Samstag, 24. Januar 2015

Rezension zu "Verführung" von Elizabeth Anthony

Shades of Grey 2.0 - nur mit mehr historischem Hintergrund

 

Zum Inhalt:
Belfield Hall 1920: Sophie ist jung, hübsch und träumt davon eines Tages als Tänzerin in den großen Londoner Theatern aufzutreten. Dumm nur, dass sie als Küchenmagd des großen Herrenhauses Belfield Hall nie die Chance erhalten wird, jemals in einer Revue zu tanzen. Das glaubt Sophie zumindest - bis ein Erbschaftsstreit um den Landsitz entbrennt. Und Lady Beatrice, Sophies Herrin, dem Küchenmädchen ein äußerst unmoralisches Angebot macht: Sophie soll sich in ihrer Unschuld dem neuen Erben von Belfield Hall präsentieren. Zur Belohnung darf sie nach London ziehen und dort tanzen. Sophie befindet sich im Zwiespalt: Soll sie das Angebot annehmen und dabei riskieren, dass ihr Name in Verruf gerät? Oder soll sie besser ihr geordnetes Leben in der Küche von Belfield Hall führen, wie es eigentlich für sie vorherbestimmt ist?

Meine Meinung:
Verführung habe ich bei einer Leserunde gewonnen und ich muss zugeben, dass ich doch sehr skeptisch war. Nachdem mir der erste Teil von Shades of Grey gar nicht gefallen hat, war ich auch etwas misstrauisch was Verführung anging und hatte das Buch über ein Jahr im Regal stehen. Jetzt überkam mich trotzdem mal die Lust, das Buch zu lesen und so schnappte ich mir den Wälzer und ging an die Arbeit.

Elizabeth Anthonys Schreibstil ist leicht verständlich und man kann dem Handlungsverlauf leicht folgen. Allerdings fand ich leider, dass der Schreibstil an sich ganz okay war, aber man trotzdem nicht das Bedürfnis hatte die Geschichte um Sophie weiterzulesen. Man hatte zwar das Gefühl, dass man sich durch die verwendete Ich-Perspektive besonders gut in Sophie hineinversetzen konnte, aber trotzdem motivierte mich das nicht, weiterzulesen.
Was um Belfield Hall herumgeschah, d.h. was die anderen Mägde und Diener aber auch die anderen Herrschaften taten, fand ich sehr interessant gestaltet. Dadurch konnte man sich einige Situationen wirklich gut vorstellen, eben weil sie gut für den Leser illustriert worden waren. Dies bewirkte auch, dass der Leser sich wirklich gut in die Zeit und in die Szenerie hineinversetzen konnte. Diese Teile der Geschichte haben mir eigentlich am besten gefallen. Und hätten mir eigentlich auch vollkommen gereicht, um ehrlich zu sein.

Dass es in dem Buch um Sex geht, ist wohl längst kein Geheimnis. Und eigentlich wollte ich mich nur davon überzeugen lassen, dass nicht alle erotischen Romane so sind wie die Shades of Grey-Reihe. Leider konnte Verführung mich dahingehend überhaupt nicht überzeugen. Für mich gab es zu viele Parallelen mit der berühmten Buchreihe von E.L. James und zwar so viele, dass das für mich schon nicht mehr schön sondern nur noch langweilig war. Das fand ich äußerst schade. Leider hat Elizabeth Anthony in der Hinsicht meiner Meinung nach kein Stück Innovation geliefert. So werden Leser der Shades of Grey- oder Crossfire-Reihe sehr viele Ähnlichkeiten feststellen können. Ich habe zwar nur den ersten Teil der Shades of Grey-Reihe gelesen, trotzdem konnte ich in den Situationen viele Ähnlichkeiten feststellen.Das betrifft allerdings nicht nur die Situationen, sondern auch die Charaktere.

Dass Sophie noch Jungfrau ist, finde ich verständlich und nachvollziehbar, ist der Roman im historischen Kontext nicht ganz mit Erotikliteratur, die in der heutigen Zeit spielt, vergleichbar. Allerdings fand ich die Parallelen zwischen Lord Ashley und Christian Grey doch etwas sehr absichtlich gestaltet. Das fand ich sehr schade. Anscheinend stehen Frauen auf geheimnisvolle Männer mit komischen sexuellen Neigungen...

