Samstag, 1. März 2014

Rezension zu "Das Glück im Augenwinkel" von Nancy Salchow

War mir zu schnell vorbei

 

Zum Inhalt:
In dem neuen Roman von Nancy Salchow spielen zwei Personen die Hauptrolle: Simon und Nita.
Simon hat vor einem Jahr seine Frau Emma verloren und solange bei seiner Schwester Marie gewohnt. Jetzt kehrt er zurück in sein altes Leben und sieht sich mit der Trauer und dem Schmerz über den Verlust seiner Ehefrau konfrontiert. Im Schlafzimmer fällt ihm zufälligerweise das Buch in die Hände, dass Emma kurz vor ihrem Tod gelesen hat und bemerkt etwas Seltsames. Die Seite 139 hat nichts mit der eigentlichen Geschichte, über die das Buch berichtet, zu tun, sondern enthält die Gedanken und Gefühle einer fremden Frau, deren Mann auch vor einem Jahr starb und die auf mysteriöse Art und Weise mit Emma verbunden zu sein scheint. Nitas Tagebucheinträge.  Doch was genau hat Emma mit ihr zu tun? Wie kann es Simon gelingen, Kontakt zu Nita aufzunehmen? Simon beginnt, Hoffnung zu schöpfen und macht sich auf die Suche, nach einer Frau, die er nicht kennt und deren Auffinden unmöglich zu sein scheint.

Meine Meinung:
Da mir schon Eins plus eins macht Leben sehr gut gefallen hat, wollte ich mich mit Das Glück im Augenwinkel an einen Roman von Nancy Salchow wagen, der einmal gänzlich der Fantasie der Autorin entspringt.

Wie schon bei ihrer Autobiografie nahm mich der Schreibstil sofort gefangen und warf mich in die Welt von Simon und Nita, die beide um ihre Partner trauern. Man wird direkt in die Handlung hineinkatapultiert und je weiter man liest, desto klarer wird dem Leser das vorherige Geschehen.

Man fühlt zwar mit den Charakteren mit, aber irgendwie hat mir dieses ganz gewisse Etwas gefehlt, dass die Personen wirklich real wirken lässt. Sie kamen mir viel zu flach vor und blieben in ihren ewigen Handlungsmustern stecken.

Simon beispielsweise trauert zwar um Emma, was sich jedoch schnell legt, da er Nitas Tagebucheinträge, die an ihren Mann Patrick addressiert sind, findet, und sich größtenteil auf die Suche nach ihr konzentriert. Darüber rückt Emma viel zu sehr in den Hintergrund.

Nita trauert um Patrick, doch als sie Simon kennenlernt bemerkt sie sofort dieses Vertraute, das zwischen ihnen herrscht. Auch hier wird Patrick relativ schnell "vergessen" und das Hauptaugenmerk liegt auf der Beziehung zu Simon.

Die anderen Charaktere blieben mir persönlich viel zu flach und unkonzipiert zurück. Sie waren einfach da, aber man hat nicht wirklich etwas über sie erfahren. Obwohl Simon öfter bei seiner Schwester einkehrt, bekommt der Leser keine großartigen Informationen über sie, außer, dass sie Simons Schwester ist und die beiden ein recht gutes Verhältnis zueinander haben. Auch Claudia, Nitas beste Freundin, kommt relativ unscheinbar und unwichtig daher und scheint auch keine wirklich tragende Rolle im Roman zu übernehmen.

Auch über Patrick und Emma wird dem Leser nicht viel gesagt. Somit kann er keine richtige Verbindung zu den beiden aufbauen und sie bleiben für ihn nur Charaktere, die auf dem Papier existieren. Der Verlust der beiden ist für ihn nicht weiter tragisch, da er beide nur flüchtig kennenlernt. Nur durch Simon und Nita wird ihm ein gewisses Mitgefühl vermittelt.

Des Weiteren habe ich mir eine Aufklärung dessen erhofft, wie die Tagebucheinträge Nitas in das gedruckte Buch, das einst Emma gehörte gelangen. Irgendwie klingt das eher nach Science-Fiction/Mystery, als dass es Teil eines Liebesromans sein könnte. Das fand ich wirklich befremdlich und hat nicht wirklich in die leicht melancholische und traurige Szenerie hineingepasst. Außerdem fand ich die Trauerbewältigung viel zu schnell. Irgendwie kam es so rüber als müsste man nur eine Nachricht einer fremden Person in einem Buch finden um den geliebten Menschen, der ums Leben gekommen ist, zu vergessen. Für mich war daher die fanatische Suche Simons nicht gerade nachvollziehbar und auch die Gespräche zwischen Nita und Simon fand ich eher in die Richtung ausgelegt, dass die beiden sich ineinander verliebt haben.

Das Ende war für mich relativ offen und somit auch realistisch. Das hat mir wiederum sehr gut gefallen. Somit kann der Leser sich in seiner Fantasie selber ausmalen, was zwischen Simon und Nita noch passieren wird oder eben auch nicht.

Fazit:
Schöne Idee, nur fand ich sie relativ befremdlich umgesetzt. Der Schreibstil ist wie immer sehr fesselnd und zieht den Leser praktisch in die Geschichte hinein. Die Charaktere hingegen fand ich viel zu flach gehalten und auch die Trauerbewältigung beider Protagonisten ging mir persönlich viel zu schnell vonstatten. Halbwegs realistisch hingegen ist jedoch das offene Ende, so dass die Fantasie des Lesers angeregt wird. Ich hatte bei diesem Roman eindeutig das Gefühl als ob irgendetwas Wichtiges fehlen würde. Der Tiefgang, der mich bei Eins plus eins macht Leben so berührt hat, war überhaupt nicht mehr vorhanden, was für mich ein wenig schade war. Denn das Nancy Salchow definitiv schreiben kann, hat sie ja schon mit ihren beiden Autobiografien und ihrem Ideenreichtum, speziell bei diesem Werk bewiesen. Daher gibt es leider nur 3 Sterne für Das Glück im Augenwinkel.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 07.02.2014
Aktuelle Ausgabe : 07.02.2014
Verlag : CreateSpace Independent Publishing Platform
ISBN: 9781495471490
Flexibler Einband: 202 Seiten