Mittwoch, 28. Januar 2015

Rezension zu "Die Auserwählten: Im Labyrinth" von James Dashner

Wurde für mich erst gegen Ende richtig spannend

 

Zum Inhalt:
Im Labyrinth ist der 1. Band der Reihe Die Auserwählten. Als Thomas auf einer seltsamen Lichtung erwacht, die er noch nie in seinem Leben zuvor gesehen hat, kann er sich an nichts erinnern, außer an seinen Namen. Dies geht jedoch nicht nur ihm so, sondern auch den anderen 40 Jungen, die ihn bei seiner Ankunft begrüßen. Vollkommen verwirrt versucht Thomas herauszufinden, warum er hier ist. Die Jungs, die sich selbst "Lichter" nennen, sollen einen Ausweg aus dem Labyrinth finden, das sich hinter den riesigen Toren, die die Lichtung umgeben befindet. Thomas möchte helfen und einer der Läufer werden, die tagtäglich das Labyrinth erkunden und nach einem Ausweg suchen. Doch es ist gefährlich, durch das Labyrinth zu streifen, besonders nachts, und schon bald befinden Thomas und die anderen Lichter sich in großer Gefahr.

Meine Meinung:
Momentan schießen Dystopien aus dem Boden wie nie zuvor und viele werden hochgelobt und als großer Kino-Blockbuster verfilmt. Auch bei dem ersten Teil der Maze Runner-Reihe war dies so und deswegen war ich auch gleich angetan, als ich den Trailer im Kino sah. Und da dieser so vielversprechend aussah, musste ich gleich das Buch dazu lesen.

Irgendwie fand ich die Idee, das man praktisch nichts über den Hauptcharakter weiß, extrem spannend und eigentlich war genau das der Punkt, wo die Geschichte mich extrem mitgerissen und angesprochen hat. Ich fand die limitierte Perspektive, die man durch Thomas' Gedächtnisverlust einnimmt, total gut gemacht und man möchte mehr über ihn erfahren: welche Person er vor der Sache mit dem Labyrinth war, mit wem er etwas zu tun hatte und vor allem warum gerade er auf der Lichtung gelandet ist. Einige dieser Fragen werden am Ende des ersten Teils aufgeklärt, was mir gut gefallen hat. So bekommt man als Leser eine leichte Ahnung, was mit den Lichtern passiert ist, aber die Spannung auf den zweiten Teil wird dennoch geschürt, da nicht alles verraten wird, was essentiell für die Geschichte ist. Das hat mir wirklich gefallen und mich neugierig auf den zweiten Teil der Reihe gemacht.
Leider fand ich es ein wenig schade, dass man nicht wirklich Thomas selbst ist, wenn es um die Erzählperspektive geht, sondern außerhalb der Lichter und eher wie ein stiller Beobachter hinter Thomas herläuft und alles erlebt. Wenn James Dashner hierfür die Ich-Perspektive genommen hätte, hätte ich mich um Längen besser in Thomas hineinversetzen können. So aber fühlte ich mich etwas distanziert, nicht nur von Thomas sondern vom allgemeinen Geschehen auf der Lichtung.

Der Schreibstil von James Dashner ist sehr detailliert, so dass man sich als Leser vieles genau vorstellen kann. Wenn man zuerst den Trailer gesehen hat, kann es natürlich sein, dass man mehr Illustrationen zu den einzelnen Gebäuden im Kopf hat. Trotzdem konnte man seinen Erzählungen leicht folgen, da er in einer sehr verständlichen Sprache schreibt. Zu Anfang des Romans führt der Autor dem Leser einige Begrifflichkeiten vor, die die Lichter in ihrer Alltagssprache gebrauchen. Worte wie "Neppdepp" oder "Klonk" erscheinen zunächst ein wenig der Kindersprache entnommen und keinen tieferen Sinn zu haben. Je weiter man jedoch in der Handlung voranschreitet, desto deutlicher wird dem Leser die Bedeutung dieser Worte. Ist man zunächst wie Thomas total ahnungslos von dem Leben auf der Lichtung, so wächst man doch genau wie er immer mehr in die Gemeinschaft der Lichter hinein und versteht ihre Sprache, die sie verwenden, am Ende genauso gut wie Thomas. Man wird sozusagen selbst in die Gemeinschaft eingegliedert.

