Dienstag, 29. September 2015

Rezension zu "Du und ich und all die Jahre" von Amy Silver

Silvester als Tag der Abschlüsse und Neubeginne

 

Zum Inhalt:
Nicole ist Regisseurin und lebt mit ihrem Mann Dom und ihren beiden Hunden in einem schönen großen Haus in London. Gemeinsam mit ihrem besten Freund Julian feiert sie seit Jugendtagen Silvester und tauscht sich mit ihm über ihre Neujahrsvorsätze aus. Doch seit ein paar Jahren ist nichts mehr so wie vorher. Nicholes Leben scheint in Trümmern zu liegen: Sie muss sich mit mittelmäßigen Jobs über Wasser halten, ihre Ehe kriselt seit Jahren und mit ihrer besten Freundin Alex versteht sie sich überhaupt nicht mehr. Wäre doch nur Julian hier um ihr durch ihre schwere Zeit zu helfen. Als sie eine Einladung zu einer Neujahrsparty in New York erhält, sieht sie sich mit einer noch schwierigeren Aufgabe konfrontiert. Denn wahrscheinlich wird dort auch ihr Ex Aidan anwesend sein, den sie einfach nicht vergessen kann... Wie wird Nicole also all diesen Sachen gegenüberstehen?

Meine Meinung:
Du und ich und all die Jahre war wochenlang in den Spiegel-Bestsellerlisten und ich fand die Idee dahinter sehr interessant. Es gibt einen Handlungsstrang, der in der Vergangenheit spielt, besonders auf vergangene Silvester bezogen, und einen der in der Gegenwart stattfindet. Obwohl sich die gesamte Handlung nur über wenige Tage erstreckt, sind diese auf den mehr als 300 Seiten sehr detailliert beschrieben und werden vor allem durch Nicoles Erinnerung an die verschiedenen Silvesternächte noch verlängert.

Obwohl die Sprache nicht besonders poetisch ist, sondern sich mehr auf die dargestellte Handlung konzentriert, kann man ihr gut folgen und sich auch besonders gut in die Situationen hineinversetzen. Der Leser hat somit das Gefühl, dass er die Szenerien zusammen mit Nicole durchlebt und auch mitten im Geschehen ist. Dies liegt besonders an der Ich-Perspektive, die Amy Silver in ihrem Buch verwendet. Der gesamte Roman ist nämlich aus Nicoles Sicht geschrieben. Dadurch lernt man sie als Charakter auch besonders gut kennen, allerdings nicht unbedingt auf ihre Gefühle bezogen, da die Handlung sich tatsächlich mehr auf die Interaktion der Charaktere zu konzentrieren scheint. Zudem hilft auch das verwendete Präsens, sich noch besser in die Situationen hineinzuversetzen, so dass man als Leser das Gefühl hat, alles würde vor dem inneren Auge ablaufen. Allerdings waren die Kapitel mitunter sehr lang, so dass es manchmal sehr schwer war, diese in einem Rutsch zu beenden. Damit beziehe ich mich besonders auf die Kapitel, die in der Vergangenheit spielen. Diese sind besonders detailliert herausgearbeitet worden, nicht nur, um den Leser ein wenig aufzuklären, sondern auch um die Charaktere selbst ein wenig mehr zu formen. Leider fiel es bei einer Lesepause nicht immer ganz so leicht wieder in die Geschichte hineinzufinden. Manchmal musste ich ein wenig zurückblättern um mich wieder daran zu erinnern was passiert war. Dies kam zwar nicht allzu häufig vor, dennoch war es etwas nervig. 