Auch was die restlichen Charaktere betraf, war ich nicht wirklich zufrieden mit ihrer Gestaltung. Natürlich spielen Sophie und Lord Ashley die Hauptrollen in der Geschichte, aber trotzdem hatte ich das Gefühl als würden sie nicht wirklich "echt" auf den Leser wirken. Zwar erlebt man die Geschichte durch Sophies Augen, und man konnte sich gut in ihre Situation hineinversetzen, aber sie erinnerte mich vom Charakter her einfach zu sehr an Anna aus Shades of Grey. Das machte Sophie für mich nicht wirklich glaubwürdig und daher auch eher zu einem flachen Charakter. Genau dasselbe war es mit Lord Ashley. Beim Charakterisieren musste ich immer wieder an Christian denken. Auch hier konnte der Charakter mich nicht recht überzeugen. Bei den Nebenfiguren war es genau das Gleiche. Zwar tauchten besonders am Anfang des Buches im Herrenhaus immer wieder Nebenfiguren auf, die der Leser auch nach recht kurzer Zeit gut charakterisieren konnte, aber je weiter man liest desto unwichtiger werden diese. Besonders in der Mitte des Buches wird die Flatterhaftigkeit der Nebenpersonen besonders deutlich, was einen nach einiger Zeit richtig nerven kann und man anfängt die Augen zu verdrehen. In dieser Hinsicht war ich also nicht wirklich von der Charaktergestaltung begeistert, eben weil kein Charakter es schaffte, dass ich mich so richtig in die Geschichte eingebunden fühle.

Erst ab der Mitte wurde das Buch einigermaßen interessanter für mich und konnte mich ein wenig mehr mitreißen. Trotzdem konnte für mich die rasche Abfolge der Handlung die recht lasch gestalteten Charaktere nicht wettmachen.
Zu dem Ende kann ich eigentlich gar nichts sagen, weil es mich schlicht und einfach nirgendwo besonders berührt hat. Das fand ich sehr traurig. Man liest fast 380 Seiten, nur um dann am Ende des Romans nicht wirklich etwas fühlen zu können. Ich könnte wirklich nicht sagen, dass mich das Ende in irgendeiner Art und Weise sonderlich schockiert, erfreut oder sonst irgendwie emotional berührt hätte. Ich kann letztlich aus diesem Buch überhaupt nichts mitnehmen.

Fazit:
Leider nicht ganz so wie ich es mir erhofft hatte. Ich mag die historischen Sachen, die die Autorin eingebaut hat und dass dieser historische Kontext im Roman eine wirklich große Rolle spielt. Allerdings rückt dieser Kontext nach und nach in den Hintergrund und ich hatte wirklich das Gefühl, dass es nur noch um Sophie und Lord Ashley gehen würde. Das war nach einiger Zeit wirklich zermürbend. Die Parallelen zwischen den einzelnen Charakteren aus Verführung und anderen erotischen Romanen fand ich mehr als nur zufällig. Manchmal kam ich mir vor als würde ich Shades of Grey (nochmal) lesen – nur mit ein bisschen mehr historischem Hintergrund. Die Charaktere waren viel zu flach und vorhersehbar und haben nach einiger Zeit ziemlich genervt, weil sie immer wieder in ihren gleichen Handlungsmustern blieben. Dadurch hatte ich auch irgendwann keine richtige Lust mehr auf das Buch, so dass mich der Schluss überhaupt nicht berühren konnte. Der erotische Roman bekommt daher leider nur 2 von 5 Sternen von mir.
Es soll wohl noch ein zweiter Band erscheinen, bisher allerdings nur auf Englisch. Das Erscheinungsdatum der deutschen Ausgabe ist noch nicht bekannt gegeben worden. Mal schauen, ob ich diesen dann auch noch lese.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 02.01.2014
Aktuelle Ausgabe : 02.01.2014
Verlag : Rowohlt Taschenbuch
ISBN: 9783499228605
Flexibler Einband: 384 Seiten
Sprache: Deutsch