganzen 181 Seiten dieses Klassikers muss ich sagen: Kafka ist überhaupt nicht mein Fall - leider. Als Person ist er sehr interessant, aber seine Geschichten rufen bei dem Leser eher Verwirrungen hervor, als dass sie ihn über bestimmte Dinge aufklären. Sicher, Kafka ist keine Bettlektüre, das ist mir schon klar, dennoch blieb fast alles für mich sehr oberflächlich und so, als wäre es nicht richtig ausgereift. Auch die Personendarstellung hat mir nicht wirklich gefallen, da ich mich nicht in ihre Lage versetzen und somit auch ihre Handlungen nicht nachvollziehen konnte. Schade. Ich habe mir etwas mehr erhofft. Deswegen kann ich leider auch nur 1 Stern vergeben, da mir die Kurzgeschichten überhaupt nicht gefallen haben.

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Allgemeine Infos zum Buch
1. Oktober 1951
Aktuelle Ausgabe : 30.12.2010
Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: FISCHER Taschenbuch
ISBN: 978-3596200191
Sprache: Deutsch