Kommen wir jedoch nun zu den Charakteren. Insgesamt sind Nicole und Julian die Charaktere, die am detailliertesten herausgearbeitet worden sind, Julian ist dabei auch die sympathischste Person. Die anderen Charaktere, die eher als Nebencharaktere fungierten, kamen leider ein wenig flach rüber. Dies lag vor allem daran, dass sie sehr stark in den Hintergrund rückten, da Nicoles Beziehung mit Aidan und Julian immer wichtiger zu werden schien. Zum Schluß konnte ich nicht wirklich sagen, ob ich Dom oder Alex oder allgemein einen der anderen Nebencharaktere sonderlich sympathisch oder unsympathisch fand. Alle wirkten sehr unausgereift als hätten sie keinen richtigen Charakter. Leider war ich mit Nicole als Charakter auch nicht sonderlich zufrieden. Nicole wirkt während des gesamten Buches sehr unentschlossen, da sie scheinbar nie weiß, was sie tun oder wie sie sich entscheiden soll. Dadurch, dass sie sehr sprunghaft ist und sich praktisch auf jeder Seite des Romans umentscheidet nervte sie mich nach einiger Zeit nur noch, so dass ich das Buch so schnell wie möglich beenden wollte. 

Dies war allerdings nicht der einzige Grund, warum ich das Buch verschlang. Durch die Inhaltsangabe, die meiner hier sehr ähnlich ist, erfährt man praktisch nichts über Nicole und ihre Freunde und Bekannte. Warum kriselt ihre Ehe? Was ist zwischen ihrer besten Freundin und ihr passiert, dass die beiden nicht mehr miteinander reden? Diese Fragen möchte der Leser unbedingt aufklären, was aber nicht Knall auf Fall passiert. Zwar werden dem Leser manchmal kleine Bröckchen hingeworfen, so dass er mutmaßen kann was passiert ist. Die Vergangenheitsrückblicke klären jedoch alle Ereignisse Stück für Stück auf. Dabei ist der Großteil der Wendungen sehr überraschend, was den Effekt der Neugierde noch etwas mehr verstärkt. Durch die fehlenden Informationen bleibt die Handlung durchgehend spannend und durch die neuen Fakten, die der Leser Seite für Seite aufdeckt, lernt man Julian und Nicole sehr gut kennen und versteht, warum sie als Charaktere so geworden sind, wie sie im Buch dargestellt werden. Die lässt sich allerdings nicht nur über die beiden Hauptcharaktere sagen, sondern auch über die Nebencharaktere, die über die Rückblicke definiert werden sollen.

Das Ende wurde relativ offen gelassen, trotzdem wird man als Leser zu sehr in eine bestimmte Richtung gelenkt, wie die Geschichte weitergehen würde. Hier hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin dem Leser tatsächlich etwas mehr Spielraum lässt als sie es in Wirklichkeit tut. Allgemein wirkte das Ende auf mich sehr abrupt geschrieben, so, als hätte die Autorin das Buch unbedingt beenden müssen. Dadurch wirkte das Ende recht gezwungen. Schade eigentlich, da ich mir einen runderen Abschluß für das Buch gewünscht hätte.

Fazit:
Leider eher ein mittelmäßiger Roman, der zwar mit einem interessanten Handlungsverlauf aufwarten kann, dessen Charaktere jedoch flach und nervig für mich waren. Wirklich anfreunden konnte ich mich während des gesamten Buches nur mit Julian, während Nicole für mich in ihren Entscheidungen einfach viel zu unentschlossen war. Besonders dies war für mich nach einiger Zeit sehr anstrengend. Die Idee der Geschichte ist mal etwas anderes, besonders die Art, wie diese erzählt wird, aber die Charaktere machen hier leider vieles zunichte. Zudem hätte ich mir gewünscht, dass die Sprache ein bisschen mehr auf Nicoles Gefühlswelt einging. Dies war meiner Meinung nach kaum merkbar. Dabei wäre das vielleicht auch hilfreich gewesen den Charakter etwas besser zu verstehen. Somit kann ich für Du und ich und all die Jahre leider nur 3 Sterne vergeben.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 02.01.2013
Aktuelle Ausgabe : 02.01.2013
Verlag : Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 9783499259890
Flexibler Einband 352 Seiten
Sprache: Deutsch