Kommen wir nun jedoch zum weiteren Handlungsverlauf der Geschichte. Klingt die ganze Story um Thomas und die Lichter doch sehr mysteriös und von Geheimnissen durchzogen, muss ich sagen, dass ich die ersten 200 Seiten des Buches so langweilig fand, dass ich es am liebsten abgebrochen hätte. Irgendwie kam ich nicht richtig in die Handlung rein und nichts motivierte mich so wirklich, das Buch fortzuführen. Das fand ich wirklich schade, vor allem, da der Anfang so vielversprechend klang. Allerdings passierte auf diesen 200 Seiten auch kaum etwas, weshalb ich wirklich mit dem Gedanken spielte, die Geschichte auf sich beruhen zu lassen. Erst kurz danach kam etwas Leben in die Geschichte, jedoch auch nicht so viel, als dass ich total von der Handlung mitgerissen wurde. Das passierte nämlich erst gegen Ende des ersten Teils, was für mich eigentlich nicht unbedingt den Bedingungen eines guten Buches entspricht. So konnten mich insgesamt nur etwa 270 Seiten von etwa 500 begeistern. Ist zwar mehr als die Hälfte, aber dennoch sehr wenig.

Auch mit den Charakteren bin ich noch nicht wirklich warm geworden. Natürlich merkt man schon, wem Thomas vertraut, aber mir fiel dies nicht ganz so leicht, da einige Charaktere sehr zwiespältig Thomas gegenüber handelten. Das machte es mir nicht leicht, diese Charaktere einzuschätzen, ihnen zu vertrauen und sie ins Herz zu schließen. Dass ich überhaupt einen Charakter ins Herz geschlossen habe, ist nur bei Chuck der Fall; ansonsten hatte ich einfach noch zu wenig Informationen zu Thomas, den Lichtern und ihren Handlungsweisen selbst, so dass ich keine Möglichkeit hatte, die anderen Personen etwas näher kennenzulernen und zu entscheiden ob ich sie nun mag oder nicht. Wie schon gesagt, hatte ich auch zu Thomas keine richtige Bindung, da ich mich schon durch die Erzählperspektive sehr distanziert von ihm fühlte. Ich denke mal, dass der Autor damit auch die Distanziertheit Thomas' von sich selbst widerspiegeln wollte, aber trotzdem sagte mir das gar nicht zu. Somit muss ich leider auch sagen, dass selbst Thomas als Charakter mich noch nicht ganz überzeugt hat.

Trotzdem möchte ich die Reihe weiterlesen, auch wenn ich jetzt viele Kritikpunkte angebracht habe, denn das Ende macht Lust auf mehr und hinterfragt sehr vieles was geschehen ist, besonders was deren Wahrheitsgehalt betrifft. Ich bin gespannt, was Thomas und die Lichter im 2. Band der Serie erleben werden, denn das relativ offene Ende schürt die Vorfreude doch sehr.

Fazit:
Um ehrlich zu sein, habe ich mir ein wenig mehr von dem Buch erhofft. Da ich den Film (noch) nicht gesehen habe, kann ich gar nicht sagen, ob es sich mehr lohnt, den Film zu schauen oder das Buch zu lesen. Die Distanz zwischen den Charakteren und dem Leser war einfach so groß, dass man sich überhaupt nicht entscheiden konnte, ob man einen Charakter mochte oder eben nicht. Zwar fand ich die Idee echt cool, dass Thomas sich an nichts erinnern kann und dem Leser damit auch in seiner Sicht auf ihn einschränkt, aber irgendwie hätte ich es mir gewünscht, dass ich mich ein bisschen mehr in Thomas hineinversetzen kann. Auch, dass auf den ersten 200 Seiten kaum etwas passiert ist, fand ich sehr enervierend und hätte mir hier ein bisschen mehr Leben gewünscht. Wenn man dann aber doch bis zum Ende des Buches abwartet, bekommt man ein Ende serviert, so dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Es leitet perfekt zum 2. Teil über und macht neugierig auf das weitere Geschehen. Für den ersten Band der Maze Runner-Reihe vergebe ich daher nur 3 von 5 Sternen.

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Allgemeine Infos zum Buch
Erscheinungsdatum Erstausgabe : 01.10.2014
Aktuelle Ausgabe : 01.10.2014
Verlag : Carlsen Verlag GmbH
ISBN: 9783551313485
Flexibler Einband: 496 Seiten
Sprache: Deutsch